Mannheim
Compact Memory

Neue Nationalzeitung · 1915-04-23 · Heft 8 (23.4.1915) · p. Seite 72

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 8 (23.4.1915)
Date
1915-04-23
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2425679-2425942-2425951--3159-2429726
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Mr. 8 meiner Feldkappe ein Abzeichen, das in der Armee einzig dasteht — den Schild Davids, die ineinander verschlungenen Dreiecke — und daran erkannten mich die jüdischen Soldaten. Ich segnete Gräber ein, stand Verwundeten und Sterbenden bei und schrieb Briefe an die Angehörigen der jüdischen Soldaten. Zudem bevorstehenden Passah fest wird jeder im Felde stehende jüdische Soldat ein Paket Osterbrote und sonstige traditionelle Nahrungsmittel erhalten. Selbstverständlich ist es nicht möglich, daß die Soldaten im Felde nur angesäuertes Brot essen. Eine bekannte jüdische Familie trägt die Kosten für ein von mir zusammengestelltes Gebetbuch für Ostern, das im Felde zur Verteilung gelangt. Auch an die Flotte werden diese Gebetbücher versendet, und so werden die Juden sowohl zur See als auch in den Schützengräben das Passahfest feiern können, Einen besonders tiefen -Eindruck machte mir die Harmonie, die zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen an der Front herrscht. Alle arbeiten zusammen, und man kann von einer Fusion der Konfessionen an der Front sprechen. Von den Spitalseinrichtungen kann ich nur mit der größten Bewunderung sprechen. Ich habe die verschiedensten Spitäler besucht, solche, die in erstklassigen Hotels, in alten Schlössern, in Jesuitenldöstern und auf den Rennbahnen untergebracht waren. In Etretat ist das Theater in ein Spital verwandelt. An Stelle der Sesselreihen sind Betten aufgestellt worden, in denen die Verwundeten liegen, und zuweilen geben ihnen ihre Kameraden von der Bühne herab eine Vorstellung. Das Spitalsystem ist überhaupt ein Triumph geschickter Organisation." Der Rabbiner lobt den Heldenmut und die Geduld der Kranken und Verwundeten und schließt damit, daß ihm viele Franzosen gesagt hätten, sie wären stolz, an der Seite der Engländer kämpfen zu dürfen Die ungarische Fahne und der jüdische ffonved. Der Warschauer „Hain t" bringt eine rührende Schilderung von der Vaterlandsliebe eines jüdischen Honveds, der als Verwundeter im Kiewer Lazarett schwer krank darniederliegt. Als man ihn nach seiner Einliefrung umkleiden wollte, wehrte er sich mit aller Kraft dagegen und wollte in seiner ungarischen Uniform bleiben. Da man ihn mit Gewalt entkleidete, brach er in heftiges Schluchzen aus. Das geheimnisvolle Rätsel löste sich. Der verwundete jüdische Krieger hatte die ungarische Fahne seines Honvedregimentes um den Leib gewickelt, damit sie nicht in russische Hände fallen sollte. Seit er seine Fahne verloren weiß, ist er ganz trostlos und niedergeschlagen Personal-Nachrichten. Mittwoch, den 14. d. M. hat im -Leopoldstädteir Tempel die Trauung des Frl. Hannäka Thal er, Tochter des Hof- und Gerichts-Advokaten Dr. Eduard T h a I e r, mir Herrn Dr. Leo Rabinowitz stattgefunden.^ Todesnachricht Am 1. April 1. J. verschied nach langem und schwären Leiden Herr Abraham Mieses, Sohn des Herrn Jacob Oscar Mieses, Großkaufmann, Gemeinde- und Kultusrat usw. aus Przemysl. Der Verstorbene, der in dem blühendsten Jünglingsalter stand, verfügte über eine große Bildung, war ein guter, bescheidener und in sich gekehrter Mensch und erfreute sich allgemeiner Liebe und Achtung. Friede seiner Asche! Liste der Ausgetretenen, Vom 6. bis 20. April 1915. Nr. 166-187. Arzt Jakob/Di-., k. iL k. Oberstabsarzt II. Klasse, geb. am 28. Juni 1865 in Sadowa Wäsznia, III.,'Hegergasse 9. Arzt Sala geb. Birnbaum, Oberstabsarztensgattifn, geb. am 8. August 1879 in Ulanow, III., Hegergasse'9. Beer Max, Händler, geb. am 21. März 1868 -ki Wien. XIX., Döblinger Hauptstraße 46. Bienstock Norbert, Realschüler, geb. am 31. Mai 1899 in Wien, II. , Taborstraße 64. Billitzer Else Olga, Schauspielerin, geb. am 7. März 1878 in Wien, III., Sechskrügelgasse 2. Brauer Karl. Kaffeekoch, geb. am 13. Mai 1884 in Wien, X., Gudrunmstraße 178. Czaczkes Betty, Private, geb. am 13. Februar 1892 in Lemberg, III. , Petrusgasse 6. Eisenstädter Otto, Realschüler, geb. am 30. August 1898 in Versecz (Ungarn), II., Praterstraße 60. Eisler, geb. Herer Adelheid Lea, Private, geb. 13. Dezember 1853 in Wien, VIII., Piaristengasse 46. Gcldberger Bela, Schüler, geb. am 26. Dezember 1898 in Szegetfalu (Ungarn.), IL, Am Tabor 12. Goldberger Pepi, Private, geb. am 9. August 1869 in Lauschütz (Ungarn), II., Am Tabor 12. Herz Flora, Kontoristin, geb. am 3. Februar 1864 in Wien, I., Domgasse 1. Hoff mann Samuel Fritz, Oberkellner, geb. am 14. Deze^j»f^|£* 1887 m Zwemtendon (Bez. Böhmen), V., Storkgasse IT**** Kohn Sophie, Private, geb. am 17. März 1898 in Wien, IL, Rueppgasse 8. Löhner Maximilian, Kaufmann, geb. am 30. September 1877 in Wildenschwert (Böhmen), IX., Bleichergasse 6. Löwenstein Emil, Kaufmann, geb. am 15. November 1887 in Wien, VII., A-ndreasgasse 1. Mogan Oskar, Mittelschüler, geb. am 12. April 1901 im Wien, IL, Allürftenstraße 14. Olbert Josef, Einj.-Freiwilliger, geb. am 12. August 1885 in Wien, XVII., Kronikagasse 16. Scheer Chala, Bedienerin, geb. am 22. Jänner 1866 im Tarnobcze, Galizien, XX., Romanogasse 11. Singer, geb. Feistauer Emma Klara, Private, geb. am. 8. Feber 1887 in Steinseifen (Riesemgebirge), IL, Gr. Mohreng. 27. Strasser Vilma, Zeiehmerin, geb. am 24. April 1893 im Berlin, VII., Bandgasse 32. Weiner Otto, Schriftsteller, geb. am 3. September 1895 in Wien, IX., Glasergasse 5. Briefkasten der Redaktion. Dr. K. Sie beleuchten und rügen scharf das Verhalten des „den gesamten Interesse des — Judentums" gewidmeten publizistischen Organs des dermaligen Wiener Kultusvorstandes den wahren Größen des Judentums gegenüber. Sie zeigen, wie ein großer Jude vom Schlage eines N. Leven, des Präsidenten der Alliamce Isr. Univ. und ICA., dessen ganzes und langes Leben den wirklichen Interessen des Judentums gewidmet war, von der „Oest. Wochenschrift", dem Sprachrohr des dermaligen Wiener Kultusvorstandes, behandelt wird: „Da wird im eurem abgelegenen Winkel in wenigen Worten die Todesanzeige des auch um das g ali zische Judentum so hoch verdienten Leven gebracht. Und selbst diese dürre Anzeige muß der „Oest. Wochenschrift" erst von einem Berliner Verein diktiert werden! Während dieses selbe Blatt Eintagsfliegen in spaltenlangen diLtyrambischen Leitartikeln besingt!" — Sie übersehen dabei, verehrter Herr Einsender, nur die Kleinigkeit: Leven war der Wohltäter des Judentums. Ein Kultuswähler: Wir danken Ihnen für Ihre Mitteilung, daß hinter den Kandidaturen der Budapester Rabbiner der bekannte Friedhofspascha Kauders steckt, der in tdüesem Import eine landesmännische Errungenschaft sieht. Derselbe Herr hat ja auch die famose Kandidatur aus Szegedin forciert. Er dürfte sich aber auch diesmal die Fänger verbrühen. Rabbinerwahlen sind doch kein Weinhanidlel. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz L Söhne, Wien II, Robertgasse 2.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.