Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 19 (11.9.1914)
- Date
- 1914-09-11
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19 „Neue National-Zejtungf Seite 7 Rituelle Kost für jüdische Verwundete in — Deutsch- ■..;.-■<• fand, y -■- : In Frankfurt a. M. wird in vier Reservelazaretten ausschließlich rituelle Kost ver- , abreicht: Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde, Sanatorium von Dr. med. J. Lange, üumpertzsches Siechenhaus und Israelitische Wäisenanstalt. Jüdische Verwundete, die in irgendein Frankfurter Lazarett eingeliefert werden, brauchen also nur den Antrag auf Ueberführung in eines dieser Reservelazarette beim Chefarzt zu stellen. Sowohl der Generalarzt des 18. Armeekorps als der militärische Reservelazarett-Direktor, Oberstabsarzt Dr. Spamer, haben den lebhaften Wunsch ausgedrückt, daß den religiösen Gefühlen der Verwundeten weitestgehende Rücksicht zuteil werde. In Wien hat der Kultusvorstand bisher nichts unternommen, um rituell lebenden Soldaten wenigstens im Verwundeten-Zustande eine rituelle Kost zu verschaffen. Rasch haben sich die Herren beeilt,:, das Rothschild-Spital den Verwundeten ohne Unterschied der Konfession zu überlassen, wiewohl die patriotische Tat um nichts geringer wäre, wenn' im Rothschild-Spital nur jüdische Verwundete untergebracht werden. Die christlichen Verwundeten, dje ins Rothschild-Spital kommen, wären 'ebensogut auch in andleren Spit'älern untergebracht, aber die jüdischen Soldaten, die in gleicher Zahl statt im Rothschildspital wo anders untergebracht werden, sind durch den Mangel an ritueller Kost zu Entbehrungen gezwungen und dadurch an der Wiedergenesung beeiint'rächtigt. Der Wiener Kul'tusvorstand ist doch so — konservativ . . . Auch sind die Herren von idier Schiffschul', die in Wien die Frömmigkeit gepachtet haben, jetzt sehr still' geworden. Bei .den reichen Leuten, die an der Spitze der Schiff schul' stehen, gilt offenbar der Grundsatz: „Frömmigkeit kostet nix". Das zeigte sich erst jüngst, als dier Obmann der Schiffschul', ein Millionär, um eine Spende für Uie rituelle Volksküche dier „Einheit" angegangen wurde. Wiewohl diese Küche unter Aufsicht des Rabbiners der Schiffschul' steht, lehnte dier fromme Obmann die an lihn gerichtete Bitte schroff ab. * Hilfsaktion des Jüdischen Nationalfonds für die Verwundeten und Notleidenden durch Verkauf von Hilfsmarken. Vom Hauptburcau des Jüdischen Nationalfonds in Köln erhalten wir nachstehende Zuschrift: In der Reihe der Hilfsaktionen, die für das Wohl unserer im Felde stehenden Krieger und den zurückbleibenden notleidenden Familien unternommen werden, tritt eine neue eigenartige Aktion auf den Plan. Der Jüdische Nationalfonds läßt eine Hilfsmarke zum Verkauf gelangen, deren Ertrag allen Verwundeten und Notleidenden ohne Unterschied des Bekenntnisses zugute kommen soll. Längst sind alle Scheidelinien zwischen Parteien und Konfessionen verschwunden, und in aufopferungsvoller Weise arbeiten alle gemeinsam im vaterländischen Interesse. Es ist deshalb anzunehmen,; daß der Absatz der Hilfsmarke entsprechend dem patriotischen Zweck recht erheblich sein wird, zumal der Preis eines Markenheftchens, das 20 Marken enthält, auf nur K 1.— bemessen ist. Die Hilfsmarke soll insbesondere für F e 1 dpostsen düngen benutzt werden, die bekanntlich portofrei sind. Unsere in der Front stehenden Vaterlandsvertetidiger werden sich freuen, aus dien Marken zu ersehen, wie die in der Heimat Zurückgebliebenen mit allen Mitteln bemüht sind, die verwundeten Krieger und die notleidenden Familien in der Heimat zu unterstützen. Aber auch bei gewöhnlichen Postsendungen dürfen und sollen die Hilfsmarken in Anbetracht des edlen Zweceks reichlich verwendet werden. Anmerkung der Redaktion. So gern wir diesen Aufruf auch veröffentlichen, möchten wir einen weiteren Vorschlag machen, daß der Erlös dieser Hilfsmarken in Oesterreich-Ungarn der Kriegsfürsorge in Wien überlassen werde. * Gottesdienst. Gottesdienst im Tempel der Inneren Stadt (Seitenstettengasse 4) Freitag abends um 6 Uhr. Predigt: Rabbiner Dr. Armand Kaminka. Ein Feldpostbrief aus dem Ansiedlungsrayon. Aus einem Feldpostbrief der „Schles. Ztg." vom 20. Augustteilen wir folgende interessante Stelle mit. ' ... Ich habe noch nie Städte mit so rein jüdischer Bevölkerung gesehen, wie hier. Heute als wir uns letzterer Stadt auf 3 km näherten, war die Straße besät mit K a f t a n t r ä g e r n, die^mit Spaten und Axt die schlechte Straße unter Aufsicht unserer Truppen bessern mußten, daß der Arbeitsschweiß wacker an den Ohrlocken herunterrann. Aber auch diese Einwohnerschaft tut das gern. Die kaufmännische jüdische Bevölkerung schafft alles heran, durch sie lockt man aus allen Ecken noch Lebensmittel heraus. Es wird aber auch gut bezahlt nach hiesigen Begriffen — freilich billig nach sonstigen Begriffen. Wir kauften gestern 30 starke Hammel ä 10 Mark, eine gute Gans für 5 bis 6 Personen kostet 2 Mark und Gänsebraten ist bei der Unmasse der „polnischen Gänsebevölkerung" kein seltener . Genuß. Manche Korporalschaft kauft sich ihre Privatgans. Aber auch Delikatessen fehlen nicht. Mehrere Waggons mit stehengebliebenen Ladungen wurden von der Division verteilt, und die Wehrleute empfingen jubelnd Schokoladen, echte russische Bonbons, Biskuits, russisches Teegebäck. Alles ehemals als Import für Deutschland bestimmt. Nun kommt es ohne Zoll ab Bahnhof Tschenstochau in deutsche Hände. Ein jüdischer Flieger. Einer der wenigen jüdischen Angehörigen der jetzt auf den Schlachtfeldern so tapfer mitwirkenden militärischen Flieger ist ein Frankfurter und zwar Heiiniri'ch Pollak, Sohn des Kaufmannes Julius Pollak, Schleifermacherstraße 88. Wie aus seinen Feldbriefen an seine Eltern hervorgeht, hat ©r mit! seiner Abteilung bei den Kämpfen in Belgien tüchtig; mitgewirkt. Sprechsaal. Aus der Gemeinde. Wien. Der ^prsiijmd israelitigchett ^JCult^s-. .gemeinde "Wie* hät Se1.Eb^wuir.den Heran Dr^ Jaköly^ Drobinsky in seiner Eigenschaft als Rabbiner des israelitischen T.emglyerei^esaiüiv diebeidenj Ge^ meindebezirke Maria!)ilf : üVd' l^eüblli/ VI.'" Bezirk, •' Schmalzhofgasse 5, im Sinne des § 44 des Gemeinde- . Statutes zum G e m e i 11 d e r a b b i n e r bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses der k. k. n.-ö. Statthalterei vom 22. August 1914, Z. III— 2299/1 seitens der Staatsbehörde eine Einwendung nicht erhoben wurde, erfolgt hiermit die allgemeine Verlautbarung. Wien. Rabbiner Dr.- A. Kami n k a,. Sekretär der Israelitischen Allianz, und seine Gemahlin feiern am Samstag, den 19. September, 9 Uhr vormittags, im Leopo ld städter . Tempel (II. Tempelgasse 3) die Bär Mizwä flifes Solmes Felix -kamirikä. Gratulation Samstag und Sonntag, III. Obere WeißgärberstraBe 24. V (In dieser Rubrik: kann jedeajunserer Leser seine auf öffentliche Angelegienheiiteil 'Bezuig habenden Wünsche und Anregungen vorbringen. D i e R e d a k t i o n.) Ein Appell. Das Blut der gemordeten ' Glaubensbrüder in Rußland schreit schon lange nach Rache. Unsere österreichischen und deutschen Bruder im Waffenrocke werden Vergeltung üben, für die den Juden in Rußland seit Jahrzehnten angetane Schmach — für die Pogroms mit all ihren entsetzlichen Folgen. Die Tage von Kiew, Odessa, Kischenew und all den anderen Orten, wo Greise und Kinder vom russischen Pöbel mit iHilfe der lumpigen Kosaken dahingemordet, wo Frauen und Mädchen vergewaltigt und geschändet wurden, sind uns allen noch in trauriger Erinnerung. Unser Herz pocht uns höher bei dem Gedanken, daß endlich die Zeitgekommen ist, die nach vielen Tausenden zählenden Juden in Russisch-Polen von dem moskowitischen Joch zu befreien. Immer vorwärts schreitet nun das tapfere österreichische Militär,: das schon eine Erlösung für viele Orte Russisch-Polens brachte. Leider ist es, wenn auch nur für kurze Zeit, deii russischen, Mordbrennern gelungen, die Schwelle Galiziens'zu übertreten. Schon hören wir von einigen verwüsteten Orten. Namenloses Elend ist über einen Teil der galizischen Judenschaft gebracht worden. Der Regierung stehen nicht soviel Mittel zur Verfügung, um die geflüchtete Judenschaft, die zum Teil auch schon in Wien ist, vor ihrem Untergang zu bewahren. Das ganze Hab und Gut haben sie zurückgelassen, um ihr nacktes Leben vor den russischen Söldlingen zu retten. Hier helfend einzugreifen ist unsere erste Pflicht! Insbesondere jene in Wien weilenden östlichen Juden, die^nich.t fürs Vaterland kämpfen brauchen, haben die moralische Verpflichtung, einen Notfond zu gründen* um früher oder später die armen zugrunde gegangenen Juden zu unterstützen. Z u ni bevorstehen d e ro N e u i a h r s t1 a g bietet sich die erste Gelegenheit, anstatt Neujahrskarten den entfallenden Betrag diesem Fonde zu-zu weisen. Die „Neu e N a t i ona 1 -Z e i t u n g", die immer die Interessen der östlichen Juden vertreten hat, wird sicherlich uns an die Hand gehen und die einlaufenden Spenden veröffentlichen. 0 e s 11 i c h e Juden voran! Jeder gebe was er kann! Wilhelm K r e i n d 1 e r. (Die Administration der „Neuen Nation a 1 - Z c i t n n k" ist gerne bereit Spenden anzunehmen und in di-escm- Blatte i\ ti s z u w eise n.) Liste der Ausgetretenen. Vom 1. bis 7. September 1914. (Nr. 381—389.) Aufrichtig Leopoldine, geb. 2. April 1874 in Wien, X., Rothehofgasse 1061 Fliedr Emma, Kassierin, geb. 11. März 1895, XX.,. Spaungäse 17. Hofbauer Helene, geb. Schwarz, Kontoristensgattin, ■geb. 21. November 1885 m Neutra (Ungarn), XIII., Hadikgasse 140. Huss Olga, geb. 4. Juni 1890 in Wien, laut Zuschrift der k. k: Bez.-Haiiptmannscbaft Scheibbs ddto. 28. August 1914, Z. 766/A. Kulka Siegmund, Kom-mis,' geb.' 1. Jänner 1891 in Fulnek (Mähren), XVI., Koppstraße 45. Löwinger Anton, Schlosser, geb. 2. Mai 1883 in Wien, XX., .... Pollak Hans Günther, g-eb. 3, . Mai 1894, Wien, IL, ■->■-• Umt. Donaustraße 13> Taussig-Leopold,.Oberbuchhalter, geb. 21. Juni 1870, VII., Stolzenthalergasse 6. Weiss Sophie, geb. 21. November 1895, XII., Rosenhiigelstraße" 21.' . Einzel - Exemplare bei Hermann Goldschmiedt, 1., Wollzeile 11, und in den meisten Tabak-Trafiken. Tafel-Aepfel steirische sehr schöne und große Strudeläpfel ä 100 kg Kronen 26.— Apfelwein ä 100 L. Kronen 20.— Versand Friedrich Rosenkranz Gr;azr Postfach 27. Wiener Spar- und Rredit-Gesellsöiatl (r. Q. m. b. H.) Wien I, Franz-Josefs-Kai 43 (früher Kreditinstitut för jüöisdu? Gewepbetreibenfle und Beamte) gewährt Darlehen, eskonnptiert Wechsel, Übernimm! Spareinlagen zu gUn&tigen Bedingungen. A.GRIMM TAILOR Feine Herrengarderoben. Sportbekleidung, Militär^, und Beam.tenuniformen. 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