Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 23 (16.10.1914)
- Date
- 1914-10-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NftlS NACiONAL-ZEiCUNG RERftusegBgR: ors.R.u«N08ü:: XVI. Jahrgang. Wien, 16. Oktober 1914. Nr." 23. Redaktion, Administration und Inseraren-Aufnahme Wien, L, Oppolzergasse Nr. 4. Telephon 18.435. K. k. Postsparkassen-Konto 88.704. Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Inserale werden nach Uebcreinkunfl berechnet, Inhalt: L. : Gegen den Zuzug der Flüchtlinge nach Wien! F.: Rußland als Freund und Feind unserer Monarchie. H.: Auf dem Wege nach Krasnik, (Schluß.) Eduard König : MeineHeinrat (Gedicht) Oberstleutnant und Regittients-Kommandant Adolf Flecker — gefallen. (Mit Porträt.) Major Emanuel Krauss — gefallen. Die Hilfstätigkeit für die Flüchtlinge. Kriegsnachrichten. Feuilleton: Julius Szini: Sabbathlichter im Kugelregen. A. Wilkowitsch: Jugetiderinnerungen an Suwalki. Liste der Ausgetretenen. ün unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere auswärtigen Abonnenten höflichst um gefl. umgehende Begleichung des rückständigen Abonnements. Auch wollen unsere Abonnenten aus Galizien und der Bukowina uns ihre eventuellen neuen Adressen bekanntgeben, damit in der Zusendung unseres Blattes keine Unterbrechung eintritt. Die Administration. Abonnementspreise'. . (mit Zustellung ins Haus) In Oesterrei ch-U ngarn: Ganzjähr. K8—, halbjähr. K4.—, Vierteljahr. K 2.— In Deuts chland: Ganzjähr. K 10 — Im Übrigen Ausland: Ganzjähr. K 12 — Einzel-Exemplare zu 14 Hellern im Zeitungsverschleil? Hermann Goldschmied!, 1., Wollzeile 11, und in den größeren Tabak-Trafiken. Gegen den Zuzug Flüchtlinge nach Wien Unter dem Vorsitze des Ministerpräsidenten Grafen S t ü r g k h und im Beisein des Wiener Bürgermeisters hat vorige Woche eine Sitzung der Partei-Obmänner des Wiener Gemeü*derates stattgefunden, wobei auch aic FiaysT-üiiigenenü üiskuttcvx wurde, ob aus sanitären und Approvisionierungs-Gründen der Zuzug der Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina nicht vollständig zu sistieren wäre. Nach eingehender Debatte einigte man sich, besonders über Betreiben des Obmannes der christliclisozialen Rathaus-Partei, Leopold Steiner, dahin, weiteren Zuzug nicht zu gestatten, respektive wie es Gemeinderat Dr. Hein in den Tagblättern richtigstellte, eine „Verteilung" der Flüchtlinge durchzuführen. Auch in der letzten Stadtratssitzung hat Herr Steiner die Flüchtlingsfrage aufgerollt, und mit der Begründung, daß die galizischen Flüchtlinge nicht ohneweiters in Wien belassen werden dürfen, Prohibitiv- Maßregeln verlangt. Als eine dieser Maßregeln schwebt dem Herrn Steiner und seinen Gesinnungsgenossen in erster Linie die Unterbringung eines Teiles der bereits in Wien befindlichen sowie der etwa noch einlangenden Flüchtlinge in den mährischen Judengemeind e n vor. Dabei kommen natürlich nur die mittellosen Flüchtlinge in Betracht, denn wer von eigenen Mitteln lebt, kann wohnen und leben, wo er will. Herr Leopold Steiner und auch der mit ihm im Prinzip einverstandene Herr Dr. Hein stellen sich die Sache ganz anders vor, als sie in Wirklichkeit ist. Beim grünen Tisch läßt sich alles leicht beschließen; damit sind aber die Hindernisse noch nicht beseitigt und diese machen oft die Durchführung unmöglich. In Wien sind jetzt die Verpflegung und Einquartierung der Flüchtlinge im Großen und Ganzen bereits geregelt. Man kann sagen, daß es klappt. Diverse Unzukömmlichkeiten, die sich als Folge des plötzlichen, massenhaften Zuströmens der Flüchtlinge nach Wien ergaben, sind bereits beseitigt; die Versorgung der großen Massen ist erledigt und es bleibt daher Zeit für die Vereinfachung und Systemisierung der Flüchtlingsfürsorge. Besonders muß hier betont werden, daß die in Wien befindlichen Flüchtlinge,. zumeist orthodoxe Juden, nur, ri-_ ru ci-i scicncie ivuuien a^TSUCTien~woTiTeii: Lieber wollten sie von trockenem Brot leben, als gegen den Ritus verstoßen. Es ist gelungen, diesen Ansprüchen gerecht zu werden, was bei den vielen tausenden Flüchtlingen nicht so leicht war. Haben jedoch die Parteiführer des Gemeinderates, darunter besonders die freiniger Richtung, daran gedacht, daß die Schaffung ritueller Verpflegung außerhalb Wiens nicht so leicht sein wird und daß dieVer schickungvongläubigen Juden nach Orten, wo man ihnen keine rituelle Verpflegung zuweisen kann, gleichbedeutend istmitihrerA u s Ii u n g e r u n g? Daß die Sache nicht so einfach ist, beweisen die haarsträubenden Nachrichten, die uns aus Nikolsburg zukommen. Die Mißhandlung und Ausbeutung der Flüchtlinge in Nikolsburg, In Nikolsburg befinden sich 6000 jüdische . Flüchtlinge aus Galizien, die vorläufig in Baucrnsche-unen untergebracht wurden. Die Brünner Stattlialterei läßt Baracken bauen, die demnächst fertig werden und deren Finnchtungdie Wiener „Israelitische Allianz" übernommen hat. Die Mittel hiezu erhält die Allianz teils von der'Regierung, teils aus Spenden. Leider ist aber die „Allianz" ihrer Aufgabe nicht gewachsen. Sie kümmert sich absolut nicht um die Flüchtlinge, sondern überläßt sie der Obhut eines Nikolsburger Komitees. Dieses Komitee wirtschaftet nun sehr eigenartig. Eine Deputation der Flüchtlinge, die vor einigen Tagen nach Wien gekommen ist, um sich über das Komitee zu beschweren, erzählte recht erbauliche Dinge: Das Komitee gibt ihnen kein frisches Strch, sie müssen daher auf v e r u n r e i - n i g t e m Stroh schlafen.