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Neue Nationalzeitung · 1914-09-04 · Heft 18 (4.9.1914) · p. Seite 6

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 18 (4.9.1914)
Date
1914-09-04
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 »Neue National-Zeitung« Nr.: 18* oder Predigt; d) Gebet für Kaiser und Reich, dann Psalm 20.?1, deutsch; e) onno adanny hauschi o (nach Sieg: haudu) und Psalm 46; f) Schlußgesang: Schma jisroel, eventuell noch Miricha oder Maariw, je nachdem Zeit ist. Am Sabbat wird, soweit es möglich ist, kurze Sabbatandacht gehalten; ist Torarolle da. wird daraus der Schriitabschnitt in entsprechender Verkürzung gelesen, sonst, wenn keine Torarolle dort ist, Verlesung aus einem Bibeltexte, am besten mit Uebersetzung. Vermehrung Der jüdischen Feldgeistlichen. Wie bei uns so wird auch in Deutschland ein großer Mangel an Feldrabbinern empfunden. Ein jüdisches Blatt schreibt darüber: Von jüdischen, im Felde stehenden Soldaten ist es als ein großer Nachteil empfunden worden, daß wir Juden noch immer nicht Feldgeistliche gleich den anderen Konfessionen haben. Und. dieses Gefühl ist sehr leicht zu begreifen. Will doch ein jeder zum Beispiel, vor einer großen Schlacht, wenn er den Tod vor Augen haben muß, noch einmal in Andacht mit seinen Glaubensgenossen sich versammeln, und zu einer Andacht gehört auch, daß eine geeignete Persönlichkeit das, was der einzelne Soldat in solchen Augenblicken fühlt, in Worte kleiden und zum Vortrag bringen kann. Und sicherlich wird es von manchen jüdischen Soldaten als eine Zurücksetzung empfunden werden, wenn er sieht, wie seine Kameraden zu regelmäßigen Feldgottesdiensten antreten, während er selbst abseits stehen muß, sofern er nicht an diesen teilnehmen will. Deshalb genügt es nicht, wenn nur am Neujahrsfeste oder der Fall am Versöhnungstage, wie dies im Kriege 1870 vor Metz war, jüdische Feldgottesdienste stattfinden. Der deutsch-israelitische Gemeindebund, der Verband der deutschen Juden, der Zentralverein oder eine der anderen großen jüdischen Organisationen könnte es sich als dauerndes Verdienst anrechnen, wenn bei den leitenden Heeresstellen die berechtigte Forderung der jüdischen Feldgeistlichen durchgesetzt werden würde, zumal gerade jetzt bei jedem Regiment eine größere Anzahl jüdischer Soldaten und Freiwilliger sich befinden. An geeigneten Persönlichkeiten wird es nicht fehlen. Es könnten, wenn nicht freiwillige Angebote von mititärfreien, amtierenden Rabbinern vorliegen, die zum Dienst eingezogenen Rabbiner oder ältere geeignete Rabbinatskanöitaten angestellt werden. Kriegsnachrichten. Dr. Marmorek und Dr. NorÖau im Dienste unserer Feinöe? Die „Oest. Wochenschrift" berichtet: „Wie wir erfahren, haben Dr. Max N o r d a u und Dr. Alexander Marmorek die Erlaubnis erhalten, auch während der Kriegsdauer in Paris zu verbleiben, wo sie in Lazaretten als Aerzte eine dankenswerte menschenfreundliche Tätigkeit ausüben/4 Diese nach Ansicht des Herrn Dr. Bloch „dankenswerte und menschenfreundliche Tätigkeit" verdient wohl eher eine andere Bezeichnung. Oesterreichisch-ungarische Staatsbürger, die ' verwundete französische Soldaten heilen, damit - diese zur Front zurückkehren und neuerlich auf unsere verbündete deutsche Armee schießen können, sind nichts weniger als Patrioten. Warum Dr. Bloch diese Tätigkeit,.dankenswert und menschenfreundlich" nennt, nachdem in Paris Deutsche und Oesterreicher geplündert und beraubt wurden, bedarf noch eines Kommentars. Der Ehre der Herren Marmorek und Nordau wäre weK mehr gedient, wenn obige Nachricht der ..Wochenschrift" dementiert würde. Israel Zangwill — verhaftet. Viel mutiger war die Haltung Israel Z a n g w i 11 s, des berühmten Schriftstellers unö Führers öer Ito-Bewegung in Lonöon, welcher in öffentlichen Versammlungen der großbritannischen Kriegsfurie entgegengetreten ist und von öer Kriegsgemeinschaft mit der russischen Barbarei gewarnt hat. Er wurde dafür von der englischen Regierung verhaftet. Die englische Geisteswelt und die gesamte Judenschaft wird ihm aber stets Dank wissen. * * * Gottesdienst. F r ei t a g den 4. September 1914, abends um halb 7 Uhr^ findet im Stadttempel der israelitischen Kultusgemeinöe in der Seitenstettengasse für die Einberufenen und deren Angehörigen ein Gottesdienst statt, bei welchem Rabbiner Dr. Armand Kaminka die Predigt halten wird. Jeden Samstag beim Vormittagsgottesdienst wird im Anschluß an das Kaisergebet eine Ansprache gehalten. Vorigen Samstag wurde femer mit Rücksicht auf die im Zuge befindliche Entscheidungsschlacht und da über Wunsch von Mitgliedern des allerhöchsten Kaiserhauses besondere Bittgottesdienste veranstaltet .werden, auf Veranlassung des Rabbiners Dr. K a m i n k a und des Bethausvorstandes im Stadttempel im Anschluß an den Gottesdienst eine Anzahl von Psalmen rezitiert. Die Juden in öer Deutschen Armee. Eine Statistik der jüdischen Soldaten. Wir erhalten folgende Zuschrift: Das deutsche Heer ist unter die Fahnen gerufen; zahlreiche Glaubensgenossen gehören ihm an, zahlreiche werden sich freiwillig zum Dienst melden. Wir haben das dringendste Interesse daran, daß Umfang und Art der Beteiligung der deutschen Juden an dem sich entwickelnden Feldzuge zuverlässig festgestellt wird. Dies ist aber nur durch unverzügliche Maßnahmen möglich. Wir bitten deshalb, dem Büro des Verbandes der Deutschen Juden, Berlin, W. 35, Potsdamer Straße 45, schriftlich jeden zu nennen, der in irgend einer Eigenschaft der Armee oder Marine angehören wird, sei es, daß er bei der Mobilmachung schon unter der Fahne stand, freiwillig eintritt oder mit den Reserven, der Landwehr oder dem Landsturm einberufen ist oder wird oder in irgend einer Eigenschaft in der Wehrmacht Verwendung findet, sei es als Soldat, Matrose, Maschinist, Spielmann, Unteroifizier. Deckoffizier, Reserveoffizier, Sanitätsoffizier, Krankenpfleger(oder Pflegerin), Intendantur-, Proviantamts-, Feldpost-, Kriegsgerichtsbeamter oder sonstwie. Wir bitten, möglichst genau alle Namen mit Vornamen, Truppenteil (bezw. Schiff), Standort, Einstellungsart, Dienstgrad, Zivilberuf, Familienstand, Alter und Adresse anzugeben, in jedem Falle zunächst alle die Einzelheiten, die dem Einsender zuverlässig bekannt sind. Berl in, im August 1914. Verband der Deutschen Juden. * * * jüdische Freiwillige in Deutschland. Wir erhalten folgende Zuschrift: :>Sehr geehrte Redaktion! Wir bitten Sie höflichst, folgende Notiz aufnehmen zu wollen: Der Verband öer jüdischen Jugendvereine Deutschlands, Sitz Berlin, hat an seine Mitglieder die Aufforderung gerichtet, sich als Freiwillige zum Heeresdienst zu melden oder, soweit sie dafür zu .jung sind, sich zu Erntearbeiten zur Verlegung zu stellen. Hochachtungsvoll Verband öer jüdischen ]ugendvereine Deutschlands. Berlin, im August 1914.« * * * Rituelle kost in der deutschen Armee. Die Breslauer Kommandatur läßt an die Truppen, die sich im Breslauer Rayon befinden, durch Parole bekannt mächen, daß diejenigen jüdischen Soldaten, die auf rituelle Kost reflektieren, sich unverzüglich melden sollen. * * * Ein jüdischer Soldat erobert die erste französische Fahne. Die erste französische Fahne, die im Gefecht bei La Garde Luneville in deutsche Hände fiel, ist von einem Juden genommen worden. Der Infanterist Fischel aus Rimbek bei Paderborn entriß sie int» Nahkampfe dem französischen Fahnenträger. * * * Zehn Söhne im Kriege. Einen großartigen Rekord, der sicherlich nicht überboten werden wird, stellt eine in Posen ansässige Familie Baum auf. Von dieser ziehen 10 Söhnein den Krieg. Die 10 Brüder wohnen in verschiedenen Ortschaften der Provinz Posen und sind sämtlich verheiratet. Sie traten nach Bekanntgabe der Mobilmachung bei den verschiedensten Truppenteilen ein. . Die Franzosen werden schwerlich in der Lage sein,:, mit einem ähnlichen Beispiel aufzuwarten. * * * Siebzehn Krieger in einer Familie. Herr Lehrer Rothschild in Achim - Bremen1 teilt mit: Meine Familie hat 17 Krieger gestellt. 3 ver-" heiratete Brüder, darunter 1 Unteroffizier, an der französischen Grenze; 6 Schwäger, darunter auch 1; Unteroffizier, und 7 Vettern, darunter 3 Unteroffiziere. Mein Vater, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Hörstein (Bayern), der 1870 mitgemacht, mehrere Auszeichnungen besitzt, Unteroffizier, hat sich freiwillig » gemeldet. * * * Acht Brüder im Felde. In dem Orte Szillen (Ostpreußen) lebt eine jüdische Witwe, Frau S. öuttmann, von der8Söhne zur Verteidigung des Vaterlandes ins Feld gezogen sind. Ein 9. Sohn, der auch militärpflichtig war, ist vor kurzem erst gestorben. * * * Eine tapfere jüdische Mutter. Eine außerordentliche Leistung für das Vaterland kann Frau Witwe C Fe ib u s ch in Rogasen aufweisen. Dieselbe hat a ch t Söhne zu den Fahnen entsandt und ihre einzige Tochter hat sich der Roten Kreuz-Arbeit gewidmet. * * * 7 Söhne und 1 Schwiegersohn hat die Witwe Jakobus in Zempelburg ins Feld geschickt. * * % Die fünf Söhne eines isr. Handelsmannes in Babenhausen folgten dem Ruf zu den Waffen. * Hi * Die rumänisch-israelitische Kolonie in Berlin ■ an den deutschen Kaiser. Von der Berliner rumänisch-israelitischen Kolo-. nie ist an den Kaiser die nachstehende Huldigungsdepesche gerichtet worden: >Die in Berlin ansässigen Rumänen jüdischen Glaubens empfinden das Bedürfnis, in diesem Augenblick Eurer Majestät für die edle Gastfreundschaft, die sie im Deutschen Reich gefunden haben, ihren innigsten Dank auszusprechen. Sie schätzen sich glückich, Zeugen der opfermütigen Begeisterung und der festen Zuversicht zu sein, mit der das deutsche Volk den ihm aufgezwungenen Kampf aufnimmt. Unser heißester Wunsch geht . dahin, daß der gerechten Sache der Sieg beschieden sein möge und das Deutsche Reich seiner Widersacher Herr werde!« Das im Namen des Kaisers abgesandte Danktelegramm ist vom Geh. Kabinettsrat v. Valentin» . unterzeichnet. Personalnachrichten. Oberfinanzrat S. Berstl (Steueradministration für den II. und XX. Bezirk) ist zum Hofrat ernannt worden. Da unlängst auch Dr. Gerstmann zum Hofrat ernannt wurde, so können wir also bereitsdie Beförderung des zweiten jüdischen' Hofrates Im.. Bereiche der Finanzverwaltung registrieren. Warum ist aber im Bereiche der Justizverwaltung noch immer die Ernennung eines Juden zum Hofrat ausgeschlossen? Darf es in der Justiz keine- Gerechtigkeit geben? Herr Adolf Schräm ek, k. u. k. Hoflieferant und - Mitglied des israelitischen Kultusvorstandes in Wien». wurde zum kaiserlichen Rat ernannt. Kais. Rat Schramek hat sich durch seine Wohltätigkeit;; viele Verdienste erworben.

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