Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 10 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 10 In derselben Nummer wird weiters noch immer behauptet, daß die Trauung in der Privatwohnung des Rabbiners Mayersohn vorgenommen wurde! Beide Tatsachen sind aber erlogen. Und wenn auch nichts anderes bewiesen wird, als daß „Die jüdische Zeitung14 und ihre Gewährsmänner in diesen zwei Punkten gelogen haben, daß sie als Lügen bewiesene Tatsachen noch immer aufrecht erhalten, so ist-damit der "Kampf der zionistischen Zeitung und ihrer Hintermänner, die durch derartige Machinationen einen der größten jüdischen Gelehrten zur Strecke bringen wollen, genügend gebrandmarkt. Daß die zionistischen Kultusvorsteher in diesem schändlichen Kampfe sich der Unterstützung anderer Kultusvorsteher erfreuen, beweist nur, daß sie sich zu Werkzeugen anderweitiger Bestrebungen hergeben, die ebenfalls von persönlichen und nicht von sachlichen Momenten geleitet sind. Allein, wenn man diese Art des Kampfes sieht, muß man sich doch wirklich fragen, ob denn sonst alles in der Kultusgemeinde so schön und rein ist, und ob es für Korruptionsschnüffler nichts anderes zu sanieren gibt, als die Rabbinerfrage. Wir glauben, daß die Herren Stricker und Ehrlich anderweitige Korruption nicht sehen wollen, und daß sie den Rabbiner Mayersohn nicht aus sachlichen Gründen bekämpfen wollen, sondern nur deshalb weil für sie dieser Fall ein Sturmbock gegen . den Präsidenten ist, wie kein anderer. Zum Kampfe gegen Dr. Stern ist ihnen also jedes Mittel gut genug, und hinter ihnen verstecken sich die anderen Kultus Vorsteher, die von denselben Motiven geleitet sind, die aber nicht den Mut haben, gegen Dr. Stern offen aufzutreten. Es ist für heute nicht hier der Platz, uns über die Mängel der Kultusgemeinde näher auszulassen. Wir werden darauf noch ausführlich zurückkommen. Aber wir hätten an die zionistische Seite folgende Fragen zu richten: Wo waren diese Herren, als nachgewiesen wurde, daß ein anderer Rabbiner der Kultusgemeinde unter Verletzung der Bibel Vorschriften aus offenkundiger Ignoranz eine Eheschließung vorgenommen hat, die in der heiligen Schrift geradezu als eine Blutschändung bezeichnet wird? Warum sind diese „Korruptionstöter" so mäuschenstill darüber hinweggegangen, als ich nachgewiesen habe, welche Korruption im Rothschild-Spital auf der chirurgischen Abteilung bei Aufnahme von Patienten zum Nachteile armer Juden vorherrscht? Warum haben die Herren nichts Anstößiges darin gesehen, daß die Stelle einer Leiterin der Mikwah seitens des Kultusvorstehers und Millionärs kais. Rates K a u d e r s, welcher Obmann der Mikwah-Kommission ist, mit dessen Nichte besetzt wurde, wiewohl es Tausende jüdischer armer Frauen in Wien gibt, die diese Stelle eher benötigt hätten? Warum kümmern sich die Herren Zionisten nicht um die K o r r u m p i e r u n g der jüdischen öffentlichen Meinung durch die Pauschalienverteilung an gewisse jüdische Blätter? Warum kümmern sich die Herren nicht um die Korruption im Beamtenpersonal des Präsidialbureaus? Ist das deshalb, weil diese Beamten, die man genau kennt, ihnen Material gegen Rabbiner Mayersohn liefern? Diese Aufzählung mag für heute genügen. Wir können aber noch mit weiteren Fällen den zionistischen Kultusvorstehern dienen, wenn sie wirklich die Korruption beseitigen wollen. Aber das wollen sie eben nicht; sie wollen nichts anderes sehen, sie. wollen sich's insbesondere mit den Kollegen im Kultusvorstande, die ihnen aus .'persönlichem Interesse zur Seite stehen, nicht verderben; sie wollen nicht reinigen, sondern verpesten; sie fühlen sich wohl in dem Unrat, den sie zusammentragen. Aber das reinigende Gewitter wird bald kommen; die Gemeindewähler und auch die Zionisten darunter werden zu entscheiden haben, ob dieses wüste Treiben, durch das die Ehre des Judentums herabgewürdigt und selbst der Zionismus kompromittiert wird, straflos bleiben'kann. L. Ein Entschuldigungsschreiben des Präsidenten Salo Cohn an Herrn Rabbiner Mayersohn. Infolge des in unserer letzten Nummer veröffentlichten offenen Briefes hat Herr Salo C o h n, Präsident der Clicwra Kadischa* an Rabbiner Mayersohn nachstehendes Schreiben gerichtet: Sehr geehrter Herr Rabbiner! In meiner Eigenschaft als Vorsitzender der FestversammlutiK im Konzerthause am 26. April 1914 erachte ich es als meine Pflicht, Ihnen zu erklären, daß ich den Vorfall in der erwähnten Versammlung auf das lebhafteste bedaure. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Salo Cohn. Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner M. Mayersohn Wien. Die Hauptversammlung des „Hilfsvereines der Deutschen Juden". Hauptversammlung des Hilfsvereines der Deutschen Juden. Am 26. April 1914 fanden in den Räumen der Berliner Logen U. 0. B. B. unter Vorsitz des Herrn Dr. James Simon die Tagungen des Z e n t r a 1 k o rn i ■{ e e s und der Genera 1versammlung des Hilfsvereines der Deutschen Juden statt, zu denen sich auch von auswärts zahlreiche Mitglieder aus allen Teilen des Reiches eingefunden hatten. Der Vorsitzende hielt in der Sitzung des Zentralkomitees zunächst einen warmen Nachruf auf dessen verstorbene Mitglieder, zu deren Ehren sich die Versammelten von ihren Plätzen erhoben. Nach einer Debatte, deren Gegenstand der Schulstreit in Palästina war, wurde der Geschäftsbericht gutgeheißen mit dem Anheimgeben für den Vorstand, etwaige kleinere Aenderungen noch vorzunehmen. Herr Dr. Nathan stellt fest, daß das Schulwerk in Palästina, zu dessen Fortsetzung die Leitung des Hilfsvereines sich nach ernstesten Erwägungen im Interesse der treu zu ihm haltenden weiten Kreise der palästinensischen Bevölkerung entschieden habe, unerschüttert heute fortbestehe. In den geschäftsführenden Ausschuß wurde Herr Ludwig Schiff-Frankfurt a. M. gewählt. Unmittelbar an die Sitzung des Zentralkomitees schloß sich die Generalversammlung an. Herr Dr. Simon gab in großen Zügen einen Ueberblick über die Lage der Juden in Rumänien und Rußland und die Tätigkeit des Hilfsvereines auf dem Gebiete der Auswandererfiirsorge. Er hob einleitend hervor, daß das Jahr 1913 für den Hilfsverein ein besonders arbeitsreiches gewesen sei,