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Neue Nationalzeitung · 1914-11-27 · Heft 27 (27.11.1914) · p. Seite 4

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 27 (27.11.1914)
Date
1914-11-27
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 ___________________ „Neue National-ZeitUKK".............. _ . ____Nr. 27 fehlte nie, wenn unser Meister, Oberkantor D o n Fuchs, dessen glühender Verehrer er war, seine Funktion ausübte. Als Weiss vor einigen 'lagen nach langer Krankheit im Rotbschildspital starb, da äußerte er nur einen Wunsch: es möge Oberkantor Don Fuchs bei seinem Leichenbegängnis die letzten Gebete verrichten. Das war gewiss eine Kühnheit! Wie kommt ein armer Fleischhauergehilfe, der ein Gratisgrab bekommt, dazu, sich die Begleitung des Oberkantors zu wünschen, der sich doch nur bei Leichenbegängnissen I. und II. Klasse, also bei reichen Leuten, die dafür gut zahlen müssen, produzieren darf? Allein, als Don Fuchs davon erfuhr, meldete er sich sofort beim Friedhofsamte, und erklärte seine Bereitwilligkeit, ganz unentgeltlich dem Wunsche des Verstorbenen zu entsprechen. Aber Fuchs war zu voreilig. Fr übersah, gerade wie der Verstorbene, daß das nicht so einfach ist, daß für seine Begleitung gezahlt werden muß, daß er über sich selbst nicht verfügen dürfe, sondern lediglich als Dekorationsstück eines Leichenbegängnisses I. oder II. Klasse den Reichbegüterten zur Verfügung gestellt wird. Als nämlich Oberkantor Don Fuchs am letzten Donnerstag, den 19. d. M., um 9 Uhr vormittags am Zentralfriedhof erschien, um am Grabe des Fleischhauergehilfen Wilhelm Weiss seine herrliche Stimme ertönen zu lassen, die, wenn eine alte Legende wahr ist, der Tote selbst auch hören könnte, da wurde ihm erklärt, der Kultusvorsteher und Weinhändler Kunde rs habe dies verboten . . . Oberkantor Don Fuchs, als Beamter der Kultusgemeinde, mußte sich dem Ukas des Kultusvorsieners Kauders, in dessen Ressort die Maßregeln am Friedhofe gehören, fügen. Der arme Wilhelm Weiss Avird gewiss auch trotzdem ^eine ewige Ruhe finden. Herr Kauders aber, der sich so fromm gebärdet und nebst dem Friedhofe auch noch über die Reinheit der Mikwah zu wachen hat, möge diese Tat vor seinem Gewissen verantworten, wenn er überhaupt eines hat. Eine Frage sei uns noch gestattet: Wäre in irgend einer jüdischen Großgemeinde sonst ein solcher Fall denkbar? Wir glauben aber selbst darauf mit einer Gegenfrage antworten zu sollen: Wäre in irgend einer jüdiscluen Großgemeinde sonst denkbar, daß ein ganz ungebildeter Mann, bloß weil er Geld hat, im Kultusvorstande eine leitende Stellung einnehmen und eigenmächtig über die rituellen Anstalten und den Friedhof disponieren darf? . . . Die polnischen Denunzianten und die Juden in Polen. Wir haben wiederholt auf die zweideutige Rolle hingewiesen, welche die Polen in Rußland spielen: wie sie den einrückenden Deutschen und Oesterreichern Freundschaft heucheln, sobald dliese aber fort sind, wieder den russischen Patriotismus hervorkehren und die Juden als Spione auf d'en Galgen bringen. Diese niedrige Rolle, welche jetzt die Polen in Rußland gegenüber den Juden spielen, ist keine Ehre für den polnischen Namen. Selbstverständlich fällt es uns nicht ein, die galizischen Polen irgendwie hiefiir verantwortlich zu machen: wir sind überzeugt, daß sie sich mit der tarch die jahrelange Boykottbewegung vertiert gewordenen polnischen Volksmasse in Russisch Polen nicht solidarisch fühlen. In einem Artikel, betitelt „Von Thorn nach Russisch- Polen", des „Hamburger Korrespondent" schildert e:n gewiß sehr kompetenter Kriegsberichterstatter aus eigener Wahrnehmung die deutschfeindliche Rolle der Polen im Gegensätze zur deutfreund'Hclien Haltung; der Juden und das für diese entstehende Martyrium. Er unterläßt es nicht, daraus den Schluß in Anbetracht der Juden zu ziehen: Die deutsche Regierung (w i r f ü g e n h i n z u: auch d i e ö s t e r - reic Iii sehe) hat die Pflicht, d'iesen Juden zu h e 1 te n. ..Wer den viel verbreiteten Gerüchten von einem Entgegenkommen der Polen ider deutschen Soldaten gegenüber Glauben schenkt", heißt es in dem Artikel, „wer da nieint, daß die Polen in den Deutschen (ihre Befreier vom moskowitischeii Joch erblicken, irrt sehr. Von Warschau aus war das gesamte Russisch-Polen bis in den letzten Tagen mit einem Netz von polnischen S p i o n a g c b u r e a u s durchzogen. Bloß für den einen Teil der Bevölkerung haben die deutschen Truppen freudige Dankesvvorte, für die Juden. Und auch düese erzählen froh von dein freundlichen Auftreten der deutschen Offiziere und Mannschaften. Gibt es doch nur eines, was ihre Seele erhellen kann: Befreiung vom zaristischen Joch und polnischer Bedrückung durch deutschen Sieg. Und wenn ein Teil von ihnen sich reserviert verhält, es sind die Vorsichtigen, die die Lebensgefahr nicht vergessen können, in der die ganze Judenheit der Stadt schwebte, als üie Deutschen ausrückten und d'ie Russen wiederkehrten. Es ist einfach nicht wahr, was an einigen Stellen verkündet wurde, daß die Juden auch den Russen mit Jubel entgegenkamen. Es zogen sich alle ohne irgendeine Kundgebung in die Häuser zurück. Was die Juden aberall in Polen fürchten, das ist die unglaublich große polnische Spionage. In dem Geschäft eines Juden erschien ein Geistlicher, um etwas zu kaufen. Bald war d'as Kriegthema angeschnitten und der Geistliche sagte dem Juden ganz offen: „Ich habe euch Juden immer für ein kluges Volk gehalten, doch ihr scheint dumm geworden zu sein, da ihr zu den von allen Seiten angegriffenen Deutschen haltet." Juden und Deutsche sind d e n P o I e n i d e ntische Begriffe. An den Fenstern der Polen sind jetzt fast überall Muttergottesb'ilder ausgestellt, nur damit die Russen, wie sie sagen, sie bei ihrer Wiederkehr von den Jtid'cn rasch zu scheiden wissen. Als die Russen wieder in . . . waren, da zeigten ihnen d'ie Polen eine große Zahl von Juden, die den Deutschen Dienste geleistet lullten, als Spione an. Ein jüdischer Gutsbesitzer in der Nähe von . . . namens Hoffmann, hatte deutsche Soldaten bei sich einquartiert. Das war den Russen gemeldet worden, und sie fragten ihn, ob dies wahr wäre. Er leugnete es. Da trat sein Diener vor und erklärte das Gegenteil. Darauf ergriffen sie ihn und hängten ihn auf. Es war nicht der einzige, dem es so erging. Sollten die deutschen Truppen dieses Gebiet wieder einmal räumen, dann würde ein furchtbares J ii -.de n g e m e t z e 1 die Folge sei n. Es wird der Dank der deutschen Regierung sein müssen, diesen Juden den Weg über die Grenze zu öffne n." Selbst Georg Brandes, der bisher ein eifriger Verfechter der polii::schen Ideale war, aber an sein eigenes Volk nicht denken wollte, schreit jetzt voll Entsetzen über die tierischen Verbrechen der Polen gegen die Juden auf. Seine Artikelseric „Zustände in Polen" in den „Politiken" schließt mit der Aufzählungeines mächtigen Registers der nolnischen Missetaten: Die Polen haben die unschuld'gsten Leute den Russen wie den Oesterreicliern als Spione der Feinde denunziert und so ihre Erschießung verschuldet, so in den Stallten Bechava, Janow, Krasnick und Samosch.

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