Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 4 (19.2.1915)
- Date
- 1915-02-19
- Page
- Seite 35 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Mr. 4 .Nene National-Zeitung" Seite 35 aufsieht für einen größeren Betrieb eröffnet. Die Ausspeisung findet täglich von 11—1 Uhr'statt. In denselben Räumen wird die Errichtung einer Teestube in großem Stil geplant. * Vermißte gesucht. Dawicl Eisen aus Brzezaixy (Galizien), sucht seine Frau Leicze Eigen, Söhne: Salomon 15 Jahre. Chaim 8 Jahre. Töchter: Ester 6 Jahre, Taube 2 Jahre. Auskünfte erbeten an Gemeindeamt Koritschan (Kultusvorstand). S. Landau in Rischon-le-Zion (Palästina) bittet uns um Recherchierung, wo sich Herr Berl Landau aus Czernowitz aufhält. Hudes Wiesen aus Qrzebow bei Tarnobrzeg wird von seiner in New York befindlichen Tochter, die er seit langer Zeit ohne Nachricht läßt, gesucht. * Spenden für die gaiizischen Flüchtlinge. Durch die freundliche Intervention des Herrn Ch. W e i t zn e r in Sarajevo sind unserer Administration vier große Kisten mit Kleidungsstücken und Schuhen zugekommen. Hievon wurden zwei Kisten an die Brockensammlung für jüdische Arme in Wien, abgegeben, eine Kiste an Herrn Dr. Wilhelm Meitner in Wostitz (Mähren) zur Verteilung übersandt und der Rest durch unsere Administration dürftigen und würdigen Personen, die sich ihrer bisherigen sozialen Stellung nach nicht in öffentlichen Verteilungsstellen melden können, zugewendet. Es ist geradezu furchtbar, aus welchen Berufsständen Leute in dieser Winterjahreszeit weder über warme Kleidung noch über ganze Schuhe verfügen. Zu den Kleiderspenden in Sarajevo haben haben nachstehende Familien beigetragen: Bruckner, Drexler. F e 1 e k i, Dr. Meyer, Rechtshammer, Schnapp, B. Spitzer, Tropper-Fedor, W e i t z n e r, Z a v i d ov i c. Ueberdies kamen uns von den Familien M. Rohatyn in Wien und M. T e i c h in Sarajevo mehrere Paar Schuhe zu. Weitere Spenden, ebenso Kleider, Bücher u. dgl. werden erbeten und in dieser Rubrik ausgewiesen. Kriegsnachrichten. Auszeichnung des gefallenen Oberstleutnants Adoli Flecker. Dem zu Beginn der Kriegskampagne vor dem Feinde gefallenen Oberstleutnant Adolf Flecker, Interims-Kommandanten des k. k. Landweh'r-Infaniterije-RegLments Nr. 20 wurde, wie das Militär Verordnungsblatt vom 13. d. M. verlautbarr, „für s^i'ii tapfieres und erfolgreiches Verhalten vor dem Feinde" die Eiserne Krone dritter Klasse mit der Kriegsdekoration verMehen. Wir haben bereits in der Nr. 23 v. J. eine ausführliche Biographie des Oberleutnants F1 e c k e r und eine Schilderung seines heldenmütigen Verhaltens unter Reproduktion seines Porträts publiziert. Er ist nicht nur als Held, sondern auch als guter Jude gefallen: ein hebräisches Gebetbuch und eine Mesuse gehörten mit zu seiner Feldausrüstung. Die jetzt erfolgte Dekorierung mit der Eisernen Krone ist offenbar ein besonderer Gnadenakt des Kaisers, der hier hervorgehoben werden soll; Flecker hatte nämlich noch keine 35 Dienstjahre hinter sich und daher hätten seine zwei Söhne keinen Anspruch auf den Adel. Durch die Verleihung der Eisernen Krone gewinnen aber die Söhne den Anspruch auf dien Ritterstand. Möge diese Auszeichnung für die schwergeprüfte Witwe und die jungen Waisen ein Trost sein; möge aber aiuch dtie Witwe ihre Söhne nach dem Vorbilde ihres vom Obersten Kriegsherrn so außerordentlich ausgezeichneten Mannes als gute Juden heranziehen. Richtigstellung. Wir haben seinerzeit von der Auszeichnung des Oberstleutnants U11 m a n n mit der Eisernen Krone 111. Klasse Notiz genommen und1 ist diese Nachricht auch in die auswärtigen indischen Blätter übergegangen. Wie wir nunmehr erfahren, ist Herr Uliimmn vor einigen Jahren zum Christentum übergetreten. * 400 jüdische Reserve-Offiziere gefallen. Wie uns unser Mitarbeiter, Herr Moriz Frühling, at..' firuud seines an der Hand der Militär-Grundbuchsblätter zusammengestellten authentischen Materials mitteilt, haben bisher in der österreichisch-ungarischen Armee mindestens 400 jüdische Reserve-Offiziere und Kadetten _'en H e 1 d e u t o d erlitten. Bürgermeister Dr. Weisselberger — frei. Die seit Monaten fortgesetzten Unterhandlungen wegen Enthaftung des von den Russen nach Sibirien verschickten Czernowitzer Bürgermeisters Dr. Weisselberger haben zu einem positivem Resultate geführt. Dr. W. und mit ihm der Staatsanwalt Lazarus befinden sich bereits auf dem Heimwege und dürften demnächst in Rumänien eintreffen. Die zahlreichen Freunde und Verehrer dieses durch seine unerschrockene Haltung berühmt gewordenen Mannes werden diese Nachriebt gewiß mit großer Freude aufnehmen. Die Juden in der deutschen Armee. Die in Friedenszeiten von antisemitischer Seite vorgebrachten Bedenken und selbst im Offizierskorps vorhandenen Vorurteile gegen die Ernennung von Juden zu Offizieren wurden durch -die tapfere Haltung der jüdischen Soldaten überwunden. Die Zahl jüdischer Offiziere in der Armee aller deutschen Bundesstaaten nimmt mit jedem Tage zu. In der letzten Zeit wurden ernannt: Zu preußischen Reserve-Leutnants: Fritz B o n h e i m, Selmar D e m a n t, Ernst Fuchs, Dr. Ernsit Gold Schmidt, Georg L e v y und Felix M i c h a e 1 i s. Zum sächsischen Reserve-Leutnant: Alfred Block. Im bayerischen Heere: Paul Josefsthal zum Landwehr-Hauptmann, Martin R a u zum Rittmeister des dritten Trainbaitaillons, Benno G e r s 11 e, Karl L ö i f 1 e r und Benno Schwabacher zu Leutnants. General Liebert, der konservative Abgeordnete, der im Reichstag die Ernennung von Juden heftig bekämpfte, wird jetzt als Gouverneur von Lodz hoffentlich seine Ansichten geändert haben. Bis zum 5. d. M. erhielten 2014 Juden das Eiserne Kreuz; fünf darunter das erster Klasse. Zentralhilfs-Komitee für die notleidende Bevölkerung in Russisch-Polen. Die Schrecken des Krieges, auf dessen Haupisdiaunlatze m Russisch-Polen, haben dieses Land verwüstet und dessen Einwohner der Hungersnet preisgegeben. Auch die Gefahr epidemischer Krankheiten ist sehr groll. Um die schreckliche Not zu mildern, hat sich am ö. d. M. in B e r I i n ein Z e n t r a 1hilfskomitee gebildet. Fürst v. H a t z i e 1 d t. der Präsident des Reichstages Dr. Kaemp f, Mitglied des Herrenhauses Fürst Drucki-Lubecki, Direktor im Reichsamt des Innern Dr. L e w a 1 d und Dr. James Simon haben daher eine Reihe von Männern aus den Kreisen der Diplomatie, der Parlamente und des Handels zu einer konstituierenden Versammlung in das Reichstagsgebäude eingeladen. Unter den Anwesenden befanden sich außer den Einberuiern der Versammlung der österreichische Botschafter Prinz zu Hoheniohe-Schillingsfürst, der amerikanische Botschafter Gerard, der Botschafter Spaniens, Le de Bernabe. der Vizepräsident des deutschen Reichstages Dr. P a a s c h e. der