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Neue Nationalzeitung · 1914-01-23 · Heft 2 (23.1.1914) · page 1

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Journal
Neue Nationalzeitung
Volume
XVI (1914)
Issue
Heft 2 (23.1.1914)
Date
1914-01-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
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roWL-ZEiOING RSRisusügBE«: orsJUANöisu:: XVI. Jahrgang. Wien, 23. Jänner 1914. Nr. 2. Die jüdische Presse und die Juden. Aufrichtige Freunde und treue langjährige Anhänger unseres Blattes haben uns in Zuschriften daraus einen Vorwurf gemacht, daß wir in der ersten Nummer dieses Jahrganges so unverblümt die materiellen Schwierigkeiten und die schwachen Erfolge unserer publizistischen Tätigkeit vor der Oeffentli' hker dargelegt haben. Die Herren, die von Wohlwollen für uns beseelt sind, meinen, daß wir dadurch unserer Sache schaden und den Nachdruck unseres Auftretens, . respektive Einfluß unseres Blattes schwächen. Die gutgemeinten, aber bei näherer Betrachtung unzutreffenden Ratschläge hochachtbarer Männer können wir nicht unerwidert, geschweige denn iinwiderlegt lassen. Und wenn wir dies an dieser Stelle, vor der jüdischen Oeffentlichkeit, tun* so sei dies ein neuerlicher Beweis, daß wir nichts zu verheimlichen .haben, daß die „Neue National-Zeitung" wohl Privateigentum, aber nicht Privatunternehmen ist,, daß sie lediglich dein allgemeinen Wohle der jüdischen Bevölkerung zu dienen bestimmt ist und daß daher über ihre 'Existenzberechtigung öffentlich diskutiert werden kann. Die Fragen, warum die „Neue National-Zeitung" hur unter schweren jahrelangen Opfern eines Privatmannes erhalten werden kann und ob ihre Existenz überhaupt eine Notwendigkeit ist, .sind von weitgehendster syptomatischer Bedeutung für das politische und das soziale Leben der Judensehaft. ■Denn, die „Neue National-Zeitung" ist hier nichts •anderes, als das Symbol eines unabhängige n, u n b e s t e c Ii 1 i c h e n, 1 e d i g i i c h d e n Volksinteresse.ii dienenden Blattes! Ist ein solches Blatt in Wien notwendig? Wer könnte es bezweifeln? Stehen doch die jüdischen Blätter..entweder im Solde der Kultusgeineinde oder im Dienste.der zionistischen Partei! Sie sind Parteiblätter. Sie schreiben nur, was ihnen befohlen und verschweigen, was ihnen unangenehm ist. ■ Sie dienen dem Präses der Kultusgemeinde öder ihrer Partei,, denn ihnen sind sie Rechenschaft schuldig. Entstellt zwischen ihren Dienstgebern und der jüdischen Allgemeinheit eine Kollision, dann können diese Blätter nicht einmal wählen, sie müssen „Rücksicht nehmen" und haben bloß zu gehorchen. - Greifen wir bloß einige größere Aktionen der „Neuen National-Zeitung" in den letzten Jahren heraus: Ein Wiener Gemeinderabbiner nimmt eine Trauung vor zwischen einem Manne und der Schwester seiner noch lebenden geschiedenen Frau, was die Bibel als Blutschande ansieht. Die zionistische Partei schlägt einen Mann aus ihrer Mitte als Kompromiß-Kandidaten für ein Kultusmandat vor, der seinen Sohn nicht beschneiden ließ. Ein armer 'jüdischer Arbeiter wird im Rothschild-Spital nicht aufgenommen, weil er nicht früher dem Primarius 20-Kronen für eine Visite bezahlt hat. Das Kuratorium der Dr. Rappaport-Stiftung dieser einzigen jüdischen wissenschaftlichen Stiftung in Wien, vergibt einen namhaften Preis an einen Rabbiner, dessen Schwiegervater dem Kuratorium angehört und die Preisausschreibungen beeinflußt. Der Abgeordnete des jüdischen Kaiviertels und Vizepräsident der „Allianz1' hat es abgelehnt, für die Interessen der jüdischen Kaufleute gegenüber den Paßschwierigkeiten in Rußland aufzutreten, weil er „keine jüdischen Interessen kenne." In allen diesen Fällen haben die anderen jüdischen Blätter geschwiegen; nur die „Neue National- Dieser Nummer liegt das Inhalts-Verzefchnis des Jahrganges 1013 bei. "*a

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