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Neue Nationalzeitung · 1914-02-06 · Heft 3 (6.2.1914) · p. Seite 21

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 3 (6.2.1914)
Date
1914-02-06
Page
Seite 21 (sequence 10)
Language
German
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Nr. 3 Seite 21 riker, wie es auch nur natürlich ist, einen viel berechtigteren und verständigeren Gebrauch von der rabbinischen Literatur für historische Zwecke gemacht haben, als im allgemeinen in den Schriften christlicher Historiker zu beobachten ist, die diese Literatur behandelt haben." Weiter kann wohl die Verblendung eines modernen Rabbiners nicht gehen, der in Herfords „Christentum in Talmud und Midrasch" die objektive Ruhe bewundert, mit der hier das Judentum behandelt wird, und eitel Liebe dort sieht, wo unsereiner die völlig unverdiente Züchtigung schmerzhaft am ganzen Leibe spürt. — Herford hat es ihm eben angetan: mit seiner „Gerechtigkeit, die er den jüdischen Gelehrten der Gegenwart zuteil werden ließ" und zuletzt mit seiner Lobpreisung des pharisäischen Judentums; und „die Liebe deckt", wie es in den Proverbien heißt, „alle Vergehen zu". Was Wunder dann, wenn ein Nichttheologe, mag er selbst Philosoph vom Fach sein, von dem man allerdings ein kritisches Gesamturteil über Personen und Sachen, die er zur Belehrung eines ganz unvorbereiteten und ahnungslosen Publikums öffentlich behandelt, erwartet, von Herfords „Pharisäisches Judentum" sich dermaßen berauschen läßt, daß schon der erste Eindruck der Lektüre ihn zu einem abschließenden Urteil begeistert? Dem jedoch sei, wie ihm wolle, das große Verdienst muß dem letzten Herfordschen Buche zugesprochen werden: anderFrage, obdieev angelische Dar Stellung der „Schriftgelehrten und Ph a r i s ä e r" historisch getreu sei, oder nicht, ungestüm gerüttelt und sie ebenso entschieden als überzeugend, wenn auch nicht erschöpfend, verneint zu haben. Und es ist bezeichnend genug, daß dieselbe heute mehr denn je brennend gewordene Frage gleichzeitig von anderer Seite in umfassenderer Weise an der Hand erster Quellen nach allen Richtungen hin beleuchtet wird,*) wobei zum Schlüsse eindringlichst „c i n e Revision des geschichtlichen Urteils über die Kreuzigung Jesu und die Entstehung des Christentums als unerläßlich" bezeichnet wird, „wozu auch die Ergebnisse der neuesten Forschungen gebieterisch drängen." Es kann also für die im Verflachen begriffene liberale theologische Wissenschaft wieder eine frisch fröhliche Kampfzeit beginnen, in der die Geister wach werden und es eine Freude ist, zu leben. Nur mögen sich die Seminartheologen beileibe nicht hineinmischen; sie würden sonst sicherlich die klare Situation wieder heillos verwirren. KORRESPONDENZEN. Oesterreich-Ungarn. Die Rabbinerwahl In Fünfhaus. (M a u 1 k o r b e r 1 ä s se des Präsidenten Dr. S t er n.) Wien. Die Komödie mit den Probepredigten ist jetzt glücklich zu Ende und die Entscheidung steht bevor. Sie schwankt, wie wir bereits vor Monaten *) So von Paul Friede: „Der Kreuzestod Jesu und die ersten Christenverfolgungen". Verlag von Ernst Hofmann &: Co. Berlin 1914. mitgeteilt haben, zwischen Dr. Abeles, Dr. Funk, Dr. Schweiger und Dr. Taglicht. Jeder von ihnen hat eine Partei für sich. Allerdings haben Dr. Funk und Dr. Schweiger auch die zwei „Mächtigsten" im Kultusvorstande für sich: Dr. Funk den Präsidenten Dr. Stern und Dr. Schweiger den Vizepräsidenten Dr. Kohn. Sehr gut Informierte wollen wissen, daß selbst Dr. Stern für Dr. Schweiger, mit dem er verschwägert ist, arbeite und Dr. Funk lediglich als Pacernaker benütze. Die dem Präsidenten jedenfalls gebotene Rrserve hat Dr. Stern nun nach zweifacher Richtungen durchbrochen. Er hat zwei Maulkorberlässe verschickt, den einen an die Vertrauensmänner, daß sie sich gegenüber den Kandidaten nicht binden und den zweiten an die Kultusvorsteher, daßsiekeine Besuche der Kandidaten empfangen. Darüber sehr große Aufregung, die sonst den Kandidaten des Präsidiums sehr schaden könnte, wenn die Herren vom Kultusvorstande Männer von — Konsequenz wären. Gemeindeu. Vereinsnachrichten. Wien. (Hundertfünfzig Jahre Chewra Kail i s c Ii a.) Im April d. J. wird die große Wiener Chewra Kadiscba das Jubiläum ihres hundertfünfzigjäJirigen Bestandes begehen. Wie wir erfahren, ist aus Anlaß dieser seltenen Jubelfeier eine Anzahl von dem Wesen der Chewra Kadischa entsprechenden Festlichkeiten und Wohltätigkeitsakten in Aussicht genommen. Die Che w rastide, stets ein glanzvolles gesellschaftliches Ereignis der Wiener Judenschaft, findet diesmal im großen Saale des Neuen Konzerthauses statt. Von den geplanten Wohltätigkeitsakten sei die Schaffung eines jüdischen Erholungsheimes in Baden bei Wien hervorgehoben. Die Chewra Kadisclia hat in Baden ein Haus mit schöner Gartenanlagc erworben und läßt es unter Berücksichtigung der Anforderungen der modernen Hygiene zu einem Erholungsheim adaptieren, in welchem verarmte, kurbedürftige Chcwramitglieder und in weiterer Folge auch arme, kranke Wiener Juden überhaupt zeitweilig Erholung finden sollen. Wir werden über die Einzelheiten des Jubiläums noch berichten. Anläßlich des bevorstehenden hundertfiinfzigjährigen Bestandjubiläums der Chewra Kadischa wäre es wünschenswert, wenn der Chewra Kadischa möglichst viele, im Privatbesitze befindliche, auf ihre Gründung und ihre Wirksamkeit, insbesondere in früheren Jahren, bezughabende Akten, Jahresberichte, Druckschriften usw. zur Verfügung gestellt werden würden. Diesbezügliche Mitteilungen werden an das Bureau der Chewra Kadischa, Wien, 1. Bezirk, Seitenstettergasse 4, erbeten. Wien. (Humanitärer Gesellig, -n n d K r a n k e nl'nterstützungs-Verein der Kolomeaer und D in g e b u n g i n W i e n.) Zugunsten des Huni. Unterstützungs- Vereincs der Kolomeaer und Umgebung in Wien, veranstaltet ein Komitee unter Leitung der Damen: Fr. Dr. Costiner, Fr. Dr. Ebner, Fr. Irma Hecht, Fr. Lina Krüh, Fr. Amiie Schreckinger und Fr. Dr. Zipser, am 15. Februar 1914 im Saale des Cafe P r ü c k e 1, 1. Bezirk, Stubenring, eine D a ni.e n- S o i r e, verbunden mit Vorträgen und Tanzreunion. Karten in beschränkter Anzahl sind erhältlich im Cafe Rembrandt, 2. Bezirk, Untere Augartenstraße 11, im Cafe Adlon, 1. Bezirk, Rotgasse. wie auch bei sämtlichen Komitee- und Ausschußmitgliedern.

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