Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 13 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- Seite 101 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13________________________________„Neue National-Zeitung"________________________Seite 101 einem Budget von über drei Millionen, mit Millionen an Stiftungsgeldern, mit zahlreichen Kultusinstitutionen, mit Hunderten von Beamten nicht lediglich vom Standpunkte eines Rabbiners beurteilen und bewerten kann und daß d'er widerliche Kampf gegen den Rabbiner Mayersohn nicht den Gesamtinhalt einer Opposition gegen ein ganze« System bilden kann. Allein gerade die Heraufbeschwörung der Affäre Mayersohn ist ja eben charakteristisch für das geistige Niveau der beiden zionistischen Kultusvorsteher. Diese Herren, die auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft und Literatur vollständige Ignoranten sind, die dem jüdischen Gemeindeleben fremd gegenüberstehen, mußten eine Affäre Mayersohn aus dem Boden stampfen, weil ihnen zu jeder anderen Kritik oder zu irgendeiner positiven Tätigkeit jede Fähigkeit abgeht. Das war auch der Inhalt der Ausführungen des zweitnächsten Redners, Dr. S. R. L a n d a u. Doktor Landau erklärte, er sei nicht hergekommen, um zu verteidigen, sondern, um a n z u k 1 a g e n und insbesondere nachzuweisen, daß die ganze Affäre Mayersohn von den beiden zionistischen Kultusvorstehern deshalb so breitgetreten wird, weil sie ihre eigene Unfähigkeit, Unwissenheit und Unbe h olfen he it bemänteln w ol 1 e n. Dr. Landau bezeichnete eine Reihe von Fähen wirklicher Korruption in der Wiener Kultusverwaltung, über die die Zionisten ganz mit Stillschweigen hinweggegangen sind, wiewohl es sich um wichtige Gemeindeinteressen handle. Daraus gehe eben hervor, daß es den Korruptionsriechern durch die Heraufbeschwörung der Affäre Mayersohn nicht darum zu tun war, irgendwelche Korruption zu bekämpfen, sondern, daß sie lediglich die Werkzeuge und Handlanger anderer Leute sind, die durch die Verfolgung d'es.Rabbiners Mayersohn das ganze östliche Judentum in Wie n indenKot zerren wollen. Als solche Korruptionsfälle, über die die zionistischen Kultusvorsteher mit Stillschweigen hinweggehen, bezeichnete Dr. Landau in erster Linie die Korruption im R o t h s c h i 1 d s p i t a 1, über welche ja in diesem Blatte ausführlich gesprochen wurde, und die krassen Mißbrauche auf der Abteilung des Prof. Zuckerkandl. Dr. Landau erinnerte an die unaufrichtige Rolle, welche Herr Stricker anläßlich der Abweisung eines schwerkranken jüdischen Arbeiters gespielt hatte, indem er sich nicht einmal der Mühe unterziehen wollte, für denselben persönlich zu intervenieren, sondern lediglich nur eine Visitkarte demselben gab. Diese Zurückweisung schwerkranker Arbeiter, weil sie kein Geld für die Privatordination der Spitalärzte haben, lasse die '„antikorruptionistischen" Kultusvorsteher ganz kalt. . Dr. Landau wies, weiters darauf hin, daß das Präsidium der Kuiltusgemeinde aus dem Oelde der Steuerträger zwei j ü d i sehe Zeit u n g e n pauschaliere und' dieselben zur Korruption der öffentlichen jüdischen Meinung verwende. Auch darüber schweigen die „feinfühligen" Herren. Alierdings ist das dadurch zu erklären, daß ihre Verfolgung des Rabbiner Mayersohn in Blochs Wochenschrift stillschweigende Deckung findet. Natürlich sei ja Doktor Bloch den Zionisten wieder dafür Dank schuldig, daß sie, als es sich um die Aufdeckung der Korruption in der Rappaportsehen. Stiftung durch die Neue National-Zeitung gehandelt hat, vollständig geschwiegen haben. Schließlich wies Dr. Landau darauf hin, daß es den Zionisten mit ihrem Kampfe gegen Dr. Stern, dessen Gnade -sie ihre Mandate verdanken, gar nicht ernst sei; denn nicht in fortwährenden Schmähungen und Beschimpfungen des Rabbiners Mayersohn zeigt sich ein Mut, sondern er wäre in erster Linie dort anzuwenden, wo es sich um die Verwirklichung des zionistischen Programms handelt. Und gerade die ganz absolutistische Suspension des Beschlusses des Kulttisvorstandes auf Einsetzung einer Palästinakommission seitens des Dr. Stern wird von den Zionisten stillschweigend geduldet. Warum bringen die Zionisten denn nicht in jeder ihrer Nummern einen Artikel gegen Dr. Stern wegen seines Gewaltaktes gegen die Palästinakomnitesion? Da schweigen sie konsequent, wiewohl es sich hier um ihr prinzipielles Programm handelt. Für den Mayersolm-Skandal wird ihnen aber ihr ganzes Blatt zu eng. Das beweist, daß den Herren nicht um ihr Programm zu tun ist, sondern nur um ein Wahlmanöver und um die Aufreizimg und Verwirrung der Kultuswähler behufs Ergatterung eines 'Mandates bei den nächsten Kultuswahlen. „Ich halte es für meine Pflicht," sagte Dr. La nd a u, „die jüdischen Wähler darüber aufzuklären. Wenn Sie wirklich eine anständige oppositionelle Arbeit leisten wollen, dann müssen sie den'Mayersohn-Kampf fallen lassen und Hand in Hand mit der gesamten Opposition gegen das absolutistische Regime des Dr. Stern auftreten." Nun wollte Dr. Landau darangehen, die ganze Heuchelei und Verlogenheit des gegen Rabbiner Mayersohn geführten Kampfes an der Hand konkreter Tatsachen nachzuweisen; das war den Versammlungsarrangeuren schon zu viel. Der Vorsitzende Dr. Plaschkes machte Herrn Dr. Landau wiederholt aufmerksam, es sei schon sehr spät, der Saal sei nur bis 11 Uhr gemietet und zwang ihn zu schließen. Dagegen durfte der Schlußredner, Herr Stricker, noch mindestens eine Stunde sprechen. Er versuchte zuerst die Ausführungen des Dr. Landau zu widerlegen und nahm den Prof. Zuckerkandl in S c h u t z. Man müsse, meinte er, den Aerzten die Entscheidung überlassen, wen sie ins Spital aufnehmen. Das sagt derselbe Mann, der in einem Atemzuge — obwohl ein Techniker vom Fach — über rabbinische Fragen und Autoritäten zu urteilen sich erdreistet. Höher kann die Heuchelei nicht gehen! Ueber die Korruption der Gemeindepresse hat sich Herr Stricker ganz ausgeschwiegen; die Korruption bei der Vergebung von Stiftungspreisen tat er mit der Phrase ab, daß der Kultusvorstand darauf keinen Einfluß habe. Nun kam er rasch zu seinem Steckenpferd: Mayersohn. Er wußte unter dem Jubel der versammelten Praktikanten und Lehrlinge von einem neuen „Verbrechen" des Rabbiners Mayersohn zu erzählen: dieser habe nämlich den Bräutigam seiner Tochter bei der Bewerbung um die Rabbinerstelle in Meran durch eine auf dem Papiere des Wiener Rabbinates geschriebene Empfehlung protegieren wollen.