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Neue Nationalzeitung · 1915-03-26 · Heft 6 (26.3.1915) · p. Seite 54

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 6 (26.3.1915)
Date
1915-03-26
Page
Seite 54 (sequence 10)
Language
German
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öeite 64 .Neue National-Zeitühg" Nr. 6 Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Zur Statistik der jüdischen Flüchtlinge. Eine offizielle Statistik über die in den westlichen Provinzen unserer Monarchie verteilten Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina ist nicht vorhanden. Nach oberflächlichen Berechnungen dürften sich in Wien zirka 150.000, in Mähren zirka 25.000 (davon in den drei Barackenlagern zirka 15.000) und in Böhmen sowie in den Alpenländern zirka 100.000 jüdische Flüchtlinge aufhalten. Zieht man in Betracht, daß Galizien und Bukowina über 800.000 jüdische Seelen zählten, so resultiert, daß mehr als eine halbe Million Juden in ihren Heimstätten verblieben und den barbarischen Verfolgungen der russischen Henkersknechte Preisgegeben ist. Die Flüchtilngs-Baracken in Bruck a. d. L. Wie wir erfahren, sind in jüngster Zeit die Baracken in Bruck an der Leitha von jüdischen Flüchtlingen bezogen worden. Hier werden hauptsächlich Personen untergebracht, die aus Ungarn oder Krakau eintreffen. Ihre Zahl beträgt vorläufig 1700. Das Barackensystem ist anders als in Mähren, denn jede Baracke besteht aus zehn abgesonderten Räumen, die zusammen 50 Personen fassen. Mit der Leitung der Baracken ist Siatthaltereikonzipist Dr. Fleischhacker aus Wien betraut, den unser Gewährsmann als einen sehr humanen und für sein Amt befähigten Mann schildert. Dank seiner Intervention werden demnächst eine 8 klassige Schule und ein Bethaus innerhalb der Barackenstadt erstehen. _ * Das amerikanische Hilfskomitee in New.York. Das amerikanische Hilfskomitee in New-York hat zur Unterstützung der notleidenden Juden in den vom Kriege verheerten Ländern bereits über zirka zwei Millionen Kron e n gesammelt. Hievon wurden für Oesterreich-Ungarn an die Wiener „Isr. Allianz" bereits über K 100.000 angewiesen. Das New-Yorker Komitee hat bezüglich der Verteilung dieser Beträge keine bestimmten Weisungen erteilt, doch wurde von ihr Herr Max Paul-Schiff in Wien, der bereits seit Jahren als Kurator der Baronin Hirsch'schen Wohltätigkeits-Stiftung eine große philantropische Tätigkeit entwickelt, zum Vertrauensmann mit einem Vetorechte bestellt. * Die Israel. Allianz und die Orthodoxen in Ungarn. Von dem amerikanischen Gelde hatte die Israel. Allianz auch einen Teil zur Unterstützung der in Ungarn weilenden Flüchtlinge hergeben wollen, doch stellte sie zur Bedingung, daß die Orthodoxen mit den Reformierten resp. die orthodoxe Zentralkanzlei und die Israel. Landeskanzlei in Budapest sich zum Zwecke gemeinsamen Vorgehens in Verbindung setzen. Dieser Plan scheiterte an dem Widerstande der Orthodoxen, respektive des Präsidenten Frankl, welcher jedes Einvernehmen mit den Reformierten ablehnte. Nach langen Unterhandlungen wurde der orthodoxen Kanzlei ein Betrag von K 20.000 unmittelbar vor den Feiertagen angewiesen. Hievon sollen nun, wie das Organ der Orthodoxen, die Budapester „Allg. Jüdische Zeitung" meint, zuerst die Flüchtlinge in der Provinz, dann die jüdischen Insassen der russischen Kriegsgefangenenlager, sowie die im Felde stehenden und in den Spitälern befindlichen jüdischen Soldaten beteilt werden, so daß für die Flüchtlinge in Budapest kaum 30 bis 40 Heller pro Person erübrigen würden. Das ist gewiß bedauerlich, aber man sollte doch annehmen, daß die orthodoxe Landeskanzlei, wenn sie zum Schaden der Unterstützungsbedürftigen die gemeinsame Arbeit mit den Reformierten ablehnt, auch selbst welche Fonds aufbringen würde. Es scheint aber in diesem Lager die Opferwilligkeit nicht auf der Höhe des Parteiezelotismus zu stehen. * Eine Wohltätigkeits-Akademie. „Für das Kind" ist die Devise des zugunsten der armen Flüchtlingskinder in den Barackenlagern zu Nikolsburg, Pohrlitz, Gaya usw .und der Wiener Brockensammlung für jüdische Arme, Samstag, den 27. März um halb 8 Uhr abends, im Großen Musikvereinssaale veranstalteten großen Wohltätigkeits- Akademie (Kabarett-Abend). In liebenswürdiger Weise haben sich erstklassige Kunstkräfte der Wiener Theater und Kabaretts in den Dienst der Hilfsaktion gestellt. Ihre gefl. Mitwirkung sagten zu: Opersängerin Fr. Raja Barber- Waldberg; Herr Komponist Edmund Eysler; Herr Rieh. H o f f m a n vom Prager Deutschen Theater; Homunkulus (Herr Dr. Robert Weil, k. u. k. Kriegsfreiwilliger); Frl. Mimi Marlow; Herr Paui Morgan; Violinvirtuosin Fr. Gertrudc PopperJanowitzer; Frl. Else Said er n vom Etabl. Heinr. Eisenbach; Opernsänger Herr Paul Schwarz, Tenor des Hamburger Stadttheaters; k. u. k. Kriegsfrei will.; Kapellmeister Ernst Steffan; Fr. Trude Voigt; Herr Theodor Weiß vom Deutschen Volkstheater; Herr Turl Wiener k. u. k. Kriegsfreiwilliger, Fr. Gisela Werbezirk vom Josefstädter-Theater, u. a. Karten im Komiteelokal: Baukanzlei Sig. Barber, IX., Universitätsstraße 4. Tel. 23.193. * Spenden für die galizischen Flüchtlinge. Bei der „Neuen National-Zeitung" bisher eingegangen K 1925. Sammlung des Herrn Ch. W e i t z n e r in Sarajevo . K 100.— Spende des Herrn Dr. Leo Schönfeld, Oberbezirksarzt in Zepce............-.„ 20.— Spende eines Anonymen durch Herrn J. K r e p p e 1 . „ 5 — Hiezu die bereits ausgewiesenen...... ........ 1SÜ0.— Summe . . . K 1925.— Hievon wurden seit dem Ausweise in der Nr. 1 d. J. überwiesen: An den Verein „Machsike Hadas" zur unentgeltlichen Ausspeisung strenggläubiger Juden weitere . . . K 200.— An die Speisehalle des „Verbandes der galizischen humanitären Vereine", II. Schiffamtsgasse 20 . . „ 100.— An dieselbe Speisehalle die obige Spende des Herrn Dr. Leo Schönfeld............„ 20.— An unterstützungsbedürftige Flüchtlings-Familien zur Linderung momentaner Not und in letzter Zeit zur Anschaffung von Mazzoth ........ 400.— Da unsere Sammlung bald zur Neige geht, bitten wir um weitere Spenden. Die Administration der „Neuen National-Zeitung" wird bestürmt von Bittstellern, die vom offiziellen Flüchtlings-Komitee leider neben dem täglichen Subsistenzbetrag von 30 Heller so äußerst geringe Zuschüsse erhalten, daß sie unbedingt auf Unterstützung angewiesen sind. Und die Not der armen Flüchtlinge wird mit jedem Tage größer, denn ihre Ersparnisse sind zu Ende. Kriegsnachrichten. Auszeichnung der Brüder Rothschild. Die beiden Mitglieder des Wiener Hauses Rothschild, Rittmeister Alfons Maier und Oberleutnant Egon Maier Freiherr von Rothschild, erhielten für vorzügliche Dienstleistung vor dem Feinde das Signum laudis mit der Kriegsdekoration. * Amerikanische Juden für Deutschland. In einem Amerikanischen Brief der „Jüdischen Presse" lesen wir: „Solche und ähnliche Betrachtungen mögen es auch mit sich bringen, daß die überwiegende Mehrheit der amerikanischen Juden mit den Deutschen sympathisiert; sogar in manchen Kreisen bis zum Enthusiasmus emporlodert. So mag es gewiß in Deutschland interessieren, daß junge, reiche und den ersten

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