Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 16 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- Seite 125 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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j[!lJ*L___________________________««Neue. National-Zeitung" Seite 125 (Quelle: Geschichte des Infanterieregiments Nr. 23, Bd. II, S. 261, 268.) Die Ausführung seiner gefahrvollen Mission lauete nach dem Berichte Goldsteins folgend: Am 8. Juli 1866 nach der Schlacht bei Königgrütz wurde ich um 10 Uhr vormittags beim Wachposten auf Befehl des Hauptmanns Makulan vom Infanterieregimente Nr. 23 zum Kriegsrate beschieden. Der Vorsitzende Festuugskoiinnandant befragte mich, ob ich den Mut hatte, eine sehr dringende Meldung dem Armeekoimnandanten Feldzeugmeister von Benedek zu überbringen, indem er mir gleichzeitig bekanntgab, daß dies ein freiwilliger Dienst und vom Diensteseide unabhängig sei. Da mir die mißliche Lage der Besatzung, sowie auch die große Anzahl der ohne genügende ärztliche Hilfe und Pflege von der Königgrätzer Schlacht während des Durchzuges in der Festimg zurückgebliebenen Verwundeten bekannt war, entschloß ich mich ohne Bedenken, zum Wohle des a 11 e r g n ädigsten Kaisers, der Armee und meiner Kameraden zur Vollziehung der Mission. Ich bat um die Verlesung der chiffrierten Meldung, um den Inhalt derselben, falls die Vernichtung aus irgend welchem Grunde unerläßlich und vorausgesetzt, daß ich mein Ziel lebend erreiche, mündlich ausrichten zu können. Nim folgte die Beratung des Kriegsrates wegen Verlassen der Festung. Nachdem derselbe einen mir passenden Antrag nicht fand, erbat ich mir Bedenkzeit bis nachmittags 4 Uhr, um auch gleichzeitig meine Angelegenheiten ordnen zu können. Zur bestimmten Zeit meldete ich dem Kriegsrate, die Festung um 12 Uhr nachts verlassen zu wollen, bat meine Dispositionen an dem beim Ausgange der Festung Dienst leistenden Wachkommandanten mittels Reservatbefehles ergehen zu lassen, und da ich alles geordnet wußte, meldete ich mich beim Kriegsrate zum Antritte meiner Reise. Vor 12 Uhr nachts erschien ich in Bauenikleidung im Kreise meiner Kameraden, die sich zum Abschiede eingefunden hatten. (Schluß folgt.) * Ein jüdischer Held im deutsch-französische« Krieg. Im „Daheim" veröffentlichte jüngst Generalmajor z. D. A. v. W r o c Ii c in einen Brief, indem er ehrend eines j ü d is c Ii c n Soldaten n a in e n s K a r f u n k e I s t c i n gedenkt. Dieser „häßliche, kleine, jüdische Füsilier", -oer übrigens Plattfüße hatte, «alt als ein schlechter Soldat und halte hierdurch und infolge seiner losen Zunge ein langes Strafregister auf seinem Konto. Bei der Mobilisierung 1870 sollte er in der Garnison zurückbleiben, — doch er wehrte sich mit aller Macht dagegen und erreichte es, mit ins Feld ziehen zu dürfen. Was er dort leistete, darüber heißt es in dem Briefe: „Ich will den weiteren Gang der Schlacht hier wicht schildern, nur so viel darf ich sagen, daß Karfmikclsfrciu sich durch seine Kaltblütigkeit und seinen Mut auszeichnete, daß er in d'e.n schwierigsten Augenblicken des Gefechtes seine Kamerad*: n durch seine schlechten Witze aufheiterte und' den Verwundeten in seiner Nähe trostreiche Worte sagte. Als später der tapfere Oberstleutnant von Grolman, trotz seiner schweren Verwundung, sein Bataillon zum letzten Sturm gegen den feindlichen Schützengraben vorführte, war Karfimkelstcin unter den ersten am Feinde und stach den französischen Offizier nieder, der seinen Revolver gegen den Oberstleutnant gerichtet hatte. Da der Oberstleutnant viel Blut verlor und ich ihn nicht verbinden konnte, weil ich am rechten Unterarm auch leicht verwundet war, gab ich Karfimkelstcin den Befehl, einen LazarettgehiUen oder Krankenträger vom Verbandsplatz zu holen. Er führte den Befehl sofort aus und erschien nach einer halben Stunde v/ohlbehalten mit zwei Krankenträgern, obwohl er den Weg in der Feuerzoiie hatte zurücklegen müssen. i Während der Marseiile nach der siegreichen Schlacht von St. Privat wurden von den Kompagnien Vorschläge zu Auszeichnungen für Mannschaften verlangt, die sich besonders hervorgetan hatten, und da sämtliche älteren Offiziere der 10. Kompagnie schwer verwundet waren, so hatte ich diese Vorschläge zu machen. Außer dem Feldwebel und einem anderen Unteroffizier nannte ich auf der Vorschlagsliste auch den Füsilier Karfimkelstcin. Hierzu aber schüttelte der Regimentskommandeur den Kopf und ließ mich und den Füsilier zu sich kommen. Nach anerkennenden Worte)) für sein tapferes Verhalten sagte er diesem, daß es vorläufig nicht angängig sei. einem Manne, dessen Führung bis vor kurzem so schlecht gewesen, eine Auszeichnung zu verleihen. Er solle sich aber weiter brav halten, denn nun sei sein Sclmldkonto ausgeglichen und er werde von jetzt ab, wie jeder andere gute Soldat, behandelt werden. Karfimkelstcin aber zeigte volles Verständnis für die gütigen Worte des Obersten v. Zaluskolski und beschloß, danach zu handeln. In den nächsten Wochen bot sich ihm dazu keine besondere Gelegenheit, da das Regiment Elisabeth in den Schlachten von Bcaumoiit und Scdan nur wenig zur Tätigkeit kam. Um so mehr aber waren die Verhältnisse bei der späteren Zernierung von Paris geeignet, die Entschlossenheit und Intelligenz des einzelnen Mannes /.in Geltung zu bringen; und da Karfimkelstcin diese beiden Eigenschaften besaß, so gelang es ihm bald, sich bei Patrouillengängen und Erkundigungen durch seine Verwegenheit und Schlauheit so auszuzeichnen, daß der Kompagm'cfiihrer ihn wiederum für eine Auszeichnung in Vorschlag brachte, lmd diesmal mit Erfolg. Aus der Hand des Obersten selbst erhielt Karfuukclsteiii am 2N. Oktober das Eiserne Kreuz und Freudeutriiuen glänzten dabei in seinen Augen." Der Brief schließt, indem er schildert, wie Karfuukclsteiii hei Lc Bourgct den Heldentod starb. Jüdische KriegsSrei willige in Deutschland. Wiederholt haben bei den Reichstngsdebatten über den systematischen Ausschluß von Juden aus dem Rcscrveoffizierkorps die antisemitischen Abgeordneten die Angaben der Freisinnigen, daß Juden als Kriegsfreiwillige auch an den Feldziigen in S ü d w c s t a f r i k a und China teilgenommen haben, bezweifelt und bestimmte Zahlen- und Naniensangabcn verlangt. Diesem Wunsche der antisemitischen Zweifler hat nunmehr der „Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" entsprochen. Er veröffentlicht in Nr. SO der Mitteilungen aus dem „Deutsch-israelitischen Gemeindebund" eine Namenslistc der bisher von ihm festgestellten Juden, die als Freiwillige an der Expedition nach China und an den Kolonialkriegen (Hercro-Feldzug) teilgenommen haben. Obwohl die Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und insbesondere auch alle diejenigen jüdischen Soldaten außer Berechnung läßt, die sich als Freiwillige gemeldet haben, aber aus irgend einem Grunde zurückgewiesen wurden, werden als Kriegsteilnehmer in China 40 Manu, als Teilnehmer au den Afrikakriegen 39 aufgeführt, von denen mehrere, so Leutnant B c n d i x, Opfer des Feldzuges blieben, andere dekoriert wurden, so unter anderem der Unteroffizier Abraham G u t m a n ii mit dem bayerischen Militär-Verdienstkreuz