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Neue Nationalzeitung · 1914-10-16 · Heft 23 (16.10.1914) · p. Seite 2

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 23 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seit« "2 „Neue Nattonal-Zeitung" Nr. 23 Die Kost, die sie erhalten, ist n i c h t r it-u eil zubereitet. Dieselben Kannen werden benützt, um Milch und Suppe zu verteilen. Es fehlt jede rituelle Aufsicht; d i e M i 11 ä t i gkei t d e sNikolsburgerRabbiners wurde vom Komitee a bg e lehnt. Umhimlne %litgj|ede^. dervÖele^ätiön, alte J Leuf% ieklafi^ti srih, dlaß f;si'e ^schlagen wurcfenj wählte ßir ihre* Angehörige^ statt 1 y^rlpgten; vori'Käntinen, lung" erst dann gesprochen werden, wenn geeignete Orte, die allen Bedingungen und Anforderungen entsprechen, ausfindig gemacht Werden. ü b e r v o r t e i 11 werden. Infolge dieser Beschwerden hat die. Allianz zwei Vorstands-Mitglieder,^uhp lz^r die Herren Hofrat Dr.Löwn e r und Doktor Katzau nach Nikölsburg entsandt, damit steWÖrt und Stelle die Verhältnisse prüfen. "Hätte"die 'Allianz"rechtzeitig ein Vorstandsmir^ffe'd'/M^ nach Nikölsburg zur dauernden Äüfsicht delegiert, .dann wäre'iie^eh Mißständen, gewiß vorgebeugt worden. Jetzt aber muß die Allianz die Verantwortung:iür ihr Nikolsburger Komitee tragen! t \ :J,Der Ml'Äofebnrg beweist,'daß die jü- _drs"6freri;G^ den Anforderungen 1 Dezu^gtich' 'der 'menscrilicnen' Behandlung und rituellen Verpflegung der,jüdischen , Flüchtlinge nichtg^wach^en.sind. Öbl}iier die;Ä%4le Äyerstö'n^'er rrfätirisehein Juden gevt#ehV'"Ä mitspielt, wollen-dahingestellt sein lassen. : Aber da% Befiel %t ausbrechend und das tiei|te Mlßtfa^!|st am^ffatze! r%k' sfnd^ifcii in P d hJr 1 r t z bereits 4500 Flüchtlinge und nach G a y a sollen . reinige Tausenderirörrimen. Darf das so ins Uferlose gehen, bevor Garantien geschaffen ^werden, -daß sich nicht nur die Unj mensqhiiDitoft^^ wierderholen, sondern - auch; die G e w i s s e n si ,'tll L J U C 1 l UCT^JtHJlJ\,liiSii mU^L'lir»0Ö i-»ojo</Ii tlert wird;? : :; Trotz der^'ge'du'ld' gewisser- Leute,'- die ' -''sMi' :der galtzischen' Fiüchtlihge' raschestens ■ eritle&igen. mochten,' kann von einer „Vertei- Rußläftd als Freund und Feind unserer Monarchie. In diesem Momente kämpfen unsere wackeren Truppen ein mörderisches Ringen .gegen die gigantischen russischen Heersäulen und wir wollen hoffen, daß auch hier wie immer die gerechte Sache — und das ist unsere — triumphieren wird. Bei 'diesem Anlasse dürfte es von Interesse sein, nachzuforschen, welcher Art bisher unsere Beziehungen zum Moskowiter- Reiche gewesen sind. Wehn wir in der Weltgeschichte zurückblicken, so finden wir, daß Rußland am Anfange des 18. Jahrhunderts in die Gemeinschaft der t europäischen Staaten eingetreten ist. Peter der Große hat diesen Schritt gewagt, der zunächst Kämpfe mit Schweden und der Türkei zur Folge hatte. Im österreichischen Erbfolgekriege kämpfte ein russisches Heer gegen Oesterreichs Feind Frankreich. Im siebenjährigen Kriege (1756—1763) kämpften Russen an unserer Seite gegen Preußen bis zum Tode ,der Kaiserin Elisabeth (1762, Schlacht bei ^Kunersdorf). Elisabeths Nachfolger, Peter III., welcher nur vom 5. Jänner bis 9. Juli 1762 herrschte, schloß am 5. Mai mit Preußen 'Frieden, am : 19. Juni sogar einen Allianzvertrag mit Preußen, infolgedessen die russischen Truppen zu: den preußischen stießen. 'Zu. einem Kampfe mit den Oesterreich ern kam es jedoch nicht, weil Peter III. am 14. Juli 1762 ermordet wurde und seine Nachfolgerin Katharina II. die Truppen zuiüvlvxJcf. Unter dieser Herrscherin fanden einige gemeinschaftliche Aktionen der österreichischen und russischen Heere statt. 1772 die erste Teilung Polens. 1788 der Krieg gegen die Türkei. 1795 die dritte Teilung Polens. In den französischen Revolutionskriegen finden wir in der zweiten Koalition (1798) Rußland auf unserer Seite. Seine Truppen befehligte der berühmte Marschall Sumorow. Als Ende der französischen Revolution ist die Alleinherrschaft Napoleons des Ersten anzusehen. Gegen dessen Kaisertum kämpften Oesterreich und Rußland im Jahre 1805 vergebens. (Schlacht bei Austerlitz.) Als Frankreich im Jahre 1812 zum Schlage gegen Rußland ausholte, zwang Napoleon den ganzen europäischen Kontinent zur Hilfeleistung. Auch ein österreichisches Korps unter Fürst Schwarzenberg zog gegen die Russen und kämpfte in dem Räume, wo sich jetzt die Armee Dank! mit Lorbeeren bedeckt hat. Schwarzenberg war auch in den Befreiungskriegen (1813—1814) Oberbefehlshaber der verbündeten Truppen, auch Russen standen unter seinem Befehl (Dresden, Kulm, Leipzig, Arcis sur Aube). Die nun folgenden Friedensjahre stehen unter dem Zeichen der heiligen Allianz, einem Bunde der Herrscher Oesterreichs, Preußens und Rußlands. Im Jahre 1849 waren russische Truppen unter Paskewitsch den unseren bei Niederwerfung der ungarischen Revolution behilflich (Vilagos). In diese Zeit scheint der Höhepunkt österreichisch-russischer Freundschaft zu fallen. Unser Kaiser erhielt für seine Teilnahme an der Erstürmung Raabs den Andreasorden, die höchste russische Auszeichnung. Seit dieser Zeit bot sich kein Anlaß für österreichische und russische Soldaten mit- oder gegeneinander zu kämpfen. In der ganzen Epoche bis. auf die jüngsten Tage war es nur die Diplomatie, welche bessere oder schlechtere Beziehungen regelte, eine bewaffnete Neutralität, eine geharnischte Note, eine Drohung und Aehnliches. I^LliETON. Sabbäthlichter im kugelfegen. Von',5 jiilhis $zini>) Die .Sabbathkerzen sind angezündet. «.Dies-; und jenseits der russischen Grenze flimmert ihr sanfter Schein, der vom Wind- .<haiich eines gewaltigen Geschehens erbebt. Schließt inan das Auge,,: dann umschwebt uns der Anblick von Milliarden zitternder Flammen. Je zwei aus einem Fenster. Ueberäll,. wo die Kanonen donnern, zwischen rauchgeschwärztem Gemäuer, bei eingestürztem! Däche,: unter dem Geflimmer des himmlischen Gestirns, weinen diese unruhigen Flämrncheri Hiber Jdas -'Verwüstungswerk;der .Kosaken., Zwei Kerzen brennen, und scfayere^bleiche, -'Tropfen •,. rollen von ihnen ■ "wie^-rjUien. ^n, die .''Tiefe' hinab. Zitternd,/dqchr immer .vertrauend "wer- '••den dieih'eiligen BücHer geblättert.. Aus dem ^Gotteswort [und der Glutsprache äer.'Pro- -^heten .Ä und Leben, geschöpft. ^Zusar^engeafückt;>sitzen; die Männer, in f. ihrer dunkel schimmernden Tracht in den .^Bänken. Alte, heilige Verse, dringen klagend •Tutoren;^ie zerbrochenen Fensterscheiben. . DerKantor.- stimmt, mit ergebener Andacht die,Hymne, diedas Lob des'Schöpfers ver- . kündet, an. ... -; Geneigt sind die Köpfe über die Bücher, beten und ihre Seelen schwingen hinaus j ihs-:-defilde, wo. die Kugeln,pfeifen, und die Faunen'rlattörn* für die die Helden'kämpfen, •für die-die Brüder sterben. Aber auch hin *) Wir entnehmen dieses hübsche Stimmungsbild dem „Pesti Naplo". zu den Unglücklichen, die vom Rückzug des Feindes zu Boden gedrückt, kämpfen müssen, für eine Sache, die ihr Herz und ihre Seele verdammt. Unterschätzen wir ja nicht diese zitternden Schabboskerzen. Die fühlen und wissen, wo der Feind ist. Und ihr Todfeind ist ja auch der ünserige. Wie allumfassend ist nur unsere tragisch große Zeitepoche. Religiöser Eifer, brennende Vaterlandsliebe und radikaler Materialismus kämpfen Schulter an Schulter gegen den gemeinsamen Mörder. Und diese heilige Allianz muß siegen! Bei uns schweigen alle Gegensätze. Antimilitaristen, Sozialisten und Friedensfurien schwingen die Banner des Dreibunds. Und dort verkannte Männer wie Burns, der das Ministerportefeuille hinschleuderte, und Jaures, den sie einfach totschießen, den gefährlichen Hellseher. Die geschworenen Feinde des Krieges wissen, daß unsere Sache gerecht ist und beten für den Sieg in den Synagogen, Kirchen und Moscheen. Die zitternden Sabbathflämmchen glühen, die grüne Fahne des Propheten ist aufgerollt und die roten Banner sind eingezogen. Alles weiß, wo und wer der Feind ist, daß er niedergebrochen werden müsse. Daß wir ihn erkannten, danken wir alle einzig dem matten Schimmer der jetzt nervös aufflackernden Sabbathlichtlein, die hineinleuchten in das unendliche hundertmeilenweite Schlachtfeld, wo der Boden ersaust unter dem Tritt der Millionen. Wer wollte diese Lichtlein in Kischenew, in Odessa, in Lodz und in sonst tausend Orten ausblasen? Wer ist der blutige Regisseur der Rogrome? Wer der Unterdrücker der Polen, Finnen und Ukrainer? Wer will uns den Atem und die Luft rauben? Nicht nur das gemütliche, leichtgeschürzte München ist ernster geworden; auch unsere skeptische, leichtsinnige Metropole hat das Beten erlernt. Männer, die sonst auf den Boulevard tänzeln, sprechen mit Ergriffenheit und feuchtem Blick von der beruhigenden Schönheit, die die Sabbathflämmchen ausstrahlen; von dem erhebenden Gottesdienst in den Synagogen, wo die alten heiligen Melodien formreich mit der Nationalhymne verschmolzen und es stark und unerschüttert von dem Munde der Beter klang: 0 Herr! Wie vieler sind meine Feinde! Wie zahlreich, die da kommen über mich. Und vom Donauufer bis zu den Stranden des Dnjestr und der Wolga klingt überall der gleiche Ton, das gleiche Gebet. Ich schlich im Schatten der kleinen Dorfsynagoge. Fähnchen in den nationalen Farben schmückten das Portal und selbst das gaffende Dorfgesinde, das sonst befremdet den orientalischen Klängen folgte, fühlt es und weiß es, daß die schluchzenden Lieder Gebete sind, die in Tränen getaucht zu Gott emporflattern für die Kinder, für die Väter, für die Brüder, die unter den Fahnen für uns alle kämpfen und siegen müssen. Es mag da kommen, was da wolle — gebe Gott, daß wir uns in glücklicher Zeit wieder treffen — wir werden nie vergessen, was uns die müßigen, zitternd flackernden Sabbathlichtlein brüderlich kündeten, in den Zeiten der Erwartung, des Vertrauens, in den von großen Ahnungen überspannten Augusttagen unseres Jahres.

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