Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 12 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- Seite 93 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 ^eueJNationaj-Zejtung^ Seite 93 „Abgeordneter Kuranda ist am heutigen Tage bei mir erschiene« und hat erklärt, daß er, vor zwei Tagen von einer Auslandsreise zurückgekehrt, erst jetzt von dem Inhalte der betreffenden Zeitungsnotiz Kenntnis erlangt habe und die seit seiner Rückkunft verstrichenen zwei Tage habe benutzen müssen, um sich das Original des betreffenden Privatbriefes zu verschaffen. Dieses vom 5. Mai, also vor mehr als einem Monate datierte Original hat Abgeordneter Kuranda mir vorgewiesen und habe ich mich tiberzeugt, daß in demselben nicht mit einem Worte die Person oder die Tätigkeit des Kultuspräsidenten oder des Kultusvorstandes überhaupt erwähnt, geschweige denn ein Wort darin enthalten ist, welches einen derartigen Bezug rechtfertigen würde." Warum wollte aber Dr. Bloch den Brief selbst nicht veröffentlichen? Verträgt dieser Brief nicht das Licht der Oeffentlichkeit? Offenbar ist hier etwas nicht in der Ordnung. So durran ist die jüdische Oeffentlichkeit denn doch nicht, wie sich Herr Kuranda und sein Leibjournalist denken. Die Vertii'schungsmethode des Dr. Bloch wird niemanden tiberzeugen. Gerade der Umweg, den Hofrat Kuranda gewählt hat, indem er sich hinter den Schutz des Dr. Bloch verkroch, beweist, wie dringend unsere Forderung ist: Heraus mit demßrief! KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn, Plenarsitzung des Kultusvorstandes. Wien. In der Sitzung vom 3. Juni hatte der Kultusvorstand Gelegenheit, sich mit den jüngsten Angebereien der zionistischen Kultusvorsteher wider den Rabbiner M a y e r s o h n, die zu einer Prüfung des Sachverhaltes durch das Vertreterkollegium und Einvernahme eines Zeugen führten, zu beschäftigen. Das Vertreterkollegium hat auf Grund der bezüglichem: Protokolle beschlossen, daß eine Reassumierung seines in dieser Angelegenheit bereits gefaßten Beschlusses, wonach k e r n G r u n d vorliege, gegen Herrn Rabbiner Mayersohn eine Disziplinaruntersuchung einzuleiten, nicht stattzufinden hat, sonach der frühere Beschluß aufrecht bleibt. Dieser Beschluß des Vertreterkollegiums wird nach Verlesung der betreffenden Protokolle dem Plenum zur Kenntnis gebracht. Die Zionisten sind also trotz der Beihilfe von Kuranda, Kauders, Lemberger wvd Genossen abgeblitzt! Nim wärmen sie in ihrem Blatte den ältesten Kohl auf. Sie werden sich aber auch daran bald den Magen verderben. Taxen für Ehescheidungen und C h a 1 i z a s. Nach einem eingehenden Referate des Herrn Dr. Leopold K o h n werden die schon seit längerer Zeit auf der Tagesordnung befindlich gewesenen Anträge des Vertreterkollegiums betreffend eine Neuregelung des Taxwesens für Scheidungen und Chalizas nach einer eingehenden Debatte en bloc angenommen. Seelsorge in1 der Strafanstalt Stein. Auf Grund von Verhandlungen, welche mit dem Justizministerium und der Oberstaatsanwaltschaft gepflogen wurden, beschließt das Plenum, die von der Justizverwaltung für die Verseilung seelsorgerischer Funktionen im der Strafanstalt Stein an den Bezirksrabbiner in Krems zu leistende Jahresrenumeration durch einen Beitrag aus den Mitteln der israelitischen Kultusgemeinde Wien zu ergänzen. Großbritannien. Dte Konferenz der orthodoxen Rabbiner. London. Die orthodoxen Rabbiner von Großbritannien sind dieser Tage hier zusammengekommen, um ihr Leid zu klagen und gemeinsam über die Besserung ihrer Lage zu beraten. Dieselbe ist gar nicht beneidenswert. Es gibt zahlreiche Rabbiner, die kaum 20 Kronen wöchentlich haben; es wurde vielfach über den großen Einfluß der Kultusvorsteher, über deren Mißachtung sowie über das strenge Abhängigkeitsverhältnis geklagt. Rabbiner Strauß aus Bradford forderte die Konferenzteilnehmer in einer pathetischen Rede auf, die Hände zu erheben, als Zeichen ihrer Unabhängigkeit gegenüber den Kultusvorstehern. Dieser Aufforderung entsprachen nur sehr wenige. Die Rede des Chefrabbiners Dr. Hertz, von dem sich die Konferenz viel versprochen hat, wirkte sehr enttäuschend. Dr. Hertz hat nicht den Mut, den Kampf mit den jüdischen Gemeinden im Interesse ihrer Rabbiner aufzunehmen. Er sagt bloß einige nichtssagende Phrasen und gab seinen Amtsbrüdern ein — Bankett. Auch in England ist also nicht alles Gold . . . Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Jüdisches Museum, II., Malzgasse 16, Straßenbahnlinie C). Besuchsstunden: Samstag und Sonntag von 11—1 Uhr bei freiem Eintritt. Vereine und Schulen auch zu anderen Zeiten gegen vorhergehende Verständigung mit dem Bureau. Während' der Sommermonate (Juli und August) bleibt das Museum geschlossen. Wien. (2. Kreis [W >e s t ö s t e r r e i c h] der Jüdischen Turnerschaft). Am 21. Juni findet auf der Schreib waldwiese in Brünn bei Beteiligung sämtlicher westösterreich'isch'er Turnvereine das 2. Kreisschauturnen des 2. Kreises der Jüdischen Turnerscliaft statt. Montag, den 22. Juni, Ausflug in die mährische Schweiz (in die neuentdeckteii Slouper Höhlen und in die Macocha). Die Wiener Vereine fahren gemeinschaftlich mit den Festteilnehmern in einem Sonderzuge (über Luudcnburg) nach Brünn. Der Zug gellt vom Wiener Nordbahnhofe am 21. Juni, 7 Uhr früh, ab und führt die Gäste, die an dem Ausfluge nicht teilnehmen, noch an. demselben Tage zurück. Alle anderen Turnvereine veranstalten Gesellschaftsreisen. Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt von Wien nach Brünn: beide Fahrten per Sonderzug K 6.— pro Person; Hin-