Neue Nationalzeitung
- Journal
- Neue Nationalzeitung
- Volume
- XVI (1914)
- Issue
- Heft 2 (23.1.1914)
- Date
- 1914-01-23
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jieue National-Zeitung" Nr. 2 Zettung" hat, gesprochen, die Mißstände sowie die Sqttidtragehd^i entlarvt üftd soweit möglich, Abhilfe geschaffen!, öder doch ' wenigstens Wiederholungen vprgel}eugt. -, ' ■;*:; ' :jJ.stj,al>i6;.die, Existenz jcfeK/.;;Neueiiv.-NaöohüfI- Zeitung" eine öffentliche Notwendigkeit? : ":- ,f ■ ,i" Und.wemi ja. Warunii ist. jhfi? Existenz, nicht gesichert,. tsön4ei:ri,'bl<jÖ" frön der O^exw-illigkeit ''eines Privatmannes abhängig? Oeiaie-ätese Frage "schreit nach, einer öffentlichen Erört'e^üng^^itlst'Ypn-histor.iseiier fiedeutün£- Zukünftig1 Generationen werden daraus ersehen^ wie. tief derjüdische:Gemeinsinn in dieser ßtadt mit 190.000 Juden /gesunken ist; wie wenig die Qpfer'wiljigkeit geschätzt und wie teuer die. 3ojdschreiber aus: öfferitliehen Mitteln 'bezahlt .werden. Es wird dem Präsidenten dieses Gemeindewesens wenig nützen, daß er seinen Namen durch Neubauten verewigen will, wenn er durch seine feile Presse die Wahrheit totschlägt, das öffentliche Gewissen betäubt, und jenes gekünstelte pkitokratisehe .Wählsystem,.durch welches in deri breiteren Volksschichten jedes öffentliche Interesse erstickt wird, propagiert. So, muß es denn jedem Juden klar werden, daß gerade die leitenden 'Kreise! der Wiener Judengemeinde die geschworenen Feinde einer anständigen, unbestechlichen jüdischen Presse sind. Und wovon soll ein anständiges jüdisches Leben existieren, wenn die breiten jüdischen Kreise für das Judentum kein Interesse haben und die besser situierten Juden, irregeführt von ihren „Führern", nur die pauschalierten Gemeindezeitungen oder — gar keine Zeitungen abonnieren?! So lange solcjie Verhältnisse'-in Wien existieren, .wird es ein schwer zu . bezahlendes Wagnis bleiben, hier ein jüdisches Blatt herauszugeben, welches nicht , eirief Partei, nicht " privater Eitelkeit, sondern dem öffentlichen Wohle dienen würde. 1 ' Und dennoch erscheint dieses Blatt als ein Kristallisatiönspünkt für alle jene Elemente, welche eine Sanierung der unleidlichen und unhaltbaren Verhältnisse im jüdischen Gemeindewesen von Wien anstreben. Und wer da. glaubt und glauben machen will, daß der Kampf So:bald aufgegeben werden Wird, der täuscht' sich. Er wird jetzt noch flotter ' vonstatten gehen.' : Das''hielten wir.für notwendig, offen zu sagen: unseren Freunden und auch unseren —- Feinden. 1 Von da und dort. General P i c q u a.r t wird auf Staatskosten gegraben werden, piese höchste Ehre,, die die französische Nation einem,-Manne im Tode zu erweisen beschlossen hat, gilt einem Offizier, der im September. 1898 schimpflich au*> der . Armee:; ausgestoßen wurde. Sein Verbrephen war damals, daß er für die Unschuld des-Kapitän Dreyius eintrat, trotzdem dieser ein .Jude warr.'und, die Schurkereien. hoch- Stehender Offiziere entlaryte, obgleich sie unverfälschte Arier ,yon waschechter klerikalerGesinnung waren. Picquart hatte,;im Dienste-der Wahrheit, um einen Unschuldigen "zu retten, den er. persönlich nicht gekannt, Ehre und Lebeii"in die Schanze geschlagen und war schließlich, als Sieger'aus dem Kampfe hervorgegangen. ' Größere'sV zum Ruhme eines Mannes kann nicht gesagt werden, als was der Kriegsminister N o u 1 e n s in seiner Begründung des Antrages,. Picquart auf Staatskosten zu begraben, ausführte: „er habe, in einer schweren Stunde das nationale Gewissen zum Ausdruck gebracht." :; \.. ■ * * ■ ■> ■ ■ Das nationale; Gewissen! Wer weil^'n^i^idil. es sich in .dem ,P roz'eß D r e y fus.,nicht, därurit handelte, einen Offizier, ,<jer zufällig'Jüide. war, zu verderben, sondern in'seiner Person das ganze Judentum auf den Pranger zu stellen?' Wer .weiß nicht,; daß es. sich bei-uns in Oesterreich, in der Af- •f ä r e Ii i 1 s n e r nicht um ein armes, unglückseliges Individuum, sondern um die Ehre des Judentums handelt, das man mit ihm auf die Anklagebank .zerrte und auch — verurteilte? Aber wo ist bei uns das „nationale Gewissen", das sich nicht bei dem Gedanken beruhigen kann, daß ein Unschuldiger im Gefängnis schmachten muß, damit das Judentum nicht von einer schändlichen, schurkischen Verleumdung befreit, damit die Verkünder und Verbreiter dieser Verleumdung nicht als entlarvte Lügner dastehen? Es wäre ein argesUnrecht, wenn wir leugnen wollten, daß sich auch in Österreich Männer gefunden, die — gleich den Zola, Picquart, Scheurer-Kestner, Pressense etc. etc. in Frankreich — für die Wahrheit eintraten, obgleich es sich um die Sache eines Juden handelte. Aber es scheint, daß bei uns das „nationale Gewissen" viel schwerer aus seinem Schlummer zu erwecken ist... Aber vielleicht sollte man doch lauter schreien? * * * Picquard wird ein Begräbnis auf Staatskosten erhalten, trotz der wütenden Opposition der Antisemiten. Bei uns wären die Antisemiten entzückt, wenn der arme H i 1 s n e r selbst schon auf Staatskosten begraben werden könnte. Sie wollten doch auch, daß er nu r auf Staatskosten —- lebe ... B e j I i s hat Rußland verlassen, da er seines Lebens nicht sicher war, trotzdem russische Richter ihn freigesprochen, trotzdem sie seine Unschuld anerkannt hatten. Aber freilich, wer wird es nicht begreifen, daß die überzeugtesten Antisemiten gerade das dem BejMs am wenigsten verzeihen könnten ... Das ist ja die allerniederträchtigste, „echt jüdische" Tücke der „Ritualmörder", daß vor Gericht immer ihre Unschuld an den Tag kommt und ihre Ankläger entweder als Idioten oder Böswillige erscheinen, wenn nicht als beides zugleich. Sir Rufus Isaacs, der kürzlich Lord-Obeiv richter von England' wurde, äst:.nunmehr von der Regierung auch zürn Peer von England ernannt worden1. Sir Rufus Isaacs ist als Lord-Obei:richter,.das hfätfpt des Richterstandes, der in keinem Staatender Welt ein solches'Ansehen genießt wie in England, und dieser Jude hatte, um würdig dieser hohen Würde zu erscheinen nicht nötig,■> seinen kompromittierend jüdischen Namen und;seine Religion zu verleugnen. Aridere Länder, andere Sitten. Es •gibt in' Europa auch sogenante Kulturstaten, wo die Taufe '"Ms die unerläßliche Vorbedingung! zur Erreichung höher Staatswürden gilt. Also wenn Länder, in denen nach Heine's Ansicht über die Taufe zu Karriere-