Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 27 (27.11.1914)
- Date
- 1914-11-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 In einer sanzen Anzahl von anderen Städten liaben di:e Polen schwer an den Juden gesündigt, sie verfolgt, Pogrome des Militärs gegen sie verschuldet, Augenzeugen haben Brandes berichtet von jüdischen Soldaten, die wahnsinnig in üen Lazaretten daruiederl.'egen, aber nicht infolge der Schrecknisse des Krieges, sondern der Pogrom e, deren Zeugen sie waren, der E r in o r d 11 n g cn. N o t z ü c h t i g u n gen und schrecklichen M i ß h a n d 1 u n g e n u nschuldiger Mensche n. Brandes fordert d'ic Polen zur Selbstciukehr auf. Das dürfte wohl kaum möglich sein; denn die Volksbestie lechzt nach dem Blute der Juden, auf die sie so lange von ihren Führern gehetzt wurde . . . Man wird also trachten müssen, daß die Bestie im Käfig bleibt. Denn wie Brandes sagt: „Nicht ein Volk von Barbaren, sondern mir ein Volk von Mensclien, welche der Freiheit wirklich wert sind, w ird auf sie Anspruch erheben können." Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Der „Morgen" gegen die galizischen Flüchtlinge. Die Wiener liberalen Tagesblätter haben bisher in sehr geringem Maße das öffentliche Interesse und die öffentliche Wohltätigkeit für die Hunderttausende galizischer Flüchtlinge, die sich in furchtbarster Not befinden, zu erregen sich bemüht. Sie begnügten sich größtenteils nur mit der Veröffentlichung der Spenden, die kaum einen geringen Teil des Elends zu lindern geeignet sind. Eine Ausnahme bildet die Wiiener Montags-Zeitung „Der Morgen": eine unrühmliche Ausnahme. Die armen galizischen Flüchtlinge, d'ie vor Hunger und Kalte zusammenbrechen, weil sie von 30 h täglich leben müssen, flößen dem „Morgen" nicht viel Erbarmen ein. Einige Krokod.'Isthräneu werden vergossen, nachdem den Behörden der Vorwurf nicht erspart bleibt, daß bei einer „größeren Voraussicht" Wien nicht der Sammelpunkt aller aus Galizien abgereisten Menschen geworden wäre. Aber das „ästhetische Empfinden" dieses Blattes ist schockiert. Der Redakteur hat nämlich entdeckt, daß die galizischen Flüchtlinge in den Wiener Geschäften handeln, d. h., daß sie nicht die von ihnen verlangten Preise sofort bereitwilligst zahlen, sondern es versuchen, einige Heller abzudrücken. Und dieses Verbrechen bringt den „Morsen" außer Fassung. Er faselt gleich von Kultur und Zivilisation, und droht dafür — ausgerechnet dafür — „dem selbstherrlichen Verwaltungssystem einer Klasse das Ende zu bereiten". Es wäre zum Lachen, wenn die Lage der Flüchtlinge nicht so traurig wäre. Nim wären wir doch neugierig, woher der „Morgen" seine Informationen bezieht. Eine Umfrage, die unser Redakteur veranlaßt hat, besonders in mehreren Schuhwarengescliaften, hat gerade das Gegenteil ergeben. So beispielsweise hat die Leiterin des Schuhwarenhauses „Salamander" in der Kärutnerstraß unserem Redakteur folgendes erklärt: „Die galizischen Kunden sind direkt betahmt (ein bekannter Jargonausdnick für liebenswürdig); sie sind so eingeschüchtert, daß sie sich nicht zu handeln tränen und bereitwilligst jeden Betrag bezahlen." Der „Morgen" dürfte wahrscheinlich seine Informationen von irgend einer Gauslerin am Karmeliterplalz haben, wo die galizischen Frauen (nicht nur diese) wie üblich wegen des Preises herumfeilsclien. Allerdings Ist es sehr bequem, die galizischen Flüchtlinge, die zumeist Juden sind, anzugreifen, um sich bei den nicht jüdischen Lesern einzuschmeicheln. Das ist zwar weder christlich noch jüdisch, entspricht aber ganz .-.'lern Wesen gewisser getaufter oder noch nicht getaufter Zeitungsschreiber. * öeite 5 Großes Chanukafest. Wie wir erfahren, wird anläßlich dies heurigen Chanukafestes im großen Konzerthaussaal ein großes Konzert unseres Oberkantors Don Fuchs stattfinden, dessen Reinerträgnis zu gleichen Teilen der Gesellschaft vom Roten Kreuze und der Fürsorge für die Flüchtlinge aus Galizieu und der Bukowina gewidmet werden soll. Herr Professor Josef Sulzer wird die Führung des Chores übernehmen und werden die usuellen, rituellen Gesänge, sowie das Anzünden der Chanukalichter unter Chor- und Orgel begleit ung durchgeführt werden. Das sonstige, reichhaltige Programm, für dessen künstlerische Qualitäten der Name unseres beliebten Oberkantors Don Fuchs bürgt, wird in üen nächsten Tagen an den Anschlagsäulen veröffentlicht werden. * Spenden für die galizischen Flüchtlinge. Bei der „Neuen National-Zeituiig" bisher eingegangen K 5-16.—. Von Herrn Ch. Weit zu er, Präsident des jüdischen National-Verelues für Bosnien und Herzegovina, Mitglied des österr.-ungar. israei. Kultusvorstandes, Ehrenmitglied des gaüz.-bukow. Landes Vereines „Achdus" usw. in Sarajevo, erhalten wir das Resultat einer gemeinsam m;'.t ilem Vizepräsidenten des österr.-Liniga.r. israei. Kultnsvorstandes Simon W ie n e r und mit dem Oberrealschüler J. C h a c h a m ov i c eingeleiteten Sammlung u. zw. als erste Rate den Betrag per I< 438. Wie uns Herr W eitzn er mitte/U1, hat ihn zur Einleitung dieser Sammlung besonders die feindliche Haltung veranlaßt, welche der Kultiusvorsteher Stricker den galizischen Juden gegenüber eingenommen hat. Nachstehend veröffentlichen wir die Liste der Spender von Sarajevo: Galiz.-bukow. Verein „Achdus"......... 50.— Herman Zeichner . ■............ 50.- - Oesterr.-ungar. israei. K u 11 u s g e m e i n d e...... 50.— Ch. Weitzner............... 30.- Simon Wiener............... 30.— Leopold Heim................ 30.— An ton S z i r m a y................ 20.— Präsident Dr. AI. Roth köpf.......... 20.— Marton.................. 10.-- Aloritz S t e r n b e r g.............. 10.— Oestierr.-ungar. israei. C h e \v r a K a d i s c h a . . . . 10- Pernnard Klein............... 10.- Ferdinaud Buchwald............ 10.- Simou C h a c h a m n vic............ 5.- N. N................. 6.- Frau Mi na Koscli............... 5— Osias Appel................ 5.— Jakol) Schreiber............ . . 5.— Sigmund Diamant.............. 5.-- L. Käste n b r a u n.............. 5.— Stern.................. 3.— Koppel mann............... 2.— E. Z w e c h e r................ 2.~ M. A s t ................. 2.- Greif.................. 2. B. L a n d a u................. 5.- N. Blatt.................. 2.— Kolin M o r i c i o.............. 3.- Weinberger . . ............. l.- Ignaz Tolnauer.............. 5.-- Aladar M e rk I e r............... 5.— Anto>n S c h r a u c'Je r..............5.___ Ungar Josef................ 5 _ T ü r ö k Sandor................ 5.— Maximilian Deutsch............ 3.— F e 1 e k i................. 5 »NeiL^ationaljiZeitungl*„