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Neue Nationalzeitung · 1914-04-24 · Heft 8 (24.4.1914) · p. Seite 63

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 8 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
Seite 63 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 8 MNeue,N^^al-2eitung^ Seite 65 getreten ist, bürgt dafür, daß hier die Juden nicht, wie es bei den anderen sich „judenfreundlich" nennenden Parteien der Fall ist, bloß politisch ausgebeutet, vor den Wahlen umworben und nach den Wahlen verstoßen werden, sondern, daß die Juden die Möglichkeit haben werden, innerhalb dieser neuen Organisation als gleicher politischer Faktor mitzuwirken und teilzunehmen. Eine politische Organisation der galizischen Juden besteht bisher überhaupt nicht. Sowohl die Zionisten als auch die Assimilanten erscheinen nur während der Wahlperiode mit jüdischen Schlagworten auf der Oberfläche, um Mandate an sich zu reißen. Nach den Wahlen kümmern sich die Zionisten nicht mehr um die „Landespolitik" und die Assimilanten bestreiten die jüdischen Interessen. So ergibt sich nun für die galizischen Juden die Notwendigkeit, sich mit den wahrhaft freisinnigen Elementen der polnischen Nation zu alliieren und auf Basis der Koordination ihre Rechte zu wahren. Gerade die jetzigen Verhältnisse, da sich im polnischen Lager der Antisemitismus immer mehr als „Boykott" ausbreitet und auch die Ruthenen, nachdem sie neue nationale Vorteile errungen haben, den Juden gegenüber sich noch reservierter verhalten, legen den Juden die taktische Pflicht auf, in anderen Lagern Freunde und Verbündete zu suchen, respektive die wahrhaft freisinnigen Elemente der beiden anderen Nationen zu fördern. Im übrigen bereitet sich in Qalizien eine neue politische Konstellation vor. S t a p i n s k i, dem nach dem Austritt aus dem Polenklub nur wenige Abgeordnete der Volkspartei gefolgt sind, während die übrigen in das klerikale, christlichsoziale Fahrwasser eingelenkt haben, ist noch immer Führer der Volkspartei, und er hofft, bei den bevorstehenden Landtagswahlen die Mandate der Partei nur mit seinen Anhängern zu besetzen. Dann werden sieb um ihn, der von den klerikalen und antisemitischen Allpolen aufs heftigste bekämpft wird, auch alle anderen demokratisch-oppositionellen Parteien gruppieren. Bei dieser neuen Gruppierung würde zweifellos der radikal-demokratischen Partei eine wichtige Rolle zufallen. Alles in allem dürfen wir mit gespanntem Interesse dem von Breiter einberufenen Kongresse entgegensehen. SPREOIS/1/IL. Das aktive und passive Gemeindewahlrecht für Frauen. In der kleinen schlesischen Stadt Kattowitz haben sich die steuerzahleiiden Frauen das Recht, ihre Stimme bei den Repräsentantenwahlen der Gemeinde abzugeben, bereits erkämpft. Das Kattowitzer Beispiel fordert zur Nachahmung auf; der preußische Landesvereiu für Frauenstimmrecht beabsichtigt, gemeinsam mit dem jüdischen Frauenbund der Berliner Gemeinde einen Antrag zu unterbreiten, welcher das volle Gemeindewahlrecht für die Steuer zahlenden Frauen'anstrebt. Die Zahl der letzteren beträgt in Berlin 4510; die Berliner Verwaltungsgemeinde hat bereits vor längerer Zeit eine Statutenänderung der Gemeindeverfassung beschlossen, um Frauen in die Verwaltungskommission wählen zu können. Eine Anfrage, dj« kürzlich.im Amtsblatt der Berliner jüdischen Gemeinde verlautbart wurde: „Wie ist eine regere Teilnahme der Frauen am Gemeinde!eben zu fördern?" hat hervorragende Männer der Wissenschaft angeregt, Partei für die Sache der Frauen zu nehmen. So schreibt Justizrat Dr. Veit Simon (Mitglied der Repräsentantenversammlung): „Wir müssen, wollen wir nicht ungerecht sein, aus der so glänzend bewährten Wirksamkeit der Frauen den Schluß ziehen, daß es ein Gebot der Pflicht sei, den Frauen in der jüdischen Gemeinde das Stimmrecht verleihen." Was die Frauen bei uns in Wien auf dem Gebiete der Armen- und Waisenpflege, der Wohnungs- und Schulpflege, der Ferienkolonien usw. leisten, ist bekannt. Es wäre von großem Werte, wenn, da nun einmal im Deutschen Reiche für die Erlangung des Wahlrechtes agitiert wird, sich auch bei uns Männer und Frauen von Erfahrung zu der Frage des Frauenstimmrechtes in der Gemeinde äußern würden. In Niederösterreich haben steuerzahlende Frauen schon seit Jahren das politische Recht, ihre Stimmen abzugeben; wir in der Haupt- und Residenzstadt Wien, wo so viele Hunderte begabter, unermüdet tätiger Frauen für das Gemeindewohl wirken, wir stehen hinter den einfachen Landfrauen zurück, denen das politische Recht es gestattet, sich an den Wahlen zu beteiligen. Wenn erst die Bewegung der Wahlarbeit der Frau ins Rollen kommt, dürfte die Zeit nicht fem sein, in der steuerzahlende Frauen dahin streben werden, ihr aktives und passives Wahlrecht in der Gemeinde auszuüben. Wie viele jetzt brach liegende Kräfte, die sich gern in den Dienst der Allgemeinheit stellen, würde zu segensreicher Tätigkeit angespornt, dann viel Gutes leisten! Ida Barber. Gemeinde-u. Vereinsnachrichten. Wien. (Israelitischer Synagogen-Verein „B e t Ii I s r a e 1" nach polnisch-jüdischem Ritus in Wien, II., Leopoldsgasse 29.) Am 29. März 1. J. fand die 32. ordentliche Generalversammlung statt. Nachdem der Vorsitzende Herr Ignaz J o 11 e s die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung konstatierte, eröffnete er dieselbe, worauf der Rechenschaftsbericht pro 1913 erstattet, sodann über Antrag der Herren Rechnungsrevisoren dem Vorstande das Absolutorien erteilt und für dessen Mühewaltung Dank und Anerkennung ausgedrückt wurde. Für die Kultusgemeinde erschien Herr Vorsteher Dr. Schreiber, der vom Vorsitzenden herzlichst begrüßt wurde. Bei der sodann vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden die ausgelosten Vorstandsmitglieder, respektive Bethausvorstelier, und zwar die Herren Julius Brecher, M. Heublum, Dr. Leo Landau, Jakob Bramm und Alexander Landau wieder-, Osias J u e r und Jakob Weichselbaum neugewählt, worauf nach Entfall der Eventualien die Generalversammlung geschlossen wurde. In der am 5. April 1. .1. stattgefundenen konstituierenden Vorstaudssitzung sind per Akklamation einstimmig die Herren Ignaz Jolles zum Obmann, Alexander Landau zum Obmannstellvertreter, Emil Pomeranz zun/Schriftführer, Dr. Karl Lifczis zum Schriftführerstellvertreter gewählt worden. Wien. (Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien.) Am 26. d. M., 10 Uhr vormittags, findet in den Räumlichkeiten der Bnei- Brith-Vereine, Wien, IX., Universitätsstraße 4, die ordentliche Generalversammlung mit nachstehender Tagesordnung statt: 1. Verlesung des Protokolls der letzten ordentlichen Generalversammlung. 2. Bericht über die Vereinstätigkeit in der seit dieser Versammlung abgelaufenen Zeit.

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