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Neue Nationalzeitung · 1914-10-02 · Heft 22 (2.10.1914) · p. Seite 5

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 22 (2.10.1914)
Date
1914-10-02
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 22 „Neue National-Zeitung" Seite 5 wenn jeder Eurer Hausgenossen eine etwas kleinere Portion erhält, wie gewöhnlich, das tut der Ernährung keinen Abbruch; aber das beseligende Gefühl eines armen Menschen Hunger gestillt zu haben, ihn davor zu bewahren, daß er bittend die Hand nach einer Speisemarke ausstrecken und dann sein karges Mahl in der Volksküche verzehren muß, wird in Euch ein Hochgefühl erzeugen, das die kleine Unbequemlichkeit aufwiegt, einen Tischgast mehr zu haben. Wie Viele, die daheim Haus und Hol hatten, hungern lieber, ehe sie sich entschließen, in die Volksküche zu gehen. Nehmt sie, Ihr edeldenkende Frauen Wiens, an Euren Tisch, zeigt Ihnen, daß Ihr mit Ihnen fühlt, daß ihre Worte ein Echo in Euren Herzen finden. Diese Teilnahme wird lindernder Balsam für die Wunden sein, die ihnen der Krieg geschlagen; und wenn sie von Eurem Tisch gesättigt und innerlich beglückt ob Eurer Teilnahme aufstehen, so wißt Ihr, daß Ihr ein gutes Werk getan. Ida Barbe r. (Die Administration der „Neuen N at i o n a 1 - Z e i t u n g" ist gern bereit, gütige Anmeldungen von Freitischen entgegenzunehmen und auszuweisen.) Die Esrogim-Not und der Krieg. Zum Verständmis der in diesem Jahre bei der Beschaffung von EsrogJm herrschenden Schw'ierijrkeiten und Teuerung, erhalten wir folgende Information: Während heutigen Tages nur ein verschwindender Teil des Gesamtbedarfs an Esrogim aus italienischen Provinzen stammt, werden zwar Lulowim in der hierzulande gewünschten Beschaffenheit noch von der Riviiera bezogen, aber Esrogim kommen meistens von der Insel Corfu und aus Palästina. Der Stapelplatz für beide ist Tri est. Die kriegerischen Ereignisse, welche gegen den 1. August einsetzten, überraschten idlie Händler, welche gewohnt sind, um die Zeit von Tische-Beaw, diesmal am 2. August, ihre Ware nach Triest zu verladen. Die Lahmlegung des ganzen Mittelmeer-Ve.rkchrs machte die prompte Verladung der Palästina-Ware, die rechtzeitig geschnitten war, mit den österreichischen Schiffen zur Unmöglichkeit. Die Händler, die sich tnlit Ware auf fremden Schiffen herausgewagt hatten, wurden in Alexandrien samt ihrer Ware festgehalten. Andererseits wagten die Produzenten auf Corfu nicht, Ihre Ware nach dem gefährdeten Triest 7.u bringen und gewiß nicht mit österreichischen Schiffen. Diese Furcht wurde noch gesteigert, als sich in der zweiten Hälfte August französische Schiffe in dem Adriatischen Meere zeigten, die in der Tat später Cattaro bedrohten. Eine um diese Zeit in Corfu bereit liegende,, erste Ladung Esrogim Avurde erst Ende August auf italienischen Schiffen und auf dem Umwege über Venedig, nach Triest verbracht, wo sie am 3. September eintraf. Dieser Sendung, welche etwa 150 Kisten (a ziirka 100 Stück) ausmachte, standen eine große Anzahl von Käufern aus allen Gegenden, mit Ausnahme von Rußland, das abgeschlossen ist, gegenüber. Das würde zumal doch nicht jedier Esrog verwendbar bleibt, eine enorme Preissteigerung bedungen haben. Hierzu kommt, daß die Besitzer der Palmen, in der Furcht, daß keine Esrogim an den Markt gelangen könnten, sich enthielten, Palmzweig-e zu schneiden und nach Triest zu senden. Erst als die Zufuhr jener 150 Kisten sicher war, schnitt man 20.000 Lulowim und sandte sie nach Triest. Obschou nun an Luluwi'm kein Mangel war, — es hätten aucli die doppelte und dreifache Zahl Zweige geschnitte-n werden können, — glaubten idoch die Besitzer auf einem relativ hohen Preis beharren zu müssen, weil ihnen durch die mangelhafte Zufuhr von Esrogim zum Markte e,i.n großer Teil ihrer Lulowim unverkauft blieb. Den entgangenen Gewinn versuchte man auf die Ware, die an den Markt kam, teilweise aufzuschlagen. Dazu bestanden die Großhändler in Triest, die sich auch mit Lulowim in solcher Meng-e längst gedeckt hatten, wie sie normalen Jahren entsprach, auf Mitbezug von Lulowim zu Esrogim. So stand die Angelegenheit bis zum 9. September ' spät abend's, als plötzlich einige der in Alexandrien zurückgehalten gewesenen Händler mit etwa 12 großen Kisten Ware auftauchten. Dank des Nationalitäten-Mischmasches in der Türkei, konnten sie als Türken, Spanier und Amerikaner den die anderen zurückhaltenden Krallen in Alexandrien sich entwinden und gelangten nach dreiwöchentlicher mühseliger Fahrt, unter Aufwendung doppelter Frachten und Fahrpreise via Genua nach Triest, während die Ware als italienische, mit italienischen Schiffen nach Venedig und von da nach Triest versandt wurde, wo sie aber erst am 13. September greifbar war. Das Auftauchen dieser ursprünglich für Rußland bestimmt gewesenen Ware in Triest vermochte allerdings aber nicht viel den Markt zu beeinflussen, zumal, je mehr die Zeit drängte, mehr und mehr Käufer und Aufträge von außerhalb sich einfanden. Dabei war um diese Zeit immer noch ke:n Stuck Lulow in Triest, und ob sie glatt durch Italien kämen, wo man mobilisiert, war zweifelhaft. Nur durch sehr vorsichtiges Einkaufen war es möglich, zu Preisen einzudecken, die den Markt nicht ungebührlich hinauftrieben. Auch gelang es, nackdem eine zweite Sendung von etwa 230 Kisten Esrogim von Korfu abgegangen war, die Hauptbesitzer der Lulowim zu ermäßigten Preisen zu bewegen. Die erste Sendung von Lulowim traf erst am 16. September in Triest ein. Die „Freie Vereinigung f. dl I. d. o. I." hat es an Bemühungen nicht fehlen lassen und ist in verständnisvoller Weise aus maßgebenden Großhandelskreisen darin unterstützt worden, um es zu ermöglichen, daß nicht nur die Beschaffung zu mäßigen Preisen erzielt wurde, sondern auch mit freundlicher Unterstützung der Verkehrsbehörden die spät greifbare Ware, auf raschen Leitwegen ohne Ansehen der Spesen nach Deutschland gelangte. D.:e reglementmäßige Reisedauer hätte nicht die rechtzeitige Ankunft gewährleistet. Aus dem Geschilderten ist es ohne Weiteres verständlich, daß sich der Beschaffungspreis für die erste Hand wesentlich teurer stellte, als in Normaljahren. Es ist noch zu berücksichtigen, daß die Verteilung aus der Hand der Großhändler in diejenige der kleineren Händler und Konsumenten, sich in diesem Jahre angesichts der Verkehrshemmnisse, zeitraubender und kostspieliger als sonst gestaltet, auch, daß die zwischen den Festen liegenden Arbeitstage sehr beschränkt sind. Niemand weiß im Augenblick, was das Schicksal einer großen Sendung Esrogim und Lulowim ist, die in letzter Stunde von.Genua nach Amerika verladen wurde, uradl die, wenn das Schiff planmäßig re.:st, keinen Sturm und keinen Zwaugsaufenthalt hat, erst zwischen dem Versöhnungstag und dem Laubhüttenfest in New York fällig ist, und niemand weiß, ob und wie Ware nach Rußland gelangen konnte. Korrespondenzen. Oesterreich-Ungarn. Plenarsitzung des Wiener Kultusvorstandes. (Ein statutenwidriger Beschluß.) Wien, den 30. September. Die angekündigte Plenarsitzung des Kultusvorstaudes hat sowohl Donnerstag, den 24., als auch fortsetzungsweise Sonntag, den 27. d. M., stattgefunden. In der ersten Sitzung drehte sich die Debatte hauptsächlich um die Notstands-Aktion. Das Präsidium berichtete über die eingeleitete Aktion, welche in der Sammlung von Spenden durch ein eingesetztes Komitee besteht. Es wurde beantragt, diese Aktion fortzusetzen. Von mehrfacher Seite wurden verschiedene Anträge gestellt, insbesondere auf Erhebung einer Zuschlagssteuer, sowie auf Heranziehung der bestehenden Stiftungen, soweit sie gegenwärtig nicht mehr aktuell sind. Alle diese Anträge wurden jedoch teils abgewiesen, teils zurückgezogen. Bezüglich der im Laufe dieses Jahres vorzunehmenden Kultuswahlen wurde der Beschluß gefaßt, die Wahlen in diesem Jahre nicht abzuhalten, sondern vielmehr aufzuschieben. Im Zusammenhange damit beabsichtigt der Kultusvorstand, den Funktionären, deren Mandatsdauer mit Ende dieses Jahres ablauft, ihre Mandate eigenmächtig zu verlängern. Dieser /Beschluß ist zweifellos u n g i 1t i g. Zumindest aber müßte dieser Beschluß in ö f f e n 11 i c \i e r Sitzung gefaßt werden. Auffällig ist es, daß der Kultusvorstand das übliche Commumque über beide Sitzungen nicht versandte, wie übrigens immer, wenn es etwas zu verheimlichen gibt. * Deutsches Reich. Exzellenz Wilhelm Herz — gestorben. Berlin, den 28, September. Der frühere Präsident der Berliner Handelskammer Herz ist heute früh gestorben:1 Geheimer Rat Wilhelm Herz hat ein Alter von 92 Jahren erreicht. Im Alter von 20 Jahren trat er in das Geschäft seines Vaters ein, dem er seit 1852 als Teilhaber angehörte. Seiner kaufmännischen Weitsicht gelang es bald, seiner Firma eine hervorrasender Stellung in der deutschen Oelindustrie zu sichern. Präsident fler2 entfaltete eine außerordentlich verdienstvolle . Tätigkeit im Interesse der deutschen Industrie und des deutschen Handels. Bereits im Jahre 1866 wurde er in das Aeltestenkollegium der Berliner Kaufmannschaft berufen. Vom Jahre 1889 an war er stellvertretender Präsident dieser Korporation, im Jahre. 1895 wurc er zum Präsidenten bestellt. Im Jahre' 1902 wurde Geheimer Rat Herz zum Präsidenten der Berliner Handelkammer berufen. Exzellenz Herz war ferner Vorsitzender des Aufsichtsrätes der Deutschen Bank und stand an der Spitze einer Reihe großer Aktiengesellschaften. Gelegentlich des neunzigsten Geburtstages am 26. April 1913 wurde Herz, der zahlreiche hohe Auszeichnungen besaß, vom deutschen Kaiser durch die Verleihung des Ex z e 11 e n z t i t e 1 s ausgezeichnet. Der Verstorbene hat kräftigen Anteil an der Entwicklung Deutschlands gehabt. Er ist auch bis zum letzten Atemzug treu geblieben: Arbeit für das eigene Geschäft und Arbeit für das öffentliche Wohl im innigsten Zusammenhang waren der Inhalt seines Lebens. Er war ein Mann des Erfolges und des Glückes. Seine körperliche Rüstigkeit bewahrte er bis. in die allerletzte Zeit. Die deutsche Kaufmannswelt verliert mit ihm einen glänzende Repräsentanten. Wirklicher Geheimer Rat Herz war einer der zwei jüdischen Exzellenzen in Deutschland. Der zweite ist Professor Paul E h r 1 i c h in Frankfurt a. M. Das Leichenbegängnis von David Wolffsohn. Köln. Die Beisetzung David Wolffsohns fand hier am Freitag, den 18. September (am 27. Elul) statt. Ein großes Trauergefolge fand sich um 11 Uhr vormittags vor dem Hause David Wolffsohns, am Sachsenring Nr. 26 ein, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Vielen war es durch den Krieg und durch dieschlechten Zugverbindungen nicht möglich, rechtzeitig zur Beerdigung in Kölii einzutreffen. Das engere Aktionskomitee war durch die Herren Professor Warb u rg und Dr. Hantke, das Große Aktionskomitee durch seine Mitglieder Justizrat Dr. Bodenheim er, Jean Fische r und Dr. Klee vertreten. Der Vorstand und das Repräsentantenkollegium der Jüdischen Gemeinde Köln waren fast vollzählig erschienen. Vertreten waren die Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die Jüdische Turnerschaft, die Zionistische1 Ortsgruppe Köln, der Jüdische Turnverein Köln, das Präsidium des Herzl- Bundes Berlin, der Herzl-Klub Köln, die Zionistischen Ortsgruppen: Bonn, Duisburg, Essen, die Beamten des Zionistischen Zentralbureaus in Berlin und des Hauptbureaus des Jüdischen Nationalfonds in Köln, das Kartell Jüdischer Verbindungen, das eine Abordnung mit der Fahne, der Verbindung Hasmortaea im K. jf. V. entsandt hatte, deren Ehrenmitglied der Verstorbene war. Unter deii Anwesenden bemerkte man n. a. Rabbiner' Dr. Car 1 ebach O^öln), Rabbiner Dr. Emil Cohn (Bonn), Rabbiner Dr. Hanover (Köln), Dr. Eduard Leszynsky (Berlin), Dr. Epstein (Duisburg), Dr. Edelstein (Bonn), Max G o 1 d r e i c h (Beuel). Nach einer kurzen Trauerfeier im Hause des Verstorbenen, bei der Herr Rabbiner

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