Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 10 (22.5.1914)
- Date
- 1914-05-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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NSUS MCiONAL-ZEiOJNG RBRflUSGgBISR: OfS.R.LNNÖNU XVI. Jahigang. Wien, 22. Mai 1914. Nr. 10 Wo ist die Korruption? Die zionistische Hetze gegen Rabbiner Mayersohn. Die Zionisten in Wien sind eine glückliche Partei! Sie haben alle ihre Ideale bereits verwirklicht. Jeder Jude m Wien zahlt bereits Schekel; sie haben in der Gemeindestube bereits das allgemeine Wahlrecht durchgesetzt; der Wiener Kultusvorstand hat im Wege der Palästina-Kommission für die Pa$s#na-Kolonisation Unsummen bewitigt . . . Nur eine drückende Sorge erfüllt sie, nämlich, daß Rainer Mayersohn in Wien noch immer als Rosch-Beth-Din, als Vorsitzender des Rabbinats-Kollegiums Uber Ehescheidungen, Chalizas und sonstige wichtige rituelle Fragen zu entscheiden hat. Denn die Zionisten in Wien sind bekanntlich eine sehr fromme Partei. Ihre Führer speisen nur rituell, legen jeden Tag Tef illim, und die, Behauptung, daß sie mühsam mit dem hebräischen Alphabet zu kämpfen haben, ist gewiß eine Verleumdung. So ist es erklärlich, daß diese Herren sich mit aller Wucht auf die Rabbiner-Frage geworfen haben. Für ihr frommes, gläubiges Gemüt ist alles andere nur von untergeordneter Bedeutung. Wie wäre es denn sonst zu erklären, daß das zionistische Blatt Woche für Woche ununterbrochen in maßlosester Weise den Rabbiner Mayersohn beschimpft, daß die zionistischen Kultusvorsteher bei jeder Vorstandssitzung nicht nur immer neue phantastische Geschichtserzählungen über Mayersohn vorbringen, sondern jede Geineindeangelegenheit geradezu nur vom Gesichtswinkel der .Person May.ersohns aufbauschen. Der Ekel, den sowohl die Majorität des Kultusvorstandes als auch die Oeffentlichkeit über dieses. Treiben empfindet, scheint diese Herren gar nicht mehr abzuschrecken. Es scheint, .daß die Oeffentlichkeit davon höchstens dann befreit werden wird, indem diese beiden Herren bald genötigt sein werden, den Schauplatz ihrer Tätigkeit nach Steinhof zu übertragen. Denn das ganze wahnwitzige Vorgehen dieser" beiden Herren zeigt sich am besten darin, daß sie Dinge, die längst als unwahr bewiesen wurden, trotzdem immer aufs neue vorbringen und, wenn sie sehen, daß ihre Unwahrheiten entlarvt wurden, bemüht sind, neue Zeugen für dieselben heranzuziehen und' ihre Vorbringungen durch eine Flut von Beschimpfungen zu illustrieren. Und gerade diese Wut zeigt, daß die Herren bereits zur Einsicht ihrer Wahrheitswidrigkeiten gekommen sind und offenbar, nur Um sich selbst darüber hinwegzutäuschen und einen moralischen Zusammenbruch vor der Oeffentlichkeit zu verhüten, an den als unwahr erwiesenen Tatsachen festhalten. So z. B. wurde bezüglich der dem Rabbiner Mayersohn zum Vorwurf gemachten „Haustrauung" sofort bewiesen, daß es sich bloß um die zwischen einem Ehepaar aus Rußland vollzogene Konvalidierung einer rituellen Ehe handelt. Es ist weiter längst bewiesen, daß die Trauung erfolgt ist, nachdem die beiden Ehegatten von der Statthalterei eine Dispens von dem vorgeschriebenen sechswöchentlichen Wohnsitze in Wien erhielten, und nachdem ihnen seitens des Magistrates die Reduzierung von drei Aufgeboten auf ein Aufgebot bewilligt wurde. Das Vertreterkollegium: hat dieses festgestellt. Nichtsdestoweniger wird noch immer, und zwar in der letzten Nummer der zionistischen Zeitung vom 15. Mai 1914, behauptet, daß Rabbiner Mayersohn es verschuldet habe, wenn „das Aufgebot und die Trauung in aller Eile ohne Beobachtung der gesetzlichen Vorschriften vorgenommen wurde." Es wird aber anderseits von dieser Zeitung behauptet, daß Rabbiner Mayersohn die Leute hinausgezogen hat durch angebliche Geldansprüche. Für einen normalen Menschen ist es nicht klar, wje eines mit dem andern in Uebereinstimmung zu bringen ist!