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Neue Nationalzeitung · 1914-01-23 · Heft 2 (23.1.1914) · p. Seite 14

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 2 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
Seite 14 (sequence 6)
Language
German
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6eite U „Neue &ational-2eitüiigu I. Kauffmann. Isaac Kauffmann führte sein G6£d|ujft zuerst inj bescheidenen Umfang. Seinem Sohn Ignaz liSß er "eineN gute Schulbildung angedeihen und sorgte auch dafür, daß dieser den Buchhandel1 rite'erlernte. Di« Folge davon war, däß ^nach Ignatz ' Kaüffmahn's '"Eintritt in die 'Firma1 'feine ' Aendlerühg-' 'der Geschaftsprinzipfen Vorgenommen' ^iifde. Nun begann für' das Haus;LK;; die Aera^nes fast beispiellosen .'gescbäitlicherf'Erfolges/-dfe-auch'^-n^heute in 'uhvermmieter Kraft waltet. Fast-"alle' 'in •Deutscnfand gebrauchten ' jüdischen Schulbücher, fast alle' Werke' S. R. Hirsch's, üriü: ei!ne.unabsehbare: Fülle v-ou anderen, teils recht bedeutenden jüdischen. Büchern, erschie-nen.än sdneni^.Verlage, -r Ignatz. Kaufmann war eine konzUiante .Natur, Ef : hatte viele. FceHnde. Wenn dereinst, einmal . r<iteGeschichte des; jüdischen . Buchhandels geschrieben .wd,.;xwird, ihm sonder Zweifel .eine Ehrenstelle cfiarin «eingeräumt werden müssen. ' Ein Spaniolen-Kongreß in Toledo? "''Bei dem Kongreß für Handel und Kblönialgeographie, der; jüngst in Barcelona abgehaltenwürde, waren auch eine Anzahl S p a n i o 1 e n. anwesende Die Anwesenheit, dieser, gab dem angesehenen Journalisten Saturnino Ximenes; die Idee ein, dieses Jahr einen allgemeinen Köngreß von, Spaniojen aus allen Teilen der Welt in Toi ed o; einzuberufen: Mm hat gerade an Toledo ztt diesem Zwecke gedacht» weil diese Stadt reich an jüdischen Erinnerungen: ist. Nach Xjrrienes Ansicht würde die Regierung einen derartigen : Kongreß.'in£tallen- Kräften fördern. D4e Feier des Süjälirigen Jubiläums des Vereines zur Verbreitung von Bildung uuter den Juden fand in Petersburg am 22. Dezember statt Der seinerzeit von Baron Horace G ü n zbu r,g und. A* JVL. B r o d,s k i; gegründete Verein hat nun ein- Budget .;yon über 4Q0.00Q Rubel, zählt 32 Provinzabteilungen und unterhält zjrka 25 Lehranstalten und Bibliotheken; Nach einem: voin Rabbiner Dr. -Aisenstadt zelebrierten Gottesdienste faikl eiu-Dejeiuier < und um 2 Uhr nachmittags im kleinen Saale des Konservatoriums .unter Vorsitz des Geheimrates JV\. J. G,a l,p e r i n — eine . Pestsitzung statt. Es wurde mitgeteilt, .daß eine Geschichte des Vereines in zwei Bänden herausgegeben und eine Medaille geprägt werden wird. Die Erben des Barons H. 0. ü ü n z b u r g spendeten dem Lehrerfonds 50.000 RubeL Es wurde eine Reihe von Adressen verlesen, darunter von 13 jüdischen Studentenorganisationen. Insgesamt liefen,zirka 300 Telegramme, ein. : Der internationale Ophthäliuologen-KoiigreB und die jüdischen Aerzte. Im: August soll in Petersburg der internationale OphthaJrhologett-Kongreß tagen* Wie gemeldet wird, hatte, hieftir, der.russische Minister des Innern für die jüdischen Teilnehmer-aus: dem Auslände =P<ißbeIästigiitigen und Auf- , etjthaltsbcsclrräflkimgen angeordnet.Eigenartigerweise waren .diese nur in-den in deutschet-, nicht aber in den in französischer Sprache'verbreiteten -Mitteilungen des Kongreßbureaus - abgedruckt worden.;Diese-yenfügung' des Ministers hat:sofort nach ihrem; Bekanntwerden in den meisten . Kulturländern große Entrüstung,-hervorgerufen. Auf ein von dem Berliner 'Ophthalmologen Gehejmr^t -H ix.sfc h b er g anden Kongreßv^sitzeiKlen gerichtete.s. Schreiben hin hat der Minister mmi inehr die Beschräjikungen-f.üs die jüdischen Kongreßteilnehmer aufgehoben.- Nichtsdestoweniger, ist noch fraglich,,ob der Kongreß ziist4rdekomme.n-,wirdv , ,; - -, .. . Als im; .lalire --; gelegan-tlich des Moskauer inter- , -naü^iaIen; n#d^ den jüdischen Teilneh- •jnern dk bej&nnjten, schikanäseJi .tfaßbescliräntoros-en auferlegt ■ \vurden,-.be(lurfte/,es erst eines Protestes des deutschen Reichs- ■ 4 komitees unter V i r chjo^s, Führung, um die.Aufhebung: der {^Stimmungen zu, erlangen. Genau dasselbe wiederholt sich nun beim Petersburger internationalen Oimthamnlogenkongreß. . Die Paßbeschränkungen traten zuerst wieder in Kraft und wurden dann, nachdem von mehreren Seiten protestiert worden War, zurückgezogen. Gleichwohl erläßt in der neuesten Nunimef' der „Berliner klinischen Wochenschrift" Geheimer Medizinalrat Professor Dr. J. Hirschberg einen Protest, in dem er angesichts deh:$.ek^cligufig, die fürr <djb ^jüdischen Aerzte in der Androhung der Polizeiaufsicht, lag, zum Fernbleiben von dem Kongreß,auffordert. Er schließt seihen Protest mit folgenden Sätzen: „Die so überstürzte, nicht von der Gerechtigkeit diktierte, sondern i dem. ersten mannhafteft' Widerspruch; weichende Zurücknahme der. Beschränkungen, verfehlt ihren Zwecjk: die Beleidigung erscheint dadurch, nur,, um so empfindlicher, da-sie doch als. ganz .unnötig; erwiesen ist,- wenn tatsächlich schon heute wieder die Beschränkung so ganz unentbehrlich; err SChehlt.; ... ... Auf uns verfehlt die Zurücknahme jeglichen Eindruck. :Wjr werden ruhig weiter kämpfen. Wir kämpfen für .eine Idee. Diese wird siegen. . ' Ich hoffe, der 12. internationale Ophthalmologenkongreß wird zu Petersburg 1914 nicht zusammenkommen.'' : Kleine Nachrichten. Wie das „Züricher Israelitische Wochenblatt" berichtet, gehört der neilgewählte Präsident der Schweizer Republik, Dr. Arttir iH off mann, dem Judentum nicht an. — Der zum Lord ernannte Lord-Oberrichter Rufus lsaa.es-hat den Titel Lord Reading gewählt. Er wird bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Bankett des Maccabaean-Klub den Ehrenvorsitz führen. — Der gewesene Oberrabbiner von Algier, Abraham Cohen, ist, 70 Jahre alt,. in Paris gestorben. — Oberkantor Meyer Schorr ist... im 56. Lebensjahre in Wien gestorben. Er war der Öberkantor des polnisch-jüdischen Tempels und Vizepräsident .des Oesterreichisch-ungarischen Kantorenvereines. — Bei dem in Paris anläßlich des 70jährigen Bestandes der Bicnfaistice israelite veranstalteten Bankett führte der Präsident der Deputiertenkammer, Paul I) e s c h a n e 1, den Vorsitz. — Abgeordneter Dr. Strauch er hat sich zur Erholung nach Aegypten begeben. Statistik und Sozialpolitik. Eine Spaltung in der jüdischen Arbeiterschaft von London. Im jüdischen Arbeiterverband hat die Frage der S a bbat r u h e eine Spaltung hervorgerufen. Die Schneider nämlich, die den Sabbat halten, sind aus der allgemeinen Trade¬ Union ausgetreten und haben sich zu einer besonderen Union zusammengeschlossen. Die Ausgetretenen hatten das Verlangen an die jüdische Trade-Union gestellt, daß diese Schritte unternehme, um den Sabbat als öffentlichen Ruhetag der sabbatfeiernden Schneider zur offiziellen Anerkennung-zu bringen. Darob bei der Mehrheit des Verbandes .eine große Entrüstung. Die Mehrheit ist religiösen Meinungen' abhold und verwarf den Antrag der Sabbattreuen. Die Abgewiesenen waren auch ihrerseits prinzipienfest, traten aus der allgemeinen jüdischen Trade-Unio» äiis und inlüeten einen eigenen Verein. Diese Neubildung erregte den ' Mißmut der Führer. Mit Unwillen sehen diese, wie'.ihnen die Zügel der Bewegung ätfs den Händen gleiten. Sie beriefen 'eine Versammlung ein .und setzten auf die Tagesordnung die Frage, welche Stellung der Verband der neuen Selioirire-Sclia'bbos-Uniori gegenüber einnehmen solle. Auf' der Versammlung hielt man die t?ntrüsturigsäusbrüche nicht zurück. Mau 'erklärte die neue Uiiipu als eine Zusammenrottung von zukünftigen Streikbrechern, bezeichnete sie geradezu als Streikfabrik, man; rühmte dagegen die eigene Toleranz;, die man gegenüber^ -allen Meinungen, religiösen und. unreligiösen, geübt hatte und'die eigene Sachlichkeit, mit der man stets dk Arbeiterinteressen allein vertreten habe, ohne die Religion in Betracht zu' ziehen. Die neue Union-wurde mit den Christlichsozialen in Oesterreich auf eine Stufe gestellt und jede Bcrechtigung als T.rade' Union wurde ihr aberkannt.

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