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Neue Nationalzeitung · 1915-02-19 · Heft 4 (19.2.1915) · p. Seite 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVII (1915)
Issue
Heft 4 (19.2.1915)
Date
1915-02-19
Page
Seite 36 (sequence 8)
Language
German
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Seite 36 „Neue National-Zeitung*^ Präsident des Herrenhauses Grat v. W e d e 1 - P i e s d o r f, Justizrat B r e s 1 a u e r, Dr. Paul Nathan, Qeheimrat Gu ttin a n n, der Präsident der Handelkammer zu Berlin v. M e nd e 1 s s o h n u. a. Fürst y. Hatzfeldt eröffnete die Sitzung und begründete die Notwendigkeit, für die darbende Bevölkerung in den von deutschen Truppen besetzten Teilen Russisch-Polens eine Hilfstätigkeit in die Wege zu leiten. Kr gab dann das Wort dem amerikanischen Botschafter Gerard, der in großen Zügen einen Plan für die Organisierung des beabsichtigten ■Hilfswerkes entwarf. Das deutsche Zcntralhüfskomitee soll angegliedert werden der großen internationalen Institution, die R o c k e t" c 11-e r zu gleichem Zweck bereits ins Leben gerufen hat. Den Vorsitz in diesem internationalen Hilfskomitee führen die amerikanischen und spanischen Botschafter in Berlin und Wien, die Erzbischöfe von Posen und Krakau und der ais Wohltäter, bekannte Jakob:H. Schiff in New York. Da in Amerika das Getreide sehr teuer ist, in Rußland dagegen unvergleichlich billiger, so werde es sich für das internationale Hilfskomitee darum handeln, russisches Getreide über Rumänien nach Russisch-Polen einzuführen. Der österreichische Botschafter teilte dann mit. daT, sich auch in Wien ein Hilfskomitee gebildet habe, und üer_ spanische Botschafter sagte seine tatkräftige Mitarbeit zu. Es wurde dann zur Bildung des Arbeitsauschusses geschritten, der aus dem Fürsten Hatzfeldt als Vorsitzenden. Ministerialdirektor Dr. Lewald als stellvertretendem Vorsitzenden und dem Direktor der Dresdner Bank Geheimrat Guttinann als Schatzmeister besteht. Die großen deutschen Banken haben sich zur Annahme von Geldbeträgen bereit erklärt, und die Errichtung von Komitees im ganzen Reiche wird vorbereitet. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Die Pesach-Mazzes.) Die Ostern stehen vor der Tür, die jüdische Bevölkerung ist mit Rücksicht auf die Knappheit der Mehlvorräte wegen der Mazzes sehr besorgt, aber der Kultusvorstand und das R a b b i n a t schweigen. Diese Art des Verhaltens ist ja für das Wiener Kahalsystem charakteristisch. Vergeblich wartet die Bevölkerung auf eine Enunciation des Kultusvorstandes und des Oberrabbiners, ob eine Mischung von Weizenmehl mit Gerstenmehl und event. Kartoffelmehl nach ihrer Auffassung zulässig oder empfehlenswert ist, damit die Anschaffungskosten der Mazzes im Interesse der Proletarier- und Flüchtlings-Massen geringer werden — aber Kultusvorstand und Oberrabbiner schweigen. Dieses Schweigen, diese Lässigkeit ist nicht nur ein Beweis krasser Unfähigkeit, sondern auch eine schwere Versündigung an den heiligsten Interessen der jüdischen Bevölkerung, die einigen Mazzesspekulanten und ihren Hintermännern ausgeliefert, vor die Alternative gestellt wird: entweder horrende Preise für Mazzes zu zahlen oder — Brot zu essen. In Berlin ist es wohl anders. Aber dort sind andere Führer und andere Rabbiner. Wien. Der Vorstand der Chewra K a d i s c h a hat am 15. Februar 1915 anläßlich des Ablebens des Vorstandsmitgliedes Jacob Kann sei. And. eine Trauersitzung abgehalten, in welcher der Vorsitzende, Präsident Salo Cohn, mit tiefempfundenen Worten das hingebungsvolle Wirken des Dahingeschiedenen im Dienste der Chewra Kadischa würdigte. Der Vorstand der Chewra Kadischa veranstaltet am Vorabend des 7. Adar, Samstag, 20. Februar 1915, 7 Uhr abends, im Gemeindetempel, IL, Tempelgasse, eine Gedächtnisandacht für die im laufenden Jahre verstorbenen Mitglieder der Chewra Kadischa. Diese Trauerfeier wird auch dem Andenken des am 26. v. M. verstorbenen Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob Kann s. A. gewidmet. Todesnachrichten. Am 10. d. M. verschied in Iiiava im 80. Lebenswahre Frau Cacihe Lewi n, Witwe nach dem ob seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit in weiten Kreisen rühmlichst bekannten lllavan Rabbiners David Lewin v. A. Die Heimgegangene, die ob ihrer Herzensgute und ihrer Frömmigkeit in allen Kreisen großer Hochachtung sich erfreute, war die Tochter des Trenesener Rabbiners .1. S. Löwy s. A. Zur besonderen Ehrung der Verblichenen wurde der Sarg vom Sohne, Dr. Moritz Lew in, Rabbiner in NikoLsburg. dem Schwiegersohne Dr. Max H i m mler, Rabbiner in lllava, dem anderen Sohne Jak. Lew in und dem Gemeindepräsidenten Dr. P o 11 a n d aus dem Trauerhause in den Tempelhof gebracht. Daselbst widmeten der Verblichenen der Sohn Rabbiner Dr. Lewin und der Schwiegersohn unser Rabbiner Dr. Himmler in ergreifender Weise rührende Worte des Abschiedes und des Dankes. Liste der Ausgetretenen, Vom 1. bis 15. Februar 1915. (Nr. 45—56.) Estermann Olga, Kontoristin, geb. 29. Juli 1890 in Wien, IL, Zirkusgasse 10. Flandrak Josef Paul, geb. 19. Jänner 1888 in Wien, L, Rauhensteingasse 10. Gottlieb Zeinwel, Kinooperateur, geb. 7. April 1884 in Modinice bei Krakau, IV., Wiedner Gürtel 48. - Götzel Irma, Buchhalterin, geb. 29. Juni 1887 in Mihalkowitz, Bezirk Teschen, XIX., Mediergasse 3a. Grünhut Karl, geb. 4. April 1891 in Wien, XIL, Rosaliagasse 24. Helmreich Alired, Zahntechniker, geb. 9. Februar 1892 in Wien, XVL, Degengasse 38. Herzig Lora, Wäscherin, geb. 30. April 1876 in Kassejowitz, XVL, Effingergasse 38. Lenthal (früher Löwenthal) Hans, Dr., k. u. k. Oberleutnant, geb. 4. November 1876 in Wien, IV., Favoritenstraße 11. Lewy Jakob Walter, Bildhauer, geb. 2. September 1878 in Berlin. HL. Hauptstraße 88. Müller Isidor, Vertreter, geb. 7. September 1864 in Czernowitz, XVL, Neulerchenfelderstraße 63. Perlmutter Joachim, Gutsbesitzer, geb. lü. August 1856 in Sieniawa, bei Zbaracz, VI., Mariahilferstraße 10. Schwarz Hedwig geb. Bondy, Prokuristensgattin, geb. 17. Mai 1892 in Pixendorf bei Tuiln, VIII., Schönborngasse 1. * Im Anschlüsse an diese Liste dürfen wir auch eine andere Publikation nicht außer acht lassen: in der „Wiener Zeitung*'. Es geschieht nicht zum erstenmal, daß Austrittsliste und „Wiener Zeitung" zu einander in einem Kausalzusammenhänge stehen, wie Prämisse und Schluß: wenn .... dann . . . . So konnten wir vor einigen Tagen in der „Wiener Zeitung" lesen, daß obgenannter Herr Josef Paul Flandrak, bisher bloß Privatsekretär beim Gemeinsamen Finanz- Minister, nunmehr zum Vize-Sekretär dieses Finanz- Ministeriums ernannt wurde. Dazu muß man sich taufen? Das können wir nicht glauben, da doch im selben Ministerium ein Jude auf einem höheren Posten sich befindet. Aber merkwürdig ist es, daß bereits der zweite Privatsekretär Bilinskis sich die weitere Karriere durch die Taufe zu erleichtern sucht. Druckfehler-Berichtigung. Auf S. 24 der Nr. 3 bei Besprechung des ersten Bandes des Levenschen Werkes „Cinquante ans d'histoire" soll es in der letzten Zeile richtig heißen: Durch dieses Werk hat sich der Verewigte auch in der jüdischen G e s c h i c h t s - Literatur ein Denkmal gesetzt. Verantwortlicher Redakteur Dr. S. R. Landau. — Druck von Ignaz Spitz t Söhne, Wien II, Robertgasse 2.

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