Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 13 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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^eüe JOO_______________________ „Neue National-Zeitung" ___________________......_______ Nr. 13 Das Gerücht von dem Fallenlassen des Waidlibfener Prinzips mag damit zusammenhängen, daß der Deutsche Schulverefn, der bekanntlich immer antisemitisch schillert, über den Rückgang der Einnahmen klagt. Wir glauben keine Berichtigimg befürchten zu müssen, wenn wir mitteilen, daß der Deutsche Schulverein auch weiterhin mit Freuden jüdische Beiträge entgegennimmt. Diese Satisfaktion wird den Juden immer gerne gewährt. Die italienischen Klerikalen hetzen gegen die nächstjährige amerikanische Ausstellung in San Francisco. Der Grund? Der gewesene Bürgermeister von Rom, N a t Ii a n, ist zum Generalkommissär dieser Ausstelliitmg ernannt worden. Die Klerikalen sind undankbar. Was hätten sie früher darum gegeben, wenn sie den Juden Nathan statt als Bürgermeister in Rom als weiß Gott was in San Francisco hätten sehen können! Die italienischen Klerikalen scheinen die Lehre von Nachsicht, Milde und D u 1 d u n g, die Lessing in „Nathan der Weise" predigt, nicht beherzigen zu wollen. Und doch hat Lessing seine Parabel von den drei Ringen aus den italienischen Novellen des Boccacio geschöpft, den die frommen Herren allerdings nicht lesen dürfen. G. E—nn. Eine zionistische Bubenversammlung, (Provokationen des Vorsitzenden. — Ein Mann schwer verletzt. — Einschreiten der Wache.) Die zionistischen Kultusvorsteher sind in der Aussehrotung der von ihnen der jüdischen Oeffentlichkeit aufoktroierten Mayersohn-Affäre sehr fleißig. Nachdem die von ihnen vor einigen Wochen in ein entlegenes Kaifeehaus im Aisergrund einberufene Versammlung total mißglückt ist, versuchten sie nun in der Leopoldstadt ihr Glück. Am vorletzten Dienstag, den 23. v. M„ hat auch diese Versammlung stattgefunden. Sie war zahlreich besucht — v o n h a I bw üc h si g e n Burschen aus der L e hr- I i n g s- und Praktik a n t e n k I a s se. Von der zionistischen Partei dürften kaum zehn erwachsene Männer dabei gewesen sein, die zionistischen Kültusvorsteher, ihre Referenten und den gewesenen Kultusvorsteher Lemberger inbegriffen. Ueberdies erschien der Herausgeber unseres Blattes, Herr Dr. S. R. Landau, mit zirka 40 geachteten Bürgern und Kultuswählern, welche sich einmal eine solche von zionistischen Kultusvorstehern einberufene Versammlung ansehen wollten. Dieser letztere Besuch war jedoch den Arrangeuren der Versammlung sehr unerwünscht. Kultusvorsteher Stricker, als Vorsitzender der Versammhing, versuchte die außerhalb seines Anhanges stehenden Personen wiederholt zu provozieren, um sie dann durch seine halbwüchsigen Burschen hinausdrängen lassen zu können. Diese Arrangeure empfanden es nämlich sehr unangenehm, daß sie nicht ganz unter einander bleiben durften und sich noch dazu Gegner in der" Versammlung einfanden, die mit ihnen abrechnen wollten. Herr Stricker hat nun ohne jeden Grund ' fortwährend mit Hinauswerfen und Hinausfliegen gedroht, was Dr. Landau mit dem richtigen Zwischenruf abwehrte: „S i e w o 11 e n n u r provoziere n". Auf ein offenbar verabredetes Zeichen warfen sich nun einige Dutzende halbwüchsiger Burscheu nach jener Richtung wo sich Dr. Landau und seine Gesinnungsgenossen befanden. Dr. Landau bezeichnete dieses Vorgehen als b ü b i s c h. Darauf wurden gegen ihn S t ö c k e g e s c h w u n g e n u n d S e s s e 1 g e w o r f e n. An Dr. Landau wagte sich keiner heran, aber ein Sessel traf den 30j ä h r i g e n Kaufmann Samuel Torten so schwer ins Gesicht, daß demselben zwei Zähne eingeschlagen und die Lippen empfindlich verletzt wurden. Es entstand eine Pan ik. Einige Leute liefen auf die Straße und holten die Wache. Diese schritt ein und es gelang ihr, die Ordnung herzustellen. Das ist die „zionistische Jugend" und der Anhang der Herren Ehrlich und Stricker, die ihre politischen Gegner dadurch „überzeugen" wollen, daß sie sie wörtlich niederschlagen. Man wird sich das jedenfalls für die Zukunft merken und in die Versammlung der zionistischen Rowdies entweder gar nicht gehen oder — mit einem Revolver bewaffne t. Die Herren Ehrlich und Stricker gelten jetzt als die zionistischen Führer von Wien; es wird sich die Gelegenheit ergeben, diese Herren, die so furchtbar jammern, wenn sie von den Sozialisten Prügel bekommen, an ihre Kampfweise zu erinnern. Der Hauptzweck, ihre Gegner aus dem Saale hinauszudrängen, ist den Einberufern der zionistischen Bubenversammlung jedoch nicht gelungen. Sie mußten eine sehr empfindliche Kritik über sich ergehen lassen; man wird ihnen ihr Radauhandwerk schon legen. Der Verlauf der Versammlung war folgender: Zuerst sprach Dr. Paul Weisengrün über das System der Wiener Kultusverwaltung. Dieses Referat bestand aus einer Reihe von allgemeinen Phrasen, die sich hauptsächlich zu einem Angriff gegen Dr. Stern konzentrierten. Wie in der Kultusgemeinde wirklich verwaltet wird, hat dieser Redner, der dem jüdischen Gemeindeleben ganz fremd gegenübersteht, nicht zu schildern vermocht und war es den Einher ufern offenbar darum zu tun, nur den Namen des Referenten auf ihren Zettelchen, die nach lausenden in der Leopoldstadt verteilt wurden, anbringen zu können. Der nächste Redner, Kultusvorsteher Dr. Ehr- 1 i c h, hat sehr viel und lange gesprochen. Man merkte sofort, daß es sich um eine 0 b s t r u k - t i o n s r e d e handle, damit dem zum Worte vorgemerkten Dr. Landau das Wort abgeschnitten werde. Tatsächlich hat Dr. Ehrlich seine Rede bis halb 11 Uhr hinausgeschleppt, worauf vom Vorsitzenden verkündet wurde, daß der Saal nur bis 11 Uhr (!) gemietet sei. Der ganze Inhalt dieser Rede bestand aus nichts als Mayersohn und wieder Mayersohn. Jeder normal denkende Mensch mußte den Eindruck haben, daß dieses mit den niedrigsten Argumenten, mit ganz geschmacklosen und geistlosen Bemerkungen gewürztes Referat nur der Ausfluß einesVerf o 1 g u n g s w a hl n e s ist. Denn so viel muß sich doch jeder halbwegs im Besitze des gesunden Menschenverstandeis befindliche Bürger undi Steuerträger sagen, daß man die Verhältnisse einer Gemeinde mit