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Neue Nationalzeitung · 1915-03-05 · Heft 5 (5.3.1915) · p. Seite 42

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 5 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 42 (sequence 6)
Language
German
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AeiteJ42 „JSetie J^a^ionalrZeifting" Nr. ,5 Anläßlich des bevorstehenden .'Pesachfestes erwachsen dem Verein bei der jetzigen Teuerurtg aller Lebensmittel sehr große Opfer und er wendet sich nun-mit einem von zahlreichen Rabbinern und sonstigen im öffentlichen Leben Wiens stehenden-Personen unterfertigten Aufrufe-an die: große Oeffent-r Henkelt,mit der Bitten um Unterstützung seiner edlen Bestrebungen. Wir können diesen Aufruf nur wärmstens befihv worten. Spenden übernimmt der Obmann,: Herr Jakob März, I., Augustengasse I und der Kassier,- Herr Samuel Sternb e r g, IL, Rembrandtstraße 39. Armenambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees in Wien. Wir erhalten ein ausführliches Kommunique, dem wir nachstehendes entnehmen: Das Ambulatorium des Zionistischen Zentralkomitees für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina Wien, IL, Taborstraße 20 a. vollendet mit laufender Woche den zweiten Monat seines Bestandes. Die Zahl der Ambulanzen, die ursprünglich 9 betrug, hat sich auf 14 erhöht; infolge dessen mußte zu den anfangs benützten 5 großen Räumen ein sechster adaptiert werden und in Verwendung gezogen werden. Im Ambulatorium ordinieren in wahrhaft aufopferungsvoller und uneigennütziger Weise 18 Wiener Aerzte und zwar je ein Spezialist für chirurgische, Ohren-, Kinder- und Nervenkrankheiten, Sprachstörungen und Orthopädie, je zwei Augen-, innere, Haut- und Geschlechts-, Frauen-, Hals-, Nasen- und Zahnkrankheiten. Zwei Kanditaten der Medizin betätigen sich als Assistenten. Die Bedeutung des Ambulatoriums in sanitärer und erzieherischer Beziehung kann nur derjenige richtig ermessen, der die Mühe eines Besuches im Ambulatorium nicht scheut. Die Patienten werden da von den Aerzten nicht nur behandelt, sondern auch zur Reinlichkeit und, soweit als möglich, zur ständigen Beobachtung hygienischer Vorschriften angehalten. Dadurch wird das Ambulatorium auch ein wichtiger Faktor in der Verhütung und Bekämpfung epidemischer Krankheiten, die gegenwärtig die ganze Aufmerksamkeit der berufenen Stellen in Anspruch nehmen. In Anerkennung der großen Bedeutung des Ambulatoriums für die Sanitätspflege unter den galizischen Flüchtlingen hat das k. k. Ministerium des Innern in den letzten Tagen dem Ambulatorium die Armenrezeptur verliehen. Alle von den Ambulatoriumsärzten verordneten Medikamente werden in den Apotheken der Leopoldstadt kostenlös ausgefolgt; außerdem werden in dringenden Fällen auch Bruchbänder, Brillen u. dgl. unentgeltlich abgegeben. * Spende für die Flüchtlings-Baracken in Nikolsburg. Von einem Wiener Advokaten, der nicht genannt sein will, ist unserer Administration für die Flüchtlings-Baracken in Nikolsburg ein Betrag von K 150 zugekommen. Wir haben diesen Betrag dem Herrn Kammerrat S. Krakauer, Baracken-Verwalter in Nikolsburg, übermittelt. Kriegsnachfichten. Generalmajor Karl Schwarz. Anläßlich des letzten Avancements wurde Generalmajor Karl Sch warz, der vor einigen Jahren mit Titel und Charakter als Generalmajor in den Ruhestand getreten ist, zum wirklichen Generalmajor befördert. BeJ Kriegsbeginn .ließ er sich aktivieren, Generalmajor Seh w ar z. war bekannt als tüchtig, strebsam und war zuletzt Regimentskommandant (Oberst) des La^wehTiflJanterie-Regänen'ts Nr. 16-in Krakau. Gegenwärtig ist er der einzige;, aktiv,e j üdisch.e Gener a 1 in der österreichisch-ungarischen Armee. . . .,. . . . - * . Die deutsche Heeresverwaltung für die verwundeten Judlen. ' Das stellventiretende Generalkommando des VI. Armeekorps im Breslau hat unterm 19. Januar folgende Verfügung erlassen: - „Alle beförderungsfähigen, den Festungs- und: Reservelazaretten zugehenden Verwundeten und' Kranken mosaischer Kon f ess ion',bei denen eine längere Lazarettbehandlüng vorauszusehen ist, sind, diamiit ihnen eine regelmäßige S e e 1 s o r g e zuteil Warden kann, dem Festungslazarett Breslau (Israelitisches Kränkenhaus) zu überweisen.4' Er wäre gewiß auch in Wien zu erreichen, daß sämtliche jüdische Verwundete in einem Spital untergebracht wenden, wie dies'ein deutsches Generalkommando im Interesse einer „regelmäßigen Seelsorge" mit der auch rituelle Kost verbunden ist — anstandslos bewilligt hat. Aber in Wien kümmert Sich um diiese Dinge niemand.. Im Gegenteil. Der Präsident Dr. Sie r n hat sich* ohne das Plenum zu befragen, beeilt, das jüdiische Gemeandespital dem Kriegsministeiriuni ohne jede Einschränkung zur Verfügung zu stellen/ Demzufolge wurde auch darin das Wei h na c'h ts - fest feierlich begangen. Ein Chamukafest hatte in diesem jüdischen Spital nichts mehr zu suchen. ' * Ein deutscher Jude über die Juden in Russisch-Polen. Die. Frankfurter Monatsschrift „Liberales Judent u m" veröffentlicht nachsiehendes sehr interessantes Schreiben vom russisch-polnischen Kriegsschauplatze, in dem ein jüdischer Soldat aus Deutschland sein Urteil über diie dortigen Juden ausspricht: Mein geliebter Onkel! Gestern würde ich durch Deine lieben Zeilen und düe ausgezeichneten Zigarren aufs freudigste überrascht; ich weiß nicht, was mich mehr erfreut hat, die guten Zigarren oder Deine herzlich guten Worte; beides bezeigt mir Dein liebevolles Gedenken, und das tut wohl, besonders in diesen ernsten Zeiten, wo Zusammengehöriges sich aus innerem Bedürfnis enger zueinander findet. In Tagen der Ruhe zogen meine Gedanken oft zu Dir, mein lieber Onkel, und zai Dir, meine liebe Tante, und ich erlebte das Schwere mit, das Euch durch Fritzens Gestellung betraf. Nun höre ich zu meiner großen Freude, daß er bereits zum Unteroffizier ausgebildet wird), und es erscheint mir nicht ausgeschlossen, daß, wenn er sich beeilt* er noch Offizier werden kann.. So wird runs Juden endlich Gerechtigkeit widerfahren, und wir sollten nichts scheuen, keine Strapaze und kein Opfer, um dieses Ziel in würdiger Weise zu erreichen. Ganz so fern bin ich in diesem Ziel auch nicht mehr, trotz der Vornehmheit meines Regiments. Und ich muß offen bekennen* daß bei mir das an erster Stelle steht, die glückliche Heimkehr tritt demgegenüber in den Hintergrund, so lebhaft auch Friedenssehnsucht sich manchmal in mir regt. Ich bin unendlich stolz, mitkämpfen' zu dürfen für das geliebte' bewunderungswiürdige Vaterland und weiß zu jeder Stunde, daß eine besondere Verantwortung auf jedem Juden ruht, immer und immer wieder zu zeigen» daß man bereit ist, sein Leben für die deutsche Sache hinzugeben, um dadurch die Gleichwertigkeit des Juden in seiner Liebe für das Vaterland! beweisen. Ich erlebe Seltsames in diesem Kriege gerade als deutscher Jude-bei der.Begegn.ung mit den ,p o.l nis.c hen luden. Wie eine, andere Art Mensch hebt sich, derarme polnische Jude von seiner polnischen Umgebung, den polnischen Bauern, ab. Er ist nicht Pole wie sie, sondlern Deutscher, seiner Sprache nach undrseinem ganzen Empfinden. Wie. ein Wunder wirkte es auf mich', als; ich zum erstenmal. in eine. jüdische. Eamilie unter. ,dieTi

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