Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 3 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- Seite 27 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3________________ __ „Nene ■ Nagonal-Zeitnng**______ _Seite 27 Y . . . ., den 6. Januar 1915. Sehr geerther Herr Kann. Soeben kome ich von einen erfolgreichen Sturmangrief auf Französische Schützengräben zurük und erhalte von ihnen eine Karte. Meine Freude darüber können sie sich nicht vorstellen. Ich bin beruhigt durch ihre Lieben Worte das es meiner Familie nach ihren Worten gutgeht und mit noch größerer Iust gehe ich neuen Taten entgegen, und Solte ich einen erlichen Soldaten Tot sterben so bin ich überzeugt der Lissaer Ferein wird meine Familie nicht umkomen laßen. Werter Herr Kann, ich muß ihnen leider mitheilen, das von 28 Jüdischen Manschaften meines Reg. nur noch 4 Mann vorhanden sind. Sie alle sind für die Ehre unseres Judenthums gefahlen, den wir.kämpfen nicht bloß für unser Vaterland, sondern auch vür unsere Religion. Jeder Jüdische Soldat ist hir ein Makabeer, er weiß waß es gilt, er weiß das es gilt unser ansehen zu kreftigen, und die mit unß kämpfen, müßen unß als gleich berechtigt Anerkennen. In meiner Komp. ist nur noch einer, aber er ist mit mir' imer als erster voran, wen es am Feinde geht. Nun aber wolte ich sie herzlich bitten, für die noch vorhandenen Leute vom Bund Deutscher Juden vür uns g ebetbücher zu senden, den wir haben es nötig unserem Gott zu danken. Ich sage ihnen vür ales an meiner Familje guthes gethane mein besten Dank und bitte sie dieses auch ihren Ferein zu sagen, herzlichen Gruß Reserv. M........cz . . Armeekorps . . . Reserve-Division Reserve-Infanterie Regt. Nr. . . . 1. Bataillon 1. Kompagnie Bitte Herrn Justitsrat zu grüßen, sowie das Freutem im Komtor Bitte Antwort. * Wie ein frommer Jude stirbt. Aus Dorna-Watra wird gemeldet: Als nach den letzten großen Kämpfen in der Bukowina das Schlachtfeld geräumt wurde und Freund und Feind ins friedliche Grab gemeinsam gebettet werden sollte, da bemerkte man, daß einem toten russischen Soldaten an die linke Hand ein kleines Säckchen gebunden war. Es wurde abgelöst und darin, neben einigen Silbermünzen und etwas weißer Kalkerde auch noch ein Zettel gefunden mit der Bitte, das Geld dem zunächst liegenden „Heiligen Verein" zu übergeben, um den Verstorbenen auf eigene Kosten in ein jüdisches Grab nach jüdischer Sitte zu bestatten. Man solle den Wunsch des Sterbenden nicht abschlagen und von seinem Tode den Vater, den Rabbiner von Odessa, verständigen. Die Leiche wurde tatsächlich der Chewra Kadischa des zunächst gelegenen Ortes übergeben. Bei der Entkleidung der Leiche wurde entdeckt, daß der Mann unter seinem grauen Militärmantel das ganz vorschriftsmäßige j üdische Sterbegewand angezogen hatte. In vollständiger Ausrüstung, mit d«n Tächrichim, machte er sich auf den weiten Weg, der ihn in den Tod führte ... Er wurde begraben mit dem Haupte auf dem Säckchen mit der weißen Erde aus Palästina. * Ein 65jähriger aktiver jüdischer Offizier. Herr Emanuel Goldsehmidf,- zuletzt in Basel wohnhaft, ist zum bayerischen Oberleutnant befördert worden. Herr Emanuel Goldschmidt steht im 65. Lebensjahr und ist gebürtig aus Würzburg. Er hat als Einjährig-Freiwilliger den Feldzug 1870/71 im General von Hartmannschen Heere mitgemacht und einige Auszeichnungen für Tapferkeit erworben; kurz nach dem Friedensschluß' wurde er zum Leutnant befördert. Seither hat er sich durch mehr als vier Jahrzehnte als Leutnant a. D. für den Kriegsfall zur dienstlichen Verwendung zur Verfügung gehalten und ist im vorigen Sommer am ersten Mobilisationstag von seinem Wohnsitz Basel zu den Fahnen geeilt. Seither hat sich Herr Goldschroidt als Landsturmoffizier in verschiedenen Dienstzweigen und Dienstplätzen mit der ihm eigenen jugendlichen Elastizität und mit patriotischer Hingebung betätigt. Seit Dezember steht er in Antwerpen. Herr Goldschmidt ist also einer der wenigen aktiv gedienten jüdischen Offiziere des deutschen Heeres, die den Offiziersrang vor Ausbruch des gegenwärtigen Krieges besessen haben. * Die jüdische Fahne. Dem „Jüdischen Echo" wird aus Galizien von einem Mitglied des Münchener Vereins „Bne Jehuda" geschrieben: ... In meiner Kompagnie war eine große Anzahl Juden und Polen. Bei der Abfahrt ins Feld bei Moson in Ungarn, nahmen die Polen polnische Fahnen mit Heiligenbildern mit. Deshalb wurde auf meine Veranlassung eine jüdische Fahne in blau-weißen Farben angefertigt. In ihrer Mitte war aus Goldborden ein Magen David gebildet, in dessen Mitte F. .1. 1., die Anfangsbuchstaben Franz Josef I., standen. Oberhalb des Magen David war das Wort „Immanuel" „Gott mit uns" zu lesen, während unter ihm die Worte „Ana adonai hoschiana, ana adonai hazlichana" „o Gott, gib uns Sieg, o Gott gib uns Glück!" eingestickt waren. Als wir nun ausrücken sollten, kamen fast alle Juden der Stadt, um die jüdische Fahne zu sehen. Unterwegs sangen wir jüdischen Soldaten hebräische und jiddische Lieder. Auf allen Stationen wurden wir mit Begeisterung begrüßt. Ganz besonders in ostjüdischen Städten und zwar am meisten von der jüdischen Jugend. „Täte! Seh nor a jiddische Fuhn! A jiddische Fuhn!", schrieen die jüdischen Kinder mit „Hislahawes" (Begeisterung), und nicht ein Auge von den älteren Juden blieb trocken. Noch größer war die Freude, als wir durch russische Städtchen marschierten. Da kam Groß und Klein zusammengeströmt, um „de jidesche Fuhn" zu sehen, und man wünschte uns von allen Seiten, wir sollten „beschulim uhn a mechsel" (in Frieden und ohne Mißgeschick) nach Hause zurückkehren ... E. S. * Amerikanische Hilfe für die Juden In Russisch-Polen. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt unter dem Titel: „Die amerikanische Kriegshilfskommission und Russisch- Polen": „Wie wir hören, sind der Vorsitzende und einige Mitglieder der von der Rockefelkr-Stiftung in Washington eingesetzten Kriegshilfskommission und der Direktor des amerikanischen Roten Kreuzes hier eingetroffen, nachdem sie sich über das Wirken des amerikanischen Komitees für die Lebensmittelversorgung Belgiens an Ort und Stelle eingehend unterrichtet hatten. Die Herren, die sowohl im Auswärtigen Amt wie im Reichsamt des Innern empfangen worden sind, hegen den Wunsch, sich auch über die Lebensmittelversorgung des von den deutschen Truppen besetzten Teiles Russisch-Polens zu unterrichten. Zu diesem Zwecke werden sie mit dem zuständigen Abteilungsdirektor im Reichsamt des Innern und einem vom Oberbefehlshaber im Osten kommandierten Offizier in den nächsten Tagen eine Rundfahrt durch Russisch-Polen antreten, wobei die Orte B e n d z i n mit dem Kohlen- und Hüttenrevier von Sosnowice, Czenstochau, Wielum, Sieredz, Lodz, Lowicz, Kutno und Ko 1 o besucht werden sollen. Die Refchsregtetiatg würde es. mit Freuden begrüßen, wenn die humanitären Bestrebungen, die sich in Amerika für die durch den Kriegnotleidend gewordene Zivilbevölkerung Belgiens so erfreulich betätigt haben, sieh auch der vielfach noch in schlimmerer Lage befindliche» Zivilbevölkerung Russisch- Polens zuwenden würden."