Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 18 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 »Neue National-Zeitung« Seite 5 losen, welche auf Kosten der Kommune geschehen soll. Diesdbe wird in den nächsteh Tagen Freitische für 150.000 Personen eröffnen. Die jüdischen Korporationen haben es übernommen, für 8000 Personen rituelle Kost beizustellen. Hievon entfallen auf den Verein „Einheit" allein 1600 Personen. Die Kosten dieser rituellen Ausspeisung wird ebenfalls die Kommune tragen. Sie bezahlt per Kopf 14 Heller und außerdem 8 Heller für Brot täglich. Daß für diesen Betrag nur ein bescheidenes Mahl, bestehend aus Suppe und Gemüse, beigestellt werden kann, ist klar. Die Durchführung soll in der 'SMeise gesehenen, daß in jedem Bezirke ein besonderes Komitee eingesetzt wird, bei dem Speisemarken gratis verteilt werden. Größere Familien können sich das Essen durch einen Abgesandten nach Hause bringen lassen. Wir werden unsere Leser von dem Fortschritte der weiteren Aktionen informieren. Eine Hilfsaktion für die russischen Juden in Wien. Die kriegerische Verwicklung mit Rußland hat zur Folge gehabt, daß in unserer Monarchie die russischen Staatsbürger einer Untersuchung, resp. Internierung unterzogen wurden. Dieselbe bezog sich in Wien sowohl auf die hier wohnenden, als auch aus den Kurorten nach Wien ein- -gelangten Russen, resp. russischen Juden. Insbesondere wurden die im kriegsdiensttauglichen Alter befindlichen jungen Leute interniert und nach Linz, resp. Qöttweig oder Karlstein an der "Thaya verschickt. Die Verpflegung derselben -geschieht in erster Linie auf Kosten des Aerars, doch können sich die Internierten auch auf eigene Kosten verpflegen. Da viele darunter Familienväter sind oder ihre Eltern erhalten, welche nun ganz brotlos sind, hat sich unter der Leitung des Herrn Kremenetzky ein Komitee gebildet, mit der Aufgabe, die in Wien seit mehreren Jahren ansässigen russisch-jüdischen Familien zu unterstützen. sehr lebhaft anschloß unb als wahrer Verteiöiger ber Juben sich zu erkennen gab. Dieser Herr war allen Anwesenden fremb, öoeh hatten biese ihn balö liebgewonnen, benn berselbe sprach mit Überzeugung, " Wärme unb Einfachheit unö hatte ein sehr gutmütiges, ebles Außeres. »Sie sollte ber Kaiser reben hören,< sagte ein Gast zu dem Fremben, >er würbe eine Freube an Ihnen haben. Sie sinb so gescheit, baß Sie Minister sein könnten.'- Der frembe Herr lächelte unb ließ sich nicht stören. Da trat ein alter Jube mit langem schneeweißen Barte auf ben Rebner zu unb fragte ihn, ob er ihm nicht behilflich sein könne, beim Kaiser eine AuDienz zu erlangen. > Das ist sehr leicht,« erwiberte ber Frembe, >Sie brauchen nur in ben Kontrollorgang zu gehen, woselbst ber Kaiser täglich Aubienzen erteilt. Sie werben bei ihm sicherlich ein geeignetes Ohr finben.« — »Möchten Sie mich nicht öahin begleiten?« fragte ber Jube. »Ich zahle Ihnen fünf Gulöen. Ich kann nicht gut bie Worte stellen, komme leicht in Verlegenheit, wo hingegen Sie ber Rebe sehr mächtig sinb.< Der frembe Herr zeigte sich bereit, bem Juben biesen Liebesbienst zu erweisen, unter ber Voraussetzung, öaß bieser ihm zuvor von ber Sache öie geeigneten Mitteilungen mache. Der Jube war natürlich sofort bereit unb erzählte seine Geschichte. Ich heiße Schimon unb lebe in Dranbeis bei Prag. Gott hat midi gesegnet mit allein, ich bin reich unb im Gesetze bewanbert, nur einen Wunsch versagte mir Gott, meine Frau, bie ich liebe, gab mir keine Erben. Da tat ich bas Gelübde zu Gott, öaß wenn er mir männliche Erben schenken würbe, ich meinen ältesten Sohn wie einst ber Patriarch Abraham, ihm weihen wol'te. Gott erhörte mein Gebet, schenkte mir vier Söhne. Als mein ältester Sohn, Den ich Isak nannte, achtzehn Jahre alt war, ba bachte ich baran. mein Versprechen einzulösen. Ich begab mich nach Prag zum Rabbi Eze- chiel unb brachte ihm mein Anliegen vor. Dieser sprach: »Wenn öu ein GelübDe getan, so mußt bu es halten, gehe baher zur Behörbe, übergib ihr beinen Sohn, baß sie mit ihm anfangen sollte, was i'.ir ge- Die Felörabbiner in öer österr.-ungar« Armee« Die Feldrabbiner repräsentieren in der österreichisch-ungarischen Armee eine ganz eigene Gruppe. Sie sind nämlich die einzigen Qagisten, die nicht aktiv sind und lediglich im Kriegsfälle zu Diensten herangezogen werden. Die Seelsorger aller anderen Konfessionen sind wenigstens teilweise zur Friedenszeit aktiv; nur die Feldrabbiner existieren im Frieden bloß auf dem Papier. Wie aus dem. unten angeführten Verzeichnis zu ersehen ist. zählen wir 21 nicht aktive Feldrabbiner, die zu Kriegszeiten als Qagisten mit Hauptmanns-Rang einberufen werden. Diese Institution reicht auf das Jahr 1862 zurück. Damals wurde Josef Szanto als der erste jüdische Feldprediger einberufen. Aber nur für kurze Zeit. Kriegsminister John schaffte den Feldprediger ab. Die Zahl von 21 Feldrabbinern ist in Anbetracht der zahlreichen Armee-Korps im Felde und der Hunderte Truppensipitäler, in denen auch jüdische Verwundete geistliche Hilfe benötigen, sehr bescheiden. Da sich eine große Anzahl von Rabbinern dem Kriegsministerium zur Verfügung gestellt hat, so wäre eine Standeserhöhung leicht durchführbar. Jedem Feldrabbiner wird vom Kriegsärar eine Feldkapelle zur Verfügung gestellt. Sie enthält: 1 Torah-Rdlle, 1 Tallis, 10 hebr. Gebetbücher mit deutscher Uebersetzung, 10 Tefillin, 1 schwarzes Seiden-Käppchen. Feldrabbiner in der Reserve des Heeres. Max G ii riß b e r g e r, Lorenz Adler. Ignatz Löwy, Dr. Josef Mieses, ' Samuel Klein, Dr. Wilhelm Steiner, Dr. Ludwig G o 1 i n s k i, Dr. Ernst Deuts ch, Dr. Michael Halberstamm. fällt. Dein Sohn soll Solbat werben.« »Hierauf begab ich mich,« fuhr ber Greis zu erzählen fort, >zum Staöthauptmann unö wollte ihm meinen Sohn übergeben, baß er öem Kaiser öienen möge als Solbat, ber Hauptmann wies mich aber von sich, ba es bem Juben nicht gestattet ist, unter ben kaiserlichen Solöaten zu bienen. Dies betrübte mich sehr, ich weinte, betete unb flehte Gott an, er möge mir bas Herz erleichtern. Da erschien mir ein höheres Wesen im Traume unb sprach zu mir: Schimon mach öich auf unb gehe nach Wien, ich werbe bich geleiten unb werbe öir ben Weg zeigen, ben bu wanöeln sollst. Da bin ich nun in Wien unö ich bin gesonnen, zum Kaiser zu gehen, bamit er meinen Sohn von mir annehme, bamit ich ruhig sterben kann unb öer Fluch Gottes nicht auf meinen Kinbern lasten Der irembe Herr hatte ber Rebe bes Juben aufmerksam zugehört unb es gelang ihm nur schwer, sein Erstaunen zu unterbrücken. >Wo ist bein Sohn? fragte ber Herr. Der Greis rief einen schlanken Burschen mit freunblichen Zügen herbei, ber sich vor bem Fremben verneigte. > Ist es bein Wille, bem Kaiser zu bienen, in öie Schlacht zu ziehen unb bein Leben zu opfern?* Der Jüngling sprach: »Gott hat mich zum Krieger bestimmt, ich will seinem Rufe folgen, bamit ber Segen wohne im Hause meiner Eltern.« — > Kommt bann morgen um 10 Uhr in bie kaiserliche Burg,< sprarii ber frembe Herr, >ich will baselbst Anstalten treffen, baß ihr Den Kaiser sprechen könnt, wenbet Euch nur an Den Schloßhauptmann unö nennet Euren Namen, ich selbst will für Eurii beim Kaiser bas Wort führen.- Der frembe Herr entfernte sich rasch. Die Gäste blickten ihm lange nach unb waren vervvunbert zu sehen, öaß er auf ber Schlagbrücke von allen Leuten gegrüßt würbe: Wie groß war aber bas Erstaunen ber Gäste im Hügelmannschen Kaffeehause, als sie erfuhren, baß ber frembe Herr Öer Kaiser Josef II. selbst gewesen sei; ein Bierwirt. ber eben über bie Schlagbrücke kam, hatte bas Rätsel gelöst, >Es wiro bem Volke Israel Wohlergehen,- sprach einer zum anöern, Feldrabbiner in der Reserve der Landwehr. Dr. Alexander Kisch, Dr. Samuel Gutmann, Josef Ch. Sagh e r, Dr. Heinrich Schwende r, Dr. Bernhard Wolff, Dr. Gustav Sicher. Feldrabbiner in der Evidenz der Landwehr. Dr. Leopold Weinsberg, Dr. Jacob Rabbi nowiez, Dr. Armin Abel es* Dr. Julius Reach, Chaim Hirsch Di 11 er, Dr. Albert Schweiger. Die Koscherverköstigung öer Felörabbiner. Aus Bubapest wirb geschrieben: Die hiesige Firma S. Blau, welche Koscher-Konserven unter Aufsicht bes orthoboxen Rabbinates erzeugt, erhielt vom Kommanbo in Kaschau das folgenöe Telegramm: Bitte an bie Abresse ber hiesigen 'Dritten Honvebheereskommission 200 Stück Koscherfleischkonserven zu senben. Das Kaschrus ist mit Rabbinatszeugnis zu bestätigen. — Die Abfassung bes Telegrammes unö bas kleine Außmaß öer Bestellung lassen Den Schluß zu, baß bieselbe über Verlangen öes bortigen Felbrabbiners unb für bessen Gebrauch erfolgt ist. * * * Der MilitärgottesÖienst. Ueber Militärgottesdienst schreibt der Rabbiner Dr. B e e r m a n n, Militär-Seelsorger der deutschen Armee folgendes: i Als jüdischer Militärseelsorger und Herausgeber des Andachtsbuches für Soldaten bin ich seit Beginn des Krieges wiederholt um Zusendung von Exemplaren und Angabe einer Liturgie für Feldgottesdienste gebeten worden. Da ich allen Anfragern jetzt nicht brieflich antworten* kann, so gebe ich hier die gewünschte Auskunft. 1. Das Militärandachtsbuch ist völlig vergriffen. Neudruck wäre Sache der großen judisehen Organisationen. ~~i ^^iS k. t,. 2. Die Andacht auf dem Felde und bei Militärgottesdiensten in der Synagoge gestaltet sich etwa so: a) Min hammezar bis chojil; b) Psalm 3, deutsch, michomaucho; c) Ansprache benn wir haben es aus öes Kaisers MunÖ seibst gehört, baß er bie Erlösung Israels will. Gott segne sein Tun! * Am nächstfolgenben Tage erschienen Schimon unö sein Sohn in ber Burg, sie würben baselbst freunblich empfangen unb öem Kaiser vorgestelt. Der Greis, als er ben Kaiser erblickte, sprach bas Gebet, welches öäs Gesetz öem Juben zu sprechen befiehlt, wenn er vor ben Regenten tritt: »Gelobet seist bu, Gott, unser Herr, ber mitgeteilt hat von seiner Ehre unö Herrlichkeit öem Menschen von Fleisch unb Blut« — > Ist es bein unabänberlicher Wille, baß bein Sohn mir öiene?« fragte öer Kaiser. — >Es ist ber Wille Gottes, Dem wir alle gehorchen müssen,« antwortete Schimon. — »Ich bin lange mit bem Gebanken umgegangen, bie Juben in meine Armee aufzunehmen. Doch man sagte mir, baß bies gegen Euer Gesetz sei unö baß es Euch an Mut fehle zum Waffehhanbwerk.« >Herrh sprach ber Jude, »Gott befiehlt uns, Dem Könige zu gehorchen, benn bie Obrigkeit ist an. Gottes Stelle eingesetzt. An Mut wirb es öem juben nicht fehlen, wenn bu ihn frei machst; öer Sklave hat noch nie öie Zuversicht unb bas Selbstbewußtsein bes freien Mannes gezeigt; wer ba kämpfen soll, muß wissen, wofür er sein Leben einsetzen soll; wenn ber ]ube weiß, baß öas Gesetz sein Freunb ist, so wirb er es mit seinem Blute auch verteibigen; willst bu, baß ber Jube bir tapfer, treu, hingebenb in öen Schlachten biene4 so lasse ihn einen Teil haben an ben Rechten ber Bürger, lasse ihn ein Haus haben, öas er verteibigen soll.- »Dein Sohn, erwieberte ber Kaiser, > soll mir öienen, er soll ber erste jüöische Solbat sein, unb ich werbe mein Augenmerk auf ihn richten. Sein Name soll sein Isak Opferlamm, ich werbe Sorge bafür tragen, baß er viele . Kameraben seines Glaubensbekenntnisses finbe.< Isak Opferlamm biente bem Kaiser treu unb hingebenb unb fanb ben Helbentob in ber Schlacht bei Beigrab. Dr. Fr.