Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 4 (27.2.1914)
- Date
- 1914-02-27
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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..Kene National-Zeitung" stands-Mitgliedern, b) Neuwahl eines Vorstands-Ersatzmannes, c) Neuwahl des Revisionskomitees. 2. Vortrag des Jahres-' berichtes pro 1913. 3, Erstattung des Revisionsberichtes. 4. Er*- Öffnung der Debatte und Abstimmung über die vorgetragenen Berichte. 5. Promulgierung des Wahlresultates. — Die Herren Funktionäre, deren Mandat statutenmäßig abläuft, sind wieder wählbar. /WS ALLEN WELTTEILEN Legate des Präsidenten Karl von Morawitz. Der vor kurzem verstorbene Präsident der Angloösterreichischeu Bank, Karl Ritter von Morawitz, hat in seinem Testament eine Reihe von Verfügungen zugunsten wohltätiger Zwecke getroffen. Zunächst wird ein Betrag von 250.000 K der Israelitischen Kultusgcmeinde in Wien zur Errichtung einer Stiftung gewidmet. Das Stiftungsvermögen soll dazu dienen, um aus den Erträgnissen bedürftige und unterstützungswürdige Personen jüdischen Glaubens, insbesondere aus dem Kaufmanns-, Gewerbe- oder Handwerkerstande, welche seit mindestens drei Jahren in Wien, domilizieren, unverzinsliche Darlehen zu gewähren, und zwar bis zum Höchstbetrage von 1000 K. Dem AI t er s versorg ungshaus der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien ist nach einer testamentarischen Bestimmung der Erlös aus dem Verkaufe der Villa des Herrn v. Morawitz, Baden, Rainergasse Nr. 10 zuzuführen. Weiter hat der Verblichene die Bestimmung getroffen, daß dem Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der Israelitischen Kultusgeineindc in Wien 20.000 K und den jüdischen Armen der Stadt Wien 4000 K zugewendet werden. Ein jüdischer Gerichtshof-Präsident in — Deutschland. Aus Baden wird gemeldet: Oberlandesgerichtsrat Dr. Nathan Stein ist zum Präsidenten des Landesgerichtes in Mannheim ernannt worden. Es ist dies der erste Fall, daß in Deutschland ein Jude zum Präsidenten eines Gerichtes ernannt wird. Dr. Stein, bisher in Karlsruhe, stammt aus Neckarsulm und steht im 56. Lebensjahre. Nach seiner Praktikantenzeit wurde Dr. Stein im Jahre 1883 Amtsrichter in Sinsheim, ein Jahr später nach Enger versetzt, dann im Jahre 1886 Amtsrichter in Mannheim, 1889 Oberamtsrichter, 1892 Landesgerichtsrat in Karlsruhe. Dr. Stein ist Mitglied des Kompetenzgerichtshofes seit 1904, seit 1909 ständiger Ersatzricliter beim Verwaltungsgcrichtsliof; außerdem war er Mitglied des Disziplinargerichtshofcs für nichtrichterliche Beamte. Ein jüdischer Senator in der Türkei. Die türkische Regierung hat Emanucl Effendi C a r a s s o, den Exdeputierten von Saloniki, zum Senator ernannt. Bisher gab es nur einen türkischen Senator jüdischer Nationalität, Behor Effendi Es-.- kenasy. Senatspräsident Dr. Izidor Baiimgarten, von der königlichen Kurie in Budapest, erhielt in Anerkennung seines langjährigen und eifrigen Dienstes den Orden der Eisernen Krone II. Klasse. Dr. Baumgarten, der eine Zierde der ungarischen Justizpflege ist, ist Mitglied des liundcrterkomitecs der einheitlichen jüdischen Autonomicbcwegung. Der russische Generalkonsul irt London als Zensor des Bcylis-Fihns. Der russische Generalkonsul, Baron Ha.vking, hat den Londoner Grafschaftsrat veranlaßt, sein Veto gegen die Auffiiln uru eines Kincmatograrhischcn Films einzulegen, der den Prozeß gegen den des• Ritualmordes verdächtigten Bcj Iis in Kiew zum Vorwurf hat. Trotz diesem Veto wurde der Film aber in zwei Hallen gezeigt. Der russische General-, konsul äußerte, wie den M. N. N. berichtet wird, einem Preßvertreter gegenüber, bevor er von der Unwirksamkeit seines Schrittes gehört hatte, seine große Befriedigung über „die weise und taktvolle Entscheidung" der englischen Behörde. England sei das Verbot der Entente schuldig; denn die Aufführung hätte in Rußland die „besten Leute" beleidigt. Darauf aufmerksam gemacht, daß der Film in New York in. nicht weniger als vier Theatern gezeigt werde und zwar ohne ein Wort amtlichen Protestes, meinte der Generalkonsul, mit den Vereinigten Staaten habe eben Rußland heute keinen Vertrag und sie könnten zulassen, was ihnen beliebe. Ein alljüdischer Kongreß soll demnächst unter Ausschluß der Oeffentlichkeit und unter Beteiligung jüdischer Plutokraten in Brüssel stattfinden. So berichten die jüdischrussischen Blätter. Aenderungen in der Leitung des Budapester Rabbinerseminars. Das Landes-Rabbinersemiriar hat in kurzer Zeit zwei große Verluste erlitten. Mit dem Tode Baron Josef H a tvanys verlor es seinen Präses und jüngst verstarb sein Rektor Dr. Wilhelm Bacher. Wie nun von gut informierter Seite mitgeteilt ward, sollen demnächst diiese verwaisten Stellen würdig besetzt werden. Zum Präses soll königl. Rat Dr. Franz M e z e y und zum Rektor Dr. Ludwig Blau, ein Schüler Dr. Bachers, gewählt werden. Ueber die Verjudung des Aerztestandes iin den Wiener Krankenanstalten zerbrechen sich die antisemitischen Blätter ihre Köpfe und führen darüber sogar eine Statistik. Es gibt demnach im Allgemeinen Krankenhause unter den 81 Aerzten 27 Christen, 51 Juden und 3 getaufte Juden. Im Wiedner Krankenhause 35 jüdische und 7 christliche Aerzte. Die Assistenten sünd durchwegs Juden. Im Wilheminenspital slind 17 Christen, 13 Juden. Im Rudolfspital 11 Christen^ 40 Juden und 5 getaufte Juden. Im Franz Josefsspital 25 Christen und 18 Judlen. Im StephanLespital „beiinabe" nur jüdische Aerzte. Diese „Statistik" ist eben antisemistisch. Wenn aber die Antisemiten eine Statistik der jüdischen Aerzte im Heeres-, Staats- und Gemeindedienste führen möchten, so könnten sie sich überzeugen^ daß diie Anzahl der Juden nicht einmal ihrem perzentuellen Anteil an der Bevölkerung gleichkommt. Sie würden sich weiters überzeugen, daß die Juden eben, weil sie im genannten öffentlichen Dienste fast boykottiert werden, gezwungen sind!, im Spitalsdienste länger zu verbleiben. Die Christen dagegen entziehen slich sehr gerne dem schweren und gering bezahlten SpT.talsdienste, weil sie rasch, oft mit warmem Diplom eine öffentliche Anstellung erhalten. Und was list vom Standpunkte der Patienten günstiger? Zweifellos der lange Spitalsdienst. Die Hetze gegen die jüdischen Aerzte ist also nichts anderes als ein Akt antisemitischer Rohheit. Kleine Nachrichten. Der Kultuspräaident von Troppau, Herr Dr. Theodor Sonnenschein, feiert sein 25jähriges Präsidenten-Jubiläum. Aus diesem Anlasse hat im Beisein der äSpitzen der Behörden ein Fest stattgefunden, bei dem die Verdienste des Jubilars gewürdigt wurden. — Rabbiner Doktor Freimann in Holleschau ist als Gemeinderabbiner nach Posen berufen worden. — Dr. James Simon, Präsident des Berliner „Hilfsvereines", erhielt die Krone zum Roten Adlerorden 2. Klasse. — Oberrabbiner Dr. Josef Rosenfeld in Czernowitz erhielt das Ritterkreuz des Franz Josef-Ordens. — Der Begründer des ersten jüdischen Theaters vor 30 Jahren in New-York, Philipp T h o m a s c h e f s k y, ist in Gcntreville auf seiner Farm gestorben. Er brachte die Werke Goldfadens auf die Bühne und schrieb selber Stücke. — Leo B r o d s k y, der bekannte Philantrop [in Kiew, Präsident der dortigen Emigrationsgesellschaft „Ito", feierte seinen 60. Geburtstag. — Der berühmte Philosoph Henri B e r g s o n in Paris wurde als e r s t e r .1 u d c in die französische Akademie gewählt. — Die Mutter des Abgeordneten Dr. S t r a u c h c r ist hochbetagt gestorben.