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Neue Nationalzeitung · 1915-03-05 · Heft 5 (5.3.1915) · p. Seite 41

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 5 (5.3.1915)
Date
1915-03-05
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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hr^.ö ..Neue >jationalTZeitnng" Seite 41 Kriegs-Mazzoth. Während sich die jüdische Oeffentlichkeit — soweit sie nach rituellen Vorschriften lebt — darüber den Kopf zerbricht, ob die Mazzothis aus reinem Weizenmehl hergestellt werden müssen oder ob es zulässig ist, demselben Roggen-, Qersten- und Kartoffelmehl im Sinne der für die Herstellung von Kriegsgebäck erlassenen Vorschriften beizumengen, hüllen sich die zur Abgabe des Gutachtens maßgebenden Faktoren, der Wiener Oberrabbiner und sein Beth-din ins Schweigen. Sie äußern sich gar nicht. Damit besorgen sie, wie wir bereits in der vorigen Nummer geschildert haben, die Geschäfte der Mazzoth^Spekulanten^ die sich bereits im Sommer ihre Weizenmehlvorräte gesichert hai>en und da sie konkurrenzlos dastehen, horrende Preise dem- Publikum diktieren können. Es kosten schon jetzt — vier Wochen vor den Ostern — die Mazzoth K 3.— per Kilogramm, während sie im vorigen Jahre höchistenis eine Krone gekostet haben. Würden aber Mazzothis aus einer Mischung von Welze n- und G e r s t e n m e h 1, wie es in Deutschland jetzt allgemein üblich ist, hergestellt werden, dann würde nicht bloß ihr Preis weit geringer sein, sondern die Spekulanten müßten, um ihre Mazzoths anzubringen, die Preise herabsetzen. Dazu gehört aber, daß die strenggläubigen, an diese Mischung bisher nicht gewohnten Massen von ihren Rabbinern hierüber belehrt werden. Das geschieht aber nicht. Das köstlichste daran ist, daß &s kein Rabbiner tun will, weil er fürchtet, von seinem Amtsbruder als ungläubig verschrieen zu werden. Und während die Rabbiner um den Rekord der Frömmigkeit wetteifern, wird das arme Volk, das si'ch nicht von Fleisch, Gemüse, Eiern und dergleichen nähren kann, sondern nur auf Mazzoth angewiesen ist, horrende Preise zahlen oder hungern müssen. Was wir vom Verhalten des „konservativen" Kultusvorstandes selbst denken, haben wir bereits gesagt: Mazzothsendungen der amerikanischen Juden. Nach New- Yorker Blättermeldungen haben die angesehenen jüdischen Großkäufleuite Meneschewiß Brothers in GinciTMiiaiti 40.000 Pfund Mazzoth für die jüdischen Kriegsnotleidendera gespendet. Die Spender beschlossen, hiervon 20.000 Piuind nach Palästina und 20.000 Pfund nach Russisch-Polen, Galizien und dem übrigen Oesterreich-Ungarn zu versenden. Es gilt als sicheir, daß noch von anderer Seite derartige Stiftungen gemacht werden. * Mazzoth für unsere Soldaten. Die P e s t e r israelitische Gemeinde gedenkt nach dem südlichen Kriegsschauplatz einige Waggon Mazzoth zu senden, und hat sich, diesbezüglich am den Landesverteiddgungsrmnister gewendet. Die Gemeinde nimmt auch Oster-Liebesgaben entgegen. Zur Beratung über die Versorgung der im Felde stehenden jüdischen Soldaten mit Mazzofih fanden sich diie Delegiertem der ungarischen Machsike Hadaß-Vereine unter Vorsitz des Pester Oberrabbiners und1 des Kanzleipräsidenten Fr an kl zu einer Konferenz zusammen. Herr Frank! berichtete, daß däe MdMärbehörden weitgehendes Entgeee^omrnen mnsichtliich der Vorkehrungen. zum ungestörten Versande der Mazzoth am die Truppenteile in Aussicht stellten. Auf Antrag des Delegierten von Czorna sollen Sammlungen! im ganzem Lande eingeleitet wenden, um eine notwendigen Mittel zur Beschaffung der Mazzoth bereitzuhalten. Oberrabbirter Reich-Verbo regte die Gründung eines orthodox-jüdischen Komitees für Kriegsfürsorge an, daß in allen mit dem Kriege zusamnienhängenden Angelegenheiten religiösen und humanitären Chrakters wie Soldatenfürsorge, Krankenpflege, Waisenversorgung usw. die Initiative ergreifen und tätig sein soll. Zur Ausführung der beüälfög autgenommenen Anregung wurde ein Komitee, bestehend aus den Oberrabbinern Herzog, Duschinski und Reich, sowie den Herren Pakuß und Schwarz, gebildet. Was tut die Wiener Kultusgemeimde, ura die im Felde stehenden Soldaten mit Mazzoth zu versorgen? * Die Kultusgemeinde Graz und der Mazzoth-Vertrieb. Man schreibt uns aus Graz: Die hiesige Kultusgemeinde betreibt hier den Verkauf der Mazzoth in eigener Regie. Sie hat 2000 Kilogramm aufgebracht, die auf die jüdische Bevölkerung nach Köpfen der hier anwesenden Famißen aufgeteilt werden. Als Preis wurde K 2.50 festgesetzt. * Die Flüchtlinge und die Mazzoth. Wie ein jüdisches Blatt in Budapest berichtet, besteht die Gefahr, daß die Flüchtlinge zum größten Teil ohne Mazzoth sein werden. Aus allen Städten Mährens und Böhmens, wo sich idi© Flüchtlinge befinden, sind nach Ungarn Mazzoth- Besteilimgen eingelangt. Allein der ungarische Vorrat reicht diesmal nicht einmal zur Deckung des eigenen Bedarfes; es stehen nur 60 Prozent des Bedarfes zur Verfügung. Angesichts dieser Sachlage appelliert das Blatt an die orthodoxen Gemeinden, wenigstens auf einen Teil des in Budapest bestellten Mehles zu verzichten, damit dasselbe den Flüchtlingen zugesandt werden könne. Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Die Erhöhung des FlüchUings-Relutums in Mähren. Während die Flüchtlinge in Wien täglich pro Kopf von der Staatsverwaltung 70 h erhalten, betTägt die Gebühr der Flüchtlinge in Mähren lediglich 55 h. Wie wir nun erfahren, ist infolge der Intervention des Bürgermeisters von Nikolsburg, Franz Deutsch, den in dieser Stadt sich aufhaltenden Flüchtlingen vom Ministerium des Innern die Staatsgebühr auf 70 h erhöht worden. Der Aufruf des Vereines „Machsike Hadas". Zu den nützlichsten Einrichtungen der privaten Flüchtlingsfürsorge in Wien gehört zweifellos die unentgeltliche Speisehalle des Vereines „Machsike Hadas" für streng orthodoxe Glaubensgenossen, IL, Obere Augartenstraße 40. Dieser Verein, der unter normalen Verhältnissen Freitag abends, Samstag und Feiertags ca. 100 Personen unentgeltlich ausgespeist hat, ist nunmehr, dank der eifrigen Sammeltätigkeit seines Damenkomitees und den ihm zukommenden Unterstützungen, in der Lage, zweimal wöchentlich und zwar Freitag abends sowie Samstag Mittag bis 500 Flüchtlinge unentgeltlich auszuspeisen. Ueberdies erhält dieser Verein auch eine Talmud-Thora, in der den Knaben ein unentgeltliches Abendbrot verabreicht wird.

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