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Neue Nationalzeitung · 1914-12-11 · Heft 28 (11.12.1914) · p. Seite 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 28 (11.12.1914)
Date
1914-12-11
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 28 Kreise Rabbi Eleaser Rokeach. Sie bemerkten, daß ich tief bewegt war und der Rabbi begrüßte mich schon von der Ferne: „Scliolaum olajch achi cliaweri!" (Friede mit dir, Freund und Kollege!) Er führte mich in seine Wohnung und als ich von der Aufhebung der Sabbatrulic sprach, bestätigte er dies. 50.000 Soldaten seien in dem Städtchen, das bloß 4000 meistens jüdische Einwohner zählt, einquartiert, im Städtchen drei Feldlazarette voll von Verwundeten. Hier trete — meinte der Rabbi — der Fall des „Pikuach nefesch" (Rettung der Seele ein), der den Sabbat aufhebt. Die Verteidiger des Vaterlandes müssen verpflegt werden. Und schon brachte Awrumcle, der 11jährige Enkel des Rabbi, das Werk unseres großen Maimonides und schlug den bezüglichen Paragraphen auf, den wir soeben besprachen. Ich lauschte verwundert den Worten des frommen Chassids, der unsere Gebote so liberal auslegte. Endlich richtete ich folgende Frage an meinen Gastgeber: „Rebbc, unsere Militärgesetze ermächtigen mich, im Einvernehmen mit dem Oberarzt die jüdischen Toten in solchen Ortschaften, wo Juden wohnen, der jüdischen Bevölkerung zitr Bestaltung zu übergeben. Ich weiß von zwei jüdischen Gefallenen, die auf höheren Befehl noch heute beerdigt werden müssen. Was ist Ihre Ansicht?" Der Rabbi ergriff meine Hand und sprach mit feuchtschimmernden Augen: „Gott segne Sie, Herr Kollege! Der Obmann der Chewrah kam ja eigens mit mir, um Sie zu ersuchen, Sie mögen uns die jüdischen Toten übergeben. Die Heiligkeit des Sabbats verschwindet neben der Heiligkeit des Vaterlandes!" Nach einer halben Stunde — wir aßen noch zu Mittag — stand bereits ein gedeckter Wagen auf der Straße, auf welchem die Toten in den Friedhof überführt wurden und wetteifernd sprangen auf den Wagen gaüzische chassklisebe Kaftanjuden in ihrem Sabbatgewand ... Es zieht ein Lied ... Es zieht ein Lied, ein weinend Klagen Durch manchen stillen Sabbathraum, Als wollt' es allen Jammer tragen Bis an der Erde fernsten Saum. Die Alten weinen um die Jungen, Es zittert Juda um das Heer Der Seinen, die den Feind bezwungen: Zu ihrem Lob, zu unserer Ehr'! So sehen wir sie vorwärtsschreiten, Vom Feld der Schlacht, dem Ziele zu; Zu fernen, hellen Erdenweiten: Aus Kampfeslärm, zur Fricdcnsruh'. Aus ihren Reihen klingen Lieder, Bald ungestüm, bald sehnsuchtsschwer: „Und alle Menschen werden Brüder! Dies ist des Würgens Ziel und Ehr' . . . Wir aber sind die junge Saat! . . . So laßt uns klaglos weiterstreiten, Wir sind die Hoffnung, sind die Tat, Und unser Werk für alle Zeiten! . . Berlin. Beate Ehren-Schach.*) Anm. der Red. Die Verfasserin des Gedichtes, die Gattin unseres ständigen Mitarbeiters, des Berliner Redakteurs Max Schach, ist dem Wiener Publikum als Rachel im berühmten Kino-Drama „Der Shylok von Krakau" und als Hauptdarstellerin des vom Rudolf Schildlcrautschcn Ensemble in der Neuen Wiener Bühne aufgeführten Juden-Dramas „In Ketten" noch in bleibender angenehmer Erinnerung, Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. An die jüdischen Flüchtlinge! Die in Wien und in anderen Städten Oesterreichs sicli gegenwärtig befindenden Flüchtlinge aus Ostgalizien und der Bukowina werden in ihrem eigenen Interesse ersucht ihr'e Namen und Adressen, sowie die Namen ihrer Angehörigen in Amerika an das HilfsKommittee der Federation of Qalician Jews of America 273 Fast Houston St. New-York. bekanntzugeben. Um Postporto zu sparen, können die Adress'en in gemeinsamen Zuschriften angegeben werden. Die FlüchtHngsbarackeu. Behufs Erörterung der tristen Zustände in den Baracken und eventueller Abhilfe findet dieser Tage beim Statthalter Baron Bleyleben in Brünn eine Konferenz statt, an der Delegierte jüdischer Organisationen und jüdische Abgeordnete teilnehmen. * Spenden für die galizischen Flüchtlinge. Bei der „Neuen National-Zeitung" bisher eingegangen K 920.—. Herr Ch. Weit zu er, Präsident des jüdischen National- Vereines für Bosnien und Herzegowina, hat uns als zweite Rate seiner Sammlung für die galizischen Flüchtlinge einen Betrag von K 374.— übermittelt, bei welcher Sammlung er in sehr dankenswerter Weise besonders von Herrn Spediteur Samuel Taubinann unterstützt wurde. Das Erfreulichste an dieser Sammlung ist aber, daß sich an derselben nicht bloß Aschkenasim, sondern auch Sefardim beteiligt haben: ein herrlicher Beweis jüdisclier Solidarität in unseren Reiclislanden. Wir sind so unbescheiden, uns von der Rührigkeit des Herrn Weitzner noch weitere schöne Resultate im Interesse der armen Flüchtlinge zu versprechen. Von dem eingelangten Oelde hat unsere Administration dem Verein „Machsike Hadas". der in seinem Lokale, II., Obere Augartenstraße Nr. 40, täglich zirka 400 Flüchtlinge ohne Entgelt ausspeist,, der neueröffneten Kaffee-, Tee-, und Milchspeise-Halle „.Jeschios Israel" (eine rituelle Trinkhalle für die Flüchtlinge), II., Hafnergasse 3 (Taborstraße 28) und dem Verbände der humanitären galizischen Vereine. II., Novaragasse 41, je K 100— überwiesen. Ueber die weitere Verwendung der eingegangenen Beträge folgt der Bericht nächstens. Nachstehend veröffentlichen wir die zweite Spenderliste aus Sarajevo: Jüdischer Frauen verein . . . so.- .......30.- Aktienbrauerei Sarajevo . ......30.— Isidor Levi S a d i c (Reugeld) . . . . . . . -. . ■. > 30.- Isidor M. Israel (durch Oberrabbincr Di . Sam. W e s z e 1) 30 - .......30.- Bankhaus S u in b n 1 o v i c . . . . ....... 20.- Isak J. Musafia....... .......20.— Abraham M. A 11 a r a c..... .......20.— Samuel Taubmann, Spediteur . . .......10.— .......1».- .......1().- Oberrabbiner Dr. Sam. W c s z e 1 . . 5_ "'. . . i— Zadik .1. Danon .;'. . . . . . . ..... . 5.- Pinkas Z i n n d o r f ,. ........ . .., ,.....5.- Abraham D. Albinun .... . V". . 5.- .......5.—

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