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Neue Nationalzeitung · 1915-02-19 · Heft 4 (19.2.1915) · p. Seite 34

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 4 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 34 (sequence 6)
Language
German
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Seite 54 .Neue National-Zeitung'4 hr. 4 nitäres Hilfswerk nach der Richtung auszudehnen, daß die Einrichtung der in der Folge erbauten Baracken aus staatlichen Mitteln geliefert, ebenso Kleider, Wäsche und Schuhe für die unglücklichen Flüchtlinge für Rechnung der Regierung beigestellt wurden. Die Israelitische Allianz steht nach wie vor mit den in Mähren befindlichen Hilfskomitees in engem Kontakte und in den häufigen gemeinsamen Besprechungen werden die Wünsche und Beschwerden geprüft und eingehend beraten, um sodann den maßgebenden Behörden, mit denen die Allianz in steter Fühlung steht, vorgelegt zu werden. Es kann mit Genugtuung konstatiert werden, daß der Fürsprache des Vereines in den wichtigsten Fragen der namentlich in Mähren geführten Fürsorge-Aktion ein gut Teil an der Vervollkommnung des Hilfswerkes und an der Verbesserung der Lage der in den drei erwähnten hauptsächlichen Konzentrationslagern allein etwa 23.000 Personen zählenden unglücklichen Flüchtlinge zukommt. Der Verein konnte nunmehr die ihm durch Spenden zugegangenen Mittel zur Förderung zahlreicher Wohlfahrtseinrichtungen verwenden, die zur Erleichterung der Existenz der großen Massen der Flüchtlinge in Wien und auswärts geschaffen wurden. Verschiedenen Volksküchen und Ausspeisungsstellen in Wien wurden monatlich Subventionen bewilligt, um ihnen eine sehr billige Mittagskost-Verabreichung an viele Tausende von Flüchtlingen zu ermöglichen. Ebenso wurden die mit der Zentralstelle der Flüchtlingsfürsorge in Verbindung stehenden, teils von dort direkt geleiteten, teils durch Frau Anita Mueller hervorgerufenen Institutionen, Teestuben W ö c Ii n e r i n n e n h e i m usw. durch größere Subventioners gefördert. Für etwa 700 Schüler der in Wien ad hoc eröffneten polnischen Gymnasien und für zahlreiche Schülerinnen verschiedener Kurse für Mädchen wurde von der Allianz das Schulgeld gezahlt und teilweise wurden überdies Schulbücher zur Verfügung gestellt. Für die Zahlung von Taxen für galizische Universitätshörer wurde dem Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender eine größere Summe zugewiesen. Um den durch die Flucht vor der russischen Invasion am härtesten getroffenen Familien aus dem Mittelstande in besonders berücksichtigenswerten Fällen eine entsprechende über die staatliche Unterstützung hinausgehende Hilfe zu gewähren, wurden dem Leiter der Zentralstelle, Herrn Gemeinderai Dr. Schwarz-Hiller, namhafte monatliche Beträge zur Verfügung gestellt. Den zahlreichen in Wien weilenden Rabbinern und Rabbinatsassesoren aus Galizien wurden monatliche Zuschüsse direkt vom Verein bewilligt. Den Hilfskomitees in Pohrlitz und in Gaya, sowie in Ung.-Hradisch, wurden zu dringenden Anschaffungen bedeutende Subventionen gewährt. Ueberdies wurden von der Allianz im Dezember v. J. als Chanukaspende für die drei Barackenlager je 3000 Päckchen Tabak, je 50.000 Zigarettenhülsen, je 50.000 Stück Zigarettenpapier, je 10.000 Korrespondenzkarten, größere Quantitäten Strickwolle, Strick- und Nähutensilien, Kämme, Bürsten, Taschenmesser und andere nützliche Gegenstände, sowie eine Kollektion hebräischer Bücher (Bibel- und Talmudexemplarc, Midraschim und andere rabbinische Schriften) gesandt. An dieser Spende beteiligte sich auch das Hilfskomitee in Brünn mit einen namhaften Betrag. Ueberdies hat die Allianz auch verschiedenen Gruppen galizischer Flüchtlinge in Böhmen über deren Verlangen hebräische Bücher gespendet. Eine besondere Aufgabe, die mit dem statutarischen Wirkungskreise des Vereines im Zusammenhange steht, trat an die Israelitische Allianz dadurch heran, daß sich das Bedürfnis einstellte, für den Schulunterricht der in jedem Barackenlager nach vielen Hunderten zählenden Kinder Sorge zu tragen. Auch bei dieser Aktion fand der Verein seitens des Kriegsfürsorgeamtes, wie seitens des Statthalters in Mähren, das wohlwollendste Entgegenkommen. Im Verein mit der Baron Hirsch-Stiftung und mit dem Hilfskomitee in Brünn wurden Volksschulkurse eingerichtet, bei welchen qualifizierte Lehrer, die sich unter den Flüchtlingen befinden und vorwiegend dem Lehrkörper der Baron Hirsch-Stiftung angehören, den Unterricht erteilen. Die Ausgaben der Israelitischen Allianz für die Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina haben bis Anfang Februar 1915 etwa 110.000 Kronen betragen. Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Wiener Brockensammlung für jüdische Arme. Bisheriges Ergebnis der Sammlung K 9525.95 und über 1000 Sendungen warmer Kleider, Schuhe, Betten, Wäsche, Möbel usw. In dem neueröffneten Verteilungslokale IX., Elisabethpromenade Nr. 39 wurden aliwöchentlich Hunderte arme, gänzlich mittellose Flüchtlinge, mit Kleidungsstücken, Möbeln, beteiit und! Tee und Nahrungsmittel verabreicht. Es liegen noch viele Hunderte Gesuche armer Flüchtlinge vor, welche dringend1 für sich und für ihre frierenden Kinder um Hilfe bitten; da die Mittel erschöpft sind; konnten diese Gesuche noch nicht erledigt werden. Geldsendungen wollen gütigst an unsere Redaktion oder an die Postsparkassa, Konto-Nr. der Brockensammruiig 150.531, gerichtet werden. Kleider, Bettzeug usw. werden über Wunsch abgeholt (Tel. 35.310 und 23.193) oder können auch in den 20 Bezirkssammelstellen (Auskunft 'telephonisch oder brieflich) hinterlegt werden. Wiener Brockensammlung für jüdische Arme: Obmann S. Bauer, Sig. B a r b e r. * Wer adoptiert elternlose Waisen? (Eine Flüchtlings-Tragödie.) Chaim Arnbach, 41 Jahre alt, Kaufmann in Podbuz bei Sambor, ist vor seinem Wohnhause anläßlich der russischen Invasion am 20. Oktober von einem feindlichen Schrapnell getötet worden. Er hatte sein ganzes Barvermögen, 5000 K, bei sich, doch da die gesamte jüdische Bevölkerung das Dorf fluchtartig verlassen hatte, konnte sich Niemand mehr um den Schwerverwundeten kümmern und es weiß Niemand, was mit dem Gelde geschah. Seine Mutter, seine Frau und drei Kinder sind ebenfalls geflüchtet und wanderten zu Fuß 56 Kilometer bis Turka. Dort mußten sie acht Tage warten, bis das vom Feinde zerstörte Bahngeleise hergestellt wurde. Dann wurden sie mit einem Transport nach Oberndorf (bei Komotau) gebracht, nachdem die Reise 13 Tage gedauert hatte. Als sie in Oberndorf einlangten, starben die Mutter und die Frau nach kurzer Krankheit an Typhus. Es verblieben drei Waisen-Kinder. Sie heißen: Helene (14 Jahre), Abraham Isak (8 Jahre) und Markus (% Jahre). Sie wohnen in Oberndorf. Wer möchte sich dieser armen Kinder, die durch den Krieg ihrer Eltern beraubt wurden, annehmen? Wer möchte sie adoptieren? Der Vormund der Kinder, Oskar Halberstein, XX., Allerheiligenplatz 6, erteilt alle gewünschten Auskünfte. Eine neue rituelle Speisehalle. Donnerstag, den 4. d, M., wurde vom „Wiener Hilfskomitee für Flüchtlinge aus GaMzien und der Bukowina" unter Leitung der Frau Sophie Grünfeld in Wien, XX-, Wailensteinstraße Nr. 72, eine rituelle Speisehalle u u te r Rab bina ts-

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