Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 5 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- Seite 37 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 .Neue National-Zeitung" Seite 37 KORRESPONDENZEN. Deutsches Reich. Für die Sanierung Palästinas. Berlin. Die Gesellschaft jüdischer Aerzte und Naturwissenschaftler für sanitäre Interessen in Palästina hat ihren ersten Jahresbericht herausgegeben, der einen Ueberblick über das bisherige Ergebnis der Tätigkeit der Gesellschaft gibt. Trotzdem sie erst dreiviertel Jahr besteht, hat sie schon einen Bestand von 650 Mitgliedern. Bereits zwei Monate nach Gründung der Gesellschaft konnte mit der praktischen Arbeit begonnen werden, nachdem schon vorher durch den Philantropen Nathan Strauss in New York im Frühjahr 1912 ein Gesundheitsamt zur Bekämpfung der eudemischen Krankheiten, insbesondere des Sumpffiebers begründet worden ist. Das Gesundheitsamt nahm im August seine Tätigkeit mit der Bekämpfung der Malaria in der stark verseuchten Kolonie Chedera und mit der Feststellung der Ursachen und der Verbreitung der Malaria in Jerusalem auf, um 1913 mit der Bekämpfung der Malaria in Jerusalem, mit serologischen und bakteriologischen Arbeiten und mit der Bekämpfung der ägyptischen Augenkrankheit zu beginnen. Zurzeit sind in dem unter Leitung des Herrn Dr. Brünn stehenden Health-Bureau drei Aerzte beschäftigt. Mit der „Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem" wurde, um einer Zersplitterung vorzubeugen, ein Vertrag abgeschlossen, nach dem die beiden Gesellschaften und das Jewish Healths Office ein internationales Gesundheitsamt begründen, das vier Abteilungen enthält: 1. Eine Abteilung für Malaria, unterhalten von der deutschen Gesellschaft. Leiter: Prof. Dr. Mühle n s. 2. Eine hygienische Abteilung, unterhalten von Jewish Healths Office. Leiter: Dr. Brün n. 3. Eine serologische und Wutschutzabteilung, unterhalten von der Gesellschaft jüdischer Aerzte. Leiter: Dr. B eh a n. Und 4. Eine bakteriologische Abteilung, unterhalten von Jewish Health Office. Leiter: Dr. Goldberg. Die Malariaabteilung begründete außerdem eine arabische Fürsorgestelle in der Inneren Stadt, das Jewish Health Office eine Station zur Bekämpfung der Augenkrankheiten. In der Wutschutzabteilung wurden in 8 Monaten 125 Tollwutimpfungen vorgenommen und aufklärende Vorträge über die Tollwut gehalten. Am 2. Februar hat die Gesellschaft im Nollendorfkasino zu Berlin ihre Generalversammlung abgehalten. Beschlossen wurde, daß die Gesellschaft fortan den Namen führen solle: „Jüdische Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina". Es ist zu hoffen, daß sich diese Namensänderung bei der Propaganda in nichtärztlichen Kreisen als nützlich erweisen wird. In den Vorstand wurden gewählt: zu Vorsitzenden Dr. Sandler und Dr. Pinczower, ferner Danziger, Dr. Löwenheim, Dr. Mühsam, Trietsch (sämtlich Berlin), Dr. Emil Stein (Wien), Dr. Tschlenow (Berlin-Moskau). Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der Malaria in Jerusalem hat am 13. und 14. Februar im Abgeordnetenhause und Herrenhause Leipziger-Straße 4 ihre Jahresversammlung abgehalten. Die Tagesordnung lautete: Am 13. Februar, 8 Uhr abends, im Abgeordnetenhause öffentliche Vorträge mit Lichtbildern: Dr. P. Engelhart Huber, München; Prof. Dr. Mühlens, Hamburg (Jerusalem); Oberarzt Dr. Much, Hamburg. In der Mitgliederversammlung am 14. Februar, 11 Uhr vormittags, im Herrenhause Vorträge über: „Jerusalem, die heilige Stadt" vom Universitätsdirektor Dr. Ad. Deißmann, Berlin; „Deutsche Interessen im Orient" vom Gesandten z. D. Raschdau, Berlin; „Wohlfahrtspflege in Jerusalem" vom Oberhofmeister Freiherrn v. Mirbach, Potsdam; „Die bisherigen Ergebnisse der Arbeiten des Internationalen Gesundheitsamtes in Jerusalem" vom Prof. Dr. Mühlens, Hamburg (Jerusalem). Zeitschriften-Rundschau. Die Rückkehr der Juden nach Spanien. Ueber die neuesten Phasen dieser seit einigen Jahren nicht ohne Mitwirkung der spanischen Regierung entstandenen Bewegung, die in jüngster Zeit durch die Ereignisse in der Türkei neue Lebenskraft erlangt hat, wird der „F r a n kfurter Zeitung" aus Madrid geschrieben: „Durch eine Aeußerung des Pariser „Temps" angeregt, die den Juden von Saloniki die Absicht eines Auszuges nach Spanien unterstellt, hat sich die hiesige Presse, wie ja in der letzten Zeit des öfteren, einer eifrigen Erörterung der „Judenfrage" zugewandt. Man weiß, daß es sich dabei um die Frage handelt, ob eine Rückwanderung der Nachkommen der am Ausgang des X\. Jahrhunderts aus Spanien vertriebenen Juden angezeigt oder wünschenswert wäre. Indessen kann nur eine von der Regierung selber veranlaßte und geleitete Einwanderung gemeint sein, ähnlich wie sie sich nach manchen überseeischen Gebieten vollzieht. Denn an sich steht der Niederlassung von Israeliten in Spanien längst nichts mehr im Weg und erst vor kurzem haben sich die in S e v i 11 a ansäßigen Juden marokkanisch-spanischen Ursprungs in aller Form als Religionsgemeinde konstituiert. Zahlreiche Ordensverleihungen könnten als Belege dafür angeführt werden, daß der jüdische Glaube in Spanien vielleicht weniger als in gewissen aufgeklärten Ländern ein Hindernis ist, offizieller Ehrungen teilhaftig zu werden. Ueber die Gesinnung intellektueller Kreise gab die königliche Akademie der Geschichte in ihrer letzten Sitzung einigen Aufschluß, indem sie den bekannten Berliner Orientalisten A. S. Yahuda, der einem Ruf der spanischen Regierung zur Abhaltung eines akademischen Lehrkurses spanisch-jüdischen Inhalts gefolgt ist, einstimmig zu ihrem korrespondierenden Mitglied wählte. In erheblichem Umfang fällt das Problem somit einfach unter die allgemeinen Regeln des Emigrantenwesens. In dieser Richtung anzustellende Spezialuntersuchungen, auf die man hier nicht eingehen kann, würden ohne Zweifel für die einzelnen spanischen Landesteile und je nach der Qualität der Einwanderungskandidaten verschieden ausfallen, im großen und ganzen aber doch wohl zu einem negativen Ergebnis führen. Denn man kann sich nicht leicht denken, daß ein Land, das eine enorme, mit reringen Ausnahmen durch die bitterste Not verursachte Auswanderung aufweist, die Voraussetzungen einer derartigen Einwanderung erfüllen sollte. Die hiesige Presse pflegt ihre Erörterungen allerdings nicht mit dergleichen praktischen Erwägungen zu belasten. Sie geht vielmehr von gefühlsmäßigen oder politischen Gesichtspunkten aus, die man für das eine Lager mit dem Schlagwort „Los vom Mittelalter!" kennzeichnen kann, während sich das andere in antisemitischen Auslassungen minderwertigster Sorte ergeht. Des letzteren einziger Vertreter in Madrid, der karlistische „Correo Espanol", veröffentlicht eine Reihe von Artikeln, von denen man zweifeln konnte, ob sie von der Einfalt des Verfassers eingegeben oder auf die Einfalt der Leser berechnet waren. In Wahrheit schien da ein Schwachsinniger für Schwachsinnig^ zu schreiben. In Wirklichkeit steht den Spaniolen die alte, .<d'er schlimmsten Spuren der Vergangenheit wohl endgültig ledige Heimat bereits offen. Nur daß ein Massenzulauf weder empfehlenswert w ii r e, noch übrigens im Bereich der Wahrscheinlichkeit liegt."