Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 7 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- Seite 53 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 .Neue National-Zeitung" Seite 55 Frühjahrsausstellung im Künstlerhause. (Jüdische Künstler.) Es ist noch gar nicht so lange her, daß Fe Iii den de Saulcy erklärte: L'art judaique n'existe pas; il n'a jamais existe! (Es gibt keine jüdische Kunst; es hat nie eiine gegeben.). Das Wort hat lange schon seine volle Geltung verloren. Nachdem Juden auf allen Gebieten die größten Erfolge errungen hatten, wandten sie sichendlich auch den bildenden Künsten zu. Und ganz erstaunlich, wie rasch sie sich hier emporgerungen haben. So dali wir heute schon eine stattliche Schar hochbedeutender Künstler unser Eigen nennen dürfen; dann eine Anzahl solcher, die erst im Aufsteigen begriffen sind und eine ganze Fülle viel versprechender Talente. Es ist ganz lehrreich und anschaulich, zur Illustration des Gesagten, ein wenig das Verzeichnis der Genossenschaft bildender Künstler durchzublättern. 1888 war Isidor Kaufmann das erste midi einzige jüdische Mitglied. Ihm folgte 1895 Horowitz. Lange blieben dlie beiden allein, bis um das Jahr 1900 in ungemein rascher Folge etwa 15—20 neue Mitglieder hinzukamen. All diese sind! auch auf der diesjährigen Frühjahrsaussteliung vertreten und es seii gleich vorweg gesagt, in trefflichster Weise. Isidor Kaufmann, Lazar K restin und hocherfreulicherweise auch ein noch junges Talent, Philipp Frie-dnich K a u f m a n n, ein Sohn unseres großen Meisters, wählen ihre Sujets aus jüdischem Stoffkreise. Prachtvoll in der Farbe, voll weihevoller Innigkeit im Ausdrucke ist Is. Kaufmanns „Von des Hohen Priesters Stamme", ebenso „Der Kabbaiist", ein junger Jude, der von seinen Büchern umgeben, einen Augenblick aufsieht, und irgend einem geheimnisvollen Probleme nachzusinnen sucht. „Betender Chasside", ein fanatischer Jude, in inbrünstiges Gebet versunken, ein nicht zu übertreffendes Meisterwerk. Voll Interesse betrachtet man Lazar K res t ins „Arabische Studie" und das gediegene, trefflich studierte Portrait desselben Künstlers. Ph. Fr. Kaufmanns „Aus einem alten Tempel" ist ungemein fein im Ton, nobel in der Farbe, voll Luft und Licht. Freuen wir uns dieses jungen, hoch begabten Künstlers, der seinem Vater nachzugeraten verspricht. Leopokli Horowitz bringt drei Portrait», alle in seiner bekannten Meisterschaft, ganz besonders aber das Bildnis des Grafen Thun-Salm. Ihm reihen sich würdig die übriigen Portrailisten an. Vor allem V. W. Krausz und Nikolaus Schatte n stein. Krausz' „Jugend", ungemein reizvoll in der Farbe, entzückend in -dier Bewegung. Schatten- Steins „Portrait der v. R." gehört zweifellos zu den Besten auf der diesjährigen Frühjahrsausstellimg. Drei treffliche Portraits von Viktor Scharf und das Bildnis ihres berühmten Bruders von Frau Marie Rosen thal-Hatschek erregen besondere A tti m c r k s a m ke i t. Kräftig in der Farbe, voll, Temperament, Jeliudo E pst ei ii'S „Durstige Kehlen", auch jn der Komposition glücklich gelöst, vorzüglich in der Stimmung der „Verseh'gang" desselben Künstlers. An eine sehr schwierige Aufgabe hat sich diesmal Otto M e r s c h e 1 gewagt. Sein Triptychon „Elisabeth von Oesterreich" ist jedenfalls ein Zeugnis dafür, <!;aß dieser Künstler nicht ruht, sondern rühmliche Anstrengungen macht, eine große Leistung zu erbringen. Zum Teile ist ihm dies auch geglückt und weist sein Bild manch schöne Qualitäten auf. Nicht zu vergessen ist Gustav Böhms „Aus Boskowitz". Frisch in der Farbe und ganz famos in der Wirkun«';. Manchen 'der Unserigen vermissen wir diesmal; hoffen wir, daH sie gleich den anderen recht Bedeutendes auf der kommenden Ausstellung bringen werden. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Pensionsgesuch des Wiener Oberrabbiners. Oberrabbiner Dr. Güdemann hat beim Kulturvorstand ein Gesuch um Versetzung in den Ruhestand eingebracht. Der Oberrabbiner, der trotz seines hohen Alters von ca. 80 Jahren bis in die jüngste Zeit noch ganz rüstig war und alle Obliegenheiten seines Amtes erfüllt hat, ist durch den Verlust seiner ältesten, noch im jugendlichen Alter befindlichen Tochter in seiner Gesundheit und in seiner Lebensfreude offenbar sehr erschüttert worden, daß er den Beschluß gefaßt hat, sich von seinem Amte zurückzuziehen. In der letzten Sitzung des Kultusvorstandes wurde jedoch der Beschluß gefaßt, dieses Pensionsgesuch nicht zur Kenntnis zu nehmen. Es wurde vielmehr dem Oberrabbiner ein Urlaub für unbeschränkte Zeit erteilt und ihm anheimgestellt, ganz nach seinem Ermessen einzelne Amtsfunktionen auszuüben. Anderseits aber wurde für die dauernde Ausübung seiner Funktionen in der Weise vorgesorgt, daß dieselben turnusmäßig durch die anderen Rabbiner vollzogen werden. Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Wiener Oberrabbiners von seinem Amte wird bei aller Teilnahme, die ihm vom rein menschlichen Standpunkte gebührt, in der Allgemeinheit kaum irgendwelchen nachhaltigen Eindruck hervorrufen. Oberrabbiner Dr. Güdemann erfreut sich keineswegs der großen allgemeinen Sympathie, wie sie seinen Kollegen Jellinek und Schmiedl zuteil wurden. Er hat es nie verstanden, den Gemeindemitgliedern menschlich näher kommen, er hat sich auch nie bemüht, in engerem oder weiterem Sinne des Wortes volkstümlich zu werden. Er war stets kalt, nüchtern, unnahbar; er hat auch nicht den Ehrgeiz gehabt, ein Führer der Gemeinde zu sein. Allerdings hatte er gegenüber seinen jüngeren Amtsbrüdern auch einen Vorzug: Er ließ sich nie vom Kultusvorstand kommandieren und scheute selbst vor scharfen Auseinandersetzungen nicht zurück, wie er sie auch einmal mit dem Präsidenten Arminio Cohn hatte. Oberrabbiner Güdemann hat nichts getan, um das jüdische Bewußtsein innerhalb seiner Gemeinde zu kräftigen, mit Ausnahme der einzigen Episode, daß er vor einigen Jahren anläßlich der Gemeinderatswahlen gegen die getauften Kandidaten auftrat, eine Episode, die doch für eine fünfzigjährige Rabbinertätigkeit eine zu bescheidene Leistung ist und auch nicht als eine genügende Abwehr gegen die immer zunehmenden Massentaufen erscheint. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. Wir erhalten von der Chewra Kadischa eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: Die Chewra Kadischa in Wien vollendet heuer das hiindertfiinfzigste Jahr ,ihres Bestandes. Zur Feier dieses Ereignisses veranstaltet der Vorstand