Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 12 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 94 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 94 _ „-^^»NeugJ^atjonalrZeitung".____ __ Nr. 12 fahrt per Sonderzug, Rückfahrt in aufgelöster Gesellschaft K 7.50 pro Person. Fahrkarten zu haben in sämtlichen Wiener J. T.-T.; für die Teilstrecke Lundenburg—Brünn beim J. T.-V. Lundenburg. Sonderzug: Wien-Nordbahnhof ab 6,40 früh Brünn an 10,10 Brünn ab 8,30 abds. Wien an 11,58 Preise der Karten: Tribünenkarten ä K 4.— und 3.—; Sitze ä K 2.— und 1.—,- Stehplatz K —.50 A n f r a g e n an den 2. K r e i s d e r J ü d i s c h -s n T u r n e rs c h a f t Wien, IX., Liechtensteinstraße 20. Czernowitz. (Der allgemeine jüdische Lehrert a g.) Der Verein der jüdischen Lehrer und Lehrerinnen und die jüdische Mittelschullehrerschaft beriefen für den 7. d. M. einen allgemeinen jüdischen Lehrertag ein. Derselbe fand im jüdischen Hause statt und war von mehr als 200 jüdischen Mittel- und Volksschullehrern und -Lehrerinnen des Landes beschickt. Um 11 Uhr vormittags eröffnete Direktor D iibensky die Versammlung und begrüßte namens der Einberufer die Erschienenen. Hierauf wurde die Wahl des Bureaus vorgenommen. Nun erstattete Oberlehrer Fuhrmann aus Wiznitz das Referat über das Volksschulwesen. In einer äußerst gründlichen und sachlichen Weise besprach er die Verhältnisse der Volksschule im Lande überhaupt und wies durch eine sorgfältige Statistik die Benachteiligung der Juden und der jüdischen Lehrerschaft auf diesem Gebiete nach. Im Verlaufe seiner länger als eine Sturide währenden Ausführungen stellte der Referent eine Reihe von Resolutionen und verlangte insbesondere die Aufstellung eines mit den Funktionen eines Landesschulinspektors ausgestatteten jüdischen Professors als Adlatus im Landesschulrate. Sodann referierten die Professoren Dr. Brenner und Schleyer in ausführlicher Weise über das Mittelschulwesen. Nachmittags kam der jüdische Vertreter im Landesscliulratc, Abg. Dr. Strauch er, zum Worte, der die Bestrebungen der Lehrer auf das lebhafteste begrüßte. AVIS ALLEN WELTTEILEN Sir Conan Doyle für die Unschuld Franks. Sir Conan D o y 1 e, der berühmte Verfasser der Sherlock Holmes Detektiv-Romane, befindet sich gegenwärtig auf einer Vergnügungsreise in New York. Er wurde von der New Yorker Presse sofort über den Fall Frank interviewt. Sir Conan Doyle, der von seinem Kollegen, dem mehr praktisch tätigen Detektiv Bums über den ganzen Fall genau informiert war, erklärte, daß er Frank f ü r u lisch u 1 rj i g und seine Verurteilung für einen schweren Justizirrtum halte. Er sagte folgendes: „Frank ist ein schwer arbeitender, intelligenter, hochbegabter Mann, dessen ganzes Leben makellos dasteht. Jeder Mann, der seinen Charakter und seine Vergangenheit studiert hat, muß davon überzeugt sein. Auf Grund des Studiums aller Akten bin ich, für meine Person, zur Ueberzeugung gelangt, daß Frank zum Morde in gar keiner wie immer gearteten Beziehung stehe und daß in Atlanta ein schwerer Justizfehler begangen wurde. Die öffentliche Meinung, die allerdings immer in Kriminalfällen eine große Rolle spielt, ist gegen Frank voreingenommen und er wurde zum Tode verurteilt. Es wird behauptet, daß Franks Moral eine sehr anrüchige sei. Dafür ist aber gar kein Beweis vorhanden. Es wurden darüber lediglich Gerüchte verbreitet und auf diese Weise eine Frank übelwollende Atmosphäre geschaffen. Ich bin überzeugt, daß Frank unschuldig ist und es muß alles Mögliche getan werden, um ihn zu rehabilitieren." Die jüdische Kolonisation in Palästina. Infolge des Boykotts in Russisch-Polen sowie infolge der behördlichen Vertreibungen aus Rußland, insbesondere aus Kiew, haben sich in letzter Zeit in Warschau, Lodz und Kiew jüdische Genossenschaften gebildet, mitdem Zweck, in Palästina Land zu kaufen und dort ihre Genossenschaftsmitglieder anzusiedeln. Ein spezieller Delegierter der Lodzer Genossenschaft hat bereits in Galiläa in der Nähe der Eisenbahn Tiberias-Haifa einen sehr großen Grundkomplex angekauft. Auch Baron Edmund Rothschild hat anläßlich seiner jüngst-en Anwesenheit in Palästina sich bereit erklärt, einen Teil seines Besitzes an Juden aus Russisch-Polen zum Zwecke der Niederlassung gegen Abzahlung in zwanzig Jahren zu überlassen. Der Vertreter des Baron Rothschild, Herr Frank, ist dieser Tage nach Paris gefahren, um dort für Ae Durchführung dieses Planes endgiltig Weisungen zu holen. In Kiew hat der bekannte Millionär Leo Brodsky in dem Wohltätigkeitsverein „Gmilas Chejsed", dessen Präsident er ist, den Vorschlag gemacht, die Vereius-Statuten dahin zu ändern, daß auf Rechnung des Vereines in Palästina Grundstücke angekauft und für die Ansiedlung ausgewiesener Kiewer Juden verwendet werden. Zum Zwecke einer fachmännischen Ausarbeitung des Planes wurde der Beschluß gefaßt, den Vorsitzenden des zionistischen Aktionskomitees, Prof. Warburg, sowie einige Fachmänner der Palästina-Kolonisation nach Kiew einzuladen. Eine sonderbare Gesellschaft. In den Tagen vom 3. bis 5. Juni veranstaltet der Ausschuß der Internationalen Judenmission unter dem Vorsitz des Prof. Dr. Hermann L. Strack (Berlin) eine Konferenz, zu der an alle Mitarbeiter am Missionswerke der Ruf zur Beteiligung ergeht. Referate werden u. a. halten der MissionssekretäT F. L. Denman (London) über „Judenschriften als Heidenmissionare", Missionsdirektor S. H. W i 1 k i n s o n (London) über „Bibelkenntnisse und Bruderliebe, zwei wesentliche Erfordernisse für den Missionsberuf", dann Missionssekretär 1s. Levinson (London) über „Das Zusammenwirken der Missionsgcsellschaften auf dem Arbeitsfelde". Donnerstag abend, SK» Uhr, findet'eine öffentliche Versammlung statt, in der Missionare aus den verschiedenen Ländern Tätigkeitsberichte geben werden. In dzr Sitzung am Freitag vormittag behandeln die Missionare M. Rüben, S. B. Rohold und A. R. Kuklell das Thema über „Die Judenmission in Nordamerika", wogegen Missionsdirektor S. H. Wilkius o n (London) und Pastor J. F e u e r h o 1 d t (Lodz) „Die Judenmission in Rußland" zum Gegenstand ihrer Referate nehmen. Diesen Ausführungen folgt ein Vortrag des Missionars Korff (Amsterdam) über „Die geistliche Not der Juden und ihre Abhilfe". Die Konferenz findet statt, in der Jerusalemkirchc, Hamburg, Schüfe rkampsallee. Den Beschluß der an Arbeit und Anregungen reiche Tagung bildet eine öffentliche Versammlung am Freitag, abends 8K- Uhr, im großen Saab des Christlichen Vereins Junger Männer, Esplanade \2. In dieser wird Herr Prof. D. Fr. Torrn (Kopenhagen) sprechen über „Das stellvertretende Leiden im Judentum und im Christentum". Ihm folgt Prof. D. Dr. H. L. Strack (Berlin) mit einem Vortrag über „Die Pflichten des Christen gegenüber den Juden".