Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 7 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- Seite 54 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 54 ,Neue National-Zeitung^ Nr. 7 Sonntag, den 26. April 1914, 7 Uhr abends, im großen Saale des Wiener Konzerthauses, III., Lothringerstraße 20, ein Brudermahl der Mitglieder dieser Vereinigung. Die Chewra Kadischa ist die älteste aller in Wien bestehenden humanitären Vereinigungen. Im Jahre 1764 gegriindeit, hat sie in einundeiinhalb Jahrhunderten zahllose Werke der Nächstenliebe geübt. Ziffern führen eine beredte Sprache; es möge deshalb der Chewra Kadischa gestattet sein, von ihrem, sonst der breiten Oeffentlichkeit entrücktem Wirken in wenigen Zahlen Kenntnis zu geben. Seit dem Jahre 1900, also in einer im Verhältnisse zum Bestände der Bruderschaft kurzen Spanne Zeit wurden mehr als eine Million Kronen für wohltätige Zwecke verausgabt, und zwar: für Unterstützungen 392.384 Kronen, für Kurbeiträge 235.232 Kronen, für Medikamente 261.498 Kronen, für orthopädische Apparate 155.327 Kronen, für sonstige humanitäre Zwecke 44.148 Kronen, zusammen 1,088.589 Kronen. Zu diesen bisherigen Ausgaben kommt vom laufenden Jahre ab noch eine neue: für das Erholungsheim in Baden bei Wien, das von der Chewra Kadischa aus Anlaß ihres 150jährigen Bestandes gegründet wurde und welches dazu bestimmt ist, in erster Linie unbemittelten Mitgliedern für die Zeit ihres Kurgebrauches in Baden Aufnahme zu gewähren. Die Chew.ra Kadischa hat aber neben ihrem Wirken für die Lebenden, für die Armen uiud Kranken» noch e,in anderes, großes Tätigkeitsgebiet, das nicht in Ziffern zum Ausdrucke kommen kann: ihre Mitwirkung bei Beerdigungen, die Liebesdienste, die sie den Dahingeschiedenen weiht. Vorstand und eine große Anzahl von Vereiii'Smiitgliedern unterziehen sich der pietätvollen Aufgabe, den Verstorbenen, ohne Unterschied der Person, durch Teilnahme am Leichenbegängnisse die letzte Ehre zu erweisen, den Hinterbliebenen Trost zuzusprechen und ihnen beizustehen. Wien. Die in der letzten Plenarversammlung der „Vereinigung Jüdischer Export-Akademiker" vorgenommene Neuwahl des Ausschusses ergab folgendes Resultat: Abraham Groß, Präses; Fritz Hahn, Vizepräses; Gustav Steiner, I. Kassier; Arnold G r ü n b e r g, II. Kassier; Fritz Bruckner, I. Schriftführer; Leo K o h o r n, II. Schriftführer; Stephan Gleitzmann, Bibliothekar. Literatur. Dr. Artur Landsberger. Das Ghettobuch. (Die schönsten Geschichten aus dem Ghetto.) Verlag Georg Müller, München. 1914. Dr. Artur Landsberger hat sich der verdienstvollen Aufgabe unterzogen, dem deutschlesenden Publikum das Eindringen in die jüdische Volkspsyche möglich zu inachen; dort, wo das jüdische Volkstum noch unbeeinflußt von der „Kultur" sich entwickelt und alle seine Sagen, Lieder, Legenden, wurzelnd im blinden Gottesvertrauen und einem naiven Lebensoptimismus sich lebendig erhalten haben. Diesem Zwecke diente bereits sein vor zwei Jahren erschienenes Sammelwerk „Jüdische Sprücliwörter", welches, selbstverständlich ohne mit dem berühmten Werke von Bernstein und Segel, „Jüdische Sprüchwörter und Redensarten", in Konkurrenz zu treten, in deutscher Sprache die bekanntesten und volkstümlichsten Sprüche aus Talmud und Midrasch, die heute noch im Volke leben, und in denen die sranze Weltanschauung des Judentums in prägnanter Weise zum Ausdrucke gelangt, in einer sorgfältigen und sehr übersichtlichen Weise veröffentlicht. Das vorliegende „Ghettobuch" enthält wieder eine Sammlung von Novellen und Erzählungen der hervorragendsten Repräsentanten der jung-jüdischen Literatur, die man bisher mit der Bezeichnung „Jargonliteratur" wegwerfend zu behandeln pflegte. Landsberger hat in liebevoller Weise diesen auf dem europäischen Literaturmarkte noch wenig beachteten Schatz gehoben und durch diese Publikation dem deutschlesenden Publikum die Möglichkeit gegeben, zahlreiche hervorragende Dichter und Romanziers, denen europäische Berühmtheit gebührt, selbst kennen zu lernen. Die Arbeiten von Zangwill, Perez, Asch, Abrahamowiez, Spektor, Rabinowicz, Reisen u. a., die in ihrer Originalsprache — bei allen, mit Ausnahme von Zangwill, in Yiddisch — für jeden sprachkundigen Leser einen unbeschreiblichen Reiz besitzen, werden hier in sorgfältiger Auswahl in deutscher Uebersetzung veröffentlicht und führen sofort den Leser in die so wenig bekannte, eigenartige Welt des Ghettolebens ein. An der Hand der sehr übersichtlich gehaltenen Vorrede ist der Leser in der Lage, sich über die Persönlichkeiten und die Eigenart der Dichter selbst ein Bild zu schaffen. Das Ghettobuch ist eine verdienstvolle Arbeit und wird als Bereicherung der deutschen Literatur gewiß Juden und -Christen gleich interessieren. Dem bestrenommierten Verlag Georg Müller gebührt an diesem Verdienste auch ein Anteil. L. Liste der Ausgetretenen. Vom 25. März bis 7. April 1914. (Nr. 95—117.) Braun Viktor, geb. 17. Dezember 1880, Rajecz, IX., Währingcrstraße 20. Feigel Marie, geb. 10. Oktober 1872, Budapest, XVI., Ottakring«erstraße 57. Jokl Fritz, Privatbeamter, geb. 17. Dezember 1889, Wien, I., Franz Josef s-Ka(i 1. Neuhut August, geb. 30. Juli 1890, Wien, Paris 7, Rite Saint Georges. Norden Felix, geb. 13. Juni 1896, Orient, VI., Getreidemarkt 17. Perl Elsa, geb. 16. Juli 1883, Wien, II., Praterstraße 34. Steiner Miklos, Lehrling, geb. 13. März 1899, Budapest, VIII., Pfeilgasse 48. Taglicht Ignaz, geb. 14. Juni 1840, Kula (Ungarn), III., Kegelgasse 21. Steinitz Therese, geb. 25. Januar 1898, Nikolsburg, XX., Universumstraße 34. König Bertha, geb. 26. März 1889, Groß-Harren, III., Kleistgasse 13. Fischer Ida, geb. 7. März 1900, Wien, Boretin. Weinberger Fritz, Privatbeamter, geb. 11. Oktober 1887, Wien, XIX. , Gymnasiumstraße 68. Prief Josef, Friiseurgehilfe, geb. 18. Mai 1886, Leipnjk, V., Hofgasse 3. Abeles Friderike, geb. 31. März 1889, Wien, VI., Liniengasse 16. Kornfeld Leander, Btireaudiener, geb. 29. Miirz 1887, Wiien, XX. , Heinzelmanngasse 8. Kornfeld Rosa, geb. 30. Januar 1878, Wien, XX., Heinzelmanngasse 20. Fischl Leopoldine, geb. 15. November 1878, Wien, I., Morzinplatz 4. Glücksinann Gustav, k. u. k. Oberleutnant, geb. 25. März 1879, Wien, IX., Schwarzspanierstraße 20. Herschmann Heinrich Dr., geb. 11. März 1889, Brünn, IX., Mariannengasse 2. Glauber Ella, geb. 15. September 1876, Teschen, VIII., Breitenfei der gasse 17. Fuchs Chane, geb. 27. Juni 1918 in Czortkow, XX., Rauscherstraße 7. Wagner Nina, geb. 30. Juli 1873, Wiens V., Rechte Wienzeile 75. Weiszfeld Regina, geb. 17. Januar 1900, W,ien, Ober-liollabrunn.