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Neue Nationalzeitung · 1914-10-16 · Heft 23 (16.10.1914) · p. Seite 7

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 23 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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-;^WjW.»-7s Nr. 23 in e" U< Seite 7 Eine amtliche russische Lüge. Zu den zahlreichen Versprechungen der zarischen Regierung; an die Juden gehörte auch das amtliche Zirkular des russischen Gesandten in Kopenhagen, daß dierussische Regierung nunmehr die j ü d i sc h e n S ol d a t e n zu Offizieren befördern w i 11. Diese Versprechungen waren vielverheißend, nachdem es bisher die Juden der russischen Armee nicht einmal zu Unteroffizieren bringen konnten. Aber auch dieses Versprechen reiht sich allen anderen Versprechungen des Zaren würdig: an. Wie der „Jewish Exponent" in New York berichtet, ist von hunderten Juden, die sich im Kriege ausgezeichnet haben, nicht ein einziger zum Offizier b efördert worden. Die Bemühungen der jüdischen Dumamitglieder in Petersburg, daß die Angehörigen der jüdischen Krieger außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen dürfen, wurden aus nah ms los abgewiesen. Es hat wohl kaum jemals ein Zar so viel gelogen wie Nikolaus II. * Schreckliches Elend zwischen den russischen Juden. Wie den amerikanischen Blättern aus London berichtet wird, befinden sich die Juden Rußlands in der größten Notlage. Infolge Stillstandes des gesamten Handels und Kriegsdienstleistung der Familienväter sind die meisten Familien brotlos. In den größeren Städten helfen die Komitees der Ica nach Möglichkeit aus. In. Kiew hat der Ito-Verband gemeinsam mit dem spanischen Konsul eine Wohlfahrtsaktion eingeleitet. Dagegen "sind die Jüden in den kleinen russischen Städtchen direkt dem Hungertode preisgegeben. * Bei den russisch-jüdischen Kriegsgefangenen in Eszter- * gom (Gran). Aus Budapest wird berichtet: Im Gefangenenlager in Eßtergom fand heute eine erhebende religiöse Feier statt, der auch als Zeichen des gewaltigen Unterschieds, der zwischen der religiösen Gewissensfreiheit in unserer Monarchie und im russischen Reiche besteht, Bedeutung zukommt.' Die russischen Kriegsgefangenen j üdi s c h e r Religion waren heute im Lager von Eßtergom iin . zwei großen Gemeinden vereint, um den Rosch-ha- Schanah-Gottesdienst zu begehen. Die Militärbehörde hatte dafür Sorge getragen, daß in entsprechender Zahl Gebetbücher zur Verfügung' ständen, auch für Talesim, Vorbeter und rituelle Requisiten war gesorgt. Der Gottesdienst gab dem ganzen Lager ein seltsam feierliches Bild. Als die weihevollen" Gesänge des Schicksalsliedes, in dem gesagt ist, daß Gott über das Los jedes einzelnen Menschen entscheidet, erklangen, brachen die beiden Gemeinden, die unter freiem Himmel beteten, in lautes Schluchzen aus und diese gewaltige, schmerzvolle Erregung'steigerte'sich noch, als die am Neujahrstage üblichen Schofartöne die religiöse Bedeutung des Festtages verkündeten. Mancher mag an Weib und1 Kind gedacht haben, mancher an Vater und Mutter. Doch trotz des individuellen Leidens, in der Fremde sein zu müssen, mag wohl auch die Erkenntnis in Dankbarkeit hervorgebrochen sein, daß iin diesem Lande die Freiheit des Glaubens auch dem Kriegsgefangenen gewahrt bleibt, während sie in Rußland den eigenen jüdischen Untertanen verweigert ist, die Anhänglichkeit an den Glauben der Väter in Rußland den Juden Qual und Unglück beschert. Es sei hervorgehoben, id'aß die ungarische Regierung den Gottesdienst im Eßtergomer Gefangenenlager durch eine Spende unterstützt hat. Der ungarische Kultus- und Unterrichtsrninister hat selbst 15 Gebetbücher nach Eßtergom gesendet Wie mitgeteilt wird, wurde den jüdischen Gefangenen im Eßtergomer Lager am Abend nach id'em Versöhnimgstage eine Begünstigung in der Beköstigung, deren Kosten aus Spenden bestritten wurden, gewährt. * Gegen den Antisemitismus im deutschen Heere. Aus List (Westerland) wird berichtet: Einer von den hier garmisonierenden Landwehr - ieuten, ein Jude, wurde häufig beschimpft. Er beklagte sich darüber beim Hauptmann, der daraufhin die Kompagnie zusammenrief und folgendes sagte: „Wir sind alle Kameraden, und solange Ihr Eure Pflicht tut, ist mir einer so lieb wie der andere. Derjenige, der seinen Kameraden seiner Konfession wegen beschimpft, ist ein Schuft, denn alle Mannschaften sind doch bereit, ihr Herzblut für Kaiser und Reich zu opfern, wenn es verlangt wird, und deshalb5 müssen wir ^ü^'Kamer'ädschait ''halten.^ ^c'h f-erwarte, da'ß' so •€^was'in.%n5«rer*K9[^^nie nie^iede'rV6irKoÄmt.M Ob sich die Antisemiten das zu Herzen1 nehmen und danach verfahren werden? * Ein tapferer jüdischer Gespannführer. "In dem furchtbaren dreitägigen Ringen iin Ostpreußen erhielt ein Reserve-Infanterieregiment 'am 28. August den Befehl, in die Gegend von ^Hohenstein vorzurücken. Der Infanterie folgte eine Maschinengewehrkompagnie. Ein furchtbares Feuer von russischer Seite, besonders von feindlicher Artillerie, empfing die Vorrückenden, undjes erging an die Maschinengewehrkompagnie der Befehl, Kehrt zu machen. Ein Gespannführer, ein jüdischer Fahrer, verharrte noch auf seinem Platze und wartete trotz;'ä6s%yer^eer€nden:ru^ische'n: Feüers'auf "seinen Leutnant, der mit seinen beiden Maschinengewehren nicht zu sehen war. •Endlich/erblickte' er die kleine Abteilung, fcie vom Trageti äer'Üewelire,'der Munition usw. so erschöpft war, daß sie ihren Weg nicht mehr fortsetzen konnte. In säusenäern 'Galopp nähert er sich ihnen in der höchsten Notr-nahnf alles auf und brachte es in Sicherheit. Auf die Frage des Hauptmannes, wer itim beföhlen habe zu warten, lautete die Anwort: „Ich kann doch'selbstverständlich nicht ohne mein Gewehr wegg-fahren." Der Kompagniechef ließ dem Fahrer eine'Belobung zuteil werden und meinte darin, ider Fahrer sei-ein tüchtiger'Kerl, wenn der nicht'ausgeharrt hätte, dann hätten wir wohl heute den ganzen Zug nicht gehabt. * „Konfessionelle Weifherzigkeit." Unter dieser Spitzmarke berichtet das -»'.Berliner Tagblatt": Unser Posener Mitarbeiter schreibt uns: In der kleinen jüdischen Gerneilide des benachbarten Städtchens Muro\väriä-Göslin war kurz vor vdem Kriegsausbruch der Kultusbeamte und Kantor gestorben. Da die Mittel zur Anstellung eines Seelsorgers nicht ausreichten ühd 'äuch, äer^ftantor\ fehlte, hatte die Gemeinde niemand zur Abhaltung des Kriegs- 'gottesdienstes. Da-nlhm sich der^evangelische:' Pfarrer der Verlassenen an. Am Sabbat, als" die Gemeinde zahlreich' versammelt '"war, betritt er /plötzlichdie Kanzel öftres Gofteshauses. %it eindringlichen Worten','entlehnt' aussen Propheten ides alten1 Bundes und der! Psalmen; Kündet; er;de'n^Z"uhörern 'die ernste-Zeit ühd'senkt lYbst 4irid*Äfa der Gemeinde. ' * Öskär SiräuÖ^üßer' caie t^üer ^es^lges. " (NÖrdamerika bleibt' neutral.) Der bekannte jüdische Staatsmann Öskär Strauß ist bereits, von London nach Amerika'zurückgekehrt. Ueber die! Kriegslage äußerte er: sich S^ie folgt: „Es ist eine der schwersten Prüfungen, der unsere Zeit aiisgesetet'ist.'vV'ie länge der Krieg dauern wird, läßt sich heute nicht sagen. Ich fürchte, er wird nicht so bald zu Ende seih. Die Haltung der Vereinigten Staaten wird selbstverständlich eine streng neutrale bleiben. Wir werden allen Staaten gegenüber in gleicher Weise von liberaler Neutralität geleitet sein, damit, wenn der geeignete'Moment kommt,: -wir in/der Lage sind, unsere Vermittlei'dienste anzubieten. Allein die Zeit für die Vermittlung ist löider hoch ncht gekommen. Dazu ist noch ein langer Weg.' Sie wird aber kommen und dann werden die Vereinigten Staaten eine denkwürdige Rolle zu erfüllen haben." # Löwen — eine jüdische" Stadt! Der „Pester Lloyd" schreibt: Nicht nur der Zar hat vor dem, Kriegsausbruche seine; „lieben Juden1' in lockenden;Worten;kpost'r'op,hiert'-;ürid ihnen1 Erleichterungen aller'Art und politische Rechte versprochen, aiich dierrüsserifreündliche Ausiaridsbfesse, Vör allem die 'englische, weiß über die yofa'Zaren,großmütig vollzogene; Judenbefreiune in Rußland viel "Schönes ilnd Gutes zu berichten. Zur selben Zeit, da die' Enteritepresse vbn;ider neuen liberalen''Aera;'in Rußland ■faselt, erscheinen in deT „N o wo je W r e m j a" Artikel, die von einem Wirtshausantisemitismus rohester Arttfrefen. In der Nummer vom 11. September war in der „Nowoie Wremja", von der strengen Präventivzensur zweifellos genehmigt, folgende 'erbauliche Meditation zu lesen: „Die u$tadt' Löwen in "Belgien ist eine rein jüdische Stadt, in der Art eines Sdhklow ' oder Berditschew" InRüßrand, Städfe,"deren Einwohner an 90 Prozent Jüden sind. Als die Deutschen diese Stadt dalür/'daß'-feäW^ auf die Soldaten schoß, eiiier Strafe 'unterzogen, erwartete niemand, daß;die Deutschen die. Strafe bis zur Zerstörung der Häuser durchführen würden. Man dachte, sie würden sich darauf beschränken, die Leute zu füsilieren. Die Deutschen aber waren wegen'des herausfordernden Ueberfalles in einen solchen Zorn geraten, daß sie auch1 Baulichkeiten zu zerstören beg-annen. Da der größte Teil der Bauten in Löwen den Juden gehört, so traf die über die Stadt verhängte Strafe schmerzlich deren Tasche. Dieser Umstand war es also< der dann die Juden bewog, gegen das scharfe Vorgehen der Deutschen Schutz zu suchen. Im Präsidenten Wilson fanden die-belgischen Juden natürlich, ihren wärmsten Verteidiger, denn auch in seinen Adern fließt das Blut der Parasitenrasse. Von daher entstand die Forderung, die jüdischen Bauten weder in Brüssel noch in Paris zu zerstören unter Androhung, die' guten Beziehungen abzubrechen. Der Deutsche Kaiser wird wahrscheinlich dem jüdischen Kanal nachgeben müssen und auf seinen anfänglichen Gedanken verzichten, die Befestigungen von Paris, sobald dessen Belagerung anfängt, mit Hilfe der Zeppeline, deren Zahl jetzt von 17 auf 32 gestiegen ist, zu zerstören. Jeder dieser Zeppeline führt eine Nutzlast bis 100 Pud. Man kann sich vorstellen, welches Getöse entstehen würde, wenn auch nur die Hälfte der Luftschiffe auf das belagerte Paris von oben Dynamit zu werfen beginnen sollte. Millionenvermögen zu verlieren, paßt den Juden absolut nicht, und darum haben sie Maßregeln ergriffen, um durch Wilson für das jüdische Gut eine S.chutzwehr zu errichten, während sie voll Freude die christlichen Völker weiter aufeinander hetzen." So'schreibt das führende'Blatt des Moskowitertums,: das*vor einigen Wochen um die Unterstützung der „lieben Juden" gebuhlt'hat. Diese wenigen Zeilen enthüllen die ganze Verlogenheit der herrschenden russischen Kreise. Die „liefen JudenM Rußlands werden aus "diesen Hirnverbrärintheiten der „Nowoje Wrerrija", die offenbar in einer '"Progrömstimmung "entstanden sind, erfahren können/wieviel sie von-den Versprechungen des Zaren zu'halten haben. . Todesfälle. Der 'bekafinte1 Vef-^cherun^^ohsuiten-t, 'Herr A. H. Spore r in Wien, Tiat durch den Tod seiner greisen Mütter, Ffau 'Sarä S p o re r, ' einen sehr schmerzlichen Verlust erlitten. Die ' Verstorben*»'me 'Se!hr iYtfmrite und! wohl» 'tätige'' Frau; wurde am Dienstag;, den 13. d. M., im Beisein zahlreicher Freunde und Verwandten am ' Zenträli'rledhofe' bestattet BffefKästen der ' Redaktion. Almoni. Ihr geschätztes Schreiben, worin Sie sich mit scharfen Worten über unsere glaubensgenössischen Flüchtlinge aus Galizien beklagen und darauf, hinweisen, daß sich-manche unter ihnen, und zwar die Männer durch hohe Einsätze im Kartenspiel, die Frauen durch auffallende Toiletten und viel Schmuck auffällig machen, haben wir erhalten. Sie haben gewiß Recht, daß dieses Verhalten mit der durch die Kriegslage gebotenen Reserve und Bescheidenheit in krassem Widerspruche steht. Allein man darf für diese Auswüchse die armen Leute in keinem Falle entgelten lassen.'Auch wäre es eine Einseitigkeit, zu glauben,' daß' die von' Ihnen geschilderten Untugenden nur in Galizien blühen. Zahlreiche Gerichtsverhandlungen über HäzaVdspiel und'Biiki-Domiho,' bei denen jüngst auch Wiener Frauen als Angeklagte figurierten, beweisen dies. Gegen solche Ausartungen müßte unterschiedslos, wo immer sie vorhanden sind, in erster Linie von der Kanzel gekämpft werden. — Kultuswähler. Wir kommen auf dieses Thema noch ausführlich zurück. Die Liste' der Ausgetretenen befindet sich auf Seite 8.

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