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Neue Nationalzeitung · 1914-09-11 · Heft 19 (11.9.1914) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 19 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 „Neue NätiönaUZeitufig" Nr. 19 ihre Nachkommen bis zum vierten Gliede! Sogar; solche Anstalten,' die die Juden' aiis*eigenen Mitteln errichtet haben, Gymnasien und Mittelschulen, sind ihnerf'jetzt vielfach gesperrt. .' Das ist der Geist vom Geiste Pöbjedonoszews. Die'nissische Beamtenschaft hat es erkannt, daß Wissen Macht ist, * daß Aufklärung des Volkes das Ende des russischen Absolutismus bedeutet. Sie hat es erkannt, daher hält sie ihr Regime mit verzweifelten Mitteln aufrecht. :i Deutsche Truppen stehen an der russischen Grenze. Möge mit ihnen Recht und Licht eindringen in -das dunkle. Zarenreich, damit auch die sechs Millionen unglücklicher Juden das erlangen, was ihnen seit einem Jahrhundert versagt worden ist — Menschenrechte! Oberleutnant von Auffenberg ttiid Korporal Schlesinger. Der gegenwärtige,.. ruhmreich vorrückende Armee-Kommandant und gewesene Kriegsminister Freiherr von Auffenb e r g, hatte "anläßlich der bosnischen Okkupation' in seiner Eigenschaft als Brigade- Adjutant und. Oberleutnant ein der Komik nicht Entbehrendes Erlebnis mit seinem Brigadeschreiber, Korporal Schlesinger, welches -für letzteren allerdings sehr verhängnisvoll werden konnte. Wir entnehmen aus dem demnächst erscheinenden militärischen Sammelwerke des Herrn Moritz Frühling nachstehende Schilderung: Am 15. September, während zwei Feld- Batterien Türkisch-Schamatz beschossen, der Dönäumonitqr „Maros" Granaten spie und die Insurgenten zurückschössen, ging dem damaligen .Brigade-Adjutanten und späterem Kriegsminister von Auffenberg der Kanzleiwagen. der 'Brigade mit sämtlichen Behelfen und Gefechtsdispösitiorien verloren. Auch der Brigadeschreiber Korporal S c h l e s i n g e r war weggeblieben und Oberleutnant von Auffenberg suchte vergebens den Kanzleiwagen und den Unteroffizier. Endlich, weit abseits an der Save erspäht man einen einsamen, träg und unbespannt stehenden Kanzleiwagen. Die Insurgenten müssen ihn geplündert haben. Auffenberg mustert ihn durchs Fernrohr und sieht eine Bewegung, von der er annahm, Insurgenten 'mächen sich dort zu schaffen. Zwei Patrouillen legen sich rechts und links in die Furchen, bereit, den Wagen unter Feuer zu nehmen. Man nähert sich auf paar hundert Schritte — wiederum rührt sich was auf dem Wagen. Eine Zugsalve, noch eine und eine dritte .wird auf den Wagen abgegeben. Wenn Insurgenten waren, müssen sie nun mausetot sein. In der Tat, im Wagen rührt sich .nichts, mehr.. .Auffenberg sprengt auf . den Wägen . £ü,. es.lst wirklich seiner. . .. '.',': ",■■.["'". './,]■■ . Unter der .Flache.: hervor aber kommt ein Kopf; der. Brigädeschreiber Schlesinger, der Vielgeprüfte — "zümi Olück unverletzt. Weinerlich ruft er:1 ^AKo-a u s g e r ec litt et ich werde angeschossen?" Der Fall klärte sich nun auf. Die Zivilfuhrleute hätten den Wagen am Abend vorher abseits geschleppt, die Zugstränge durchgeschnitten und waren davongegangen, Roß und Manrf. ScftfesSr/gef aber mußte diese erste' NafpHt.im;.fkji$zß\$i& In furchtbarer Angst verbfirigeii;,allein1 :;atijr einsamen Feld, und am Mörlen,!äls;:^;jdfe' Seinen erblickte untj sicii gjejretodt. yäuHt:6, da hatten just die Seinen : drei' ^ug'sai^ri^äuf ihn gefeuert. - . Kriegsriächricliten. Vom Kriegsschauplätze. An den Heldentaten und Verlusten unserer Armee haben auch die Juden ihren " Anteil. /Es haben sich bisher unter anderem besonders ausgezeichnet: Leutnant Oskar ■■ Singer, der leider gefallen ist, Oberleutnant Fürst und der Landwehrinfanterist Julius Reif, der am.Schlachtfeld sofort zum Feldwebel befördert und für die höchste Soldatenauszeichnung vorgeschlagen wurde. Unter den gefallenen Offizieren befinden sich, soweit bekannt, folgende Juden: Leutnant Dr. David. Hescheles, Advokat in Lemberg; Leutnant Friedrich Raubitschek aus Kuttenberg; Leutnant Hugo Sulc aus. Auwol; Leutnant Leo Klein aus Prag; Leutnant Oskar Singer und Kadett Kurt Holtmann aus Wien. Ueberdies ist der Großindustrielle, Leutnant Egon 0 o 1 d s c h m i d t, bei Ausführung eines Befehls einem Automobilunfall erlegen. Wir werden ihnen allen ein unvergeßliches Andenken bewahren. *. Soldatenempfang in Kolomea. (Ein Soldatenbrief aus Ostgalizien.) Kolomea, am 29. VIII. Teure Eltern! Obwohl.ich euch heute schon 'einmal geschrieben habe, so tue ich das . noch einmal, .umzeuch'interessante, echt jüdische Taten zu erzählen. Heute Samstag habe ich vormittag Urlaub gehabt und war in der Stadt. Schon beim Näherkommen zum Ringplatz fiel mir das, trotz der Kriegszeiten ungewöhnliche Treiben auf. Endlich erblickte ich in der Rudalfssti;aße, das ist die Straße, in der die Lokalbahn fährt, eine riesige Menschenmenge. Ich erkundigte mich und erfuhr, daß die Nachricht eingelangft war, Militär werde durch Kolomea marschieren. Und zwar werde es seinen Weg durch die Rudolfsstraße nehmen.1 Da hättet ihr nun sehen sollen, wiediejüdischenFamilien, die ja hier das Gr'os der Bevölkerung bilden, auf langen Tischen allesEß-und Trinkbare.auf die Str aß e ges chacfft hatten, um die durchziehenden Soldaten zu bet ei Ten. Ueberau standen Frauen und Kinder, in Sonntagskleidern, und schnitten Kuchen und Brotstücke, um sie mit Butter oder Eingesottenem zu bestreichen. Inzwischen schafften die Männer trotz des Sabbats und trotz des Feiertagsgewandes Fässer und Krüge voll Wasser heraus. Es war ein bezeichnender Anblick, vor einem Hause eine Gruppe älterer Juden, ebenfalls im Seidenkaftan, mit auf geschürzten Hemdärmeln um ein Faß stehen zu sehen. Die einen hackten Eis in kleine Stücke und warfen sie ins Faß voll Wasser, die anderen schnitten Zitronen in dünne Scheiben und zerkleinerten einige Hüte Zucker: Ein alter, ehrwürdiger Jud'e mit weißem Bart, rührte inzwischen mit einein langen Löffel die erfrischende Limonade. Man merkte es den Leuten, lauter besseren Geschäftsleuten an, daß sie am liebsten ihr ganzes Hab und Gut hingegeben hätten, um die zu erwartenden müden Soldaten zu laben. Aus einer Gasse kam eine alte Jüdin mit einer Schüssel voll gebratener Aepfel. Auch sie wollte etwas beitragen. Bei einem Tische ging es besonders hoch zu. Junge jüdische Mädchen standen da, in ihrer feinen Promenadetoilette und machten kleine Pakete, in denen je ein Kuchen, zwei Brotschnitten (lauter riesige Kriegsportionen) mit Butter bestrichen, zwei saure Gurken, einige Stück Bäckerei und zehn Zigaretten sich befanden. Ich sah einen Haufen von etwa 500 Paketen und noch immer wurde gepackt und neues Material gebracht. Die Sodawasserfabrikanten, durchweg Juden, hatten auch das Ihrige getan und groß'e Sodawasserstationen errichtet. Plötzlich erblickte man von einer anderen Richtung, vom. Bahnhof her, eine lange Proviantwagenkolonne, die von Trainsoldaten eskortiert wurde. Sofort lief alles auf die Ankommenden zu und dem voranreitenden Offizier wurde die Wahl schwer unter den verschiedenartigen Getränken, wie Milch, Wein, Sodawasser, Limonade usw., die ihm von allen. Seiten gereicht wurden. Aber auch den Soldaten und mitfahrenden Bauern erging es nicht besser. Ein wahrer Sturmhagel von Obst, Semmeln, Bäckerei und Zigaretten ging auf sie nieder. Von allen Seiten streckten Hände labende Getränke hin, ja sogar für die Pferde schleppte man Heubündel her. Inzwischen hatte man erfahren, daß auch mit der Bahn Militär angekommen war. Hilfsbereite Leute eilten sofort dorthin, um Erfrischungen und Labemittel zu bringen. Das währte bis spät in den Nachmittag hinein. Man dachte gar nicht mehr an Mittagmahl und Sabbatruhe. Auch Onkel Schmaje hatte eine Labestation errichtet. Er verfügte über eine besondere Spezialität; aus den nächsten Gassen hatten ihm alle Frauen ihre für Sabbatnachmittag bestimmten Sauermilchtöpfchen abgeliefert und erwarteten nun die Soldaten. Leider konnte ich den Empfang selbst mir nicht ansehen, weil ich zurück ins Spital mußte. .... Heute sind hier aus Kolomea. 1800 ruthe- nische Pfadfinder abgegangen, vorige Woche polnische und jüdi s ch e. In den Gassen ziehen lauter Freiwillige herum und singen: „Hurra, chlopcy, hurra ha! Od Warszawy, do Petersburga! Za moskalami marsz, marsz..." Auf deutsch: „Hurra, Jungens, hurra los! Auf Warschau, dann nach Petersburg! Auf die Russen los, marsch, marsch ..." i Jüdische MHitär-Seelsorge. Der Wiener Kul'tusvorstand, erhielt folgewle Zuschnitt vom k. u„ k. Militärkommando in Wiera: An die Israelitische KuMusgemeande in Wien. Wien, am 29. August 1914. Da der Bedarf an Mil.-Geistlichen gedeckt ersche-int, konnte aus der großen Zahl dier . sich .zäun Kriegsdienste freiwillig meldenden Seelsorger aller R e l i g i o n s b e k e i\\ li t n i s s e eine Aufnahme in das k. u. k. Heer für idlüe Armee im Felde, nicht mehr erfolgen. Das Kriegsminiistcrium nimmt daher das patriotische Anbot der bezeichneten Seelsorger zur freiwilligen Dienstleistungmit besonderer Befriedigung und mit Dank zur Kenntnis und. gibt gleichzeitig seiner Ueberzeugung Ausdruck, daß die Seelsorger, die eine Verwendung bei idter Armee im Felde nicht finden konnten, jede Gelegenheit benützen werden, sich auch in ihren Anstelhinigsorten im Inneren der Monarchie, im reinsten patriotischen Sinne zu betätigen. Diese Seelsorger stehen übrigens im Bedarfsfalle auch' den Militärbehörden zur Verrichtung der MiÜHärsuibsilidliarseelensorge zur Verfügung. Diesbezügliche Betrauungen erfolgen' wte!im Frieden. Die etwa1 nöWgen Verhandlungen! mit den Kirchenbehörden (Kultusgemi&inden) usw. bewirken die Milütärlokalbehürdien ihn eigenen Wirkungskreise. Durch die Betrauung eines wehrpflichtig e n Seelsorgers, mit der Mil. Subsddiarseelsorge erscheint seine spätere etwaige Verwendung nicht ausgeschlossen'. Hie von wird' die Mitteilung mit idlem Ersuchen gemacht, Bewerber, welche sich um die Aufnahme in das k. u. k. Heer für die Armee im Feklie gemeldet haben, in geeigneter Weise verständigem zu wollen. Für den Militärkommandanten. .

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