Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 6 (26.3.1915)
- Date
- 1915-03-26
- Page
- Seite 55 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 ..Neue Natiomü-Zeitung^ Seite 55 jüdischen Kreisen angehörige Ladies — Damen — sich ihres Diamanten- und Goldschmuckes, sogar ihres oft kostbaren Pelzwerkes entäußerten, um den Erlös für Deutschlands Sieg zu sammeln. Diese jungen Damen tragen jetzt eiserne statt Goldringe — und sie stehen ihnen ebenso gut, wie zuvor die diamantenen. Leider kann man die gleiche Begeisterung für Deutschland sonst nirgends bei der amerikanischen Jugend finden. Es kommt sogar vor, daß die Kinder eingewanderter nichtjüdischer Deutschen ihre Sympathien denEngländernzuwenden, wodurch nicht selten Zwietracht ins Familienleben getragen wird. Im allgemeinen glaubt man in hiesigen jüdischen Kreisen, daß den Juden Deutschlands noch manche wichtige Mission zufallen wird. Ihre glühende Vaterlandsliebe, ihre große Opferwilligkeit, ihre Tapferkeit und ihre ausgeprägte Intelligenz machen sie zu den nützlichsten und zuverlässigsten Burgern. Ihre kosmopolitischen Beziehungen zu allen Juden der ganzen Welt werden einst Deutschland unzählige moralische und materielle Vorteile einbringen." *■ Die Kriegsspende der Bnei-Brith-Logen Deutschlands. Der Lazarettzug der Bnei-Brith-Logen Deutschlands, bestehend aus 28 Waggons hat am vorletzten Montag Mittag den Steglitzer Bahnhof verlassen, um seiner Bestimmung entgegenzufahren. Herr Geh. Rat Timendorier, als Großpräsident der deutschen Logen, hat die Begleitung des Zuges und die Verteilung der ungemein reichlichen Liebesgaben übernommen. Von geradezu fürstlicher Freigebigkeit ist die Ausstattung des Zuges, zur Ehre des jüdischen Ordens. Die Deutschen Juden haben auch hier ein rühmliches Zeichen ihrer Opferfreudigkeit gegeben, und daß gerade das allerbeste ihnen nur gut genug ist, für die braven Soldaten, die in diesem Zuge Aufnahme und wie wir alle herzlichst wünschen volle Genesung von ihren Wunden finden sollen. * Die Georgskreuze des Juden. Die New-Yorker Zeitung „The day" schreibt: In Rußland ist das Georgs-Kreuz die höchste Kriegsauszeichnung, und das Ordensstatut bestimmt, „daß auch die vierte Ordensklasse nur in den Fällen außerordentlicher Tapferkeit zu verleihen ist, wenn die Nützlichkeit der Tat erwiesen, der Georgritter sein Leben eingesetzt und seine Tat für die Kriegsoperationen von weittragender Bedeutung ist." Nach den Feststellungen der russischen Presse sind Hunderttausende von Ordensauszeichnungen an die Truppen verliehen, darunter aber nur achthundert Georgs-Kreuze. Im Militärhospital zu Wilna lag ein Soldat, über dessen Bett drei Georgskreüze hingen; zweiter, dritter und vierter Klasse. Alle hohen Besucher wurden an das Bett dieses Helden geführt, dem beide Beine amputiert waren. Eines Tages erhielt der Soldat den Besuch seiner Angehörigen, die durch den Krieg aus Polen vertrieben, nach Wilna gekommen waren; doch am dritten Tag mußten sie auf Befehl des Gouverneurs die Stadt verlassen ... Ein dem Zarenhause nah verwandter Prinz besuchte das Militärhospital und kam ans Bett des „Georgsritters". Dieser richtete sich im Bett auf und stammelte einige Worte. Doch da tönte eine harte Stimme durch den Raum: „Bittschrift auf den allerhöchsten Namen einreichen." Verärgert verließ der Prinz den Raum .... : Ein Kriegskrüppel, dreimal mit der höchsten Kriegsehrung ausgezeichnet, hat nach der Entlassung aus dem Lazarett nur in den ihm von der Polizei angewiesenen Bezirken Wohnrecht.;Seihe Angehörigen, durch die Kriegsnot aus Polen vertrieben, Irren von Ort zu Ort; überall die polizeiliche Ausweisung. Warum? Der dreifach dekorierte Kriegsheld und seine Angehörigen sind Juden. Der Friedhof in Wilna — für Kavalleriestallungen. Dem alten jüdischen Friedhof in Wilna (der im Jahre 1487 geöffnet und im Jahre 1831 geschlossen wurde) drohte die Gefahr durch den Krieg vernichtet zu werden. Der Militärkommandeur des Wilnaer Rayons beschloß, auf der Friedhofstätte Kavalleriestallungen aufbauen zu lassen. Vergebens suchten die angesehensten Leute der Gemeinde, ihn von diesem Plan abzubringen. Endlich gelang es dem Wilnaer Kronrabbiner Rubinstein, sich eine Audienz beim Fürsten Tumanow zu erwirken. Er schilderte ihm in heißen Worten die historische Bedeutung des alten jüdischen Friedhofs und mit welch rührender Pietät die Juden diese heiligen Stätten verehren. Der Fürst hörte aufmerksam zu und versprach ihm, die Verordnung aufheben zu lassen. Dieser Tage erschien auch schon der „Prikas" des Kommandeurs und so blieb das „Haus des Lebens" verschont. Die Kosten der reichsdeutschen Feldrabbiner. Während in der Armee Oesterreich-Ungarns die Feldrabbiner ihre Bezüge als Hauptleute vom Staate erhalten, müssen in Deutschland die jüdischen Gemeinden hiefür selbst aufkommen. Bei jeder der neun deutschen Armeen hat die deutsche Heeresverwaltung bekanntlich je einen Rabbiner als Feldgeistlichen zugelassen. Besonders hierum bemüht hat sich der Verband der deutschen Juden. Dieser Erfolg wurde nur dadurch ermöglicht, daß der Heeresverwaltung gegenüber die Erklärung abgegeben wurde, daß für die Ausrüstung, sowie für die Besoldung der Rabbiner für die Militärverwaltung keine Kosten entstehen. Bei der großen Bedeutung, die die erstmalige Zulassung jüdischer Feldgeistlicher für die Stellung des Judentums in Deutschland hat, erklärte sich der Verband der deutschen Juden bereit, die entsprechenden Kosten zu übernehmen. Da aber dem Verband eigene Mittel hiefür nicht zur Verfügung stehen, ist es Sache der einzelnen Gemeinden, die Mittel hiefür aufzubringen. Das können naturgemäß nur leistungsfähige Gemeinden und es sind daher nur die größeren, d. h. diejenigen, deren Seelenzahl mindestens 4000 beträgt, in Anspruch genommen. Zwei von den neun jüdischen Feldgeistlichen (Doktor Lewin und Dr. Artur Lewy) scheiden bei der Kostenberechnung aus, weil die Ausgaben für sie einmal aus besonderen Gründen von den jüdischen Gemeinden Sachsens bezw. von der Freien Vereinigung für das orthodoxe Judentum aufgebracht werden. Es sind sonach von den Gemeinden die Ausgaben für nur sieben Feldrabbiner aufzubringen. Die Höhe dieser Kosten beträgt für jeden 300 Mark monatlich laufender Ausgaben und 600 Mark einmalige, also insgesamt für die 7 Feldrabbiner einmalig 4200 Mark und laufend 2100 Mark monatlich für die Dauer des Krieges. Es ist interessant für die finanziell prädominierende Stellung der Berliner Gemeinde, daß nach genauen Berechnungen 53,41 Prozent der gesamten autzubringenden Beiträge allein auf Berlin und nur 46,59 Prozent auf alle übrigen Gemeinden mit einer Seelenzahl von mindestens 4000 entfallen. Liste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 22. März 1915. (Nr. 87—137.) Alexander Rosa, Private, geb. 15. Februar 1867 in Oswiecim, Galizien, IX., Pramergasse 18. Barnegg Ludwig, geb. 29. Jänner 1871 in Wien, IX., Währingerstraße 5. Bier Julian Julius, Student, geb. 14. Dezember 1893 in Przemysl, IX., Brünnlbadgasse 13. Breuer Emil, Manipulant, geb. 4. Juni 1891 in Baden, IX. Bez., Kinderspitalgasse 16. Bäck Paul Leopold Dr., Advokaturskandidat, geb. 28. Oktober 1889 in Wien, IL, Röbertgasse 1. Brösler Gisela, Kontoristin, geb. 19. Juli 1889 in Bielitz, IX., Grüne Torgasse 34.