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Neue Nationalzeitung · 1914-10-16 · Heft 23 (16.10.1914) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 23 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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ä^w^w^w^- Seite 6 »Ne^ifetenaij^itifflg^ Nr. 23: ihn,, interpellierte, warum, er sich, nicht taufen lasse, pflegte er, wie' dqr!„Egyen-. löseg" berichtet, zu antwpr^f, „Abgesehen von fi^m \^arir|en,s:ejelis,cheq, Ban.de, mit. welchem. iqH'lmjiirj'^^vK^ligl^',', mich verknüpf j."fühle,, würde,.iche\s.auch-,für, äußere.Vorteile nicht,, wert!, fin'3gn,' aüszur| treten. Auch andere Offiziere;., sinfl nicljt' rascher avanciert. Uebrigerj^.n?ihe ich. dje. Erfahrung: gemacht, daß - m ünaerier^Ärmee die Apostasje für die.Of(iziere,keirie,rlei Vor-, teile, hat; im Gegenteil,' d e r,"G ei a u f.t.e, w i r d a 1 s S t reb'er a n g.e s ch^n, und seinem Vorwärtskommen würcl^n, sicti ausdiesem Grunde sowohl auf.militärischem,wie auf gesellschaftlichen, Gebiete viele! Hindernisse in den Weg stellen. Mir ist meine Konfession auch nicht eine Minute lang im Wege gestanden." * Die jüdische .Bevölkerung •.weiß,sichJ eins mit der Armee in der tiefen Trauer um" diese beiden hervorragenden und, tapferen. Offiziere. Denn sie sind'nicht bloß; leuchtende. Vorbilder österreichischer! Soldatentugenden, sondern auch Blutzeugen jüdischer Vater 1 a;n>ds.lieb.e und des, So 1 d a t e n g e i s t es 3 ü ji i s.ch e.r O.f f iziere. Möge ihr Blut nicht, vergeblich ge-r flossen sein. L. bei vo^-r.Ehff^M^W^i.6^!^, tyfo: est .$?p$t von mimosenhafter.Empfindlichkeit; eine gewöhnliche Kritik seines. Ve^altejis regt, ih^i derar^ aufv daß er berichbifft u n d klagt, Ueber seine, gegen unseren Herausgeber, Dr. S. R. Landau^gerichtete Eh;re.nbele!idi?u,ngsklage wird, da, bekanntlich, die Schwurgerichte derzeit, suspendiert sind, ein Ausnahms-Qerichtshoi zu entscheiden-haben.. * Spen.defl für. die galizischefl Flüchtlinge. Unser, e,r. AdrninistratiQn .sind: nachstehend e Spenden zugekommen: Von den Herren Dr, Leo Gr ü n f e 1 d, k. k. Oberbezirk,sarz,t in;Zepze (Bosnien) K 25.— und S.. M.o s z-, kowiez in Wien, XX., K 1.—. Hierzu die bereits ausgewiesenen K 3h—, zusammen. K 57.—. Weitere Spenden/,werden erbeten.und in dieser Rubrik ausgewiesen. Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Die Fürsorge für Advokaten-Flüchtlinge. (Zwanzig Kronen wöchentlich für Advokaten!) Das Bilinski-Komitee hat in seinem. Bestreben nach Individualisierung der Wohltätigkeit für einzelne Beruie besondere Bureaus eingerichtet, für die Graduierten, insbesondere die Advokaten Und Kortzipienten, wurde das Bureau in den Kanzleiräumen der Wiener Advokatenkammer untergebracht. Hier sollen die Herren. Darlehen respektive Unterstützungen erhalten. Was die Advokaten aber, hier erhalten, äste in Bette Ige ld. Wie groß muß id'ie Not sein» wenn solche Beträge überhaupt, angenommen werden?. Ein Advokat erhält hier K 20.— wöchentlich, wenn er ledig und K 30.—, wenn er verheiratet ist, Der. Advokat soll also mit seiner Frau in einer Großstadt wie Wien von K 4.28. täglich wohnen, essen, sich kleiden usw. Ein Arbeiter verdient doch in Wien , täglich mindestens, sechs Kro n e.n! Für diese Beträge müssen diie. Adyp.katen noch Garantien geben! Die ganze Kammer muß; sich, solidarisch verbürgen, jeder muß überdies einen Schuld? schein und Blankowechsel unterschreibe.n. Dann erst bekommt er die zwanzig oder, dre/ßig Kronen wöchentlich. Gibt es. denn niemanden, der an kompetenter Stelle das Demütigende und: Unhaltbare dieser „Hilfsaktion" darlegen wollte? Wo bjeibt denn die, ständige Delegation der Kammern? * Die gallzi sehen Flüchtlinge in Ungarn, Das Verhalten der ungarischen Regierungsbehörden gegenüber den Flüchtlingen wurde durch einen. Erlaß des Ministers des Innern, Johann von S a n d o r, besonders geregelt. Im Sinne. dieses. Erlasses sei es den Bemittelten gestattet, überall zu wohnen; die Unbemittelten seien in die Baracken von Szatmar zu dirigieren. Damit steht aber im Widerspruch eine Mitteilung des „Pester Lloyd", wonach selbst, bemittelte Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina zwangsweise nach Oesterreich w>e,iterbefördert werden. Herr Stricker, klagt! Herr Kultusvorsteher Stricker fühlt sich durch, unsere Kritik seines Verhaltens gegenüber d'en galizischen Flüchtlingen sehr gekränkt und er. schreit nach dem Kadi. In der Regel pflegt eine Person, die sich durch eine Zeitungsnachricht unangenehm berührt fühlt, zu.berichtigen oder zu klagen. Herr Stricker, der, wie sattsam bekannt, in einem ihm nahestehenden, inzwischen jeingegangenen. Bla^r Kii'- Kriegsnachrichten» Die. Beamten der Wiener, Kul^us^e^l^. im Felde, Infolge der Mobilisierung mußten 41 Angestellte der Wiener Kultusgemeinde zum Heere einrücken, und zwar 34 Beamte, 2 -Amtsdiener, ein Oberkantor (Schleifer Jakob) und 4 Lehrer. Unter den einberufenen Beamten befinden sich die Sekretär-Stellvertreter Emil Engel und. Guido Fii" Ks gelb. Jüdische.Qfüziere in der deutschen Ärm&h In deutschen. Blättern findet! Wir die Nachricht, daß seit Beginn des Krieges..zirka.i15i> jüdische. Unteroffiziere in der deutschen Armee zu Otfizieren ,ernannt wurden. p,ie Nacnf ichj|. wäre zu begrüßen, Wietiii sie wahr wäre, Bek^nntticli. wurde in Deutschland (mit Ausnahme von.Bayerseit.,mehrals. 30 Jahren kein Jude zum iOf$zie,r.. — .'fuicjk nicht-zum Reserveoffizier — befördert., W\i&,derhort fwurden darüber im deutschen Reichstag, heftige. D9bj!t\en, abg^hrt; die letzte im März 1910. Im ^eßen^ärj:igefl\! Kriegersindi.bereits Dutzende von- EisernenijKreuzfcrii än: iüdfeche,, Soldaten, und i Militärärzte far;.Tapferl^ und!das mag die deutsche, Heeresleitung veranlaßt? haben», die, Eignung der Jude.n^zH QKizieren.Kere %fv Jude, als russischer, S^a(^ In anschau^ieher. Schilderung;, äußert sich, dei Kriegsberichterstatter;?<9es „V-orwärts", Wilhelm Düwell, über das.Verhalten.,der. Russen, insbesondere der jüd'i sehen Soldaten in Ostpreußen wie folgt: Ueber die Russen kann und darf man ein allgemeines Urteil nicht fällen. Das Menschenmaterial der zar jschen, Armee umfaßt, die verschiedensten. Rassen. Und jeder Kusse, mit Abnahme der Kosaken, vereinigt in seiner,Psyche Harmlosigkeit und tierische Grausamkeit, Bescheidenheit undZügeUo.sigkeit, je nach Intellekt. und1 Bildung in, verschiedener Mischung. Bei dem.einen jst das .schlechte, bei,dem andern das Gute besser entwickelt Der Kosak.aber, den man,in Rußland, selbst verwildern.läßt, der dort,träge und brutal ist, läßt im Kriege, der .i alle niedrigen. Eigenschaften weckt, seinen gemeinen Gelüsten, seiner Raubsucht und Grausamkeit ungezügelten Lauf. Daneben zeichnet, er sich durch Hinterlist und Feigheit aus. Märtyrer ode,r; Helden der Tapferkeit sind, aber die. Infanteristen und Artilleristen auch, nicht. Gefangene Russen,; Soldaten und Offiziere versichern, glaubhaft, der aktive Soldat ist gut, er halt, im, Feuer aus, die Reserve.truppen aber ziehen unlustig in die Schlacht, Alle hab.en Furcht vor. der deutschen, Artillerie. Reservisten, die einmal im.''Ä'rtilleriefeuer standen, wollen nicht wieder hinein. Sie sind unzufrieden, weil sie nicht wissen, weswegen eigentlich Krieg ist und warum sie in den Kampf müssen. Ein Brenner von. dinem I^eseryeregiment erzählte, mir gestern: „Ich stand schon oft im Feuer russischer Infanterie. Aus ihren Verschan^ungen schießen, sie blind drauflos, aber so hoch über uns weg oder.sowpit an uns vorbei, daß wrr beim Stürmen manchmal nicht einmal ihre.Kugeln, hörten. Jedesmal, wenn wir nahe kamen, sprangen, sie au§, ihren «Verschanzungen , heraus, und schwenkten ihre. Jacken* weiße Tücher, vieje, sogai; lihre schnell, abgezogenen, Hemden, zurn^ 2$cheti, daß sie sich,.ergeben und; die, Waffen niederlegen." Dasselbe Urteil hörte ich, abgeschwächt oder verstärkt, von .einer ganzen Reihe Soldaten und Offiziere, die in der Front, Verwundungen erlitten, hatten. Auch, darin waf man einig, daß die russische Artillerie vorzüglich schieße und oft überraschend; gut über die Stellung der Deutschen informiert war. Die Verschanzungen der Russen werden als sehr praktisch anerkannt. Als Beweis dafür, daß sie nur. gezwungen kämpfen, erklären seht viele russische.Soldaten in,dem Augenblick, wo sie sich,gefangen geben: „Ich bin ein Jude!" lieber.das moralische Verhalten der Infanteristen und besonders der jüdischen Soldaten hört man so viel Gutes, daß,immer noch ein starker Plus bleibt, wenn man einen Teil der Brutalitäten gegen die Zivilbevölkerung, der vandalischen, sinnlosen Zerstörungen und Pliindereien auf,ihr Konto bucht. Der Inspektor eines, großen Gutes bei Gerdauen, ein Urgermane von Ansehen und nach seinen Aeußerungen Antisemit, erklärte: „Die Russen haben sich hier gut aufgeführt; durch Anständjgkeit und Sauberkeit zeichnen sichgätizauffalienddiejti den a tl s." Dieselbe Beurteilung vernahm ich in verschiedenen; anderen. Orten, vornehmlich in Nprdenburg. wo ich Männer und Frauen darüber befragte. Der. Heldenmut eines jüdischen Militärarztes. Dr. Max Ki r sc Im e r in München, Assistenzarzt der deutschen Armee, hat das Eiserne Kreuz erhalten. Die „M. Augsb. Abend-Zeitung" vom 25. September schreibt darüber; „Es ist recht interessant, in dieser Zeit, wo uns Deutschen Barbarei und Vandalismus zum. Vorwurf gemacht werden, auf. folgende authentische Vorgänge hinzuweisen, in deren Mittelpunkt der Sohn eines inweitenK reisenbekannte n München er Bürgers, des Kantors E. Kirschner, steht. Der Assistenzarzt d. R. Dr. Max Kirschner aus München, Assistenzarzt in der Prof. Katzensteinschen Klinik in Berlin, der kürzlich bei heftigstem Granatfeuer zirka lOO Verwundeten in einem Walde die erste Hilfe leistete, bevor ihre eigene Sanitätsabteilung herankam, hat sich weiter dadurch ausgezeichnet, daß er bei einem nächtlichen Patroillenritte in einem brennenden Dorfe aus einem brennenden Hause sechs verwundete Franzosen — also mit eigener, doppelter Lebensgefahr — dem Verderben entriß, indem er sie herausbefördern ließ, und verband.. Er wurde für diese heldenmütige Tat mit dem Eisernen Kreuz belohnt." Was sagen die antisemitischen Blätter dazu, die sich sonst darüber lustig machen, daß die Juden am liebsten als Aerzte dienen, um hinter der Front zu bleiben? Jörn Kippur im Walde. Die „Frk.ft. Zeitung" bringt folgenden Bericht: „Für uns Krieger war nach den großen Aufregungen der letzten Wochen eine Stunde der Erbauung geradezu zum Bedürfnis geworden. Bereitwilligst gestattete uns unser Kompagnieführer, am Neujahrsfeste einen Gottesdienst abzuhalten. Eine größere Anzahl jüdischer Landwehrmänner fanden sich in einem Zimmer zu einer, kurzen, erhebenden Andacht zusammen. Ein Frankfurter Lehrer hielt eine Ansprache, in der er auf die. Bedeutung des Tages unter ganz besonderer Berücksichtigung der gegenwärtigen Verhältnisse hinwies. Seine mit Begeisterung vorgetragenen Worte machten tiefen Eindruck. Am nächsten Tage führte uns unser Weg nach der Höhe von Provencheres (Dep. Vosgcs), wo Avir acht Tage blieben und Gelegenheit hatten, uns am Versöhnungstage wieder zum kurzen Gottesdienste zusammenzufinden. Diesmal war es ein Waldgottesdienst eigener Art. Wir standen am Abhänge eines Waldes, umgeben von hohen Fichten, vom Fuße hörten, wir. das Plätschern eines kleinen Baches, die Sonne sandte ihre Strahlen durch die Bäume, um uns herum aber dröhnte dumpf der Donner der Geschütze. Ergriffen lauschten wir den Worten unseres Vorbeters. Gerade in dem Augenblick, als das Kaddisch gebet gesprochen wurde, sausten über unsere Köpfe v ii e r fei n dliche Granaten hinweg. Wir faßten sie als Elirensalut für die gefallenen Kameraden auf. L. R." *

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