Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVII (1915)
- Issue
- Heft 3 (5.2.1915)
- Date
- 1915-02-05
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feite g6__________ _ ______„Neue NationakZeitung"_______ _Nr. 5 lichkeit zu helfen, diese Gefahr so weit als tunlich von ihnen abzuwenden, tritt das unterzeichnete Komitee vertrauensvoll an die Oeffentlichkeit heran und bittet: Gedenket dieser Armen, gedenket der Verherrlicher des jüdischen Gottesdienstes, ihrer unglücklichen Frauen und Kinder, die im Elend schmachten und in Not zu verkommen drohen. Helfet jeder nach Euren Kräften, nach dem Maße Eurer Mittel; seid eingedenk der Pflichten des Besitzes, deren edelste die des Wohltuns ist. Auch die kleinste Gabe wird mit Dank angenommen und sind freundliche Zusendungen erbeten an Oberkantor Don Fuchs, I., Postgasse 16. Das Komitee: Don Fuchs, Oberkantor der isr. Kultusgemeinde im Stadttempel. L. Müller, Oberkantor. M. Matyas, M. B. Kaufmann, Erste Kantoren. J. Löwit, Kantor und Chordirigent. Bisher sind an wohltätigen Spenden eingelaufen: Beim Oberkantor-Don Fuchs: Von "der Kultusgemeinde Iglau. K 50.—. Vom dortigen Oberkantor W«jsz K 10.—. Verschiedene Spenden im Gesamtbetrage von K 245.—. Sammlung des I. Kantors M. Kaufmann K 50. * Die Flüchtlingsbaracken in Klattau. Das Versorgungskomitee für jüdische Flüchtlinge in Prag übersendet uns drei urkundliche Belege zum Nachweis, daß die Bezirkshauptmannschaft in Klattau die in den dortigen Baracken sich aufhaltenden Flüchtlinge in ihren Rechten benachteiligt. Von einer Publikation dieser bezeichnenden Urkunden müssen wir leider derzeit aus begreiflichen Gründen absehen. Wir wollen aber dafür sorgen, daß ihr Inhalt der vorgesetzten Behörde zur Kenntnis gelange. Kriegsnachrichten. Jüdische Offiziere in Rußland? Zu Beginn des Krieges war in manchen jüdisch-amerikanischen Blättern zu lesen, daß das russische Armeekommando besonders tapferen jüdischen Soldaten die Offiziers- Epauletten verlieh. Darob große Freude um Zangwill und ähnliche Leute herum, die schon Ansätze zur künftigen Gleichberechtigung in ihren Halluzinationen sahen. Aber bald kam die Ernüchterung. Der Petrograder „Woschod", ein jüdisches Wochenblatt, dementiert diese Nachricht, indem es gleichzeitig den Inhalt einer der letzten Kriegs-Verordnungen der russischen Regierung publiziert. Dort heißt es: „Schüler höherer Lehranstalten, welche das Recht haben, Offiziere zu werden, werden in besonderen militärischen Schulen vereinigt." Und gleich darauf ist zu lesen: „Personen j ü d i s ch e n Glaubens werden als solche gerechnet, die keine Berechtigung besitzen, Offiziere zu werden." Desselbe gilt auch für Getaufte. Dazu bemerkt „Dos Jiddishe Folk": So viel Gutes tut die russische Regierung für die Juden, überall, in London, Paris, in Rom, nur gerade nicht in ... . Rußland." * Die englischen Juden und die „Ausländer". Während die Juden in Oesterreich-Ungarn und Deutschland ohne Ausnahme, soweit sie können, für ihre russischen Brüder eintreten und sie unterstützen, ist es geradezu ein Skandal, wie gewisse englische Juden — allen voran Baron Francis M o nte fi o r e, leider Führer der englischen Zionisien — ostentativ -sich?von den lüdischen „Ausländern" «lossagen und ihnen jede Unterstützung als „Feinden" verweigern. Charakteristisch ist der aus der Mitte der Londoner board of deputies (Kultusvorstand) gemachte Vorschlag, die Jahresversammlung möge dieses Jahr ausfallen, weil es nicht möglich sei, sich mit den Leiden der russischen Juden zu befassen, ohne den Zar und die R e g i e r u ng der verbündeten Macht zu verletzen. Das ging schon offenbar der Majorität über die Hutschnür und dieser Vorschlag wurde abgelehnt. Dagegen wurde beschlossen, aus den zur Verfügung stehenden Mitteln einen eigenen Fonds mit der Bestimmung für in England kriegsgefangene Juden zu bilden. Noch in einer zweiten Angelegenheit hatte der B. o. D. zu intervenieren versucht und zwar handelt es sich darum, bei der Regierung die Aufhebung der Verordnung zu bewirken, der zufolge eingewanderte Juden, trotzdem sie das englische Bürgerrecht besitzen, nicht als Polizisten angestellt werden dürfen. „Dos Jiddische Volk" knüpft daran folgende Bemerkung: „Was doch in dem freien England heutzutage alles möglich ist. Man macht Ausnahmebestimmungen gegen die Juden. Schon bald wie in Rußland . . ." * Der Dank des Zaren. In New-York wurde folgendes authentisches Beispiel dafür bekannt, wie der Zar den Heldenmut seinr „lieben Juden" belohnt. Ein russischer Jude, der seit vielen Jahren in Paris lebte, hatte sich dort mit Einwilligung des russischen Botsehafters nach Ausbruch des Krieges als Freiwilliger für die französische Armee gemeldet. Er zog als solcher in den Krieg und wurde schwer verwundet. Er zeichnete sich in mehreren Schlachten durch seine Tapferkeit so sehr aus, daß er öffentlich belobt wurde und überdies von der Heeresleitung eine Belohnung von 400 Franken erhielt. Auch die russische Botschaft sprach ihm die Belobigung aus. Dieser Jude nun ist, nachdem er das Spital verlassen hatte, nach Rußland zurückgekehrt und ging, da das Haus seiner Familie in Suwalki vollständig vernichtet war, nach Petersburg, wo er Verwandte hatte. Der jüdische Held, der sein Leben für die Entente aufs Spiel setzte und für die Ehre Rußlands zum Krüppel geworden ist, durfte jedoch in Petersburg nicht einmal übernachten und trotz aller seiner Belobigungsdekrete wurde er aus Petersburg vertrieben. * Zwei Millionen heimatslose Juden! Das Petersburger Bureau der Ica (Jewisch Colonial Association, London) veröfftenlicht eine Statistik, wonach zwei Millionen russisch-polnische Juden durch den Krieg heimat- und mittellos geworden wären, außer den galizischen Flüchtlingen. Zur Unterstützung der furchtbar Notleidenden wurde ein Hilfskomitee gebildet. An der Spitze des Komitees stehen Baron Ginsburg, Warschawski und Schliosb er g, welche eine größere Aktion entfalten. * Geheimrat Aronsohn. Geheimrat A r o n s oh n --Bremberg, jüdischer Abgeordneter im preußischen Landtag, wurde als finanztechnischer Beirat in die Zivilverwaltung für Russisch- Polen berufen. Ein jüdischer Straßentoändler — Ritter des Eisernen Kreuzes. Ein kleiner jüdischer Straßenhändler, der bald an den öffentlichen Plätzen und Straßen Berlins, bald als Gelegenheitskellner, Arbeiter und Aushelfer sich und seine Familie schlecht und recht, aber stets fleißig durchschlägt und sich im Felde das e i s £ r« e Kreuz erkämpft hat, richtete an einen jüdischen Berliner Einwohner den hier wörtlich mit seinen orthographischen Fehler« ziim Abdruck gebrachten Brief: