Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 16 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jy. 16____________________»Neue National-Zcitiing" ______ ___ Seite_125_ Dr. Grunwald selbst ist doch nur Rabbinr für den Leopoldstädter Tempel. Und die Tempel im III. und XX. Bezirke haben doch ihre eigenen Rabbiner! Wozu also diese Großtuerei? Und für die Kinder der Einberufenen sollte der Kultusvorstand wohl selbst Sorge tragen, statt sie dem selbsternannten Rabbiner dreier Bezirke und seinen Reklame-Inseraten zu überlassen. NOTIZEN VO/l TflQE. Der Aufruf an die Juden in Russisch-Polen. Gleichzeitig mit dem Aufrufe des Oberkommandos der k. u. k. Armeen an die Polen, hätte auch ein solcher an die jüdische Bevölkerung in Russisch- Polen erlassen werden sollen. Aus Gründen, auf die wir jetzt nicht eingehen wollen, ist dies nicht geschehen. Statt dessen ist ein jiddisch geschriebener Aufruf von einem aus mehreren Hunderten jüdischer Bürger in Qalizien bestehenden Komitee nach Russisch-Polen versandt worden. In dem Aufruf heißt es unter anderem: „Es ist ein großer und bedeutungsvoller Augenblick gekommen, ein Augenblick, der schon lange sehnsüchtig erwartet und erwünscht wurde, ein Augenblick der geschichtlichen Abrechnung der Zivilisation mit dem Barbarismus, zwischen Freiheit und Despotismus, d erKamp fmitdemZ a r e ntu m, um endlich die Fesseln zu sprengen und einem besseren Schicksal und einer glücklicheren Zukunft entgegenzugehen. Blut der heldenmütig auf d'em Schlachtfeld kämpfenden Krieger wird auf polnischem Boden fließen. In diesem Augenblick bringen wir Juden auf polnischem Boden in voller und unerschütterlicher bürgerlicher Treue z u m k o n s t it u t i o n e 11 e m Staate unsere Huldigung den unverjährten Rechten und Idealen des polnischen Volkes dar und wünschen aus dem Innersten unserer Seele, daß sich diese Hoffnungen raschesten^ erfüllen mögen. Wir wünschen aus voller Ueberzeugung den Sieg der gerechten Sache und glauben an einen glanzvollen Sieg. Wir wollen alle unsere Kräfte einsetzen, um diesen Sieg zu beschleunigen und sind hierfür zu allen Opfern bereit." Wie wir erfahren, wird demnächst von der nithenischcu Parteileitung in Lemberg ein Aufruf au die jüdische Bevölkerung der Ukraine ergehen. Auskünfte über Gefallene und Verwundete. Die Redaktion unseres Blattes ist auf Grund der Informationen des k. u. k. Kriegsministeriuins in der Lage, den Angehörigen gefallener oder verwundeter jüdischer Soldaten verläßliche Auskünfte zu erteilen. Hie Anfragen, denen eine 10 h-Marke beizu-schließen ist, können auch in jiddischer Sprache abgefaßt sein. * Eine Szene von der Einriickimg. Ein katholicher Feldgeistlicher für den konfessionellen Frieden. W i e n, am 9. August. Eine Szene, die auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte und im gewissen Sinne an die deutsch-tschechische Verbrüderung in Prag erinnert, hat sich heute um Mitternacht beim Tegetthoff- Denkmal abgespielt. Dort kam eine Gruppe katholischer Feldgeistlicher vorbei, den Reisekoffer in der Hand, die zu ihrem Trupenkörper gingen. Die Menschenmenge in der Praterstraße wurde auf den Zug dadurch aufmerksam, daß aus ihm, von offenbar geschulten Stimmen gesungen, die Volkshymne ertönte. An der Spitze der Kapläne marschierte ein Militärpfarr'er, ein Greis mit silberweißem Haar. Als die Herren einen Augenblick Halt machten, um das Getriebe zu betrachten, drängte sich an den greisen Geistlichen ein alter polnischer Jude heran, ergriff seine Hand, küßte sie und bat dann mit gefalteten Händen und weinend den Geistlichen: „Hochwürden! Auf dem Schlachtfeld, ich bitte Sie tausendmal, nehmen Sie sich auch der j ü d isc he n Soldaten an und spenden Sie ihnen Hoffnung und Trost. Ich liab' auch 'einen Sohn dort!'1 Der Geistliche, und mit ihm seine Amtsbrüder, hörte den alten Mann an, war außerordentlich ergriffen und sagte dann, mit Tränen kämpfend, zu dem alten Juden: „Das verspreche ich Ihnen, nicht nur ich, sondern wir alle hier, die wir ja auch Deutsche und Nichtdeutsche sind. Aberesgibtjetzt nur Oesterreicher, weder Jud noch Christ, w'eder Deutsche noch Tschechen. E s g i b t nur Oesterreicher und Mensche n." Dann wandte er sich wieder an seine Kollegen und an die Menge ringsum, die erschüttert die Szene beobachtet hatte, und rief: „Hoch Oesterreich!" Und während die Umstehenden einstimmten, intonierten die Geistlichen wiederum, alle in der deutscher Sprache, das „Gott erhalte!1' Dann setzten sie ihren Weg fort. Das Kriegs-Avancement. Anläßlich des vor einigen Tagen erfolgten außerordent- Ichen Kricgs-Avaneciucnts ist auch eine .große Anzahl jüdischer Offiziere und Aerztc befördert worden. In den höheren Chargen der Front-Offiziere seien fwU'ende genannt: Zum Obersten und Kommandanten des Infanterie- Regimentes Nr. 102 der Oberstleutnant Maximilian Mandl, geb. 1860 zu Horatitz in Böhmen. Oberst Mandl ist gegenwärtig der einzige jüdische Rcgiinents-Kommarulant in der Oesterr.- Ung. Armee. Zu Oberstleutnants: Major Paul Schej-' des Husaren-Regimentes Nr. 15, geb. im Jahre 1863 in Göns, und Major Ludwig Kiesler des Infanl'erie-Regimentes Nr. 40, geb. 1865 in Kolonien. Zum M a j o r: Hauptmann Leopold Freund des Jägerbataillons Nr. 25, geb. 1868 in Brünn. Zu Hauntl euten: Die Oberleutnants: Simon Bode k, Gustav Gl fielt sin an n, Teofil Pollak und Karl Teller. Hauptmann Teofil Pollak ist der Sohn des bekannten Hof- Antiquars Pollak in Salzburg. Was die Leutnants-Cliarge betrifft, so sei erwähnt, daß ca. 50 Juden zu Lcutnants-Rcchnungsfülirern ernannt wurden. Humanitäts-Akte. Herr und Frau B o j k o, k. u. k. Hoflieferant, Wien, haben einen Teil ihres Besitzes „Herrenhof44 in Ei c Ii g r a b c n für 40 im Feldzuge verwundete