Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 28 (11.12.1914)
- Date
- 1914-12-11
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2425679-2425912-2425940--3064-2429623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 .Neue National-Zeitung" Menacliem M. A1 k a J a y s Söhne....... 5.~ Tsidor- Levi a d i er . ........ 5.— Daniel A. S a 1 o m.............. 5.— Simon Fürst................ 4.— Elias D. S a 1 o m............... 3.— Julius Adler................ 3.— Leon Josef Finzi.............. 3.— Abr. Jakob A 11 a r a c............. 2. - Avram H. MosoAltarac.......... 2.— Moritz Klitfger.............. 2.— Elias Danon . ............... 2.— Adolf Dreilingcr ............. 2.— Jakob D. Papo............... 2.— Albr. E. Kabilio.............. 2.~ Auguste Holländer, B. Friedmann, Stjcp. Z e 1 e n i k a, Hermann D p h a n y, Josef Kabilio, Zadik H. Lev i, Abraham J. A11 a r a c, B. Kraus, Moses Danon je ä K 1.— =........ 9 — Weitere Spenden, ebenso Kleider, Bücher u. dgl. werden erbeten und in dieser Rubrik ausgewiesen. Kriegsnachrichten. Denunzianten! Die amtlichen Verlautbarungen über die an tapfere Offiziere und Soldaten verliehenen Kriegs-Dekorationen und die amtlichen Verlustlisten über die auf dem Schlachtfeld gefallenen oder verwundeten Krieger sind geschichtliche Dokumente für die Vaterlandsliebe und den Mut der Juden unserer Monarchie. Die Zahl der gefallenen jüdischen Offiziere, besonders der "Reserveoffiziere und Reserve- Militärärzte erreicht bereits 260, weitaus größer ist die Zahl der gefallenen jüdischen Mannschaft; anderseits werden aber auch die Verdienste der jüdischen Kombattanten von der Heeresleitung entsprechend gewürdigt und hunderte Dekorationen von der silbernen Tapferkeitsmedaille bis zur eisernen Krone zieren die Brust tapferer jüdischer Soldaten. Und so könnte man glauben, daß wenigstens während des Krieges gewisse antisemitische Hyänen ihr Handwerk an den Nagel gehängt haben. Dem ist leider nicht so. Eine berüchtigte antisemitische Wiener Parteigröße, deren Namen den traurigsten Klan« hat, betrachtet es geradezu als ihre Aufgabe, verschiedene Militärämter mit Denunziationen gegen die Juden zu überschwemmen. Unter Zugrundelegung ganz erlogener Behauptungen werden verschiedene Gegenmaßregeln angeraten. Für heute wollen wir uns mit diesen Andeutungen begnügen. Gewisse Juden, welche schon frohlocken, daß der Wiener Antisemitismus durch den Bürgermeister Weiskirchner umgebracht wurde, dürften, wir fürchten es, noch manche Ueberraschung erleben. * Dekorierte jüdische Militärärzte. „Für ihr tapferes Verhalten vor dem Feinde" wurden Stabsarzt in Pension Dr. Michael Grabscheid und Regimentsarzt in Pension Dr. Samuel Bram, beide zugeteilt dem Festungs-Kommando Przcmysl, ausgezeichnet, und zwar erhielt ersterer den; Franz Josef-Orden, letzterer das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Herr Doktor Bram hat bereits den bosnischen Feldzug mitgemacht, ließ sich im Jahre 1898 pensionieren und hat sich zu Beginn des Krieges freiwillig gemeldet. Er ist ein Bruder des Herrn Jakob Bram, Vorsteher des poln.-israel. Tempels in Wien. * K. u. k. Lazaretthumor. Unter diesem Titel erzählt efn Mitarbeiter der „Frkf. Ztg." aus der Zeit seines Aufenthaltes in einem österreiichlischen Lazarett folgende lustige Qesch>ich;te: Eines Tages wurden fünfzig russische Soldaten ,in das Lazarett -eingeliefert, doch fand sich n/iemand, der mit ihnen sprechen konnte. Zwar wiederholte einer der Russen fortwährend: „Ich daitsch", sobald man ihn aber abredete, schüttelte er den Kopf. Das war rächt nur für den Oberstabsarzt ein Rätsel. Da kam zufällig ein Sani tätskorpoiral dier Reserve hinzu: Er sah sich den russischen Soldaten, der behauptete, deutsch zu verstehen, genauer an und begann sofort eine Unterhaltung. „Wus hebt Ihr daham ior e Parnosse? (Beruf)", fragte er in jiddischem Jargon. Sofort grinste icier Mann über das blasse Gestellt und antwortete in fliießendbr Red«, die der Sanitätskorporal gar n.ichl zu dämmen vermochte. „Was sagt er denn?" fragte gespannt der Oberstabsarzt. „Er wundert sich", verdolmetschte der Korporal, „daß man hier kein Deutsch versteht!!" Eine Hilfsaktion der nordamerikanischen Juden. Zur Schaffung einer Unterstiitzungssumine für die Juden der c u r o p ä i s c h e n K r i e g s 1 ä n d e r hatten s,:ch letzten Sonntag die Vertreter von mehr als 40 Organisationen im New-Yorker Tempel Emanuel eingefunden. Nach langer Debatte wurde beschlossen, jede nationale Organisation aufzufordern* eine Persönlichkeit für einien Hunderter-Ausschuß zu bestimmen. Dieser Ausschuß wird sodann einen engerem Ausschuß von 25 Mann wählen, dessen Aufgabe in der Sammlung und :in der Verteilung des (leides besteht. Als Schatzmeister wurde Felfx M. Warburg und' als Präsidium wurden Oscar S. S t r a ii s, Louis D. Brande is- Boston, Richter Juliian W. Ma c k - Chicago, Harry Fl sc hei und Meyer London-New York durch Zuruf gewühlt. Man denkt, zehn Millionen Dollar a u f z u b r \ n ge n. 1 * Kol-Nidrei im Schützengraben. Unter der Aufschrift „Ein Russenfang mit Musik" berichtet ein Wiener Blatt: In einer solchen Nacht wurden die Russen auch so mürbe, daß es einem einzigen M a n ii e von der Sanitätskolonne gelang, 30 ü c f a n g e n c zu mache n. Nur mit seiner Klarinette bewaffnet kam er in unseren Graben, um. einen Landsmann zu besuchen und uns zu erheitern. Die Krieger hüben und drüben verhielten sich mäuschenstill und lauschten seinem schönen Spiel. Von Zeit zu Zeit wechselte er seinen Standort, ging einmal zum rechten, dann wieder zum linken Flügel. Fr kannte alle slawischen, alle russischen Volkslieder, einmal sangen wir mit, dann wieder die Russen. Mit einem Male änderte er sein Programm. Er stimmte das wehmütige Sterbclied der Juden, das uralte „K o 1 - N i d r e i" an. Und in dieser Nacht schlichen sich 30 Mann von drüben zu uns. Christen und Juden. Mit Tränen in den Augen kamen sie, und wenn wir auch ihr Heimweh nicht stillen konnten, ihren Hunger stillten wir gerne. 260 jüdische Offiziere gefallen. Schriftsteller Moriz Frühling hat sich zur Aufgabe gemacht, den gefallenen jüdischen Offizieren der üstcr.-ungar. Armee ein „Jüdisches K r i e g s g c d e n k b 1 a 11" zu widmen. So bezeichnet er seine soeben erschienene, sehr schön ausgestattete Schrift, die den ersten 22 gefallenen jüdischen Offizieren gewidmet ist. Da dem Herrn Frühling die Grundbuchsblätter des Kriegsministeriums zur Verfügung stehen, so sind seine biographischen Daten verläßlich. Wie Herr Frühling auf Grund der Perlustrierung der Grundbuchsblätter festgestellt hat, haben bisher 260 jüdische Offiziere den Heldentod gefunden. Das „Kriegsgedenkblatt" wird also noch zahlreiche Fortsetzungen finden. Es wird nicht bloß die Namen der Helden, sondern auch das jüdische Volk ehren.