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Neue Nationalzeitung · 1914-07-17 · Heft 14 (17.7.1914) · p. Seite 107

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 14 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 ,Neue National-Zeitung^ Seite 107 von dem jungen Erzherzog zu erwarten haben, dem das Geschick vorzeitig die Stellung eines Thronfolgers eingeräumt hat. Die Jude n haben keine besonderen Wünsche. Sie erblicken ihre Hoffnung und ihr Heil lediglich in dem Gedanken, daß der zukünftige Herrscher über ein Reich, in welchem so viele Nationen und Konfessionen vertreten sind, im Interesse der Dynastie wie der Gesamtheit, nach dein erhabenen Beispiele des edlen, weisen Franz Josef I. es vermeiden wird, konfessionellen Vorurteilen die Herrschaft einzuräumen. Das Wort unseres Kaisers: „Meinem Herzen sind alle meine Völker gleich nah" ist die Devise, die jedem Fürsten voranleuchten muß, der in einem vielsprachigen Staate, dessen Angehörige sich auch durch die Konfession unterscheiden, die Liebe und das Vertrauen aller gewinnen, die Macht des Staates erhalten und befestigen will. * Nach der ausdrücklichen, allerdings auch selbstverständlichen Betonung, daß die Juden, die zu allen Zeiten zu den treuesten Bürgern dieses Staates zählten, ihr höchstes Ideal in dem gleichen Rechte aller erblicken, dürfen wir wohl darauf hinweisen, daß der Thronfolger Erzherzog Karl Franz Josef schon durch eine Tatsache bewiesen hat, daß ihm konfessionelle Engherzigkeit fremd ist. Im Februar d. J. war zu lesen, daß der Erzherzog ein Buch, das der Rabbiner von Kolomea unter dein Titel: „Die Geschichte der Juden Kolomeas" veröffentlichte, freundlich angenommen hat. Wir konnten damals noch hinzufügen, daß es der Erzherzog; selbst war, der, als er in Garnison in Kolomea lag, dem Rabbiner die Anregung gegeben hatte, an die Ausarbeitung des interessanten Gcsehichtswerkes zu gehen, das die Schicksale dieser Gemeinde vom Jahre 1271 bis auf die Gegenwart behandelt, und mit Erlaubnis des Erzherzogs „d e m E r h e r z o g s p a a r e K a r 1 F r a n z J o s c f u n d Z i t a g e w i d m e t i s t". * In der Frage religiöser Duldung hatte Kaiser Franz Josef I. übrigens schon ein ideales Vorbild in Josef II. Dieser schrieb im Jahre 1787 in einem Briefe an Van Swieten u. a. buchstäblich folgendes: „Der Fanatismus soll künftig in meinen Staaten nur durch die Verachtung bekannt sein, die ich dafür habe; niemand werde mehr seines Glaubens wegen Drangsalen ausgesetzt, kein Mensch müsse künftig genötigt sein, das Evangelium des Staates anzunehmen, wenn es wider seine Ueberzcugung wäre und er andere Begriffe von der Glückseligkeit habe. Die Szenen der abscheulichen Intoleranz müssen ganz aus meinem Reiche verbannt werden." * Der „Wunderpriester" R a s p u t i n ist von einer Frau mit der Motivierung, er sei ein falscher Prophet und ein Verführer der Menschen, ermordet worden. Rasinitin gehörte zu den Männern, dessen Einfluß es u. a. zugeschrieben wurde, daß die Pogroms, denen so viele unschuldige Juden zum Opfer fielen, sich einer sehr hohen Patronanz zu erfreuen hatten. So sehr man jede Mordtat auf das Entschiedenste verdammen muß, so wird man doch sagen dürfen, daß viel jüdisches Blut, das ungesühnt vergossen werden durfte, auf das Konto dieses „Gesundbeters" zu setzen ist, dessen Gebete wohl niemanden gesund gemacht haben, dessen unseliger Einfluß aber vielen das Leben kostete. Rasputin galt auch in den Augen des Zaren als „Wunderpriester". Im gewissen Sinne mit Recht: Ein Wunder, daß ein solcher Mensch auch Priester bleiben darf . . . * Deutsche Blätter erinnern anläßlich der Feier, die die Berliner Akademie der Wisse ns chatte n in den jüngsten Tagen abhielt an die eigenartigen Verhältnisse, die in alten Zeiten manchem großen deutschen Schriftsteller die Aufnahme in die Akademie unmöglich machten. So wurde zum Beispiel ein L e s s i n g nicht würdig gefunden, Mitglied der Akademie zu werden. Ergänzend erwähnen wir, daß auch Moses Mendelssohn, von dem selbst ein Herder u. a. rühmte, er habe mehr für die deutsche Sprache getan als sein ganzes Jahrhundert, von der Liste, auf den die Akademie den Namen des jüdischen Philosophen ^esetr/A hatte, durch Friedrich II. eigenhändig gestrichen worden war. Der philosophische König konnte dem Philosophen vielleicht auch nicht seine Abstammung, sicherlich aber nicht die ehrliche Kritik verzeihen, die er au den königlichen Versen geübt hatte. Mendelssohn fand sich allerdings mit Ruhe in dieses Mißgeschick. Er meinte es sei besser, daß die Akademie ihn vorgeschlagen und der König einen Namen gestrichen habe, als wenn sich das umgekehrt ereignet hätte. Es ist doch gut, wenn ein Philosoph sich so philosophisch zu trösten weiß. Prinz Alois Liechtenstein läßt sich keine Gelegenheit entgehen, seiner gehässigen, judenfeindlichen Gesinnung Ausdruck zu verleihen und den Wunsch zu verraten, die Rechte der Juden verkürzt und geschmälert zu sehen. Prinz Alois Liechtenstein bekennt ungeniert mittelalterliche Anschauungen, während es unter seinen Ahnen schon vor Jahrhunderten hochgesinnte, vorurteilslose Männer gegeben hat, von denen einer, Fürst Carl Liechtenstein, anfangs des 17. Jahrhundert sich in einein Bittgesuch au den Kaiser Ferdinand 11. gewendet hat, in welchem er die Verdienste des Juden Jakob B a s s e w i nicht genug rühmen kann und diesen der besonderen Gnade des Monarchen empfiehlt. Die Empfehlung des Fürsten hat denn auch nicht wenig dazu beigetragen, daß Jakob Bassewi im Jahre 1622 in den österreichischen Adelsstand erhoben wurde, mit dem Prädikate von T reue n b u r g, so daß dessen Nachkommen zu den aristokratischen Standesgenossen des Prinzen Alois Liechtenstein zählen. Es war dies das erste Adelsdiplom, das in Oesterreich einem Juden verliehen wurde und zwar zum größten Teile dank der Protektion eines Liechtenstein ... Es gehört übrigens mit zu dem Curiosa, daß in Oesterreich — und auch in anderen Staaten — Juden schon zu

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