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Neue Nationalzeitung · 1914-09-11 · Heft 19 (11.9.1914) · p. Seite 3

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 19 (11.9.1914)
Date
1914-09-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 „Neue National-Zeitung" Seite 3 Es wetterleuchtet und die' Stunde ruft, Der Sturmwind wühlt und wühlt — da klafft die Erd' — Der Held steht auf dem Grab; es starrt sein Schwert. Er wirft sich in den Sturm. Der packt ihn auf — Zur Festung hin— er hält den blut'gen Knauf Und seine Wunden bluten, bluten fort. Er schlägt ans Schwert, es hallt sein hohles Wort: „Kam'raden auf! Ich halt' Gericht! Erwacht! Ihr müßt mir zeugen! Kämpft' ich in der Schlaclit Nicht heiß iind treu genug, den andern gleich? Und nicht für Rußlands Ehre, Rußlands Reich?!" Da hört man's dumpf, wie fernen Stromes Lauf, Es rauscht und rannt und tappt und taucht herauf, Ein schlotterndes, tollendes Kriegerheer, Wie sturmzerwühlter Sand am toten Meer. Es klappern ihre Knochen wirr und warr, Wie hartes Holz. Und plötzlich steh'n sie starr, Und jeder hebt zum Schwur die dürre Hand: „Ja, wie ein Held starbst du für unser Land!" — Und dann kein Laut und auch kein Schlottern mehr. Verschwunden ist das Knochenkriegerheer. Nur er allein steht noch auf seinem Platz Und meißelt glühend in die Nacht den Satz: „Von Weib und Kindern riß mich dein Gebot, Rußland, für dich starb ich den jungen Tod. Was jagst du jene jetzt in Blut und S c h m a c h?! Ich fluche dir, icli fluch' dir hundertfach!!" Die große Stunde.*) (Lied eines österreichischen Juden.) Unser Kaiser hat gesprochen, Und das Volk hat es gehört, Keiner hat sich feig verkrochen, Jeder schied von Haus und Herd. Und ein Jubeln ging, ein echtes, Durch die Juden unsres Land's Ob des großen, gleichen Rechtes Auf den neuen Ruhmeskranz. Gott der Scharen, dich zu preisen, ■Nicht m;;t Worten, mahnt die Zeit, Heute gilt's dich zu erweisen Durch die Tat im großen Streit, Heute gilt's, dich zu bezeugen Durch ein heldenhaft Geschlecht Wider alle, die da beugen, Deiner spottend, unser Recht. *) Aus der „Allg. Zeitung des Judentums". Anm. der Red. Unser Recht, es ward zertreten Von den Feinden früh und spät, Heute gilt es, auszujäten Jeden Mann, der es geschmäht. In dem Donner der Gewehre, In dem Blitzen des Gefechts Gilt es auf dem Feld der Ehre, Dich zu ehren, Gott des Rechts! Hell entflammt für deine Ehre Und vertrauend auf die Kraft, Die dem alten Siegesheere Neue hehre Siege schafft, Rufen in der großen Stunde, Die für Oesterreich erstand, Alle wie aus einem Munde: Gut und Blut fürs Vaterland! Emil Spiegl (Prag). Die erste Fahne.*) Und wißt ihr, wer hei Lagarde du der Schlacht, Die erste Fahne hat heilingebracht? Die erste Fahne, beim ersten Sie.g<e, Die erste Fahne .im ganzen Kriege? Der Jude Fischöl ist es gewesen, So stand es in den Blatten] zu lesen. Groß rühmen will ich den Juden d'rum nicht, Er ist Soldat, und er tat seine Pflicht Wie tausend Juden Millionen Christen, Die zu kämpfen versteh'n und zu sterben wüßten. Er soll nicht Dithyramben hier lesen, Weil er ein Mann unter Männern gewesen. Doch wünscht' ich, daß jene läsen dlie Mär, Die fe;i]i:d den Juden seit altersber, Sie niemals neben sich haben gelitten, Ihnen Deutschtum und Maiinesmut' abgestritten. Von denen wir.di mancher .sich doch nun bequemen, Sich iganZj ganz heimlich ein wenig zu schämen. Max Frank. Dieses GeJii-cht bezieht sich auf die in unserer vorigen Nummer gemeldete Heldentat des Infanteristen Pischel im Gefecht bei La Garde Luneville. Anm. d. Red. Jüdische Kriegshelden.*) in. Fahnenfiihrer Gutman Fischer. (GoldeneTapferkeits - Medaille.) Es war zum Schlüsse des blutigen Straßenkampfes bei Königinhof am 30. Juni, wo unsere Truppen von vorne und in den Flanken vom übermächtigen Oegner gefaßt, nach hartnäckigem Widerstände langsam den Rückzug über die Elbe bewerkstelligten. Einige hundert Schritte vor der Elbebrücke kam es noch einmal zu einem äußerst heftigen Handgemenge um die Fahne des II. Bataillons von Coronini-Cronberg. Infanterie Nr. 6. Die Fahnen-Offiziere waren bereits verwundet und die Mannschaft hatte sich um die Fahne des Bataillons geschart. Der Zugsführer Gutman Fi s eher stellte sich an die Spitze eines kleinen-Haufens, besetzte ein Haus, ließ die ihn umring'ende Mannschaft fortwährend ihre Gewehre laden, welche ihm — dem trefflichen Schützen — eines nach dem anderen gereicht wurden und die er g'egen die nach und nach andringenden Preußen abfeuerte. Während Fischer mit all seinem Kräfteauf gebot dem Gegner große Verluste beibrachte, drang zu seinem Standorte vom Engpasse her der gellende Ruf: „Fischer, wo bist du?!" Es war der Fahnenführer Moritz Schick (geb. 1836 in Zombor, Ungarn), Fischers Freund, der am Wege zur Brücke tötlich verwundet wurde und sinkend nur noch soviel Kraft hatte, den in seiner Nähe kämpfenden Fischer zu Hilfe zu rufen. Dieser stürzte sich in den Engpaß, wo die feindlichen Geschosse in dem unheimlichen Zischen niederprasseln und sein von fünf Kugeln durchbohrter Freund die Fahne krampfhaft umfassend, in die Knie gesunken war. Zwei preußische Soldaten stürzten-sich auf den Unglücklichen, Fischer durchbohrte mit dem Bajonette dem einen den Hals, der an- *) Zu den herrlichsten Momenten des Feldzuges vom Jahre 1866 gehört die in obiger Schilderung enthaltene Szene, da der schwerverwundete indische Fahnenträger Moritz Schick dem Juden Gutman Fischer unter feindlichem Kugelregen die Fahne übergibt und Fischer dieselbe auch rettet. Diese Szene wurde in -einem Oelbikle festgehalten, welches über Auftrag des Wiener Industriellen, Dr. Fritz Schick, Schwiegersohnes des Herrn Salo Cohn, vom berühmten Schlachtenmaler Ludwig Koch gemalt wurde. Anm. der Red. mächten davor geschützt werden soll, die gebührende Strafe zu erhalten. Ich nenne nur die Großmächte, weil ich Montenegro und Belgien als quantites negligables betrachte und auch Japan, der gedungene Helfer Englands, in Europa nicht in Betracht kommt. Also drei Großmächte halten ihre schützenden Hände über das Mörderland Serbien, der Zar in der Maske des Friedensfürsten, England und Frankreich in der Maske von Kulturvölkern. Ein altes Sprichwort lautet: „Sage mir, mit wem du umgehst, und ich will dir sagen, wer du bist." Nun denn, Ihr Schützer Serbiens, unsere Regierung hat Euch gezeigt, was Serbien heute ist, die Geschichte zeigt ab'er, daß Serbien nie etwas anderes war als ein Fürstenmörderland und da Geschichte wie auch Geographie nie Eure starke Seite war, sei Euch in Erinn'erung gebracht, was dort in den letzten 100 Jahren geschehen ist. a) K a r a G j o r g j e, so zu sagen der Ahnherr des jetzigen Königs von Serbien, wurde auf Anstiften des späteren Fürsten Milosch Obrenowitsch am 24. Juli 1817 ermordet. b) M i c h a e 1.0 b r e n o w i t s c h, Fürst von Serbien, wurde am 16. Juni 1868 ermordet. Anstifter: Fürst Alexander Karageorgewitsch. c) Alexander Obrenowitsch, König von Serbien, wurde am 11. Juni 1903 ermordet. Die Namen der Königsmörder sind bekannt, aber nicht bekannt ist es, daß König Peter, der den g'ewaltsam erledigten serbischen Thron bestieg, die Mörder bestraft hätte. Einer von ihnen, damals Leutnant, ist inzwischen Major geworden. Es ist dies der Mann, der auch die Thronfolgermörder Princip und Cabrinovic mit Browningpistolen und königlich serbischen Bomben Versah: Voja Tankosic. Hiemit ist die Berechtigung, Serbien als Fürstenmörderland zu bezeichnen, dargetan, wobei noch darauf hinzuweisen wäre, daß man dort sowohl eigene, als. auch fremde Fürsten, wenn sie unbequem sind, umbringt. Wenn wir uns nun fragen, woher Serbien das, Rezept dazu hat, so kann nur die Weltgeschichte die Antwort geben. Un d da finde n w i r, daß i n Deutschland und in Oesterreich, w o d e r Monarch als von Gott eingesetzt, also seine Person als geheiligt betrachtet wird, kein derartiger Mord vorgekommen ist. — Ein von einem; Einzelnen, wie zum Beispiel der an dem Zaren Alexander IL, verübte Mord kann selbstverständlich nicht gezählt werden. Was zeigt aber die Geschichte der Protektoren Serbiens? 1. F ra n k r e i ch: a) Karl von Anjou läßt am 29. Oktober 1268 den ihm unbequemen Konradin von Hohenstaufen und dessen Freund Friedrich von Baden hinrichten. b) Das Volk guillotiniert am 21. Jänner 1793 seinen König Ludwig XVI. 2. England: a) Die jungfräuliche Königin Elisabeth läßt am 16. Februar 1587 die ihr gefährlich scheinende Schottenkönigin Maria Stuart hinrichten. b) Das englische Volk läßt am 30. Jänner 1649 seinen König Karl I. enthaupten. 3. R u ß 1 a n d: a) Peter der Große läßt seinen eigenen Sohn, den Großfürsten Alexei Petrowitsch' verhaften und als Verschwörer zum Tode verurteilen; dessen Tod (26. Juni 1718) soll eine Folge der gegen ihn angewandten Foltern gewesen sein. Nach anderen Versionen wurde er im Gefängnisse vergiftet oder enthauptet. b) Am 17. Juli 1762 wird Peter III. und c) am 11. März 1801 wird Paul I. von verschworenen Untertanen (hauptsächlich Offizieren und hohen Würdenträgern) ermordet. Ist da die Sympathie dieser Länder für Serbien nicht erklärlich? Und was sagt die Weltgeschichte? „S c h ü t z e r S e r b i e n s, Ihr seid Eures Schützlings w ü rd i g! F.

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