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Neue Nationalzeitung · 1914-07-17 · Heft 14 (17.7.1914) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 14 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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MaONGL-ZEiOJNG XVI. Jahrgang. Wien, 17. Juli 1914. Nr. 14 Noch einmal die Protektionswirtschaft im Rothschild-Spital. Durch die jüngste Rede des Dr. S. R. L a n d a u im Saale des Hotel Continental anläßlich der von den Zionisten einberufenen Versammlung ist die Mißwirtschaft im Rothschildspital in ein aktuelles Stadium getreten. Der Kultusvorstand hat in seiner nichtöffentlichen Sitzung vom 8. d. M. sich eingehend init dieser Frage beschäftigt. Bevor wir jedoch den Verlauf dieser Sitzung besprechen, halten wir für. notwendig, die ganze Vorgeschichte noch einmal unseren Lesern in Erinnerung zu bringen. „Das Martyrium eines kranken jüdischen Arbeiters". Mit diesem Untertitel haben wir in unserer Nummer vom 18. Juli 1913 eingehend dargestellt, mit welchen ungeheuren Schwierigkeiten ein armer jüdischer Arbeiter, der aus Lodz nach Wien kam, um sich einen zweiseitigen Leistenbruch operieren zu lassen, zu kämpfen hatte, ohne daß es ihm möglich war. in das Rothschildspital Aufnahme zu finden. Wir haben damals an der Hand der uns von dem Patienten gemachten Mitteilungen ausführlich dargelegt, daß die Verweigerung der Aufnahme des kranken Arbeiters ins Rothschildspital mit der vom Vorstand der chirurgischen Abteilung, Professor Zuckerkandl, geübten Protektionswirtschaft zusammenhänge, wonach bei der Aufnahme in erster Linie die Leute bevorzugt werden, diebeii.h minder P r i v a t - 0 r d i n a t i ü n erscheinen und sich von ihm eine Anweisung geben lassen. Wir haben auch erzählt, daß ein Dr. Paschkis ebenfalls Aufnahms-Anweisungen in seiner Privatordination für das Rotschildspital ausstelle, wobei ein Fremdenführer namens Brodaty als Zubringer interveniere. Damals wendete sich Herr Dr. Landau an den Herrn Stricker mit dem Ersuchen, für den Kranken zu intervenieren. Herr Stricker hat jedoch, statt sich persönlich zu bemühen, dem Patienten einfach eine nichtssagende Visitkarte, worin. er gebeten hat, „falls halbwegs möglich", den Ueberbringer aufzunehmen, übergeben. Wir haben schon danials festgestellt, daß die Resultatlosigkeit dieser Visitkarten-Empfehlung uns keineswegs wundere, weil Herr Stricker noch nicht den Einfluß hat daß seine bloße Visitkarte genüge. Darüber kränkte sich schon damals Herr Stricker ungemein. Er hat es selbstverständlich nicht zugestanden, daß ihm das Leben eines jüdischen Arbeiters nicht einer persönlichen Bemühung in das Rothschildspital wert sei und hat, statt auf die im Briefe des Dr. Landau ihm bekanntgegebene Mißwirtschaft näher einzugehen, in seinem Blatte angegeben, die Nichtaufnahme sei lediglich eine Folge des Platzmangels. Er war furchtbar entrüstet darüber, daß wir uns angeblich über seine Einflußlosigkeit lustig gemacht haben und zur Strafe dafür hat er die ganze Angelegenheit im Kultusvorstande totgeschwiegen. Angesichts des lauen Verhaltens des Herrn Stricker wandte sich Dr. Landau damals unter genauer Darstellung der Verhältnisse im Rothschildspital an den Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn wegen einer Intervention, worauf der Sekretariatsbeamte Herr Emil Engel behufs Intervention ins Rothschildspital entsandt wurde. Auch diese Intervention war vergeblich. Da nun der jüdische Arbeiter in das jüdische Spital nicht aufgenommen wurde und Lebensgefahr vorlag, so begab er sich in das Allgemeine Krankenhaus und die Chewra Kadischa kam für die Spitalkosten auf. Dr. Landau verlangte vom Vizepräsidenten Dr. Gustav Kohn, daß g-egen Professor Zuckerkandl die Disziplinaruntersuchung eingeleitet werde und Dr. Kohn hat dies auch versprochen.

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