Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 9 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 68 ________________________vNeue_Nationa^ _ _ Nr. 0 Das Vorgehen des Vorstandes der Chewra Kadischa mißbillige auch er und erkläre, daß, wenn er davon rechtzeitig Kenntnis erhielte, er dem Feste ferngeblieben wäre. Herr Hermann A. Sporer erteilte über den vom Vertreterkollegium beanständeten Fair genaue Aufklärung, und billigten sowohl der Präsident als auch der Vizepräsident Dr. Gustav Kohn, der beim Empfang der Deputation anwesend war, dieselbe vollkommen. Herr Qrobtuch dankte zum Schlüsse namens der Deputation dem Präsidenten für den Empfang. Dem Kultusvorsteher, Herrn Dr. Heinrich Schreiber, der wegen der Veröffentlichung eines Abwehrartikels in der „Neuen Nationalzeitung" für Rabbiner Mayersohn Gegenstand niedriger Angriffe seitens der ,Jüdischen Zeitung" war, dankte Herr Grobtuch ebenfalls im Namen der Deputation für sein mannhaftes Eintreten und forderte ihn auf, im Dienste der gerechten Sache in diesem Kampfe nicht zu erlahmen. Er könne in diesem Kampfe auf die Unterstützung aller recht denkenden Menschen und aller ehrlichen Juden rechnen. Dr. Schreiber dankte für die Unterstützung und gab seiner Freude Ausdruck, daß sich außer ihm noch so viele Herren des unschuldig gehetzten Rabbiners Mayersohn annehmen. Hierauf begab sich die Deputation zum Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, um auch von ihm, als dem geistigen Oberhaupt der Gemeinde, Aufklärung über den Fall zu erbitten. Oberrabbiner Dr. G ü d em a n n dankte den Mitgliedern der Deputation für ihre Aktion und sagte, daß sie damit ein K i d u s c h Haschern berabim begehen. Er, der seit mehr als zwölf Jahren fast täglich Gelegenheit habe, mit Rabbiner Mayersohn zu wirken, kenne und schätze dessen Tätigkeit im Dienste der Wiener Kultus- Gemeinde. So manche Institution, die der Wiener jüdischen Gemeinde zum Segen gereicht, würde heute nicht vorhanden sein, wenn Rabbiner Mayersohn nicht Rabbiner der Wiener Gemeinde wäre. Er bedauere es nur, daß sich nicht gleich zu Beginn der Hetzkampagne gegen Rabbiner Mayersohn Männer gefunden haben, die gegen dieselbe energisch aufgetreten wären. * Die Demission ds Kultusvorstehers Karl Lemberger. Herr Karl Lemberger ist derjenige Herr, welcher zuerst allein und dann auf gemeinsame Rechnung mit den zionistischen Kultusvorstehern die rücksichtslose Hetze gegen den Rabbiner Maversohn eingeleitet hat. Was Herr Lemberger auf diesem Gebiete an Detektivkunststiickchen geleistet hat, spottet jeder Beschreibung und wird noch Oe-. genstand einer besonderen Erörterung sein. Vorläufig hat Herr Lemberger sich veranlaßt gesehen, sein Mandat als Kultus- und B e t h a u svorsteherniederzulegen. Es geschah dies nach einer heftigen Kontroverse mit dem Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, welcher erklärt hat, solange den Tempel in der Seitenstettengasse nicht zu betreten, als Herr Lemberger dem Bethausvorstande angehört. Herr Lemberger hätte nun Zeit und Muße genug, sich ganz dem Detektivberufe zu widmen. Was will die Schilf schul'? Daß gewisse Herren von der Schiffschur auf Rabbiner Mayersohn nicht sehr gut zu sprechen sind, ist längst bekannt. Es paßt ihnen offenbar nicht, daß jetzt die höchste Instanz in ritueller Beziehung der Rabbiner des polnisch-jüdischen Ritus ist und daß er die Funktionen dieses Ressorts namentlich in Bezug auf rituelle Aufsicht einwandfrei versieht. Für diese Herren, insbesondere für den Hausjournalisten der Schiffschul' ist also die „Affäre Mayersohn" ein gefundenes Fressen. Die entstellten und erlogenen Berichte der „Jüdischen Zeitung" sind ihm eine Fundgrube der Erbauung und mit jener Befriedigung, die nur perversen Gemütern verständlich ist, wiederholt dieser fromme Mann in seinem frommen Blatte alle diese gehässigen und gemeinen Angriffe, die in der „Jüdischen Zeitung" seit Wochen abgelagert werden. Sieht der Frankfurter „Israelit" wirklich nicht, wem er Vorspamidienste leistet? Daß er lediglich von der persönlichen Ranküne des Schiffschul- Journalisten und vom gewissenlosen Strebertum einiger Zionisten sich mißbrauchen läßt. Will sich der „Israelit" mit der wilden Hetzjagd gegen den Rabbiner der polnischen Juden in Wien identifizieren? Es scheint so. Dann müßte dafür gesorgt worden, daß der wirkliche Charakter desSchiffschul'- Blattes auch den Ostjuden, denen der „Israelit" seine Freundschaft anbietet, bekannt werde. Von da und dort. Der Herr Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Wien, Dr. Weiskirchner, wird nicht wenig überrascht worden sein, als er in Marczfalva, dem kleinen ungarischen Neste, erfuhr, wer Eduard S u e ß eigentlich war. Das heißt aus den Berichten über die Reden, die in Marczfalva von den berufensten Männern an dem Sarge Sueß' gehalten wurden, hat der Herr Bürgermeister dies erfahren, denn persönlich war er ja dort nicht erschienen. Nun wird Dr. Weiskirchner wissen, daß Sueß einer der größten Männer war, die Oesterreich besaß, ein genialer, bahnbrechender Forscher, ein Wohltäter der Menschheit, ein Patriot im höchsten Sinne, eine ideale, vorbildliche Erscheinung, die Ehrfurcht und Bewunderung erzwingen muß ... Ja ... ja, das alles konnte Dr. Weiskirchner in Marczfalva erfahren, denn aus dem kühlen, schläfrigen Nachrufe, den er im Gemeinderate dem großen Manne gehalten, konnte man ersehen, daß ihm das alles unbekannt war und daß er von Sueß eigentlich klar nur eines wußte: daß er ein fortschrittlich gesinnter Mann war, dem der ganze Antisemitismus als eine schändliche Verirrung des menschlichen Geistes erschien, da sie ihm Abscheu und Grauen einflößte. Nun, ,das stimmt allerdings. Ein solcher Mann war Eduard Sueß. Ja richtig, daß der Verstorbene auch Ehrenbürger von Wien war, konnte der Herr Bürgermeister nicht ignorieren. Er äußerte hierüber zwar kein Bedauern und konstatierte bloß, daß er von der Widmung eines Ehrengrabes absehen mußte, da nach dem letzten Willen Sueß nach Marczfalva über-