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Neue Nationalzeitung · 1914-07-03 · Heft 13 (3.7.1914) · p. Seite 102

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 13 (3.7.1914)
Date
1914-07-03
Page
Seite 102 (sequence 6)
Language
German
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Seite 102 ,N eue:.üational-Z&itung^ Nr. 13 Herr Stricker schrie furchtbar auf, als er diese, Missetat schilderte, er wand sich vor Schmerze^ und er tat mir leid, daß er seinen eigentlichen Beruf — eines Schauspielers verfehlt hat. Uebrigens ist es nicht ohne Pikanterie, daß diese Detektivarbeit in Meran von einem Herrn verrichtet wurde, der mit einer Christin verheiratet ist. Man sieht wenigstens, welche Kreise sich heutn zutage ein Aufsichtsrecht über Rabbiner arrogieren: Allein der tiefe Seelenschmerz des Herrn Stricker hat kein nachhaltiges Mitgefühl gefunden. Ist ja gerade die Wiener Qroßgemeinde dadurch bekannt, daß bei ihren Rabbinerbesetzungen die Person des Schwiegervaters jedes Talent und Wissen überflüssig macht, während von dem zukünftigen Schwiegersohne des Rabbiners Mayersohn niemand behaupten kann, daß er für die Rabbinerstelle in Meran nicht geeignet wäre. Und deshalb wirkt das Pathos des Herrn Stricker im Wiener Milieu so furchtbar — komisch. Der Maschinenoberkomrnissär ist für das Amt eines Rabbinerinquisitors noch zu wenig vorbereitet. Gemeindeu. Vereinsnachrichten* Wien. In der letzten Vorstandssitzung des Mariahilter Tempelvereines wurde Herr Dr. Jakob D r o b i n s k y, bisher Rabbiner in Friedek-Mistek, zum Vereins -Prediger gewählt. Wien. Vom Bureau der Israel. Allianz wird uns folgendes mitgeteilt: Wie seit Jahren, haben sich mit Beginn des Sommers wieder zigeunernde jüdische Wanderbettler, zumeist professionelle Schnorrer aus der Bukowina, mit Wagen und Pferd auf die Reise von Ort zu Ort gemacht. Sie belästigen in Ungarn, Mähren und Schlesien zumeist die kleineren jüdischen Gemeinden, indem sie vorspiegeln, vertriebene russische Juden zu sein und von der Israelitischen Allianz in Wien ü'.ie Weiterbeförderung nach überseeischen Ländern in Aussicht haben. Vom Kultusvorstande in Mähr.-Ostrau wird der Israelitischen Allianz mitgeteilt, daß eine solche Gruppe ein gefälschtes Zeugnis des Kultusvorstandes und des Rabbinates in Lemberg vorgezeigt habe. Die Israelitische Allianz hat bereits in den vert'lnssenen Jahren vor dieser Ausnutzung der Leichtgläubigkeit der Kul- Ussgcmeinden auf dem Laiu'e gewarnt (den größeren Orten, wo sich Vertrauensmänner der Allianz befinden, pflegen die Leute wohlweislich in weitem Bogen auszuweichen). Für die wirklichen Opfer der russischen Verfolgung wird durch die Israelitische Allianz zu Wien und ihre Filialen iii Czernowitz, Brody, Lemberg und Krakau in ausreichendem Maße gesorgt (?) und Unterstützungen für das Hilfswerk sind in keinem Falle an durchreisende Personen, die sieb als russische Emigranten bezeichnen, auszufolgen, sondern an die Israelitische Allianz zu Wien, II., Untere Donaustraße 33 oder an die Filialen derselben in dien genannten Orten zu senden. AUS ALLEN WELTTEILEN Der neue Rektor der Czernowitzer Universität, Professor Caesar Pomcranz, wurde am 5. April 1860 zu Husiatyn in Ostgalizien als Sohn des dortigen Arztes Philipp Pomcranz geboren, widmete sich nach Absolvierimg des Untergymnasiums der Pharmazie, erlangte 1881 an der Wiener Universität den Magistergrad der Pharmazie, trug 1883 die Maturitätsprüfung nach und promovierte 1889 an der Czernowitzer Universität zum Doktor der Pharmazie (Chemie) 1889 wurde er Assistent am 2. chemischen Uuiversitätslaboratorium in Wien, 1893 habilitierte er sich an der Wiener Universität für Chemie, wurde 1896 Adjunkt am chemischen Laboratorium der deutschen Universität in Prag und 1897 in derselben Eigenschaft an die Wiener Universität zurückberufen. Im Jahre 1904 wurde er zum Extraordinarius an der Wiener Universität (extra statum) ernannt. Im Jahre 1906 übernahm Professor Pomeranz die Lehrkanzel für Chemie an der Czernowitzer Universität nach Hofrat Prof. Dr. Richard Pr ibrain. „Unsere Großen". Der unlängst in Wien verstorbene Universitäts-Professor Dr. Lieben, Herrenhaus-Mitglied, hat ein Vermögen von mehreren Millionen hinterlassen. Hievon bestimmte er K 30.000 für wohltätige Zwecke „ohne Unterschied der Konfession". Die näheren Bestimmungen über dieses Legat hat er der Witwe überlassen. Zum Rabbiner der jüdischen Kolonien in Argentinien hat die Direktion der ICA den gewesenen Rabbinatsassessor in Fulda, Dr. Chahn Lauer ernannt. Derselbe stammt aus Ungarn und hat das Hildesheimer Seminar absolviert. Georg Brandes, die rumänischen Juden und die Wiener „Zeit" — wie reimt sich das zusammen? Sehr einfach. Herr Georg Brandes aus Kopenhagen verleugnet sein .Judentum und gibt sich „nix zu d'erkennen"; Herr Dr. Kanner. der Herausgeber der ..Zeit", geboren in Bottusani und zuständig nach Tarnopol tut das Gleiche. Nur sind die amerikanischen Juden, in deren Mitte sich selbst Brandes aufhält, viel selbstbewußter als die Wiener. Sie ignorieren ihn vollständig, die jüdischen Zeitungen schweigen ihn ganz tot. Und das geht dem Herrn Brandes schon über die Hutschnur. Er beginnt sich also zu rechtfertigen. Auf den Vorwurf, daß er sich bisher den rumänischen Juden nicht angenommen hat, antwortete er, er habe darüber einen größeren Artikel der Wiener „Zeit" geschickt, die mit Rumänien sympathisiere und daher d e n A r t i k c 1 n i c h t bringen wollte. Nun wissen wir! Die für das Geld von Wiener Juden gegründete und noch immer von Juden abonnierte „Zeit" steht im Dienste Rumäniens, das die .Juden peinigt und entrechtet. Tut das Herr Kanner aus rumänischem Patriotismus oder aus anderen Gründen? . . . Oder etwa deshalb, um seinen jüdischen Ursprung zu verbergen. Das ist noch ein Rätsel. Aber eines steht fest: daß sich die Wiener Juden sehr viel bieten lassen, was ihre Würde und ihre Selbstachtung aufs eswerste verletzen müßte. Die Bibliothek der spanischen Inquisition. Der bekannte jüdische Gelehrte und Professor für rabbinische Literatur und semitische Sprachen an der Columbia - Universität Gottheil hat, wie aus New York geschrieben wird, dieser Tage eine Reise nach Spanien angetreten, um daselbst Studien über die Geschichte der Juden in diesem Lande zu machen. Er war bereits im Jahre 1894 in Spanien und hat sehr viel wichtiges Material für sein Spezialgebiet, die Geschichte der Inquisition, gefunden. Prof. Gottheil erklärte, daß er niemals die Inquisition so recht zu begreifen vermochte, wie damals, als er zum erstenmale einen Stierkampf in Spanien beiwohnte. Erst da lernte er es verstehen, wie die Vorfahren der heutigen Spanier einem Autodafe, bei welchem die Opfer der Inquisition bei lebendigem Leibe verbrannt wurden, in Exstasc zujubeln konnten. Die königliche Bibliothek in Madrid allein besitzt 30.000 Bände über die Inquisition, in welchen alle Verfolgungen und die verschiedenartigsten Torturen, denen die Juden zur Zeit der Inquisition ausgesetzt waren, bis in das kleinste Detail beschrieben sind. Sie enthält aber auch interessante Stammbücher, welche die Inquisitoren als Nachweis dafür angefertigt hatten, daß die von ihnen verfolgten Maranncn wirklich von Juden abstammen. Professor Gottheil verspricht sich auch diesmal eine große Ausbeute archivarischcn Materials,

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