Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 14 (17.7.1914)
- Date
- 1914-07-17
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 106__________„Neu^ational-Ze^tuni*^.,^____________Nr. 14 Da jedoch Dr. Landau monatelang hindurch nichts vom Resultate dieser Disziplinar-Untersuchung hörte, wandte er sich an Dr. Kohn um Aufklärung, worauf Dr. Kohn erwiderte, die Unters u c h ung s e i noch im Zuge. Als nun vor einigen Wochen die in der vorigen Nummer besprochene Zionisten-Versammlung stattgefunden hat, benützte Dr. Landau den Anlaß, um das Verhalten des Herrn Stricker anläßlich des oben geschilderten Vorfalles scharf zu kritisieren. Wie wir bereits berichtet haben, nahm Herr Stricker damals den Professor Zuckerkandl in Schutz. Man müsse es den Aerzten überlassen, ineinte er, wen sie in das Spital aufnehmen, eine Ansicht, der man beipflichten könnte, wenn das Vorgehen des betreffenden Arztes oder Abteilungsvorstandes korrekt wäre. Allein, die zionistischen Kultusvorsteher sind besserungsfähig. Sie haben einsehen müssen, daß sie als Korruptionstöter nicht schweigen dürfen. Und so hat dann Herr Stricker in der letzten nichtöffentlichen Vorstandssitzung vom 8. d. M. den Fall zur Sprache gebracht und unter Hinweis darauf, daß Dr. Landau in der Versammlung die Protektionswirtschaft im Rothschildspital gegeißelt hat, um Aufklärung ersucht. Der Verlauf dieser Vorstandssitzung und insbesondere die geführte Debatte ist uns vom Präsidium, respektive vom Sekretariat der Gemeinde nicht bekanntgegeben worden, trotzdem wir darum ersucht haben und trotzdem es üblich ist, über die vertraulichen Sitzungen den jüdischen Blättern wenigstens ein kurzes Kommunique zuzusenden. Diesmal, wie übrigens jedesmal, wenn es etwas zu vertuschen gibt, hat das Sekretariat kein Kommunique ausgeschickt. Soweit wir in Erfahrung gebracht haben, wurde irgendein Akt vorgelegt und auf diesem Akte befand sich ein Vermerk des Präsidenten Dr. Stern, daß kein A n I a ß v o r 1 i e g e, in dieser Angelegenheit etwas v o r z ukehre n. Wie nun Herr Dr. Kohn seine Information, daß die Disziplinar-Untersuchung im Zuge sei, mit dieser Präsidialverfügung in Einklang bringen will, ist uns wirklich nicht erklärlich. Nun hat Herr Stricker den Antrag gestellt, daß eine Untersuchung eingeleitet werde. .1 c t z t, n a c Ii eine m .1 a h r e! Und das Kultuspritsidium ist nach einem Jahre offenbar plötzlich energisch geworden. Es hat nämlich an unseren Herausgeber, Herrn Doktor S. R. Landau, nachstehendes Schreiben gerichtet: Ad. Z. 2640. Wien, 14. Juli 1919. Wohlgeb. Herrn Dr. S. R. L a n d a u, Herausgeber der „Neuen National-Zeitung", Wien. Laut einer an das Präsidium der israel. Kulhisgemeinde gerichteten Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Herrn Ingen. Robert Stricker sollen räicr Wohlgeboren in der am 23. Juni d. .1. stattgehabten Versammlung im Hotel „Continental" unter anderem vorgebracht haben, daß im Spitale der Wiener israel. Kultusgemeinde armen jüdischen Kranken die Aufnahme verweigert werde, auch wenn sie sehr schwer leidend sind, ins Spital aber jeder komme, „der vorher in die Privat-Ordination des Primarius Prof. Dr. Zuckerkandl geht und ihm K 20.— bezahlt" Behufs weiterer Behandlung dieser Angelegenheit werden Euer Wohlgeboren um Bekanntgabe konkreter Fälle und um nähere Mitteilungen höfl. ersucht. Hochachtungsvoll Der Präsident: Dr. Alfred Stern m. p. Sekretär: Dr. Adler m. p. Dr. L a n d a u bekennt sich zum Empfange dieses Schreibens und erklärt hiemit, daß er auf dasselbe überhaupt nicht antworten werde. Es ist eine Lächerlichkeit und eine Schande für das Präsidium der Kultusgemeinde, daß bei so schweren konkreten Beschuldigungen, die wir am 18. Juli 1913 gegen die Leitung der chirurgischen Abteilung im Wiener Rothschildspital erhoben haben, gar nichts veranlaßt wurde, weil „kein Anlaß hiezu vorhanden sei", meinte der Herr Dr. Stern. Er würde natürlich anders sprechen, wenn man derartige Beschuldigungen gegen ein antisemitisches Spital erheben würde. Aber wenn jüdische Arbeiter in einem jüdischen Spital trotz Lebensgefahr zurückgewiesen und enkanailliert werden, dann ist für den Präsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Dr. Stern „kein Anlaß vorhanden", etwas zu tun. Herr Dr. Stern m u ß sprechen und er muß sagen, w a r u m damals trotz der Bekanntgabe konkreter Fälle für ihn „kein Anlaß" vorlag, etwas zu veranlassen. Nach Ablauf eines Jahres, da alle in Betracht kommenden Patienten, die aufgenommenen und die nichtaufgenominenen längst Wien verlassen haben, erinnert sich plötzlich Dr. Stern an den Fall, und um der Öffentlichkeit vorzutäuschen, daß er etwas tun möchte, verlangt er plötzlich Bekanntgabe konkreter Fälle. Es wäre viel naheliegender, daß Herr Dr. Stern sofort nach dem Erscheinen unseres Artikels, der ja konkrete Tatsachen enthielt, von seinem Beamten Dr. Zuckerkandl Aufklärung verlangte. Ein Präsident, der so schwere Anschuldigungen stillschweigend duldet und sich erst nach einem Jahre aufrütteln läßt, hat überhaupt das Recht verloren, ernst genommen zu werden. Bei der Untersiichungskoinödie, die jetzt Dr. Stern und Stricker spielen wollen, tun wir nicht mit. Von da und dort. Noch zittert in allen Gemütern das Entsetzen und die Teilnahme nach, welche die grauenhafte Ermordung des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner ihm bis in den Tod mutig zur Seite gestandenen Gattin erregten. Inmitten der schmerzlichen Klagen über den Verlust, den der Kaiser und mit ihm ganz Oesterreich erlitten, werden aber auch schon die Fragen laut — die hohen Aufgaben, die an den Thronfolger herantreten, machen dies begreiflich — was die einzelnen Volker und Stämme in diesem Staate