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Neue Nationalzeitung · 1914-08-14 · Heft 16 (14.8.1914) · p. Seite 124

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 16 (14.8.1914)
Date
1914-08-14
Page
Seite 124 (sequence 4)
Language
German
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Seite 124 Mr. 16 Offiziere und 120 Mann dem k. u. k. Kriegsministerium zur Verfügung gestellt. Frau Antonie Spitzer, Inhaberin des Hotels Schloß Miramonti in M a r i e n b a d, hat einen großen Teil ihres Hotels samt Park zur Aufnahme von Hundert Verwundeten dem k. u. k. Kriegsministerium überlassen. Jüdische Kriegshelden.*) i. Leutnant Ignaz Goldstein. (Militär-Verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration.) Nach der Schlacht von Königgrätz, am 3. Juli 1866, wälzten sich die preußischen Armeen im breiten Strome aus dem nordöstlichen Teile Böhmens nach Mähren, gegen Olmütz und Brünn. Gleich Felseneilanden im wogenden feindlichen Meere, trotzten in diesen Tagen nur die winzigen Festungen Josefstadt und Königgrätz der Unterwerfung; stolz und herausfordernd flatterte der altehrwürdige kaiserliche Doppelaar von deren Zinnen. Wenn auch die zwei, auf etwa vier Wegstunden voneinander entfernt liegenden Bollwerke mit ihren kleinen Besatzungen von vier- bis sechstausend Mann nicht im Stande gewesen wären, einen Umschwung der Kriegslage zu veranlassen, so mußten sie doch dem Feinde, als in seinem Rücken, auf seiner Nachschublinie liegend, unbequem sein. Er versuchte daher durch bald listige, bald drohende Unterhandlungen, sowie durch seine Beschießung von Königgrätz, am 5. Juli, in den Besitz der beiden Plätze zu gelangen; doch die tapferen Besatzungen ergaben sich nicht. Die zahlreichen Verwundeten, welche mit den Besatzungstruppen gemeinsam in den vorhandenen Räumlichkeiten der Festung Königgrätz enggetdrängt untergebracht waren, gefährdeten die sonst günstigen Gesundheitsverhältnisse in so hohem *) Es gehört zu den Gemeinplätzen der antisemitischen Ver- Ictimduntfskanipatfne, daß die Juden dem Frontdienste ans dem We«e gehen und arn liebsten im Spital oder beim Train ihren Militärdienst ableisten. Daß diese Behauptungen ganz unwahr sind und die jüdischen Soldaten vielmehr mit der Waffe in der Hand ihrem Vaterland heldenmütig dienen, beweist die Kriegschronik aller Kulturstaaten, die hunderte jüdischer Kriegslielden als Besitzer von Tapfcrkeitsmedaillen, des Eisernen Kreuzes und verschiedener Kriegsdekoratiomen aufweist. Die Waffen taten einzelner jüdischer Soldaten und Offiziere sind geradezu wunderbar und verdienen es, aus dem beschränkten Rahmen der Regimentsgcscliicliten in das breite Licht der Ocffcntlichkeit übertragen zu werden. Wir beginnen nunmehr mit dieser Veröffentlichung, die gewiß unter den jetzigen Verhältnissen höchst aktuell ist, und werden sie fortsetzen, so weit es unser bescheidener Raum gestattet. Das Material hierzu wurde uns, so weit es sich tun Angehörige der k. u. k. Armee handelt, vom Schriftsteller Moriz- F r ü h 1 i n g, der demnächst hierüber ein großes Sammelwerk veröffentlicht, zur Verfügung gestellt. (A n m. d. R c d a k t i o n.) Grade, daß sich der Festungskommaridant veranlaßt sah, dies dem Armeekommando zu melden. Leutnant Ignaz Q o 1 d s t e i n des Infanterieregimentes Nr. 23 erbot sich freiwillig zu der gefahrvollen Mission, diese Meldung dem Feldzeugmeister Ritter von Bendek nach Olmütz zu überbringen und verließ in der Nacht vom 7. auf den 8. Juli verkleidet, bei einem heftigen Sturme die Festung; sein kühnes Unternehmen glückte und schon am 9. Juli entledigte er sich seines Auftrages. Der Wortlaut der chiffrierten Meldimg war folgender: „Exzellenz! Die Festung ist noch in unseren Händen, wurde einmal beschossen, dadurch kein Schade verursacht. Lage der Festung sehr mißlich, 200 Gefangene, 1700 Kranke und Verwundete, welche wegen Mangel an Raum mit den Gesunden so eng gedrängt sind, daß für die Gesundheit der Besatzung alles zu befürchten ist. Große Bewegungen gegen Pardubitz oder Holitz. Straße über tiohenbruck scheint frei. Der Ueberbringer ist Leutnant Goldstein von Ajroldi. W e i g e 1, m. p., Generalmajor." Feldzeugmeister Ritter von B e n e d e k sendete am nächsten Tage den kühnen Ueberbringer der Meldung mit folgendem Schreiben an den ersten Generaladjutanten S r. Majestät nach Wien: „Gestern ist der Unterleutnant Ignaz Goldstein vom Ajroldi-Infanterieregiment verkleidet aus der Festung Königgrätz hier angekommen und hat eine Depesche in Chiffren überbracht, deren Inhalt Ew. Exzellenz aus der Nebenlage hochgeneigtest entnehmen wollen. Ich sende den genannten Offizier mit dem heute zurückkehrenden Hofburgwachmann Porcz nach Wien, wo er beauftragt ist, sich Ew. Exzellenz sogleich vorzustellen und mündlich über mehreres Rapport zu erstatten, was er in Bezug auf die gegenwärtige Lage der Festung Königgrätz weiß. Nach seiner Aussage ist dieser Platz zwar ganz zerniert, während Josefstadt gar nicht zerniert sein soll. Ich werde daher trachten, den beiden Festungskommandanten die Weisung zukommen zu lassen, daß sie im gegenseitigen Einvernehmen von ihren ganz frischen Besatzungstruppen eine kombinierte Aktion zu versuchen haben, welche, wenn sie gelingt, namentlich Königgrätz in etwas degagieren könnte, so zwar, daß insbesondere einige Kalamitäten der Festung in Bezug auf die vielen Verwundeten, die Verproviantierung der Zivilbevölkerung und dergleichen mehr vielleicht teilweise abgeholfen werde. Was schließlich den Unterleutnant Goldstein selbst anbelangt, so erlaube ich mir, i h n d e r a 11 e rhöchsten Gnade S r. Majestät des K a iserszu empfehlen, damit ihm für den Vollzug seiner gefahrvollen Mission die Allergnädigste Anerkennung, dann die nötigen Mittel zuteil werden mögen, sich neu zu equipieren. Derselbe kann vorläufig nicht nach Königgrätz zurück und ich erlaube mir daher schließlich noch die ergebenste Bitte, daß es Ew. Exzellenz gefällig sein möge, im Wege des k. k. Kriegsministeriums die Einteilung dieses Offiziers zu einer rückwärts befindlichen Abteilung seines Regiments zu veranlassen. B e n e d c k, m. p. Feldzeugin eisten"

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