Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 14 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- Seite 110 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2425679-2425912-2425926--2949-2429494- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
öeiie 110 tNeue National-Zeitung" Nr. 14 mS ALLEN WELTTEILEN Gegen die Renegaten. Während in Wien seitens der Kulttisgemeinde und der Rabbiner der immer mehr wachsenden Entjudung und Taufseuche nicht die mindeste Aufmerksamkeit zugewendet wird, finden sich zahlreiche andere Städte, die diesem Grundiibel der heutigen jüdischen Gesellschaft energisch an den Leib rücken. So haben die Kultusgemeinden in Moskau und Petersburg beschlossen, die Marannenabteilungen am" ihren Friedhöfen aufzulassen. Der Wunsch getaufter Juden, die als Christen gelebt haben, aber als Juden sterben wollten, wird iürderhin nicht mehr in Erfüllung gehen. Auch in Breslau hat sich jüngst eine starke Agitation gegen die Tauiseuche entwickelt und es wurde zu diesem Zwecke ein Verein „J ii d i s c h e r T r e u b u n d" gegründet. Er verfolgt als Hauptzweck, dem Abfall entgegenzutreten. Als Mittel hie zu dienen: 1. Bekanntgabe der Namen der Ausgetretenen durch den VorstanrJ' der Synagogengemeinde. 2. Bekämpfung aller Personen, die vom jüdischen Glauben abgefallen sind oder die Taufe unmündiger Kinder begünstige n, bei Bewerbung um Ehrenämter in Gemeinde, Stadt und Staat; anderseits Unterstützung von Kandidaten bei Besetzung von Ehrenämtern in der Gemeinde und jüdischen Vereinen, welche den Grundsatz des jüdischen Treubiuides zu vertreten bereit sind. Für die Frage, ob es einen Zweck hat, die Namen der „Ausgetretenen" zu publizieren, ist eine Zuschrift an die ..Jüdische Volkszeitung" in Breslau sehr interessant. Da heißt es: „In einer der Breslauer Repräsentantenversammlungen sind zwei Mitteilungen über Vorgänge in der Berliner Gemeinde gemacht worden, die nur auf Irrtümern beruhen können, da sie den Tatsachen nicht entsprechen. Man sagte da unter anderem zu dem Kampf gegen das Renegatentum: ,Die Veröffentlichung der Namen der Ausgetretenen halte ich allerdings nicht für das richtige Mittel. Die fest entschlossen sind auszutreten, werden sich auch dadurch nicht zurückschrecken lassen, wenn die Namen in einem jüdischen Blatte veröffentlicht werden. In Berlin hat man die Veröffentlichung eine Zeit eingestellt, einen Einfluß hat sie nicht ausgeübt.' Demgegenüber ist festzustellen, daß man in Berlin niemals die Veröffentlichung eingestellt hat und auch gar nicht daran denkt, dies zu tun, daß sich im Gegenteil die Veröffentlichung, soweit das überhaupt feststellbar ist, da eine Reihe anderer Faktoren dabei mitgewirkt haben können, durchaus be w ii h r t hat. Jedenfalls geht aus den häufigen Zuschriften an die Redaktion des Gemeindeblattes und den Bemühungen, die Veröffentlichung zu unterlassen, das eine mit Gewißheit hervor, d a ß die V e r ö f f e n 11 i c h u n g de ni c ii i g e n, die austreten wolle n, höchst u n a n g en e Ii m ist. Die Annahme ist durchaus gerechtfertigt, daß, wenn auch nicht die Festentschlossenen, so doch diejenigen, die mit dem Gedanken umgehen, durch die Veröffentlichung, die bevorsteht, in ihren Erwägungen stark beeinflußt werden. Im übrigen ist aus der Statistik >ciier Veröffentlichungen ersichtlich, daß seit dem Beginne der Veröffentlichungen die Zahl der Austritte teilweise zurückgegangen ist, obwohl zugegeben werden soll, daß dabei auch andere Faktoren' von Einfluß gewesen sind." Jüdische Hofräte an Obersten Gerichtshöfen in — Ungarn. Wie aus Budapest berichtet wird', ist der Komomer Advokat Dr. D. Vasarhelyi zum Richter am Vcrwaltungsgerichtshofe ernannt. Der neue Verwaltungsrlchtcr war zwei Jahrzehnte hindurch der städtische Anwalt von Komorn und nahm auch lebhaften Anteil an den Arbelten der dortigen j ü d ischen Gemeinde, deren Präsident er /Avanzig Jahre hindurch war. Dr Vasarhelyi hat als juristischer Fachmann einen europäischen Ruf. Weiters wurde Dr. Josef G r ii n, der mehrere Jahre als Richter an der königlichen Tafel in Szegedin gewirkt hat, zum Richter an der königlichen Kurie, dem höchsten Gerichtshöfe Ungarns, ernannt. Dr. Grün wird als Jurist ersten Ranges, glänzender Charakter und warmfiihlender Menschenfreund allseits hoch geschätzt. Kurialrichter Dr. Grün nimmt auch an den öffentlichen Angelegenheiten der Juden regen Anteil und sein Sohn Dr. Bela Grün, id'er als Verteidiger gleichfalls einen guten Ruf genießt, ist ein einflußreiches Mitgiled der Szegediner israelitischen Kultusgemeinde. — Demselben Kaiser, der anstandslos in Ungarn Juden zu Staatssekretären und obersten Richtern ernennt, scheint in Oesterreich noch kein Justizminister dasselbe nahe gelegt zu haben. Sonst wäre es ja nicht erklärlich, warum zu Hofräten am Verwaltungsgerichtshofe und Obersten Gerichtshöfe in Oesterreich bisher nur getaufte Juden ernannt werden. Die gesetzliche Gleichberechtigung ist ja auf dem Papier dieselbe. Jakob Saphirstein — gestorben. Das Ghetto von New York hat seineu hervorragendsten Journalisten verloren. Jakob Saphirstein, der Herausgeber des jüdischen Tagblattes Morgen-Journal", ist im 61. Lebensjahre an den Folgen einer Operation gestorben. Der Verstorbene war in Bial.vstok (Litauen) geboren, studierte in Warschau und übersiedelte dann nach New York, wo er sich dem Zeitungsfache widmete. Er war ungemein wohltätig und an allen Institutionen, die den eingewanderten Juden Schutz und Hilfe boten, nahm er regen Anteil. Liste der Ausgetretenen. Vom 29. Juni bis 14. Juli 1914. (Nr. 267—284.) Fischer Paul. Student, geb. 28. Juli 1896, Wien, XIII., Töpfclgasse 8. Flaschner Karl, Opernsänger, geb. 26. Oktober 1891, Wien, IX., Sechsschimmelgasse 3. Groag Paul, Dr., Arzt, geb. 27. Mai 1878, Wien, IX., Schwarzspanierstraße 8. Hammerschlag Wilhelmine, Private, geb. 11. Dezember 1890, Niinburg in Böhmen, IX., Eiseugasse 28. Herscli Schmulowitsch Taleisnik Josef (Moische). Apothekergehilfc, geb. 1886, Haissoii in Rußland, II., Praterstr. .36. Hofmann Ida, Private, geb. 24. Juni 1886,Wien, IX., Piclilerg. 4. Low Charlotte, Schauspielerin, geb- 31. Dezember 1885, Zwittau hi Mähren, V., Grüngasse 32. Schikowsky Emma, Private, geb. 10. November 1SS5, Wien, IX., Liechtensteinstraße 45. Staudner Leopoldine, geb. Mayer, Bankbeamtensgattin, geb. 6. Juni 1888, Wien, IX., Glasergasse 18. Ehrmami Paul, geb. 14. Februar 1896, Wien, VII., Kaiscrstr. 76. Mauthner Marie, Private, geb. 20. April 1S8G, Wien, I., Sclircyvogelgasse 3. Bloch Ernst, Ingenieur, geb. 13. Februar 1883, Wien, XIII., Gloriettegasse 15. Pollak Leopold, Handelsangcstellter, geb. 10. Oktober 1890, Brünn, XIV., Stättermayergasse 2. Schein Jetie, verchel. Löwy, geb. 18. August 1879, Wien, X.. Hoffergasse 13. Schwarz Hans Ludwig, Gymnasialschiiler, «cb. 8. August 1896, Przemysl (Gahzien), XIX., Masenauerstraße 10. Kranz Max, Kürschner, geb. 31. Dezember 1880, Wien, VI., Magdaleuenstraße 10. Mittler Josef, Speditionsbeamte, geb. 8. Mai 1890, Wien, XIV., Pfeif ergasse 6. Geiger Flora, Hilfsarbeiteriii, j»eb. 17. Juni 1886, Lackelibach (Ungarn), XX. Allerheiligen platz 4.