Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 5 (5.3.1915)
- Date
- 1915-03-05
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 .Neue* NatiönaUZeitung" Sfeite- 43 verkommenem,- verschmutzten, polnischen Bäuernbevölkefuing geriet. Während die Bauern verstockte Deutschenhasser sind, in tierischer Dumpfheit und ekelhaftem Schmutz leben, drängte sich bei mir bei dem Einblick in das häusliche Lieben der Juden die unab weisliche Erkenntnis am, daß im Juden etwas B e s s e r e s, E di 1 e s, e t toi s c hi W e r t v o 11 es 1 e b t, das seinemFara i 1 ie n 1 eb e n e in e ge w i s se re in ige nde Kraft und Weihe verleiht, und ich fühlte,, daß der Grund hierfür in der Religion; der Juden liegt. Die Religion allein unter scheidet den Juden von dem Polen, woher anders als daher könnte dieser allzudeutlich sichtbare Unterschied im Menschentum des Juden von „dem Polen kommen, mit dem er doch sonst alte LeoensbedingiiMigen, dieses elende, jammervolle, erbarmungswürdige Dasein teilt. Es rührte mich tief, wie diese Juden ihre Religion ausüben, in aller Not und Gefahr .das von den Vätern überkommene Gebet sprechen, wie allein die Juden unter den Polen das Haus rein halten und die Frau«hren. Das war „Jire", das war angeborener natürlicher Anstand, hier erlebte ich den Geist des Judentums als Religion in seiner wunderbar reinigenfilen ethischen Kraft, mnd ich betrachtete ies als meine Aufgabe, meine Kameraden auf dieses sichtbare Zeichen besseren Menschentums stets hinzuweisen, um hier, wo alles in der Ncut des Krieges menschlicher fühlt, für die jüdische Sache zu wirken, indem ich zunächst einmal mich selbst stets als Jude bekannte und ihnen zugleich ,dlie polnischen Juden menschlich näher brachte. So hoffe ich, nicht vergeblich in den Krieg gezogen zu sein. Augenblicklich erlebe ich Großes: Die Russen fliehen in der Richtung auf Warschau, wir verfolgen sie, ihre Verluste sind gräßlich. Aber ich habe das Mitleid mit diesen Tieren, diesem Herdenvieh, verlernt Wir Deutsche müssen erbarmungslos darauf losschlagen, und: das tun wir, Gott sei Dank! Nun ein herzliches Lebewohl'. Ich grüße Dich, mein geliebter Onkel, und die geliebte Tante herzlich und) umarme Dich in treuer Liebe. Dein Dich herzlich liebender Neffe Kurt. * Ein jüdischer Kriegshilfsfonds in Deutschland. An anderer Stelle veröffentlichen wir den Aufruf des „Hilfsvereines der Deutschen Juden" und anderer jüdischer Organisationen in Berlin im Interesse der Sammlung eines Kriegshilfsfonds für die durch den Krieg unmittelbar betroffenen Juden in Russisch-Polen, Galizien und der Türkei. Das unbeschreibliche Elend der jüdischen Bevölkerung in den östlichen Kriegsgebieten ist leider aus den verschiedenen Berichten sowohl der Kriegsberichterstatter als auch der amerikanischen Presse viel zu gut bekannt. Um diesem Elend abzuhelfen, hat sich bekanntlich das große Rokefeller- Komitee in Nordamerika gebildet. Weiter« ist ein Aufruf von Henryk Sienkiewicz erschienein, den seltsamerweise der berühmte Klaviervirtuose und berüchtigte Propagator des Warschauer Juden-Boykotts Paderewski und einige Paradejuden nebeneinander unterfertigt haben. Da für dfe jüdischen Kriegsopfer nicht genug geschehen kann, hat auch der unter Vorsitz des stets rührigen Dr..James Simon stehende „Hilfsvereiin der Deutschen.Juden" eine besondere Aktion eingeleitet.. Es wäre sehr wünschenswert, wenn nach diesem Muster auch in Oesterreich , eine Kriegshilfsfonds-Aktion eingeleitet würde. * Jüdischer Feld-Gottesdienst im deutschen Heere. Ein jüdischer Offizier der bayerischen Armee schreibt: Eine Stelle aus unserem Divisionsbefehl vom IL 2. 1915 lautet: „Für Manngchaft^'.l.'^ajsclic'n''' Glaubens wird ein regelmäßiger Gottesdienst eingerichtet. Derselbe findet jeweils'am Samstag vormittag fn Aviori oder Vimy statt. Zeit und Ort wird wöchentlich rechtzeitig bekanntgegeben. Zum Vorbeter wird Unteroffizier Koschland der 3. Komp. R.-L-R. 10 bestimmt» soweit es dessen Dienst erlaubt. Am Samstag, 13. 2., findet jüdischer Gottesdienst vorm. 9,30 in Avion, Hauptstraße 91. statt. Soldaten jüdischen Glaubens ist nach Möglichkeit Gelegenheit gegeben, an den Gottesdiensten teilzunehmen. Die Regimenter usw. legen der Division baldmöglichst Meldungen der in ihrem Stande befindlichen . jüdischen Soldaten vor, ausgeschieden nach Bataillonen, gez. Frhr. v. Kreß." ■* Die Juden in der russischen Armee. Nach einer Zusammenstellung von Boris G o 1 d.b e r g sind in Rußland 365.000 Juden zu Kriegsdiensten einberufen worden. Sie gehören in nachstehende Kategorien: L Aktivdienende............ 82.000 2. Reservisten der Jahrgänge 1897—1910 . . . 210.000 3. Zapas (Reichswehr) der Jahrgänge 1893—1896 43.000 4. Zapas (Reichswehr) der Jahrgänge 1909—1913 30.000 zusammen . . . 365.000 Sie müssen für den Massenmörder ihres Volkes das Leben opfern .... * Wie in Russisch-Polen Judenpogrome organisiert werden. (Die Lügen des Herrn Sassanow.) Vom Auslandskomitee des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes in Litauen, Polen und Russland („Bund") erhalten wir folgende Zuschrift: „Festung Nowogeorgiiewsk. Nr. 89 — 27. November 1914. Befehl an die Truppen der befestigten Zone. In deutschen Blättern wird mitgeteilt, daß die deutschen Truppen in den russischen Juden zuverlässige Verbündete gefunden haben, die ihnen nicht bloß Proviant zustellen, sondern für sie auch die besten Spione sind und ihnen jegliche Dienste — oftmals auch uneigennützig — leisten, wenn dies nur den russischen Interessen zum Nachteil gereicht. Von einem Sieg der Deutschen erwarten die Juden ihre Befreiung vom Joche des Zaren und von den Verfolgungen der Polen. Aehnliche Nachrichten treffen auch fortgesetzt von den Truppen ein. Um das Militär von den schädlichen Umtrieben der jüdischen Bevölkerung zu bewahren, hat der Oberbefehlshaber der Truppen befohlen, bei Besetzung bevölkerter Ortschaften von der jüdischen Bevölkerung Geiseln zu nehmen und die Einwohner zu warnen, daß im Falle einer verräterischen Handlung irgend eines der örtlichen Einwohner nicht nur im Zeiträume der Besetzung des Ortes durch unsere Truppen, sondern auch nach deren Abzug, die Geiseln hingerichtet werden, was nötigenfalls auch zu vollstrecken ist., Bei Besetzung bevölkerter Ortschaften muß durch eine sorgfältige Durchsuchung festgestellt werden, ob nicht Vorrichtungen zum drahtlosen Telegraphieren, Signalisationsapparate, Taubenpoststationen, unterirdische Telegrapheneinrichtungen u. dgl. vorhanden sind. Mit den daran beteiligten Personen ist nach der. ganzen Strenge des Gesetzes zu verfahren. (Vergl. Telegramm 'des Generals Oranowsky Nr. 3432 a. c.) Unterzeichnet: Chef der befestigten Zone, General der Kavallerie B o b y r j. : Angefertigt: >/XII., 6 Uhr abends." Der oben angeführte Truppehbefehl zeigt mit einer Anschaulichkeit, die keinem Zweifel Raum läßt, daß die höchste russis'ehe Militärbehörde -sich mit der Verbreitung der Legende vo,m jüdischen Landes y e f r a t b e f aß t. Von ihr werden die widersinnigen Beschuldigungen gegen die Juden in Umlauf gesetzt.