Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 15 (31.7.1914)
- Date
- 1914-07-31
- Page
- Seite 118 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 118;Neue Natfonal-Zeitung" Mr. 15 Muttersprache angaben, während in Ermanglung einer Statistik nach der Religion diejenigen jüdischen Einwanderer, welche eine andere als die jiddische Sprache ihre Muttersprache nannten, in die Statistik der Juden keine Aufnahme fanden. Auf diese Weise smxrde jedenfalls ein sehr interessantes und reichhaltiges Material über die Jiddisch- Sprechenden unter den jüdischen Einwanderern gewonnen. Nach den Angaben des Verfassers befinden sich in den Vereinigten Staaten 1,052.000 jiddisch sprechende Einwanderer. Mit ihren Kindern zusammen bilden sie bereits eine Zahl von 1,676.762. Es sind nun alles in allem jiddisch sprechende Einwanderer in nachstehender Zahl während der Jahre 1899 bis 1910 in den Vereinigten Staaten eingetroffen: aus Rußland .... 838.000 „ Rumänien . . . 41.000 „ Oesterreich . . . 125.000 „ Ungarn .... 20.000 „ anderen Staaten 28.000 Zusammen . . 1,052.000 Nach Angaben des Verfassers sind allerdings aus Oesterreich-Ungarn im Laufe dieser obgenannten elf Jahre 163.000 eingewandert, jedoch haben 18.000 Einwanderer deutsch, polnisch oder ungarisch als ihre Muttersprache angegeben. Mehr als die Hälfte dieser jiddisch sprechenden Einwanderer, und zwar 556.000 Juden leben in New-York allein. Mit ihren Familien betragen sie 862.000. Von den jiddisch sprechenden Einwanderern befinden sich weiters mit ihren Familien in Philadelphia allein 125.000 Seelen; in Chicago 111.000 Seelen; dann kommt Boston mit 74.000 Seelen. Die jüdische Bevölkerung in den Vereinigten Staaten zählt insgesamt 2 Millionen; essprechen also80Prozentdavonjiddisch. Das mögen sich alle jene Ignoranten vor Augen halten, die das Jiddisch wegwerfend als — Dialekt bezeichnen. So interessant auch alle diese Daten sind, geben sie selbstverständlich noch nicht erschöpfend den kulturellen Zustand der Ostjuden in Nordamerika wieder. Der Verfasser beklagt es, daß die amerikanischen Judenorganisationen für jüdische Statistik sehr wenig ausgegeben und geleistet haben und verlangt eine Remedur nach dieser Richtung. Gemeindeu. Vereinsnächrichten. Wien (Agudas Jisroel). Von Mittwoch, den 27. Aw (19. August) bis Sonntag den 1. Elul (23. AugusO wird in Homburg die Tagung des „Rabbinischen Rates" stattfinden. Von. Sonntag den I. Elul (23. August) bis Dienstag den 3. Elul (25. August) finden Sitzungen des Provisorischen Komiteei' der verschiedenen Kommissionen, der Landesorganisationen und Verbände statt. Die eigentliche Kenesio gedaulo beginnt am Dienstag den 3. Elul (25. August), abends VA Uhr und endet voraussichtlich Montag den 9. Elul (31. August). Tagesordnung der Kenesijo gedaulo: Dienstag, 3. Elul (25. August), abends VA Uhr: Eröffnungssitzung: a) Generalbericht des Provisorischen Komitees, b) Vorlage der Geschäftsordnung für die Verhandlungen der Kenesijo gedaulo und Wahl des Präsidiums, c) Begrüßungsansprachen. Mittwoch, 4. Elul (26. August): Vormittagssitzung: a) Bericht des Wahlprüfungsausschusses, b) Vorlage und Gcheraldiskussion über das Statut des Agadus Jisroel, c) Nominierung des Wahlvorschlagsausschusses durch die Landesorganisationen. Nachmittagssitzung: Referat und Diskussion über die finanzielle Organisation der Agudas Jisroel und die Grundfragen ihrer Propaganda. Donnerstag, 5. Elul (27. August): Vormittagssitzung: a) „Stand und Hebung des Thorastudiums in den verschiedenen Ländern der Diaspora" — Spezialgeräte aus den einzelnen Ländern, b) Diskussion. Nachmittagssitzung: a) Fortsetzung der Diskussion, b) „Erez Jisroel" — General- und Spezialgeräte, c) Diskussion. Freitag, 6. Elul (28. August): Vormittagssitzung: Fortsetzung der Diskussion über die Erez Jisroel-Referate. Samstag, 7. Elul (29. August): Reden und Vorträge der auswärtigen Rabbiner sin " den verschiedenen Vereinen. Samstag, 7. Elul (29. August), abends 9 Uhr: Zwanglose Zusammenkunft der Delegierten und Gäste. Sonntag, 8. Elul (30. August): Vormittagssitzung: a) „Die ökonomische Lage der Judenheit" — Spezialgeräte aus den einzelnen Ländern und Generalreferat, b) Diskussion. Nachmittagssitzung: Verschiedene Sonderveranstaltungen und Versammlungen von gesetzestreuen Vereinen und Verbänden. Abends: Volksv er sammln ng. Montag, 9. Elul (31. August): Vormittagssitzung: Fortsetzung der Diskussion über die „Ockonomische Lage der Judenheit". Nachmittagssitzung: a) Wahlen, b) Schlußansprachen. Dienstag, 10. Elul (l. September): Sitzungen der neugewählten Verwaltungsorgane und der Landesorganisationen. dMS ALLEN WELTTEILEN Erzherzog-Thronfolger Karl Franz Josef und die jüdische Schankwirtin. Ueber die bekannte Leutseligkeit des jungen Thronfolgerpaares wird uns aus Anlaß ihres Aufenthaltes in Kolomea folgendes erzählt: Das junsre Ehepaar unternahm eines Tages einen Ausflug nach dem benachbarten Städtchen Nadworna. Das Automobil am Waldesrande zurücklassend, kehrte das erzherzogliche Paar verstaubt, hungrig und durstig in einer kleinen jüdischen Wirtschaft ein. Nachdem die Wirtin, eine einfache, schlichte Jüdin, für ihre Gäste gesorgt, setzte sie sich zu ihnen und erzählte, sie haben einen Sohn, der auch in Kolomea diene, aber beim Infanterieregiment. Für ihn habe sie fünf Kronen zusammengespart, ob wohl der Herr „Zugsführer" so gut wäre, dem Burschen das Geld zu bringen? „Recht gerne!" sagte der Erzherzog, „wenn Sie mir das Vertrauen schenken." Als die jüdische Wirtin die wohlgezälilten fünf Kronen brachte, hatte sie noch ein ziemlich großes Paket im Ann und meinte, wenn der Herr schon so gut sei, die fünf Kronen zu überbringen, ob er vielleicht die reine Wäsche auch noch mitnehmen würde? „Die übernehme ich", rief lachend Erzherzogin Zita, und streckte die Hände darnach aus. In Kolomea ließ der Erzherzog noch am selben Abend den jüdischen Soldaten kommen, richtete ihm Grüße von der Mutter aus, die Erzherzogin übergab ihm das Paket mit der Wäsche, der Erzherzog das ersparte Geld, das aber mittlerweile in der Tasche des Boten Zinsen getragen hatte.